Brühl (Quedlinburg)

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Brühl
Wappen Quedlinburg.svg
Park in Quedlinburg
Brühl
Panorama des Brühls, im Vordergrund der Abteigarten
Basisdaten
Ort Quedlinburg
Ortsteil Quedlinburg
Umgebende Straßen Brühlstraße
Bauwerke Denkmale, Trinkwasserbrunnen
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Parkgestaltung vier Hauptalleen, jeweils diagonal verlaufende Wege
Technische Daten
Parkfläche 15 ha

51.78138311.132026Koordinaten: 51° 46′ 53″ N, 11° 7′ 55″ O

Karte: Sachsen-Anhalt
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Brühl (Quedlinburg)
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Sachsen-Anhalt

Der Brühl ist eine ca. 15 ha große Parkanlage südlich des Schlossberges in Quedlinburg. Die denkmalgeschützte Anlage des Brühlparks ist Bestandteil des Projektes Gartenträume Sachsen-Anhalt, das 40 Gartenanlagen umfasst und im Quedlinburger Denkmalverzeichnis eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte (1782). Das Quadrat rechts unten ist der Park

1179 wurde der Brühl urkundlich als Besitz des Klosters St. Wiperti erwähnt. Die vier Hauptalleen ließ die Äbtissin Anna Dorothea, Herzogin zu Sachsen-Weimar anlegen und mit Linden bepflanzen. Die zwei Diagonalalleen wurden 1757 unter der Äbtissin Anna Amalia, Schwester Friedrichs des Großen angelegt. Nach Aufhebung des Stifts 1803 (Säkularisation) und Übergang der Stadt an Preußen wurde der Brühl königliches Eigentum. 1818 kam er als Geschenk Friedrich Wilhelm III. in den Besitz der Stadt. Seit 2001 ist der Brühl gemeinsam mit dem nördlich gelegenen Abteigarten einer der 40 Parks Gartenträume. Historische Parks in Sachsen-Anhalt.

Denkmäler im Brühl[Bearbeiten]

  • Am Osteingang vor dem Wasserwerk Denkmal für den Oberbürgermeister Dr. Gustav Brecht. Bronzeplakette von dem in Quedlinburg geborenen Bildhauer Richard Anders.
  • Denkmal für den Geographen Carl Ritter, enthüllt 1865, Büste von Eduard Uhlenhuth.
  • Ein Denkmal für Friedrich Gottlieb Klopstock, das auf eine Initiative Quedlinburger Bürger von 1824 zurückgeht, befindet sich in der Parkanlage Brühl. Es wurde u. a. durch Veranstaltung eines großen von Carl Maria von Weber geleiteten Musikfestes, auf dem auch die Dessauer Altistin Adelheid Müller sang, finanziert. Sie war die Ehefrau des Dichters Wilhelm Müller, der auch Presseberichte über die Veranstaltung verfasste. Die Büste von Christian Friedrich Tieck befindet sich auf einem Postament von Karl Friedrich Schinkel, der auch der Architekt des Ensembles war. Das Denkmal wurde am 7. Juli 1831 enthüllt. [1]
  • Denkstein an das Bodehochwasser Silvester 1925
  • Letzter erhaltener Grenzstein zwischen Stift und Stadt Quedlinburg der 24 Steine, die auf Grundlage der 1539 getroffenen Vereinbarung zwischen Herzog Heinrich von Sachsen und Äbtissin Anna II. über die Gerichtszuständigkeit des Erbvogtes in der Feldflur und des Concordien-Rezeß' von 1685 zwischen Äbtissin Anna Dorothea und Kurfürst Johann Georg III., der 24 Grenzpfähle zwischen Stadt und Stift festlegte, gesetzt wurden. Die Pfähle wurden 1746 durch sorgfältig bearbeitete Steine ersetzt. Er trägt die Inschrift: Nr. 17. Renovatum 1746. Der Münzenberg und der städtische Teil des Steinholzes (hier sind drei unnummerierte Steine von 1725 erhalten) waren durch besondere Steine abgegrenzt.[2]

Literatur[Bearbeiten]

In Theodor Fontanes Roman Cécile ist der Brühl beschrieben [3]:

Diese stimmte zu, freilich mehr aus Artigkeit als aus Überzeugung, weil sie, nach Art aller Berlinerinnen, am Lerntrieb litt und nie genug hören oder sehen konnte. Gordon gab übrigens die Versichrung, es gnädig machen zu wollen. Es seien vier Dinge da, darum sich's lediglich handeln könne: das Rathaus, die Kirche, dann das Schloß und endlich der Brühl, »Der Brühl?« sagte Rosa. »Was soll uns der? Das ist ja die Straße, worin die Pelzhändler wohnen. Wenigstens in Leipzig.«
»Aber nicht in Quedlinburg, meine Gnädigste. Der Quedlinburger Brühl gibt sich ästhetischer und ist ein Tiergarten oder ein Bois de Boulogne mit schönen Bäumen und allerlei Bild- und Bauwerken. Carl Ritter, der berühmte Geograph, hat ein gußeisernes Denkmal darin und Klopstock ein Tempelchen mit Büste. Beide waren nämlich geborne Quedlinburger.«
»Also nach dem Brühl«, seufzte Cécile, die nicht den geringsten Sinn für Tempelchen und gußeiserne Monumente hatte. »Nach dem Brühl. Ist es weit von der Stadt?«
»Nein, meine gnädigste Frau, nicht weit.«

Karten[Bearbeiten]

Hinweise zur Parkstruktur können entnommen werden:

  • Wilfried Ehbrecht, Peter Johanek, Jürgen Lafrenz (Hg.): Deutscher Historischer Städteatlas (Veröff. d. Inst. f. vergleichende Städtegeschichte, Münster), Nr. 1 - Quedlinburg (Autoren: Ulrich Reuling+, Daniel Stracke, Thomas Kaling, Dieter Overhageböck), Münster 2006, Taf. 2.1 (Stadtplan 1782 nach C. C. Voigt), Taf. 4.1 (Quedlinburg, Entwicklungsphasen bis ca. 1900, hier: "Brühlwiese"), Taf. 7 (Quedlinburg, Topographische Karten 1822/23, 1903, 1919/34, 1997).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Feicke: 175 Jahre Klopstockdenkmal im Quedlinburger Brühl, in: Quedlinburger Annalen, Heimatkundliches Jahrbuch für Stadt und Region Quedlinburg 9 (2006), S. 101-105.
  2. Hermann Lorenz: Der Grenzstein am linken Bodeufer vor dem Brühl, in: Am Heimatborn, Beilage zum Quedlinburger Wochenblatt, Nr. 147 (22. November 1927), S. 607f.; weitere Steine vgl. C. C. Voigt, Stadtplan Quedlinburg 1782, s. Karten; Bernd Feicke: Barocke Grenzversteinungen des Amtes (Reinstein-)Westerhausen ..., in: Westerhäuser Heimatblätter 6-7 (1998/99), S. 4-7.
  3. Zitiert aus: Projekt Gutenberg: Cécilie, Kapitel 7