Boulevard Haussmann

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Blick vom Kaufhaus Galeries Lafayette auf den Boulevard Haussmann

Der Boulevard Haussmann [bulvaʁ os.man] ist ein 2.530 Meter langer Boulevard in Paris, der durch das 8. und 9. Arrondissement zwischen der Kreuzung des Boulevard des Italiens / Boulevard Montmartre und der Kreuzung rue de Monceau / Rue du Faubourg Saint-Honoré verläuft. Seine nordwestliche Verlängerung ist die Avenue de Friedland.

Boulevard Haussmann 132 – Monument des Baron Georges-Eugène Haussmann (Oktober 2012)

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Grands Boulevards ist der 30 Meter bis 33,60 Meter breite Boulevard Haussmann nicht auf einem Teil der ehemaligen Pariser Stadtmauer errichtet, sondern sollte zu einer weiteren Schnellverbindung werden. Der Boulevard ist nach Georges-Eugène Haussmann benannt, der Paris Mitte des 19. Jahrhunderts ein modernes Stadtbild gab, das bis heute erhalten ist. Durch seine zahlreichen Ausfallstraßen veränderte Haussmann das mittelalterliche Straßenlabyrinth in eine überschaubare und im militärischen Ernstfall rasch zu dominierende Stadtlandschaft.[1] Haussmann, der mütterlicherseits einer angesehenen pfälzischen evangelisch-lutherischen Pfarrersfamilie entstammte, hatte sein Amt als Präfekt und Pariser Stadtplaner erst seit dem 23. Juni 1853 inne, und begann mit den Bauarbeiten für den Boulevard am 17. Oktober 1857. Dabei schreckten er und sein leitender Bauingenieur Eugène Belgrand auch vor zahlreichen Häuserabrissen nicht zurück. Er trieb den Boulevard Häuserblock für Häuserblock in 6 Bauabschnitten voran, um letztlich eine Verbindung zum Boulevard Montmartre herzustellen. Neue Bauwerke mussten sich an dem geplanten Straßenverlauf ausrichten. Am 2. März 1864 erhielt der Boulevard seinen heutigen Straßennamen. Als hier das Kaufhaus Printemps am 11. Mai 1865 in Nr. 64 einzog, war an dieser Stelle der Boulevard fertig. Nachdem Haussmanns Amtszeit am 5. Januar 1870 endete, begannen erst die Bauarbeiten am letzten Teilstück des Boulevards, das diesen nun mit dem Boulevard Montmartre verbindet. Die Nummerierung der Häuser besteht erst seit dem 23. Dezember 1880. Weitere bauliche Veränderungen gab es bis 12. Januar 1922, als der Boulevard noch bis zur rue Taitbout verlief. Erst nach 70-jähriger, unterbrochener Bauzeit wurde der Boulevard im Dezember 1926 komplett fertiggestellt. Am 15. Januar 1927 ist das 1870 begonnene letzte Teilstück des Boulevard Haussmann, das diesen nun mit dem Boulevard Montmartre verbindet, für den Verkehr eröffnet worden.[2] Hierfür mussten an der Nordseite des Boulevard des Italiens 14 Gebäude abgerissen werden. Die Fertigstellung des Boulevards erlebte Haussmann nicht mehr, denn er verstarb bereits am 11. Januar 1891.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nr. 14 befindet sich seit 2005 der Sitz der berühmten französischen Tageszeitung Le Figaro. Die Galeries Lafayette lagen ursprünglich nicht direkt am Boulevard, sondern erst Erweiterungsbauten drangen 1906 bis an Nr. 40 vor. Die Eröffnung der armierten Betonskelettbauweise des zweiten großen Kaufhauses Lafayette mit der 73 Meter hohen Glaskuppel fand am 8. Oktober 1912 statt. Der Essayist Marcel Proust lebte zwischen 1906 und 1919 in Nr. 102. In Höhe der Nr. 132 steht die Statue von Haussmann, Nr. 158 beherbergt in einem ehemaligen Hôtel particulier das Musée Jacquemart-André. Das Museum zeigt eine bedeutende Kunstsammlung, die von altitalienischen Meisterwerken bis zu französischen Arbeiten des 19. Jahrhunderts reicht. Der Boulevard hat sich mit seinen zahlreichen exquisiten Läden und Boutiquen zu einer berühmten Pariser Einkaufsstraße entwickelt.

Der Boulevard Hausmann wird durch folgende Métro-Haltestellen bedient: Richelieu – Drouot (Linien 8 und 9), Chaussée d’Antin – La Fayette (Linien 7 und 9) sowie Havre – Caumartin (Linien 3 und 9).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boulevard Haussmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Hofer, Karl Brunner und der europäische Städtebau in Lateinamerika, 2010, S. 55
  2. August Waldner, in: Schweizerische Bauzeitung, Band 89, 1927, S. 63


Koordinaten: 48° 52′ 30,2″ N, 2° 19′ 2,9″ O