Bleilaus

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Setzkasten mit Bleilettern und Winkelhaken
Setzschiff, Beispiel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Bleilaus (Plural Bleiläuse) ist ein Berufsscherz über ein nicht existierendes Lebewesen, der im Brauchtum des Druckwesens vorkam.[1] Als Bleiläuse bezeichneten sich außerdem scherzhaft Fachkräfte der Druckindustrie, die den Beruf des Schriftsetzers gelernt hatten.

Der Brauch wurde in Setzereien ausgeübt, in denen mit Bleisatz gearbeitet wurde.[2] Nachdem der Beruf des Mediengestalters Digital und Print die Ausbildung zum Schriftsetzer ablöste, starb der Brauch aus.

Er diente dazu, Neulingen und Auszubildenden einen Streich zu spielen, wie dies auch in anderen Handwerksberufen geschieht. Angehende Schriftsetzer und Auszubildende verwandter Berufe wie Drucker wurden Opfer des Schabernacks von älteren Kollegen mit Berufserfahrung. Er fand meist in der Mettage statt.[3]

Dazu wurde auf einem Setzschiff, auf dem der Setzer üblicherweise entweder den Satz aus dem Winkelhaken oder gegossene Zeilen aus einer Setzmaschine ablegte, Wasser ausgegossen. Ältere und jüngere Kollegen warteten dann gemeinsam darauf, dass dort Bleiläuse erschienen. Nach wenigen Augenblicken waren sie angeblich für alle sichtbar, nur nicht für den Neuling. Er wurde dazu angehalten, ganz genau hinzusehen und näherte sich mit dem Gesicht immer mehr dem Schiff oder dem Winkelhaken. Das nutzte ein älterer Kollege, um die Stege auf dem Setzschiff oder den Winkelhaken zusammenzuschieben, worauf das Wasser dem Opfer des Streichs ins Gesicht spritzte.

Vereinzelt führten Schriftsetzer Bleiläuse als Sympathiebeweis auch Berufsfremden vor, wie zum Beispiel Redaktionsvolontären in Zeitungsverlagen, um den Sinn für Humor der angehenden Journalisten auf die Probe zu stellen.

Als Anekdote ist die Bleilaus weiterhin in den Drucklexika erwähnt, und zwar als Bestand „praktisch jeder Setzerei, die noch Bleisatz besitzt“.[4] Sie wahrzunehmen sei schwierig, sie soll nur „bei genauer Betrachtung der Bleilettern aus nächster Nähe beobachtbar sein“.[5]

Weblinks und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Grisar: April, April – allerlei Berufsscherze. Veröffentlichung vom 25. März 1950 (PDF-Datei; 720 kB)
  2. Gunter Mehner: Egal ob Drucker oder Setzer: Bleiläuse lernten alle kennen
  3. Gutenbergs Vermächtnis auf Geocaching.com
  4. Bleiläuse im Drucklexikon der Erdnuß Druck GmbH
  5. Bleiläuse im Glossar der A. Ollig GmbH & Co. KG