Borealis AG

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Borealis AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1994
Sitz Wien, Österreich
Leitung Mark Garrett, Chief Executive (CEO) [1]
Mitarbeiter 6.600 (2016) [2]
Umsatz 7,2 Milliarden Euro (2016) [2]
Branche Kunststoffe und Basischemikalien
Website www.borealisgroup.com

Der Kunststoffhersteller Borealis AG mit Sitz in Wien gehört als zweitgrößter Hersteller von Polyolefinen in Europa zu den Marktführern in der Petrochemie.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borealis AG ist ein weltweit tätiger Anbieter von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) in den Bereichen der Infrastruktur (Rohrsysteme, Energie- und Kommunikationskabel), Automobile, hochwertigen Verpackungen und Basischemikalien. Die von Borealis produzierten Kunststoffe werden später zu Produkten, wie etwa Lebensmittelverpackungen, medizinischen Utensilien, Windeln, Energie- und Telekommunikationskabel, Autoteilen sowie sanitären Rohrsystemen verarbeitet.

2016 konnte die Borealis Gruppe einen Umsatz von 7,2 Milliarden Euro erzielen und einen Nettogewinn in der Höhe von 1,1 Milliarden erwirtschaften. Die Mitarbeiteranzahl betrug 6.600.[2][3][4][5][6][7] Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Wien. Das Hauptgeschäft findet primär in Europa statt, Industrieanlagen befinden sich in Österreich, Deutschland, Belgien, Finnland, Schweden, Italien, Brasilien, den Niederlanden und den USA. Zusätzlich befinden sich zwei Forschungszentren in Schweden und Finnland, sowie das European Innovation Headquarters in Linz, Österreich.

Zu dem aus Polyolefinen bestehenden Kerngeschäft produziert und vermarktet Borealis diverse Basischemikalien wie Phenol, Ethen und Aceton. Mit der Übernahme der Agrolinz Melamine International (AMI) im Jahr 2007 wurde das Produktportfolio auf Melamine und Pflanzennährstoffe erweitert.

Im Jahr 2015 war Borealis der größte Patentanmelder in Österreich: Das Unternehmen reichte insgesamt 96 Patenteintragungen ein[8].

Geschichte des Unternehmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Borealis wurde 1994 durch die Zusammenlegung des Petrochemiegeschäfts von Neste Oil (Finnland) und Statoil (Norwegen) in Kopenhagen gegründet. Der Name (vgl. Boreal, Boreas) nimmt deutlich Bezug auf Nordeuropa.

1998 wurde die OMV-Petrochemiesparte PCD in Borealis eingebracht; OMV und IPIC übernahmen dabei den 50 %-Anteil an Borealis von Neste Oil. 2005 stieg auch Statoil aus Borealis aus. Der Firmensitz wurde im Juni 2006 von Kopenhagen nach Wien verlegt.

Borealis gehört zu 64 % der International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi und zu 36 % dem österreichischen Energiekonzern OMV.

Kerngeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rohrsysteme-Anwendungen umfassen Kunststoffrohre für die Wasser und Gasversorgung, Abwasserbeseitigung, chemische und industrielle Projekte, Wasser- und Heizungsinstallationen, sowie Exploration und Transport von Öl und Gas.

Die Systemlösungen im Bereich Strom- und Übertragungskabel finden Anwendung bei Niedrig-, Mittel- und Starkstromleitungen und -verteilern, bei Datenübertragungskabeln sowie elektrischen Leitungen in Gebäuden und Automobilen.

Borealis liefert im Bereich Engineering Anwendungen diverse Systemlösungen auf Basis von Kunststoffen an die Automobilindustrie, wo sie bei Armaturenbrettern, Türinnenverkleidungen, Fronten, Belüftungssystemen, Stoßfängern und Unterbodenschutz Anwendung finden.

