Friedrich Wilhelm III. (Preußen)

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Friedrich Wilhelm III. (* 3. August 1770 in Potsdam; † 7. Juni 1840 in Berlin) war seit 1797 König von Preußen und als Markgraf von Brandenburg zudem Kurfürst und Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806. Er entstammte der Dynastie der Hohenzollern.

Friedrich Wilhelm III.
Monogramm von Friedrich Wilhelm III.

Inhaltsverzeichnis

Leben bis zum Herrschaftsantritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise im Park von Schloss Charlottenburg, Ölgemälde von Friedrich Georg Weitsch, 1799
Friedrich Wilhelm III., nach Franz Krüger (Lithographie von Wilhelm Devrient).

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm wurde am 3. August 1770 in Potsdam als ältester Sohn von Friedrich Wilhelm II. und Friederike von Hessen-Darmstadt geboren. Friedrich der Große, die zentrale Gestalt der preußischen Geschichte, war sein Großonkel. Der Junge hatte den Alten Fritz noch gekannt.[1] Friedrich Wilhelm galt als verschlossenes, schüchternes und zurückhaltendes Kind. Auch als Erwachsener war sein Wesen eher trocken und nüchtern. Legendär wurde die charakteristische Kürze seiner Redeweise. Besonders das Weglassen der Personalpronomina wurde Vorbild für die knappe preußische Militärsprache.[2]

Konflikt mit Friedrich Wilhelm II.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eigenart des Kronprinzen erklärt sich nicht zuletzt daraus, dass der königliche Vater sich wenig um ihn kümmerte. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmete er dagegen seinem „Lieblingssohn“, Alexander von der Mark, den er mit seiner Mätresse Wilhelmine Encke gezeugt hatte, welcher allerdings in jungen Jahren verstarb. Jene Frau aus einfachen Verhältnissen erhob er schließlich zur Gräfin Wilhelmine von Lichtenau. Das Verhältnis Friedrich Wilhelms zu seinem Vater war auch deswegen gespannt. Nachdem er die Regierung angetreten hatte, ließ er die Neu-Gräfin verhaften und den umfangreichen Besitz, den sie ihrem Verhältnis mit dem König verdankte, einziehen. Seit seinem Regierungsantritt gab es in Preußen kein Mätressen-Regime mehr.

Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Dezember 1793 heiratete Friedrich Wilhelm Luise von Mecklenburg-Strelitz. Die Zuneigung dieser Frau wurde dem Kronprinzen, der bisher wenig Liebe erfahren hatte, zu einer glücklichen Erfahrung. Das befriedigende Eheleben führte zu zehn Kindern, von denen sieben erwachsen wurden. Prinz Wilhelm von Preußen, der zweitälteste Sohn, wurde König von Preußen, als der Erstgeborene, Friedrich Wilhelm IV., gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage war, später der erste Kaiser des ersten deutschen Nationalstaats, des Deutschen Kaiserreichs. Die älteste Tochter, Prinzessin Charlotte, bestieg als Alexandra Feodorowna den Zarenthron von Russland. Im Kronprinzenpalais Unter den Linden in Berlin, wo er auch als König wohnen blieb, und im bescheidenen Sommersitz von Paretz bei Potsdam führte Friedrich Wilhelm ein fast schon bürgerliches Leben und eine vorbildhafte Ehe.

Friedrich Wilhelm III. als König[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierung, Neutralität und Zusammenbruch (1797–1806)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungswechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1797 überließ König Friedrich Wilhelm II. seinem Sohn die Regierungsgeschäfte, da er dazu aufgrund von Atemnot und Bewegungsunfähigkeit nicht mehr in der Lage war. [3] Während eines Krampfanfalls starb Friedrich Wilhelm II. am 16. November 1797, morgens um 8:58 Uhr, im Alter von 53 Jahren im Marmorpalais. Am frühen Morgen des 16. November 1797 erfuhr Friedrich Wilhelm in Berlin von Boten, dass König Friedrich Wilhelm II. im Sterben lag.[4] Auf dem Weg zum Marmorpalais in Potsdam begegnete dem Kronprinzen der königliche Kabinettsrat von Bischoffwerder, der die Nachricht vom Tod des Königs nach Berlin tragen sollte. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm wurde zu König Friedrich Wilhelm III.

