Bikinifigur

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junge Frauen mit Bikinifigur beim Boryeong Mud Festival 2008

Bikinifigur (auch Bikini-Figur, Bikinikörper, Strandfigur) als Bezeichnung für ein Schönheitsideal ist ein Schlagwort, das vorwiegend in Lifestyle- und Fitness-Magazinen, Frauenzeitschriften und Boulevardzeitungen in Artikeln über Fitnesstraining und Diäten zur Gewichtsreduktion verwendet wird.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Englischen treten die Begriffe bikini shape und bikini body (alternativ auch beach body) ab den 1970er Jahren in der Werbung auf.[1] In der Modegeschichte des 20. Jahrhunderts verändert sich die Idealfigur für weibliche Badebekleidung entsprechend der modischen Trends. In den 1950er und anfänglichen 1960er Jahren dominieren Bikini-Schnitte mit hohen Taillen, elastisch verstärkten Baucheinsätzen, so dass als Schönheitsideal - verkörpert von zahlreichen Pin-up-Girls - die sogenannte Uhr- oder Stundenglasfigur galt. In Europa trug ein medial weit beachteter Auftritt von Brigitte Bardot beim Filmfestival in Cannes 1953 zur Popularisierung des Bikinis bei.[2] Durch die Veränderung der Bikinischnitte und die Zunahme der gesellschaftlichen Akzeptanz des Bikinis veränderte sich auch das Schönheitsideal der Strandfigur. In den 1960er Jahren beherrschte ein extrem androgyner, überschlanker Look, verkörpert durch das Modell Twiggy ("dünner Zweig") die Idealvorstellungen. Beginnend in den 1980er Jahren, ausgelöst durch den aufkommenden Fitnessboom veränderten sich die Schnitte der Bikinis, um die muskulös ausgeformten Körper besser zur Geltung zu bringen. Kultfigur des Idealtyps wurde durch Jane Fonda verkörpert. Insbesondere hohe Beinausschnitte und die minimalistische Verwendung von Stoff war ein Kennzeichen dieser Epoche.[3] Im 21. Jahrhundert wird das Schönheitsideal durch die überschlanken Size Zero-Modells verkörpert.[4]

Im Deutschen wird Bikinikörper (im Zusammenhang mit Warenhauskatalogen und Männerzeitschriften) 1979 thematisiert,[5] Bikinifigur hat eine frühe Erwähnung 1980 in der Burda-Zeitschrift Bunte in Kommentaren zur kosmetischen Chirurgie.[6] 1974 wird ein Werk der Künstlerin Vally Wieselthier als kokett-frivole Darstellung als Strandfigur eines halbverhüllten Mädchenaktes umschrieben;[7] 1980 wird es als Synonym zu Bikinifigur gefunden: „der dufte sitzende Bikini kleidet gut die Strandfigur“.[8]

Die heutige journalistische Verwendung findet sich vorwiegend in Lifestyle- und Fitness-Magazinen (sowie in Blogs zu diesen Themen), Frauenzeitschriften und Boulevardzeitungen besonders in den Frühlingsmonaten im Zusammenhang mit Fitnesstraining und Diäten zur schnellen Gewichtsreduktion; in der medizinischen Fachliteratur wird der Begriff nicht verwendet.

Belegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medial wird der Begriff Bikinifigur mit „ideal“,[9] „perfekt“,[10][11] „erstrebenswert“,[12] „sexy“,[13] „gewünscht“[14] und ähnlichen Adjektiven positiv belegt.

