Bolungarvík

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Bolungarvík
COA Bolungarvik.png
Basisdaten
Staat: Island
Region: Vestfirðir
Wahlkreis: Norðvesturkjördæmi
Sýsla: kreisfrei
Einwohnerzahl: 950 (1. Januar 2014)
Fläche: 109 km²
Bevölkerungsdichte: 9 Einwohner/km²
Postleitzahl: 415
Politik
Gemeindenummer 4100
Bürgermeister: Jón Páll Hreinsson
Kontakt
Adresse der Gemeindeverwaltung: Aðalstræti 12
415 Bolungarvík
Webpräsenz: www.bolungarvik.is
Karte
Lage von Bolungarvík

Koordinaten: 66° 10′ N, 23° 15′ W

Die Stadt Bolungarvík (‚Holzhaufenbucht‘,[1] isländisch Bolungarvíkurkaupstaður) ist eine Stadtgemeinde in der Region Vestfirðir im äußersten Nordwesten Islands. Am 1. Januar 2017 hatte die Gemeinde 888 Einwohner. [2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Bolungarvík
Bolungarvík
Skálavík

Gemessen an der Einwohnerzahl ist Bolungarvík nach dem 13 Kilometer südöstlich gelegenen Ísafjörður die zweitgrößte Ortschaft der Region Vestfirðir. Überragt von den steil abfallenden Berghängen des markanten Traðarhorn liegt Bolungarvík an der kleinen, gleichnamigen Bucht, die zum größten Fjord der Region gehört, dem Ísafjarðardjúp.

Oberhalb des Ortes befindet sich der 638 m hohe Berg Bolafjall.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischereimuseum Ósvör
Eingang der Braunkohlenmine

Bolungarvík war als wichtiger Fischereiplatz seit der Zeit der Landnahme immer von großer Bedeutung. In dieser Gegend war es eine Clan-Chefin, Þuriður sundafyllir, die mit ihrem Sohn Völundar-Steinn das Land um Bolungarvík in Besitz nahm. Ihr wurde 1975 von Frauen aus dem Ort ein Denkmal errichtet.[3]

Der ehemals wichtigste und reichste Hof namens Hóll, der, wie häufig in Island, gleichzeitig Pfarrhof war, befindet sich auf einem Hügel (= isl. Bedeutung des Namens[4]) etwas oberhalb des Ortes.[3][5]

Der Fischfang ist schon immer die wichtigste Einnahmequelle des Ortes gewesen, und in der Bucht befanden sich bis Ende des 19. Jahrhunderts viele Fischerhütten, die hauptsächlich während der Fischfangsaison im Winter genutzt wurden.[3]

Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Laden eröffnet, ab 1903 erhielt der Ort das Marktrecht. In den Jahren 1917–1921 wurde in der Mine Gilsnáma im nahegelegenen Tal Syðridalur Braunkohle abgebaut.[3] 1932 wurde ein Schwimmbad gebaut, das zunächst mit Kohle beheizt wurde und das erste derartige Schwimmbad im Lande war. Ein neues wurde 1977 in Betrieb genommen.[3]

2003 war Bolungarvík Schauplatz von Nói Albínói, einem Film von Dagur Kári.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bolungarvík mit Leuchtturm Óshólaviti
Bolafjall
Dorfkirche

Anders als das nahe gelegene Ísafjörður hat Bolungarvík eher den Charakter eines Fischerdorfes, besticht aber durch die fast alpine Landschaft.

An Sehenswürdigkeiten ist vor allem das Naturhistorische Museum zu nennen, angeschlossen an das Naturhistorische Institut. Die verschiedenen Exponate zeugen vom Artenreichtum der Region, dazu finden sich insbesondere auch Informationen zum Naturraum Hornstrandir, der Region nördlich des Ísafjarðardjúp.

Die helle, wellblechgedeckte Kirche Hólskirkja von 1908 befindet sich oberhalb des Ortes auf dem Hóll ‚Hügel‘.

Die rekonstruierte Fischerhütte Ósvör am östlichen Ende der Bucht (isländisch vík) ist als ein Freilichtmuseum gestaltet. Die Nachbauten der Wohn- und Arbeitshäuser zeugen von der Zeit, als hier noch mit Ruderbooten gefischt wurde. Sehenswert ist auch der oberhalb Ósvörs gelegene kleine, grellorangene Leuchtturm Óshólaviti von 1937.[7]

Auf den Bolafjall oberhalb des Ortes führt ein grober Jeeptrack, der im Juli und August für Autos freigegeben ist. Oben befindet sich eine inzwischen unbemannte Radarstation, die bis 2006 im Rahmen der NATO von der US-Armee betrieben wurde und seitdem der isländischen Küstenwache untersteht. Bei entsprechenden Wetterverhältnissen sieht man von dort weit über die Fjordmündung des Ísarfjarðardjúp und nach Hornstrandir.[8]

An schneereichen Wintertagen gibt es für Langläufer gespurte Loipen beim Ort.[9] In den Bergen der Gegend findet man zahlreiche Möglichkeiten zum Bergsteigen und Wandern.[10][11]