Huldigung durch Stände und „Untertanen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als offizielle Zeremonie des Amtsantrittes diente die Huldigung von Ständen und Untertanen. Im Kern war die Huldigung ein Eidschwur, welchen Vertreter im Namen des ganzen Volkes vor ihrem Monarchen sprachen.[4] Den Aufwand seiner festlichen Huldigung versuchte Friedrich Wilhelm III. zu begrenzen. Dies geschah aus zwei Gründen. Friedrich Wilhelm II. hatte seinem Nachfolger 48 Millionen Taler Staatsschulden hinterlassen. Außerdem wollte Friedrich Wilhelm III. sich von seinem Vorgänger, der eine sehr prachtvolle höfische Repräsentation pflegte, bewusst abgrenzen. Die Huldigungsfeste in den einzelnen Provinzhauptstädten ersetzte der König durch Feste lediglich in Berlin und Königsberg. In Königsberg begann die Festlichkeit mit einer Predigt und dem Eidschwur der Bischöfe und Minister an den neuen König. Der König seinerseits ließ zwei Reden, eine in deutsch und eine in polnisch, an die versammelten Stände verlesen. Zu den folgenden Festtagen in Königsberg waren 3000 Personen eingeladen. Die Berliner Huldigung fand am 6. Juli 1798 statt. Nach dem Gottesdienst im Berliner Dom zogen die königliche Familie und die Vertreter von Adel und Klerus ins Berliner Stadtschloss. Im Rittersaal schworen zunächst die Prinzen des Königshauses ihren Treueid auf König und Gesetze, dann im Weißen Saal die oberen Stände. Der König versprach den Ständen im Gegenzug „mit Gnade und Gerechtigkeit zu regieren“. Im Anschluss trat der König auf den Balkon des Stadtschlosses, um auch von den im Lustgarten versammelten Vertretern den Eid entgegenzunehmen. Angesichts der Französischen Revolution boten die Huldigungsfestlichkeiten die Gelegenheit, einen Beweis für die lebendige Beziehung zwischen Monarch und Volk zu liefern.

die Mätresse seines Vaters: Wilhelmine von Lichtenau
Höfische Sittenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angewidert vom moralischen Zerfall am Hofe seines Vaters (Intrigen einer kleinen Hofclique, Affären des königlichen Vaters, der am Ende mit drei Frauen zugleich verheiratet war), war er bemüht, die Sittlichkeit im Königshaus wiederherzustellen. Bereits kurz vor dem Tod seines Vaters hatte er diese Maßnahme in der Schrift "Gedanken über die Regierungskunst" begründet:

„Ein fürstlicher Hof ist gewöhnlich mit trotzigen, eingebildeten, hochmüthigen und impertinenten Subjekten versehen. Eben daher kömmt es denn, dass die meisten Höfe gewöhnlich als Sitze des Lasters und der Üppigkeit von dem Land verabscheut werden“

Friedrich Wilhelm III.

Der Eifer Friedrich Wilhelms ging so weit, dass er die Mätresse seines Vaters, die Gräfin von Lichtenau, unter Arrest stellte, ihre Wohnung durchsuchen und deren Besitz beschlagnahmen ließ. Der König warf ihr vor

„die wichtigsten wie die geringsten Regierungsangelegenheiten von ihren landesverderblichen Einfluss abhängig gemacht (zu) haben“

Kabinettorder vom 13. März 1798

Allerdings fanden die königlichen Untersuchungen keinen einzigen Beweis dafür, dass Encke in die Politik Friedrich Wilhelms II. eingegriffen habe.