Als männliches Gegenstück der beworbenen Bikinifigur wird gelegentlich der Begriff Badehosenfigur verwendet.[15]

Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die sommerliche Badesaison (umgangssprachlich auch „Bikini-Saison“) zeitlich begrenzt ist, wird bereits im Frühjahr in den Medien auf das Erreichen einer Bikinifigur hingewiesen. Dabei wird der effektive,[16] schnellste,[17] beste[18] „Weg zur Bikinifigur“ hauptsächlich durch Diäten oder Fitnessübungen über sehr kurze Zeiträume – meist zwei bis vier Wochen – in Aussicht gestellt. In Übertreibung kann es zu Formulierungen wie „Bikini-Notfall-Plan“[19] kommen. Der Wunschtraum[11] nach einer Bikinifigur mit „flachem Bauch, straffen Beine[n] und einem festen Po“ wird dabei mit dem Verschwindenlassen von „Speckröllchen“/„Speckschichten“ in „Problemzonen“ verbunden.[20]

Kritik an der medialen Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In gleicher Weise wird die „Sehnsucht nach der Bikinifigur“[21] von Herstellern von rezeptfreien Nahrungsergänzungsmitteln (Sättigungskapseln, Fatburner, Fett- und Kohlenhydratblocker etc.) mit Vorher-nachher-Bildern hervorgerufen, obwohl Untersuchungen ergeben haben, dass solche Mittel kaum zum Abspecken taugen.[22]

Während eine saisonübergreifende und bewusst gesunde, ausgewogene Ernährung (mit wenig Zucker und Fett) und eine regelmäßige körperliche Betätigung dem Wohlbefinden und Aussehen zuträglich sind, kann die mediale Forderung nach einer kurzfristig zu erreichenden Bikinifigur mit „perfekten Maßen“ und Präsentierbarkeit des Körpers in der Bikini-Saison besonders bei Jugendlichen bis hin zu Essstörungen führen: „Wenn im Frühjahr die Fotos mit Bikinis in die Zeitschriften kommen, steigt bei vielen der Angstpegel, dass man sich so zeigen müsste.“[23][24] Auch von Medizinern wird auf die Hinterfragung des medialen „Trugbildes“ Bikinifigur gelegentlich hingewiesen.[25]

Der Vergleich mit der medial propagierten Idealfigur führt insbesondere bei jungen Frauen häufig zu einer negativen Selbstwahrnehmung, die sich in depressiven Grundstimmungen, Versagensängsten, Rückzug vom sozialen Leben, Hilflosigkeit und Frustrationen äußert.[26] Ausdruck dieses, teilweise übersteigten Strebens nach der idealen Bikinifigur sind neben Essstörungen unter anderem ein übertriebener Sport- und Fitnesswahn (Anorexia athletica), zahlreiche, kurz aufeinanderfolgende Diäten, Missbrauch von Laxativa und Anorektika sowie ein Anstieg der kosmetischen Operationen im jugendlichen und postadoleszenten Alter.[27]