Die Anwendungen im Bereich Verpackungen und Fasern reichen hier von der Gesundheitspflege über Kurier- und Postsäcke, Lebensmittelverpackungen, biegsame und starre Transportverpackungen, Flaschen, Kisten, Schachteln, Tablette, große Behältnisse bis hin zu Paletten.

Borealis bezieht die Basis-Rohstoffe (z. B.: Naphtha, Butan, Propan und Ethan) aus der Öl- und Gasindustrie und wandelt sie in ihren Olefinanlagen in Ethen und Propen um.

Phenol, Benzol, Cumol, sowie Aceton werden hauptsächlich an die Klebstoff-, Faser-, Epoxidharz und Polycarbonatindustrie verkauft. Phenol wird bei Herstellung von Haftvermittlern, Baumaterialien, Teppichen, CDs, DVDs, Mobiltelefonen und Haushaltsgeräten eingesetzt.

Melamin wird an den Produktionsstandorten in Piesteritz, Deutschland und Linz, Österreich produziert, wo auch die Pflanzennährstoffe hergestellt werden. Zu den Melaminprodukten zählen Beschichtungen, Betonverflüssiger, Compounds für Haushaltswaren, Harzlacke, Bindemittel für Faserplatten, Spezialharze für die Textil- und Papierveredelung, sowie Flammhemmer. Derzeit ist Borealis in Europa Marktführer bei Melamin und ein führender Lieferant von Pflanzennährstoffen für die gesamte Donauregion, zum Februar 2012 wurde der französische Düngemittelhersteller PEC-Rhin übernommen.

Borouge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) gründete Borealis das Joint Venture Borouge. Borouge fungiert dabei als Exklusivanbieter des gesamten Borealis-Produktsortiments in Asien und im Mittleren Osten.

In der Industrieanlage Ruwais, Abu Dhabi, die im Oktober 2002 eröffnet wurde, werden Borstar-Polyethylen-Produkte für die Infrastruktur, Automobilindustrie und hochwertige Verpackungsmaterialien hergestellt. Die Anlage Borouge 1 betreibt Cracker mit einem Output von 600.000 Tonnen pro Jahr sowie zwei Borstar-Polyethylen-Anlagen mit einem jährlichen Produktionsvolumen von 600.000 Tonnen.

Im Jahr 2010 konnte mittels des Projekts Borouge 2 die Polyolefin-Produktionskapazität am Ruwais-Gelände verdreifacht werden. Die Investition von 4,5 Milliarden US-Dollar in einen zusätzlichen Cracker, eine dritte Polyethylen-Anlage und zwei neuen Polypropylen-Einheiten führte zu einer Output-Steigerung auf insgesamt 2 Millionen Tonnen pro Jahr.

Mit der Borouge 3 Anlagenerweiterung in Abu Dhabi wird Borouge zum größten integrierten Polyolefinkomplex weltweit. Nach dem Erreichen des Vollbetriebes im Jahr 2016 wird Borouge 3 eine zusätzliche Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen bereitstellen und die Gesamtkapazität von Borouge damit auf 4,5 Millionen Tonnen steigern. Borealis und Borouge verfügen dann gemeinsam über eine Kapazität von rund 8 Millionen Tonnen Polyolefinen[9].

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2014 wurde öffentlich bekannt, dass zumindest im Jahr 2010 in Niederösterreich eine noch unbekannte Menge an Plastik-Rohstoff aus dem Abwasserkanalsystem eines Borealis-Werkes – dessen Abscheideanlage nach Unternehmensangaben mangelhaft konstruiert war – über die Schwechat in die Donau gelangt ist. Der Vorfall ist der Öffentlichkeit damals nicht mitgeteilt worden, die Ergebnisse einer 2010 unternehmensseitig in Auftrag gegebenen Untersuchung wurden nicht zugänglich gemacht.[10][11]

2015 rief das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) gemeinsam mit der österreichischen Kunststoffindustrie die „Zero Pellets Loss Initiative“ ins Leben. Im März 2015 veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) im Auftrag des BMLFUW sowie der Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Wien eine erste Studie zum Vorkommen von Kunststoffpartikeln in der Donau.[12]