Die Skulptur Prinzessinnengruppe (siehe Abbildung), welche der Bildhauer Johann Gottfried Schadow geschaffen hatte, entzog der König der Öffentlichkeit, da das Kunstwerk ihm zu leger erschien. Es stellte neben seiner Frau Luise seine Schwägerin Friederike dar, die wegen leichtfertiger Lebensweise bei ihm in Ungnade gefallen und vom Hof verbannt worden war.

Auch noch als König hielt sich Friedrich Wilhelm III. im Kronprinzenpalais auf. Das Berliner Stadtschloss war ihm viel zu imposant und wurde nur zu seltenen, repräsentativen Staatsakten wie der Huldigungsfestlichkeit genutzt. Anders als seine Vorgänger zog er eine klare Trennlinie zwischen Privatleben und öffentlicher Funktion.[5] Sein relativ schlichter, fast bürgerlicher Lebensstil fand in der Öffentlichkeit positiven Anklang. So pries der Theaterdichter Karl Alexander Herklots seinen König mit den Versen:

„Nicht dem Purpur, nicht der Krone

räumt er eitlen Vorrang ein.

Er ist der Bürger auf dem Throne,

und sein Stolz ist's Mensch zu sein“

Lobgedicht von Karl Alexander Herklots auf Friedrich Wilhelm III. aus dem Jahr 1798

Ein Zitat Friedrich Wilhelms III. beschreibt die Pflichtauffassung und kann als Beispiel seiner knappen Sprache gelten:

„Jeder Staatsdiener hat doppelte Pflicht: Gegen den Landesherrn und gegen das Land. Kann wohl vorkommen, daß die nicht vereinbar sind, dann aber ist die gegen das Land die höhere.“

Innenpolitische Reformbemühungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor 1806 hatte Friedrich Wilhelm III. Interesse an innenpolitischen Reformen gezeigt, die jedoch nur zögerlich verliefen, da sie auf den Widerstand der Landstände, seiner Kamarilla und Teilen der Bürokratie trafen. Am 11. August 1806 verfügte er die Gründung der ersten preußischen Blindenanstalt.

Agrarreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
der Agrarreformer des Königs: Albrecht Daniel Thear

1799 erteilte der König den Befehl, die Leibeigenschaft auf den königlichen Landgütern abzuschaffen.[6] Doch die Bemühungen des Königs trafen auf zähen Widerstand aus dem Generaldirektorium, da die adeligen Gutsherren fürchteten die Bauern ihrer Landgüter könnten rebellieren. Erst nach 1803 ignorierte Friedrich Wilhelm III. diese Bedenken und ließ die Frondienste der Bauern auf seinen Landgütern nach und nach abbauen. Im Jahr 1804 wurde Friedrich Wilhelm III. auf den Agrarreformer Albrecht Daniel Thaer aufmerksam. Die bisherigen Methoden der preußischen Landwirtschaft waren uneffektiv. Thaer ersetzte die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft durch die Fruchtfolge. Der König förderte die von Thaer gegründete Lehranstalt, die 1819 den offiziellen Titel „Königlich Preußische Lehranstalt des Landbaus“ erhielt.

Grundsteuerreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Edikt vom 13. Oktober 1798 wies der König die Finanzkommission an[7],

„auf die Heranziehung des Adels zur Grundsteuer Bedacht zu nehmen. Die Lehnpferdegelder seien kein ausreichendes Äquivalent für den Fortfall des Lehnsdienstes.“

Friedrich Wilhelm III. an die Finanzkommission

Friedrich Wilhelm III. ging es in dem Edikt um eine Erhöhung der Grundsteuer, die der Adel an den Staat zahlte. Das Vorhaben scheiterte jedoch, da ein hoher Beamter die königliche Order veröffentlichte und daraufhin die preußischen Landstände protestierten.

