Boris Smysłowsky

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Boris Smysłowsky, Pseudonyme: Art(h)ur Holmston oder von Regenau (* 3. Dezember 1897 in Selenogorsk (russ. Зеленогорск, finnisch Terijoki); † 5. September 1988 in Vaduz), war ein weißrussischer Adliger und Offizier. Seine Laufbahn als Militärperson im Offiziersrang hatte in der Armee des Russischen Imperiums seinen Anfang.

Boris Smysłowsky war Kriegsteilnehmer im russischen Bürgerkrieg und in kollaborierenden Verbänden der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Wirken[Bearbeiten]

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten]

Seine militärische Karriere begann Boris Smysłowsky im Moskauer 1. Kadettenkorps. Ab 1917 absolvierte er eine Ausbildung an der Sankt Petersburger „Zar Nikolai Militärakademie”, die er aufgrund des russischen Bürgerkrieges, der den beiden Russischen Revolutionen dieses Jahres folgte, nicht beendete.

Im Bürgerkrieg beteiligte er sich auf Seiten der Weißgardisten. Unter anderem 1918 als Offizier in der Artillerie der Armee von General Denikin an Kämpfen am nordkaukasischen Fluss Kuban und auf der Halbinsel Krim teil. Als Stabskapitän der 3. Russischen Armee (russ. 3я. Русская Армия) leitete er 1920 die Spionageabteilung. Diese Armee war eine mehrerer, durch Emigranten aus Sowjetrussland 1920, im benachbarten, wieder unabhängigen Polen, aufgestellter militärischen Einheiten.

Nach der Niederlage im Bürgerkrieg blieb Boris Smysłowsky als Emigrant zunächst in Polen. Zwischen 1928–32 hielt er sich in Deutschland auf und organisierte Lehrgänge des Truppenamtes, dem Generalstab der deutschen Reichswehr der Weimarer Republik, zur Geheimhaltung.

Sonderstab R[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg leitete Boris Smysłowsky im Juli 1941 die Bildung einer Einheit zur Aufklärung durch die deutsche Wehrmacht. Dabei bekleidete er den Rang eines Sonderführer (K) der Wehrmacht und benutzte anfänglich das Pseudonym Hauptmann von Regenau. Die ursprüngliche Bezeichnung der Einheit war "учебныи русскии батальон" (russisches Lehrbataillon), die erste russische Freiwilligenformation der Wehrmacht.

1942 hieß die ausgebildete Einheit, die im Rücken der Roten Armee zur Aufklärung und Bekämpfung von Partisanen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion zu operieren begann, auch Sonderstab R (R = Russland) oder auch Sonderdivision R.[1] Boris Smysłowsky leitete 12 Aufklärungsschulen für die militärische Agententätigkeit zur Partisanenbekämpfung im Zweiten Weltkrieg, in deren Folge mehrere 10.000 Emigranten, Kriegsgefangenen und Überläufern der Roten Armee aus Mittel- und Osteuropa als kollaborierende Agenten aktiv eingesetzt wurden.[2]

Ein letztes Umbenennen der Aufklärungseinheit, die sich aus Tarnungsgründen nach Smysłowskis schwedischen Onkel Art(h)ur Holmston auch Armee Holmston nannte, erfolgte 1945 in 1. Russische Nationalarmee. Nach einem sich unabhängig nennenden Projektes, der Russian military historical society, war die vorangegangene Bezeichnung der 1. Russischen Nationalarmee, die Grüne Armee zur besonderen Verwendung.[3]

Boris Smysłowsky, inzwischen im Dienstrang eines Generalmajor der Wehrmacht plante im Frühjahr 1945, um der Gefangennahme durch alliierte Truppen zu entgehen, die Flucht nach Liechtenstein. Am 3. Mai 1945 trat er und eine etwa 500 zählende Mannschaft beim österreichischen Nofels am Schellenberg, über die Grenze zum Fürstentum Liechtenstein. Das Regierungsoberhaupt Franz Josef II., Fürst von und zu Liechtenstein sowie die Regierung des Landes ignorierte ein Auslieferungsbegehren der UdSSR und gewährte Asyl[4] 1980 wurde in Erinnerung in der liechtensteinischen Gemeinde Schellenberg ein Gedenkstein erstellt.

Boris Smysłowsky verstarb am 5. September 1988 in Vaduz. Eine Opferzahl infolge Smysłowskis aufklärerischer Arbeit für die Wehrmacht unter den Partisanenverbänden oder unter der Zivilbevölkerung des Baltikums, Polens und der UdSSR, wurde nie bekannt. Ebenso wurde er nie von einem Gericht der Alliierten des Zweiten Weltkrieges unter Anklage gestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Borys Smysłowski-Holmston, Veröffentlichungen der polnischen Enzyklopädie Naukowy.pl (polnisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1. Rosyjska Armia Narodowa, Veröffentlichungen der polnischen Enzyklopädie Naukowy.pl (polnisch)
  2. Jakow Tscherkasskij: Борис Смысловский: нацист, он же русский патриот?. Russisch. In: Русская Германия/Russkaja Germanija vom 18. Mai 2012. ReLine Intermedien und Verlags GmbH, Berlin 2012. Online auf rg-rb.de, abgerufen am 5. September 2013.
  3. 1st Russian National Army, Veröffentlichungen der Russian military historical society (englisch/russisch)
  4. 1. Rosyjska Armia Narodowa, Veröffentlichungen der polnischen Enzyklopädie Wissenschaft (Naukowa.pl), ebenda.