Eine Werbekampagne eines Herstellers von eiweißhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln in der Londoner U-Bahn, die ein schlankes Model mit der Frage "Are you beach body ready?" (etwa: "Bist Du Strandfigur-bereit?") zeigte, führte zu massiven Protesten. So wurden die Plakate von Passanten kommentiert oder verändert, z. B. in #each bodys ready ("Jeder ist bereit"). Reagierend auf diesen "Vandalismus" sowie auf Proteste bei Facebook und Twitter, in denen die Werbung als sexistisch und diskriminierend bezeichnet worden war, sagte der Marketingchef des Unternehmens, dass viele ihrer Kundinnen genau diese Art von Bildern sehen wollten und dass es darum ginge, "zu motivieren".[28]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. New York Media, LLC: New York Magazine. New York Media, LLC, 15. Juni 1970, S. 68: „Unconvinced? Then call today for a free unharried visit. If we can't put you in bikini shape we'll hang up our leotards.“, ISSN 0028-7369.
  2. 1950-1961 Ferienmode. In: Mode. 3000 Jahre Kostüme, Trends, Stile, Designer. Dorling-Kindersley, München 2013, ISBN 978-3-8310-2389-9, S. 336 f.
  3. 1985-2010 Fitness macht Mode. In: Mode. 3000 Jahre Kostüme, Trends, Stile, Designer. Dorling-Kindersley, München 2013, ISBN 978-3-8310-2389-9, S. 388 f.
  4. Veronika Rauchensteiner: Essstörungen im Sport: Körperkult - Schlankheitswahn - Anorexia athletica. Diplomica, Hamburg 2013, ISBN 978-3-8428-8909-5, S. 13 ff.
  5. Hans-Ulrich Müller-Schwefe: Männersachen: Verständigungstexte. Suhrkamp, 1979.
  6. Bunte. Burda, März 1980.
  7. Waltraud Neuwirth: Porzellan aus Wien: Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten. Jugend & Volk, 1974, ISBN 978-3-7141-6084-0.
  8. Muttersprache. Gesellschaft für deutsche Sprache, 1980.
  9. Sven-David Müller-Nothmann: Die Turbo-Bikinidiät: Fit für den Strand. Schlütersche, 2008, ISBN 978-3-89993-550-9, S. 23.
  10. Zwei Wege zur perfekten Bikinifigur, www.prosieben.de, 19. Juni 2009; abgerufen am 5. Februar 2015.
  11. a b Stephanie Krois: In 4 Wochen zur Bikinifigur, Woman, 10. Mai 2013; abgerufen am 5. Februar 2015.
  12. Christina Heiduck und Marco Herbsleb: Jenaer Experte erklärt wie man dem Winterspeck zu Leibe rückt, Ostthüringer Zeitung, 29. April 2012.
  13. Mit Bauchmuskeltraining zur Bikinifigur - Bauchmuskeln trainieren, Women's Health; abgerufen am 6. Februar 2015.
  14. Sarina Jasch: Tipps für Jogginganfänger, 7. Mai 2013; abgerufen am 6. Februar 2015.
  15. Steffen Fründt: Die Firma mit dem millionenteuren Mops-Spot, Die Welt, 22. Juni 2013; abgerufen am 15. März 2015.
  16. Mit nur 5 Übungen schnell noch zur Bikinifigur, Heute, 16. Mai 2012; abgerufen am 5. März 2015.
  17. Der schnellste Weg zur Bikinifigur, Freundin, 2. Mai 2014; abgerufen am 5. März 2015.
  18. Der beste Weg zur Bikinifigur, t-online, 23. November 2007; abgerufen am 5. März 2015.
  19. Die 24-Stunden-Diät, Freundin, 26. Juli 2013.
  20. So werden Sie fit für die Bikini-Saison, t-online, 15. Mai 2013.
  21. Schlankheitsmittel - schnelle Gewinne, www.konsument.at, Ausgabe 4, 2000.
  22. Stiftung Warentest Schlankheitsmittel taugen kaum beim Abspecken, Stern, 30. Januar 2014; abgerufen am 6. Februar 2015.
  23. Anette Le Riche: Bikini-Figur: Sommer-Crash-Diäten gefährden Jugendliche, Spiegel Online, 12. Juli 2013.
  24. Adelheid Müller-Lissner: Der Mythos von der schnellen Bikinifigur, Die Zeit, 31. Mai 2012; abgerufen am 6. Februar 2015.
  25. Der Fahrplan zur Bikini-Figur, Interview mit Dr. A. Moosburger, 5. Januar 2010
  26. Martin-Franz Hanko: Schönheit im Zeitalter der Massenmedien. In: Andreas Hergovich: Psychologie der Schönheit: physische Attraktivität aus wissenschaftlicher Perspektive. Facultas, Wien 2002, ISBN 978-3-8511-4705-6, S. 147 ff.
  27. Veronika Rauchensteiner: Essstörungen im Sport: Körperkult - Schlankheitswahn - Anorexia athletica. Diplomica, Hamburg 2013, ISBN 978-3-8428-8909-5
  28. Protest gegen sexistische Werbung: "Jeder hat eine Strandfigur". In: Spiegel Online. 27. April 2015, abgerufen am 10. Juni 2018.