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenpolitische Ausgangslage Preußens: Der Friede von Basel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Friede von Basel von 1795 hatte zum Ausscheiden Preußens aus den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre Frankreich geführt. Zumindest auf dem Papier vereinbarten Preußen und Frankreich darin, die Neutralität Norddeutschlands zu achten.[8] Durch die Bildung dieser Neutralitätszone konnte Preußen seinen Einflussgebiet im Heiligen Römischen Reich auf Kosten der Habsburger, die weiterhin Krieg führten, ausbauen. Diplomatisch führte diese Politik dazu, dass Preußen keinen verlässlichen Bündnispartner hatte, um die Neutralitätszone zu verteidigen. Der kriegsführende Süden des Heiligen Römischen Reiches wurde gegenüber Frankreich so weit geschwächt, dass die französischen Truppen tief ins Heilige Römische Reich vordringen konnten.[8]

Gründe für die Fortführung der Neutralität unter Friedrich Wilhelm III.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Sicht Friedrich Wilhelm III. und seiner Kamarilla gab es viele Gründe für die Fortführung der Neutralität. Eine neutrale Haltung bot die Möglichkeit sich alle Handlungsoptionen offen zu halten und später Krieg zu führen.[9] Darüber hinaus ermöglichte der Frieden die Finanzen des Landes so weit zu sanieren, um es auf einen späteren militärischen Konflikt vorzubereiten. Friedrich Wilhelm III. strebte im Gegensatz zu Friedrich II. nicht zwangsläufig militärischen Ruhm an. Seinem Onkel teilte er mit:

„Alle Welt weiß, dass ich den Krieg verabscheue und dass ich nichts Größeres auf Erden kenne als die Bewahrung des Friedens und der Ruhe als einziges System, das sich für das Glück der Menschheit eignet“

Folgen der Neutralität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Preußen, der Rheinbund und Österreich im Jahr 1806

So blieb Preußen den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich auch weiterhin fern. Da Frankreich versuchte, Großbritanniens Position im Mittelmeer durch die Eroberung Ägyptens zu erschüttern, hatte sich um Großbritannien eine Zweite Koalition aus Russland und Österreich gebildet, die am 1. März 1799 einen weiteren Krieg gegen die Franzosen begann. Die Briten blieben in der Folge der Hauptfeind Napoleons.

Zwar ging Frankreich aus diesem Krieg geschwächt hervor, aber sein Einfluss auf Deutschland wuchs. Der Bericht des Reichsdeputationshauptschlusses, der am 27. April 1803 in Regensburg veröffentlicht wurde, kam einer geopolitischen Revolution gleich, die den Untergang des Heiligen Römischen Reiches vorzeichnete: Die Reichsstädte wurden bis auf sechs abgeschafft; von den unzähligen kirchlichen Fürstentümern blieben nur drei übrig. Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden, die aufgrund ihrer geographischen Lage zwischen Frankreich und Österreich nützliche Bündnispartner werden konnten, profitierten besonders von Gebietsgewinnen und Rangerhöhungen (z.B. wurden später Bayern, Sachsen und Württemberg zu Königreichen erhoben). Im Rahmen des Rheinbundes machte Napoleon die entstandenen deutschen Mittelstaaten zu seinen Vasallen, die ihm für seine Kriege Kontributionen und Soldaten zu stellen hatten.

Auch Preußen profitierte zunächst von den durch Säkularisierung und Mediatisierung erzielten Gebietsgewinnen. Die Bistümer Münster, Paderborn, Hildesheim und Erfurt, die Stifte Essen, Herford, Quedlinburg, Werden und Elten fielen an Preußen. Aber auch die Reichsstädte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen wurden preußisch.[10]

Nach der französischen Besetzung der preußischen Markgrafschaft Ansbach, zeigte Friedrich Wilhelm III. Interesse an einem Bündnis mit dem russischen Zaren Alexander I.. Der König schickte daraufhin seinen Außenminister Christian von Haugwitz mit einem Ultimatum zu Kaiser Napoleon, das mit einem preußischen Kriegseintritt in den Dritten Koalitionskrieg drohte. Als Friedrich Wilhelm III. von der österreichischen und russischen Niederlage bei Austerlitz hörte, zog er die Drohung zurück. Preußen galt damit weiterhin als Verbündeter des wenig zuverlässigen Französischen Kaiserreiches. Auf Druck von Napoleon besetzte Preußen Hannover, das in Personalunion mit Großbritannien regiert wurde. Mit diesem Schachzug trieb Napoleon einen Keil zwischen Friedrich Wilhelm III. und Georg III. von Großbritannien. Eine besondere Demütigung erfuhr Preußen, als Napoleon das Kurfürstentum Hannover wenig später in Friedensverhandlungen über Friedrich Wilhelms Kopf hinweg Großbritannien anbot.