Wirtschaft und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der eher nachteiligen Hafenlage sind Fischfang und -verarbeitung aufgrund der reichen Fanggründe nach wie vor die bedeutendste Einnahmequelle des Ortes. Daneben findet man noch weitere Arbeitgeber vor Ort, teilweise Geschäfte und Handwerksbetriebe, aber auch Tourismuseinrichtungen wie Hotels und Museen. Man setzt inzwischen vermehrt auf den Tourismus, wozu zum Beispiel das Freilichtmuseum zum Fischfang Ósvör dient.[3]

Der Hochseeangeltourismus ist eine wachsende Branche in Bolungarvík und bietet, zumindest im Sommer, weitere Arbeitsplätze.[12]

Am Ort gibt es einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Musikschule sowie Sportanlagen mit Schwimmbad. Außerdem existieren eine Gemeindebibliothek, ein Mehrzweckgemeindehaus und ein Gesundheitszentrum.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bolungarvík ist, wie viele abgelegene Regionen Islands, von Abwanderung vor allem in die Hauptstadtregion betroffen.

Datum Einwohner
1. Dez. 1997 1.094
1. Dez. 2003 944
1. Dez. 2004 934
1. Dez. 2005 918
1. Dez. 2006 905
1. Dez. 2007 904

Ab 2007 liegen die Daten jeweils für den 1. Januar vor.

Datum Einwohner
1. Jan. 2008 908
1. Jan. 2009 966
1. Jan. 2010 970
1. Jan. 2011 865
1. Jan. 2012 866
1. Jan. 2013 894
1. Jan. 2014 933
1. Jan. 2015 906
1. Jan. 2016 882
1. Jan. 2017 888

Der Bevölkerungsrückgang vom 1. Dezember 1997 bis 1. Januar 2017 beträgt somit 18,8 %.[14]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit 1950 [3] verbindet der Djúpvegur, die Überlandstraße 61, Bólungarvík mit Ísafjörður.[15]

Seit dem 26. September 2010 ist Bolungarvik durch den Tunnel Bolungarvíkurgöng sicherer zu erreichen, als davor über den Weg entlang der steilen Küste am für seine Lawinen berüchtigten Óshlíð.[16]

Von Bolungarvík aus führt die ungeteerte Straße 630 nach Westen in die inzwischen unbewohnte Bucht Skálavík.[15] Die Straße ist jedoch üblicherweise schneebedingt erst ab dem 1. Juli (und meist nur bis 31. August) für den PKW-Verkehr geöffnet (genau wie die Abzweigung auf den Berg Bolafjall); der aktuelle Straßenzustand kann online eingesehen werden.[17]

Die Entfernung zur Hauptstadt Reykjavík beträgt etwa 470 Kilometer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bolungarvík – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. bulungr. In: Richard Cleasby, Guðbrandur Vigfússon (Hrsg.): An Icelandic-English Dictionary. Oxford 1874, S. 86 (Online)
  2. Hagstofa (Statist. Amt Islands) (isländisch); Zugriff: 1. Juni 2017
  3. a b c d e f g Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 265
  4. H. U. Schmid: Wörterbuch Isländisch – Deutsch. Buske, Hamburg, 110
  5. vgl. auch: Informationen zum Hof (isländisch); Zugriff: 7. August 2011
  6. NÓI ALBÍNÓI. Frumraun Dags Kára Péturssonar í fullri lengd. In: Morgunblaðið. 23. Februar, abgerufen am 3. August 2011 (isländisch).
  7. vgl. z.B. Off. tourist. Website (englisch); Zugriff: 3. August 2011
  8. vgl. z.B. Vegurinn upp á Bolafjall opnaður. BB, 4. Juli 2002, archiviert vom Original am 18. Oktober 2014, abgerufen am 7. August 2011 (isländisch).
  9. Gönguskíðabraut troðin. In: www.bolungarvik.is. Gemeinde Bolungarvíkurkaupstaður, 13. Februar 2008, abgerufen am 1. März 2014 (isländisch).
  10. Wanderkarten der Gegend (PDF-Datei) (isländisch); Zugriff: 7. August 2011
  11. vgl. z.B. Übersichtskarte über Wege im Raum Hnífsdalur und Ísarfjörður (isländisch); Zugriff: 7. August 2011
  12. Iceland Sea Angling (vorwiegend deutsch); Zugriff: 24. Mai 2012
  13. vgl. z.B. Off. Website der Gemeinde (isländisch); Zugriff: 7. August 2011
  14. vgl.Hagstofa (Statist. Amt Islands) (isländisch); Zugriff: 1. Juni 2017
  15. a b Vegahandbókin. Hg. Landmælingar Íslands, 2006, 294
  16. Bolungarvíkurgöng opnuð í dag. In: RÚV. 25. September 2010, abgerufen am 1. März 2014 (isländisch).
  17. Icelandic Road and Coastal Administration: Road conditions and weather. 16. Juni 2015, abgerufen am 16. Juni 2015 (englisch).