Bovec

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Bovec
Wappen von Bovec Karte von Slowenien, Position von Bovec hervorgehoben
Basisdaten
Staat Slowenien Slowenien
Historische Region Küstenland / Primorska
Statistische Region Goriška (Gorica)
Koordinaten 46° 20′ N, 13° 33′ OKoordinaten: 46° 20′ 15″ N, 13° 33′ 10″ O
Höhe 434 m. i. J.
Fläche 367,3 km²
Einwohner 3.073 (01.01.2020[1])
Bevölkerungsdichte 8 Einwohner je km²
Postleitzahl 5230
Kfz-Kennzeichen GO
Struktur und Verwaltung
Website

Bovec (deutsch Flitsch oder Pless[2], italienisch Plezzo) ist eine Gemeinde und deren namensgebende Ortschaft im Nordwesten Sloweniens. Sie liegt in der Alpenregion Julische Alpen im Tal der Soča.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen grenzt die Gemeinde unmittelbar an Italien; von Österreich liegt sie etwa 30 Kilometer entfernt. Ein Teil von ihr liegt im Nationalpark Triglav.

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptort Bovec gehören folgende Ortschaften zur Gemeinde:

  • Bavšica (dt. Bausitz)
  • Čezsoča (dt. Ausserdorf)
  • Kal - Koritnica (dt. Deutschkall-Krittwald)
  • Lepena (dt.: Leppen)
  • Log Čezsoški (dt. Logdorf)
  • Log pod Mangartom (dt. Breth[3] oder Preth[4])
  • Plužna (dt. Plusnach)
  • Soča (dt. Sotscha[5])
  • Srpenica (dt. Serpenitz)
  • Strmec na Predelu (dt. Stermitz)
  • Trenta (dt. Trentathal)
  • Žaga (dt. Saag am Weißenbach)

Der Ort Bovec liegt auf einer Höhe von 434 m. i. J. unterhalb der Osthänge des Kaninmassivs und am Rand des Bovec-Beckens, einer breiten und flachen Talsenke, in der die Koritnica in die Soča mündet.

Zum Veliki vrh (dt. Rombon) hin, an dessen südlicher Flanke sich Bovec befindet, steigt der Ort leicht an.

Die Orte Čezsoča, Kal - Koritnica und Plužna befinden sich im Bovec-Becken; Čezsoča am Süd-, Kal - Koritnica am Ost- und Plužna am Westrand des Beckens. Die Orte Soča und Trenta befinden sich oberhalb von Bovec im Sočatal, Log Čezsoški, Žaga und Srpenica flussabwärts. Strmec na Predelu und Log pod Mangartom befinden sich im Tal der Koritnica. Strmec na Predelu liegt etwa auf einer Höhe von 960 m. i. J. und ist damit der höchstgelegene Ort der Gemeinde Bovec. Lepena liegt am Ende eines Nebentals der Soča, das von der Lepenjica durchflossen wird, die unterhalb des Ortes Soča in den gleichnamigen Fluss mündet. Bavšica liegt im Tal der Šunik, die unterhalb der Festung Kluže in die Koritnica mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde – beispielsweise in Tolmin und Kobarid – belegen eine Besiedlung des Sočatals, die zurück in die Hallstattzeit reicht.

In der Römerzeit verlief durch das Tal eine befestigte Römerstraße, die über den Predilpass führte. Sie verband die Provinzen Noricum im Norden und Venetia et Histria im Süden und war ein wichtiger Handels- und Heeresweg.

Im 8. Jahrhundert geriet Bovec unter fränkische Herrschaft. Anschließend befand sich Bovec lange Zeit im Besitz der Patriarchen von Aquileia. In diese Zeit fällt auch die erste urkundliche Erwähnung von Bovec aus dem Jahr 1174. Ab 1420 unterstand das Gebiet von Bovec der Republik Venedig, bis diese 1509 von den Habsburgern verdrängt wurde. Im österreichisch-venezianischen Krieg von 1508 bis 1516 unterstützte Bovec freiwillig die Seite des Habsburger Kaisers Maximilian I., der siegreich aus dem Krieg hervorging. Bovec wurde eine selbstständige Hauptmannschaft und die Bovecer Bevölkerung genoss zahlreiche Privilegien wie Steuererleichterungen, Forst- und Weiderechte. 1751 verlor die Hauptmannschaft Bovec ihre Selbstständigkeit wieder.

1797 und 1809 drangen französische Truppen unter Napoleon Bonaparte durch das Sočatal nach Österreich ein. Bovec erhielt in diesen Besetzungszeiten den Status eines Kantons. Bovec bildete während der Habsburgerzeit eine eigene Gemeinde, die zum Gerichtsbezirk Flitsch gehörte. Dieser war wiederum Teil des Bezirks Tolmein und der Gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca.