Zusammenbruch Preußens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Preußen, der Rheinbund und Österreich im Jahr 1808

Nachdem sich solche französische Provokationen häuften, befahl Friedrich Wilhelm III. am 9. August 1806 die Mobilmachung seiner Armee.[11] Am 26. September schrieb der preußische König einen Brief an Napoleon. Er forderte den französischen Kaiser darin auf, die preußische Neutralitätszone anzuerkennen und preußische Territorien am Niederrhein zurückzugeben. Dem Brief ließ er am 27. September 1806 ein Ultimatum folgen. Der französische Kaiser solle bis zum 8. Oktober 1806 mit dem Rückzug seiner Truppen hinter den Rhein beginnen. Die Rheinbundakte bzw. die Schaffung des Rheinbundes, so lässt das Ultimatum erkennen, habe den Frieden von Basel bzw. die preußische Neutralitätszone in Norddeutschland ad absurdum geführt. Der König bezichtigt Napoleon also des Vertragsbruches. Im Ultimatum heißt es wörtlich:

„Der König erwartet von der Rechtschaffenheit Seiner Kaiserlichen Majestät:

1. dass die französischen Truppen, die kein begründeter Anspruch nach Deutschland ruft, unverzüglich wieder den Rhein überschreiten (...)“

Napoleon reagierte nicht auf das Ultimatum, antwortete jedoch dem Brief Friedrich Wilhelms III. Er gab darin Friedrich Wilhelm III. zu verstehen, dass Frankreich Preußen militärisch überlegen sei:

„Glauben Sie mir, ich habe so mächtige Streitkräfte, daß alle die Ihrigen den Sieg nicht lange schwankend machen können! Warum aber so viel Blut vergießen? Zu welchem Zweck? Ich spreche zu Eurer Majestät, genau so wie ich zum kaiser Alexander vor der Schlacht von Austerlitz gesprochen habe (...) Aber Sire, Eure Majestät wird besiegt werden! Sie werden die Ruhe ihrer Tage, das Leben Ihrer Untertanen preisgeben, ohne auch nur den kleinsten Grund zu Ihrer Entschuldigung vorbringen zu können! Heute stehen Sie noch unbescholten da und können mit mir auf eines Ihres Ranges würdige Weise unterhandeln, aber noch ehe ein Monat vergeht, wird ihre Lage eine andere sein.“

Brief Napoleons an Friedrich Wilhelm III.
Geographische Übersicht zum Schlachtfeld von Jena und Auerstedt

Am 9. Oktober 1806, ein Tag nach Ablaufen des preußischen Ultimatums, erkrärte Napoleon Preußen den Krieg. Zwar übertrug Friedrich Wilhelm III. dem Herzog von Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand, den Oberbefehl über die preußischen Truppen, doch riss weder dieser noch der König die Leitung des Feldzuges an sich. [12] Napoleon dagegen konnte schneller reagieren. Er ließ seine Truppen von Würzburg aus nach Thüringen marschieren. In der Schlacht bei Saalfeld am 10. Oktober 1806 fiel der bei Hofe einflussreiche Prinz Louis Ferdinand, ein Neffe Friedrichs II. Bei der darauffolgenden Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde das Heer des Königs vernichtend geschlagen. Friedrich Wilhelm gelang es kaum noch, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Er fand Weimar, wohin er sich zuerst wenden wollte, schon von den Franzosen besetzt. Immer wieder musste er- geführt von ortskundigen Bewohnern der Gegend- die Richtung wechseln, um den vorrückenden Truppen Napoleons zu entkommen. Als er schließlich in Sömmerda ankam, hatte er 26 Stunden ununterbrochen ohne Verpflegung im Sattel gesessen. Friedrich Wilhelm musste mit Frau und Kindern bis nach Memel in Ostpreußen fliehen, in den nordöstlichsten Zipfel des Landes. Am 7. und 8. Februar 1807 wurde die französische Armee von russischen Streitkräften in der Schlacht bei Preußisch-Eylau zurückgeschlagen. Von diesem Rückschlag ernüchtert, bot Napoleon Friedrich Wilhelm III. einen Waffenstillstand an, demzufolge Preußen lediglich auf seine Gebiete westlich der Elbe verzichten musste. Friedrich Wilhelm III. lehnte jedoch ab, da er hoffte, dass weitere russische Angriffe die Waagschale zugunsten Preußens neigen würden. Eine weitere russische Verstärkung blieb jedoch aus und Napoleon schlug die russische Armee in der Schlacht bei Friedland vernichtend.

