Bluhm’sche Massentheorie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Wie lautet die Theorie inhaltlich? Welche Arbeitsweise lässt den Schluss zu, dass in 3 Unterausschüssen organisiert wurde, der Sprachstil, die unterschiedliche Gewichtung der Themen für die Relevanz der Gestaltung des Lebensalltags des 6. Jahrhunderts oder was?
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Die Bluhm'sche Massentheorie wurde von Friedrich Bluhme in seinem Aufsatz „Die Ordnung der Fragmente in den Pandectentiteln“ 1818 begründet.[1] Sie beschreibt zum einen den Aufbau der Digesten, insbesondere die Anordnung der leges in den einzelnen Titeln; zum anderen bietet sie einen Erklärungsansatz für die Frage, wie die Juristen des Kaisers Justinian bei der Erstellung der Digesten gearbeitet haben.

Kompilation von 530 n. Chr.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Ende des Jahres 530 erteilte Justinian dem Juristen Tribonian den Auftrag, eine Kommission zu bilden um das klassische Recht in einem Sammelwerk zu vereinen. Sechs Komissionäre und elf weitere Rechtsgelehrte erhielten unter Federführung Tribonians freie Hand, alle Texte der (Vor-)Klassik heranzuziehen, um eine von ihnen bearbeitete und angepasste Auswahl zu schaffen, die als die Digesten eine der Kompilationen Justinians bilden würden. Auf ein Zwanzigstel bearbeitet und reduziert, wurden 9142 Exzerpte (430 Sachtitel) von 39 Juristen auf 50 Bücher (libri) verteilt und in Anlehnung an klassische Werktitel als Digesten beziehungsweise Pandekten zusammengesammelt.[2] Hierüber gab Tribonian selbst bereits Auskunft.

Die Feststellungen Bluhmes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bluhme will aus der Anordnung der Stoffe des Werkes erschlossen haben, dass drei Unterausschüsse gebildet worden sein mussten, die sich jeweils mit einem bestimmten Teil der Lektüre der Urtexte beschäftigt haben und nach Auswahl zusammenstellten.[2] Die jeweiligen redaktionellen Bearbeitungen der Papiermassen wurden sodann hintereinandergestellt. Nachdem er festgestellt, dass die Abfolge der Fragmente in den Digestentiteln D. 50,16 (De verborum significatione – Über die Bedeutung der Wörter) und D. 50,17 (De diversis regulis iuris antiqui – Von alten Rechtsregeln) bestimmten Regeln folgten und innerhalb der einzelnen Digestentitel die Exzerpte aus bestimmten Gruppen klassischer Juristenschriften beieinander standen, bemühte er sich um eine Erklärung dafür:

  1. Die 1. Gruppe umfasst hauptsächlich Ausschnitte aus Kommentarwerken der spätklassischen Autoren zum ius civile, die libri ad Sabinum des Ulpian und des Paulus; man nennt diese Gruppe daher "Sabinusmasse".
  2. Die 2. Gruppe, die sogenannte "Ediktsmasse", beinhaltet im Kern Auszüge aus den Ediktskommentaren (libri ad edictum) der Hoch- und Spätklassiker.
  3. Die 3. Gruppe schart sich um die Responsen und Quästionensammlungen des Papinian, des Paulus und des Ulpian, Bestandteile der römisch-klassischen Problemliteratur, wobei die Papinianfragmente zumeist den Anfang bilden, weshalb die Bezeichnung der "Papinianmasse" resultiert.
  4. In manchen Titeln erscheint eine kleine 4. Gruppe (sog. Appendixmasse) aus Werken verschiedenen Charakters. Die zugrundeliegende Literatur wurde auf die Sachbücher verteilt, weil sie erst nach Beginn der redaktionellen Arbeiten zugänglich wurde.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft, 4. Band, 1820, S. 257–472; wiederveröffentlicht in der italienischen Zeitschrift Labeo 6, 1960, 50 ff.
  2. a b c Herbert Hausmaninger, Walter Selb: Römisches Privatrecht, Böhlau, Wien 1981 (9. Aufl. 2001) (Böhlau-Studien-Bücher) ISBN 3-205-07171-9, S. 52–56 (S. 52 f.)