Die Studie „Plastik in der Donau“ ist die erste Studie, der eine systematische Untersuchung der fließenden Welle eines Flusses zugrunde liegt. Die Untersuchungen ergaben, dass in Österreich pro Tag je nach Wasserstand zwischen 25 und 145 kg Plastik (größer als 0,5 mm) in die Donau gelangen[12][13]. Der Großteil dieser Menge stammt aus sogenannten „diffusen Einträgen“ (Abfall über Windverfrachtung oder Abschwemmungen), höchstens 10 % sind laut Umweltbundesamt betriebliche Einträge[14][15]. Laut Umweltbundesamt kann höchstens ein Prozent der am Messpunkt Hainburg in der Donau aufgefundenen Kunststoffpellets Borealis zugerechnet werden[14].

Die an der „Zero Pellet Loss“-Initiative teilnehmenden Unternehmen produzieren und verarbeiten gemeinsam rund 2 Millionen Tonnen Kunststoff. Laut einem Umsetzungsbericht des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), der im Juni 2016 veröffentlicht wurde, konnten die Verluste an Kunststoffteilchen dabei von 4,9 Kilo pro Tag auf weniger als 1 Kilo pro Tag reduziert werden. Durch den Einbau von besseren Filtern in den Abwasseranlagen, die Festlegung genauerer Reinigungsrichtlinien und die Schulung der Mitarbeiter konnten Risiken im Bereich „Pellet Loss“ bei Borealis reduziert und nahezu eliminiert werden[16][17][18][19].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Borealis Management, borealisgroup.com, zuletzt abgerufen am 14. April 2017.
  2. a b c Borealis Jahresfinanzbericht 2016, borealisgroup.com (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  3. Borealis liefert neues Rekordergebnis 2015 mit einem Nettogewinn von EUR 988 Millionen, borealisgroup.com (24 February 2017), zuletzt abgerufen am 14. April 2017.
  4. Borealis verdiente trotz Umsatzrückgangs exzellent, nachrichten.at (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  5. Chemiekonzern Borealis verdiente trotz Umsatzrminus prächtig, derstandard.at (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  6. Borealis: Umsatz gesunken, Betriebsergebnis gestiegen, chemiereport.at (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  7. Gewinn bei Borealis überschreitet Milliardengrenze, k-zeitung.de (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  8. Europäisches Patentamt, epo.org, zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  9. Borealis delivers an extraordinary record result with a net profit of EUR 988 million in 2015, borealisgroup.com (24. Februar 2017), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  10. Konzern leitete Plastik in die Donau, diepresse.com (30. März 2014), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  11. Vorwürfe gegen Borealis wegen Plastikmülls, salzburg.com (29. März 2014), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  12. a b 10 Punkte-Maßnahmenprogramm gegen Plastik in Gewässern, umweltbundesamt.at, zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  13. Plastik in der Donau – erste Ergebnisse einer laufenden Studie, bmlfuw.gv.at (19. Mai 2015), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  14. a b Kunststoffpartikel: Industrie „nicht das Problem“, chemiereport.at (12. März 2015), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  15. Pilotstudie zu Plastik in der Donau, bmlfuw.gv.at (14. September 2015), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  16. Gemeinsame Lösungen für eine plastikfreie Umwelt, umweltbundesamt.at (6. Juni 2016), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  17. Erfolg für „Zero-Pellet-Loss“-Pakt, chemiereport.at (6. Juni 2016), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  18. Bundesminister Rupprechter/EU-Umweltkommissar Vella: Gemeinsame Lösungen für eine plastikfreie Umwelt, bmlfuw.gv.at (3. Juni 2016), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.
  19. Ein Jahr „Zero Pellet Loss“-Initiative in Österreich zeigt Erfolge, recyclingportal.eu (14. Juni 2016), zuletzt abgerufen am 7. April 2017.

Koordinaten: 48° 14′ 5″ N, 16° 25′ 14″ O