Frieden von Tilsit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Juni 1807 musste Zar Alexander I. um Waffenstillstand bitten. Damit brach er sein Versprechen gegenüber Friedrich Wilhelm III., nicht mit Frankreich zu verhandeln. Zum Treffen Napoleons mit dem Zaren in Tilsit wurde der preußische König nicht eingeladen. Napoleon legte es auf die völlige Demütigung des Königs an. Friedrich Wilhelm III. musste stundenlang am Ufer der Memel, umgeben von russischen Offizieren und eingewickelt in einen russischen Mantel, auf die Ergebnisse des Vertrages warten. Erst am nächsten Tag lud Napoleon Friedrich Wilhelm III. zu sich. Zunächst ließ Napoleon den König im Vorzimmer warten, dann weigerte er sich, dem König seine Pläne für Preußen mitzuteilen. Stattdessen wurde der König von Napoleon über dessen militärische Fehler belehrt. Am 9. Juli 1807 diktierte Napoleon im Frieden von Tilsit die Bedingungen für Preußen. Preußen verlor alle Gebiete westlich der Elbe und aus der Zweiten und Dritten Polnischen Teilung. Teilweise aus den von Preußen abgetrennten Territorien entstanden das Herzogtum Warschau und das Königreich Westphalen, die zu französischen Vasallen wurden und Preußens Einfluss weiter eindämmten. Preußen hatte die Hälfte seines Territoriums verloren und war zu einer hoch verschuldeten Mittelmacht abgestiegen.

Im Palais des dänischen Konsuls Consentius-Lorck in Memel residierte 1807/1808 das Königspaar Friedrich Wilhelm und Luise[13]

Reformen und Befreiungskriege (1807–1815)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußische Reformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Friedrich Wilhelm III. war gezwungen zu erkennen, dass der militärische, politische und wirtschaftliche Zusammenbruch Preußens nur durch radikale Reformen überwunden werden konnte.[14] So ließ er es zu, dass ein Führungskader aus Ministern und Beamten eine Reihe von Regierungsedikten erließen, die Preußen zu einem modernen Staat machen sollten. Hier spricht man von den sogenannten „Preußischen Reformen“. Die Reformen wurden von Freiherrn vom Stein, Karl August von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt und Militärs wie Gerhard von Scharnhorst und August Graf Neidhardt von Gneisenau vorangetrieben.

Beziehung zum Staatsreformer Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dennoch leitete der König die Reformen mit Vorsicht ein. Die Staatsreformer wurden vom König in einigen Punkten ausgebremst, da Friedrich Wilhelm III. eine Balance zwischen Adel und aufstrebendem Bürgertum wahren wollte. Der preußische Finanz- und Handelsminister Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein wollte Preußen dagegen nach dem Vorbild des napoleonischen Code civil umformen: Bauernbefreiung, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz von Eigentum und Religionsfreiheit. Auf dieser Grundlage könne der Staat loyale Bürger für sich gewinnen und revolutionäre Kräfte, wie sie die Französische Revolution demonstriert hatte, bändigen. Als Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein vorschlug, die aus Günstlingen des Königs bestehende Kabinettregierung durch ein Ministerium zu ersetzen, schrieb ihm Friedrich Wilhelm III.:

„Aus allem diesem habe ich mit großem Leidwesen ersehen müssen, daß Sie als widerspenstiger, trotziger, hartnäckiger und ungehorsamer Staatsdiener anzusehen (sind), der auf sein Genie und Talent pochend, weit entfernt (davon ist), das Beste des Staates im Auge zu haben, nur durch Kapricien geleitet, aus Leidenschaft und aus persönlichem Hass und Erbitterung handelt.“

Friedrich Wilhelm III. an den Freiherrn vom Stein

Friedrich Wilhelm III. warf Stein in diesem Brief vor, nur aus Vorurteilen heraus zu handeln. Am 3. Januar 1807 zwang der König den Freiherr vom Stein zum Rücktritt und behinderte damit vorerst die preußischen Reformen.[15] Erst nach der Entlassung Karl August von Hardenbergs im Juli 1807 wurde der Freiherr vom Stein durch Friedrich Wilhelm III. in den Staatsdienst zurückgeholt.

Oktoberedikt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bedeutendste Leistung von Stein war das sogenannte Oktoberedikt, welches am 9. Oktober 1807 verkündet wurde. Mit dem Oktoberedikt wurde die Leibeigenschaft der Bauern und Frondienste aufgehoben. Berufsfreiheit und freier Eigentumserwerb wurden staatlich garantiert. Damit konnten Bauern in die Städte ziehen, Stadtbewohner Landbesitz erwerben und Adelige bürgerliche Berufe ergreifen.

Abschaffung der Kabinettregierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein gelang es, Friedrich Wilhelm III. davon zu überzeugen, sein Kabinett aus persönlichen Beratern aufzulösen und an dessen Stelle Ministerien zu setzen. Im November 1808 entstanden ein Justizministerium, ein Kriegsministerium, ein Finanzministerium, ein Außenministerium und Innenministerium. Mit der Abschaffung einer doppelten Beratung des Königs (d. h. durch Minister und Räte) sollten Rivalitäten zwischen Ministern und Beratern vermieden werden.[16] Die Bürokratisierung schränkte jedoch auch die Macht Friedrich Wilhelms ein. So versuchte Stein den König sogar davon zu überreden, dass Dekrete nur dann gültig seien, wenn sie die Unterschriften der fünf Minister trügen.

Erneuerer des Bildungswesens: Wilhelm von Humboldt
Bildungsreformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der König leitete auch umfassende Bildungsreformen ein. 1809 übertrug er Wilhelm von Humboldt die Gründung der Alma Mater Berolinensis, die Universität Berlin (1828–1949 Friedrich-Wilhelms-Universität, danach Humboldt-Universität zu Berlin). 1811 wurde die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität (Universität Breslau) eingerichtet und zuletzt unter Altensteins Leitung die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Mindestens ebenso wichtig waren die Reformen des Schulwesens in seinen verschiedenen Stufen. Außerdem wurde die Berufsausbildung verbessert sowie die Ausbildung von Fachleuten und Unternehmern der gerade entstehenden Industrie.

Judenedikt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 1812 wurden auf Initiative des Königs, der selbst kein Philosemit war, 30.000 Juden durch das Judenedikt der christlichen Bevölkerung rechtlich weitgehend gleichgestellt.

Neue Selbstdarstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Friedr. Wilh. III. mit Zopf und mit Biedermeierfrisur

Äußerlich passte sich Friedrich Wilhelm den Moden der neuen Zeit durchaus an. Während sein Porträt auf Münzen bis zum Jahr 1809 noch mit friderizianischen Zopf dargestellt wurde, trug er auf späteren Prägungen die moderne Frisur des Biedermeiers (siehe Foto der beiden Taler rechts). Mit der Abbildung auf Münzen wurde die Darstellung des Königs mit der neuen Frisur hoheitlich legitimiert. Die Lage des Landes und auch die Beziehung zwischen Volk und König besserten sich in Folge der Reformen in der Folge.