Im Ersten Weltkrieg verlief in den Jahren 1915 bis 1917 im Bereich Bovec die sogenannte Sočafrontlinie. Alle Bürger mussten Bovec verlassen und der Ort wurde im Kriegsverlauf vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde das slowenisch besiedelte Gebiet aufgeteilt; Bovec kam hierbei unter die Regierung des italienischen Königreichs.

Nach der Kapitulation Italiens im Zweiten Weltkrieg wurde Bovec bis zum Ende des Krieges von deutschen Truppen besetzt. Von 1945 bis 1947 wurde das Sočatal von anglo-amerikanischen Streitkräften verwaltet. 1947 erfolgte der Anschluss der Region an Jugoslawien. Seit 1991 gehört Bovec zum unabhängigen Slowenien.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Bovec lebt hauptsächlich vom Fremdenverkehr. Sie verfügt über zahlreiche Unterbringungsmöglichkeiten in Hotels, Pensionen und Privatunterkünften. Außerdem stehen mehrere ausgedehnte Zeltplätze zur Verfügung. Insgesamt stehen Unterbringungsmöglichkeiten für etwa 5000 Besucher zur Verfügung.[6] Im Sommer sind vor allem die naturbelassenen und klaren Bergflüsse Soča und Koritnica touristische Ziele, auf denen zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Rafting oder Kajaktouren angeboten werden. Im Winter bietet die (mittlerweile wiederaufgebaute und modernisierte) Seilbahn auf den Kanin gute Wintersportmöglichkeiten.

Neben dem Tourismus besteht in der Region Bovec klassische Landwirtschaft, wobei vor allem Schafe gehalten werden und Bovec für seinen Schafskäse bekannt ist.

Westlich außerhalb des Ortes befindet sich ein kleiner Industriestandort.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flitscher Klause[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Festung Fort Hermann, oberhalb der Flitscher Klause

An der Straße von Bovec zum Predilpass befinden sich zwei österreichische Festungswerke. Die 1881–1882 erbaute Flitscher Klause (slowenisch: Trdnjava Kluže)[7] (46° 21′ 40,9″ N, 13° 35′ 23,4″ O), befindet sich heute in gutem Zustand und wird für Veranstaltungen genutzt.

Fort Hermann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhalb der Flitscher Klause liegt das 1906 fertiggestellte Fort Hermann (46° 21′ 35,8″ N, 13° 35′ 16,7″ O). Die Ursprünge dieser Kärntner Festung gehen auf die österreichisch-ungarischen Monarchie zwischen 1897 und 1900 zurück. Im Ersten Weltkrieg wurde es durch Österreich genutzt und durch den Beschuss Italiens schwer beschädigt. Die italienischen Angreifer versuchten an dieser Front jahrelang erfolglos, nach Österreich vorzudringen. Heute sind die Ruinen dieser Militäranlage noch erhalten.[8][9]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Bovec diente als Kulisse für den Film Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia. Das Flusstal von Bovec bot dabei eine ähnliche landschaftliche Kulisse wie Neuseeland, wo weitere Teile des Films gedreht wurden.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marko Simić: Auf den Spuren der Isonzofront. Mohorjeva Hermagoras, Klagenfurt-Laibach-Wien 2004, ISBN 3-85013-884-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bovec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population by settlements, detailed data, Slovenia, 1 January 2020
  2. Europa im 19. Jahrhundert | Arcanum Karten. Abgerufen am 23. Juni 2022.
  3. Rudolf von Jenny: Handbuch für Reisende in dem österreichischen Kaiserstaate. Die am rechten Donau-Ufer gelegenen deutschen Staaten und das lombardisch-venezianische Königreich ... enthaltend. Doll, 1822, S. 287 (google.de [abgerufen am 23. Juni 2022]).
  4. Gustav Jäger: Touristen-Führer im Kanalthal: (Kärnten.) Tarvis und Raibl als Standquartiere. Mit einer Karte des Kanalthales und der angrenzenden Gebiete. Verlag des "Tourist", 1873, S. 81 bis 82 (google.com [abgerufen am 23. Juni 2022]).
  5. Europa im 19. Jahrhundert | Arcanum Karten. Abgerufen am 23. Juni 2022.
  6. Julische Alpen (Memento des Originals vom 1. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.slovenia.info (PDF; 14,4 MB). Prospekt der Slowenischen Tourismuszentrale
  7. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 29. Juni 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kluze.net
  8. Festung Kluže bei slovenia.info
  9. Arctur d.o.o: Kluže & Fort Herman | Soča Tal. Abgerufen am 2. Juli 2021.