Bohnenländer See

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Bohnenländer See
Der Bohnenländer See von Osten nach Nordwest gesehen.
Der Bohnenländer See von Osten nach Nordwest gesehen.
Geographische Lage Brandenburg an der Havel, Brandenburg, Deutschland
Abfluss zum Eisengraben
Daten
Koordinaten 52° 27′ 40″ N, 12° 30′ 0″ OKoordinaten: 52° 27′ 40″ N, 12° 30′ 0″ O
Bohnenländer See (Brandenburg)
Bohnenländer See
Fläche 0,143 km²f5
Länge 1,1 kmf6
Breite 0,15 kmf7
Maximale Tiefe 2 mf10
Mittlere Tiefe 1,2 mf11

Der Bohnenländer See befindet sich zwei Kilometer nordnordöstlich des Gördensees oder Zummels in Brandenburg an der Havel und hat über den Eisengraben einen angelegten Abfluss in die Havel. Er ist wie sein südlicher Nachbar ein reiner Waldsee. Der See bedeckt eine Fläche von rund 14,3 Hektar und hat eine maximale Wassertiefe von zwei Metern. Er erstreckt sich 1,1 km von Nord nach Süd und in seiner breitesten Ausdehnung von Ost nach West 150 m.[1]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte bohnenalandrinne.svg

Der Bohnenländer See ist Teil einer während der letzten, der Weichselkaltzeit geformten, südlich des Gallbergs und Schwarzen Bergs beginnenden, über weite Bereiche trocken gefallenen glaziale Rinne.[2] Diese verläuft vom südlichen Ende des Marzahner Gletscherzungenbeckens beziehungsweise des Marzahner Fenns bis zum Quenzsee nach Süden und lässt sich in der Topografie der Landschaft gut verfolgen.[3] Es handelt sich dabei um die Bohnenland-Görden-Rinne, in der neben dem Bohnenländer auch der Gördensee liegt. Sie verläuft parallel zur Beetzseerinne im Osten und einer weiteren Rinne im Westen, in der heute die Havel fließt. Wie der Gördensee wird auch der Bohnenländer See aus Grundwasservorkommen gespeist. Wie sein südlicher Nachbar ist er von einem ausgeprägten Verlandungsprozess betroffen. Ursache für die zunehmende Verlandung ist die Anlage eines Abflusses, des Eisengrabens, wodurch der See unnatürlich an Wasser verliert.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Bohnenländer See leitet sich vom Vorwerk Bohnenland ab, das die Altstadt Brandenburg vor 1684 auf der wüsten Feldmark Görne anlegte. Offensichtlich wurden dort vermehrt Bohnen gezogen, sodass in einer Urkunde von 1684 von einem „Vorwergk Bohnen Land“ gesprochen wird.[1][4] Seit dem 20. Jahrhundert ist Bohnenland ein Wohnplatz der Stadt Brandenburg an der Havel.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bohnenländer See wird gemeinsam mit seiner waldreichen Umgebung als Naherholungsgebiet genutzt. Der beinahe durchgehende dichte Schilfgürtel lässt es nur an sehr wenigen Stellen zu, die Wasserfläche zu erreichen. Ein Wanderpfad von 3,3 Kilometern Länge umrundet den See. Während das westliche Ufer flach in das umgebende Gelände ausläuft, erhebt sich die östliche Uferböschung bis zu sechs Metern steil über das Seeufer, teils nur noch Raum für den Uferpfad lassend. Eichen, Linden, Birken, Kiefern und Weiden zählen zum hauptsächlichen Baumbestand rund um den See. Der Überrest der Bohnenländer Eiche, ein ehemaliges Naturdenkmal nur etwa 600 Meter Luftlinie nordnordwestlich der nördlichen Seespitze an einem Waldrain, sie gehörte zu den dicksten Eichen in Deutschland, sowie die 200 Meter östlich der nördlichen Seepitze beginnenden und sich über 700 Meter nach Osten ziehenden Schwedenwälle bilden gemeinsam mit dem See die Anziehungspunkte für Wanderer und Spaziergänger in diesem Gebiet.

Fauna, Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seerosen und Schilfrohr sind an den Säumen vorherrschend. Der See ist ein bevorzugtes Revier von Wasservögeln wie Schwänen, Lietzen und Stockenten. In den Uferregionen begegnet man Ringelnattern und Fröschen.

Abfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuflüsse besitzt der Bohnenländer See nicht. Er speist sich aus Grundwasser. Der Bohnenländer See entwässert zuerst in südliche, dann in westliche Richtung über einen künstlichen Graben, den Eisengraben in die Untere Havel bei Tieckow. In vielen Kartenwerken und Büchern wird die Annahme vertreten, der Eisengraben sei in seinem Oberlauf bis zur Stadtgrenze Havelsees der Schlangengraben und bilde dessen Verlängerung in westliche Richtung.[5] Nach dieser Annahme würde der Schlangengraben das Wasser des Bohnenländer Sees aufnehmen und ost- und westwärts abfließen. Laut dieser Darstellungen bestünde eine kontinuierliche Verbindung zwischen Beetzsee und der Havel südlich von Tieckow über beide Gräben, was jedoch nicht der Realität entspricht. Tatsächlich beginnt der Schlangengraben etwa zwei Kilometer östlich des Bohnenländer Sees nur einhundert Meter vom Eisengraben in der Butter Laake[6] und fließt zum Beetzsee ab.

Landschaftsschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Verordnung von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Sievers wurde die Rinne Gördensee – Bohnenländer See als Landschaftsschutzgebiet (LSG) gesichert, das heute Teil des LSG "Westhavelland" ist.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bohnenländer See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Brandenburg an der Havel und Umgebung – eine landschaftliche Bestandsaufnahme im Raum Brandenburg an der Havel, Pritzerbe, Reckahn und Wusterwitz, Hrsg. Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada, in der Reihe Landschaften in Deutschland – Werte der deutschen Heimat des Leibniz-Institutes für Länderkunde und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Band 69, ersch. im Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2006, ISBN 978-3-412-09103-3, S. 116f.
  2. Kulturspiegel Nr.1/1979, S. 22–27, in Dem Brandenburger Ehrenbürger Friedrich-Karl Grasow zum 100. Geburtstag, Herausgegeben von Klaus Heß und Anke Richter im Auftrag des Historischen Vereins Brandenburg (Havel) e. V. und der Stadtverwaltung Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel 2012, ISBN 978-3-943463-03-3, S. 121ff.
  3. Roland Weiße: Beiträge zur weichselkaltzeitlichen Morphogene des Elbhavelwinkels. Schriftreihe der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Potsdam April 2003, ISBN 3-935024-73-8. S. 74, Abb. 4.4.1.
  4. Udo Geiseler, Klaus Heß (Hrsg.): Brandenburg an der Havel – Lexikon zur Stadtgeschichte, im Auftrag des Historischen Vereins Brandenburg (Havel) e. V., im Rahmen der Einzelveröffentlichungen der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V.; Band XIII, Lukas Verlag, 1. Auflage 2008, ISBN 978-3-86732-001-6, S. 51
  5. Sebastian Kinder (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 102.
  6. Kartenwerk PortalU mit amtlichen Gewässerkarten. Eingesehen am 26. Dezember 2013