Papinian

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Statue des Papinianus

Aemilius Papinianus (kurz Papinian; * 142; † 212) war ein römischer Jurist unter Kaiser Septimius Severus. Seine genaue Herkunft ist unklar. Er wurde, so nach dem Stand der Forschung, entweder in der Provinz Syria oder in Africa geboren. Papinian und Severus waren beide Schüler von Quintus Cervidius Scaevola gewesen. Der Jurist soll vielleicht auch durch die zweite Frau des Severus, Julia Domna, mit diesem verschwägert gewesen sein.[1]

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papinian begann seine Karriere als ein advocatus fisci (Anwalt des Fiscus),[2] worauf er im September 194, einige Monate nachdem der römische Gegenkaiser Pescennius Niger bezwungen war, die Leitung der kaiserlichen Libellkanzlei (a libellis) übernahm. Hier war er für die juristisch, ausformulierten Antwortschreiben des Kaisers zuständig, die auf die Anfragen von Bürgern an den Regenten in Form von Rechtsbescheiden verfasst und erlassen wurden.

Entweder im Jahr 203 oder aber spätestens im Frühjahr 205, nach dem Fall des praefectus praetorio Plautian, wurde Papinian, dem erstrangigen Quintus Maecius Laetus nachgeordnet, zum zweiten Prätorianerpräfekten ernannt.[3]

Verhältnis zu Severus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem aus der Historia Augusta erhaltenen Nachruf auf Caracalla ist zu entnehmen, dass zwischen Papinian und Severus eine enge Freundschaft bestanden hatte.[4] Der Kaiser schätzte den juristischen Sachverstand und Rat seines Freundes, aber vor allem dessen uneingeschränkte Loyalität. So soll der bereits durch Krankheit schwer gezeichnete Kaiser in Eboracum seinen Sohn Caracalla aufgefordert haben, nachdem dieser seinem Vater offensichtlich nach dem Leben getrachtet hatte, ihn mit einem dargebotenen Schwert zu töten. Falls er sich dazu nicht in der Lage sähe, sollte er den anwesenden Prätorianerpräfekten Papinian mit dem Schwertsreich beauftragen.[5]

Severus, der sich der bedrohlichen Rivalität seiner Söhne Caracalla und Geta bewusst war, bat Papinian kurz vor seinem Tod sich vermittelnd den beiden Nachfolgern anzunehmen.[6] Dieser versuchte vergeblich, zwischen den Erben Frieden zu halten. Caracalla ließ Ende 211 erst Geta und wenig später dessen Freunde ermorden.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papinian wurde von Caracalla, nach dem Tod des Kaisers, um das Jahr 211/212 vom Posten des Prätorianerpräfekten enthoben. [7]

Aufgrund der Kontinuität beließ der Brudermörder Caracalla den angesehenen Juristen Papinian in seiner rechtsberatenden Position. Er forderte den Juristen auf, die Liquidierung seines Bruders Geta vor dem Volk und dem römischen Senat als einen Akt staatsrechtlicher Notwehr zu legalisieren.

Papinian weigerte sich jedoch, der Aufforderung nachzukommen. Die Details werden verschieden berichtet und wurden mit vielleicht überzeichnenden Ausschmückungen versehen.[8] Die aus der Weigerung des Papinianus folgende Konsequenz war, dass auf Initiative oder zu mindestens mit der Billigung des neuen Kaisers Caracalla ein Militärprozess wegen Hochverrats, ausgehend von unzufriedenen Prätorianern, gegen Papinianus eingeleitet wurde. Der Jurist, der an die Prätorianer folgende Worte gerichtet haben soll,

Ich herrsche zu eurem, nicht zu meinem Wohl, und daher beuge ich mich euch sowohl als Anklägern als auch als Richtern“,[9]

wurde im Jahr 212 hingerichtet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl sein Werk verglichen mit anderen Juristen wie Ulpian, der als Assessor bei ihm tätig war, oder Iulius Paulus nicht umfangreich war, hatte er großen Einfluss. Das Zitiergesetz (in Kraft gesetzt 426) legte fest, dass, wenn es keine Mehrheit von Rechtsquellen (von ihm, Ulpian, Iulius Paulus, Herennius Modestinus und Gaius) für oder gegen eine Entscheidung oder Auslegung gab, sich die Seite durchsetzen sollte, die Papinian vertrat.[10]

Seine Hauptwerke sind Quaestiones in 37 Büchern (geschrieben vor 198), Responsa (geschrieben zwischen 204 und seinem Tod), Definitiones und De adulteriis. Der deutsche Barockdichter Andreas Gryphius hat Papinians Tod in seinem Trauerspiel Grossmütiger Rechtsgelehrter oder sterbender Aemilius Paulus Papinianus behandelt.

Die spätantike Nachwelt hat den neutral, scharfsinnig und ethisch argumentierenden Aemilius Papinianus, dessen Rechtsprechung im römischen Rechtswesen lange nachwirkte, als den größten römischen Juristen gewürdigt.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Detlef Liebs: Hofjuristen der römischen Kaiser bis Justinian. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, München 2010, C. H. Beck, ISBN 978-3-7696-1654-5, Papinian
  • Detlef Liebs: Aemilius Papinianus. In: Klaus Sallmann (Hrsg.): Die Literatur des Umbruchs. Von der römischen zur christlichen Literatur, 117 bis 284 n. Chr. (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike, Band 4). C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-39020-X, S. 117–123
  • Amalia Sicari: Leges venditionis. Uno studio sul pensiero giuridico di Papiniano. Cacucci, Bari 1996.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historia Augusta 13,8,2 (englische Übersetzung)
  2. Historia Augusta 13,8,3 (engl. Übersetzung)
  3. CIL 06, 228
  4. Historia Augusta 13,8,2.3 (engl. Übersetzung)
  5. Cassius Dio 77,14,5f. (engl. Übersetzung)
  6. Historia Augusta 13,8,3 (engl. Übersetzung)
  7. Cassius Dio 78,1,1 (engl. Übersetzung)
  8. Historia Augusta 13,8,5 (engl. Übersetzung)
  9. Cassius Dio 78,4,1a (engl. Übersetzung)
  10. Codex Theodosianus 1,4,3, Guido Pfeifer, Gliederung zur Vorlesung Einführung in die Rechtsgeschichte: Römisches Recht III – Das justinianische Gesetzgebungswerk – Das sog. Zitiergesetz vom Jahre 426 (PDF)
  11. Historia Augusta 10,21,8 (engl. Übersetzung)