Reform der Staatsfinanzen unter Hardenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1810 erneuerte Napoleon die Forderung nach Zahlung einer Kriegsentschädigung. Friedrich Wilhelm III. ernannte Hardenberg am 27. Oktober 1810 zum Staatskanzler, der versprach, die französische Rechnung durch eine radikale Reform der Staatsfinanzen zu begleichen.[17] Die Staatsschulden betrugen 66 Millionen Taler, fast doppelt so viel wie vor 1806. Papiergeld, Kreditaufnahmen und Wertminderungen der Münzen hatten die wirtschafliche Krise Preußens weiter verschärft. Die Steuerlast wurde von Hardenberg durch eine Verbrauchssteuer gleichmäßig verteilt. Gewerbefreiheit wurde eingeführt und Zünfte abgeschafft.

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausplünderung des Landes durch die Franzosen und die endlose Verlängerung der Besatzung nach dem Friedensschluss führten zu einer immer mehr von Hass gegen die Besatzer erfüllten Stimmung.

Neutralität im Fünften Koalitionskrieg (1809)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1809 verweigerte sich Friedrich Wilhelm dem Drängen der Reformer und des romantischen Dichters Heinrich von Kleist, sich dem neuen Feldzug des österreichischen Kaisers Franz I. gegen Napoleon anzuschließen, obwohl die Österreicher bei der Schlacht bei Aspern Napoleon seine erste große Niederlage beibrachten. Weil dieser Anfangserfolg jedoch nicht ausgenutzt wurde, wurde der König in seinem Glauben bestärkt, dass die Österreicher nicht dazu fähig waren, Napoleon wirklich zu besiegen. Friedrich Wilhelms Strategie bestand darin, jeden Schritt zu vermeiden, der die völlige Auflösung des Königreiches nach sich ziehen könnte. Friedrich Wilhelm III. äußerte sich dazu:

„Eine politische Existenz, sie sey noch so klein, ist dennoch immer beßer als keine und dann , so ändert die Zeit vieles in der Welt, mithin bleibt auch in diesem Fall Hoffnung für die Zukunft: nicht so aber, wenn Preußen aus der Reihe der Staaten gänzlich ausscheiden müsste, welches sehr wahrscheinlich der Fall seyn möchte, wenn es zu früh alles aufs Spiel setzen wollte“Thomas Stamm: König in Preußens goldener Zeit

Den Aufstand Ferdinand von Schills verurteilte der König scharf. Der preußische König stand unter den Ostmächten, die (wegen des gegenseitigem Misstrauens) noch nicht koordiniert gegen Napoleon zusammenarbeiteten, in dieser Lage als einziger in Gefahr, sein ohnehin geschwächtes Land zu verlieren.

Russlandfeldzug (1812)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Februar 1812 wurde Friedrich Wilhelm auf französischen Druck hin Verbündeter im sich abzeichnenden Krieg Napoleons gegen Russland. Preußen musste ein Truppenkontingent für die Grande Armée stellen und durch sein Gebiet wälzten sich plündernd endlose Kolonnen von Napoleons Vielvölkerarmee. Nach dem Desaster Napoleons in den russischen Weiten und seiner Flucht nach Paris verhandelte General Ludwig Yorck von Wartenburg, Kommandeur des Preußischen Korps, das noch unter dem Befehl der Franzosen stand, und wenig ins Gefecht gekommen war, eigenmächtig mit den Russen. Ergebnis war die Konvention von Tauroggen, in der sich Yorck für neutral erklärte. Der König war entzürnt über diese riskante Eigenmächtigkeit, die ihn zum Krieg gegen Frankreich drängte. Später rehabilitierte er Yorck, wenn auch mit inneren Vorbehalten.

Befreiungskrieg (1813–1814)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entzog sich durch die Flucht nach Schlesien (Breslau) der Umklammerung der Franzosen, die ihn und seine Familie in Berlin oder Potsdam jederzeit hätten gefangennehmen können. Am 16. März 1813 erklärte er Frankreich den Krieg.[18] Hier hatten sich schon die künftigen preußischen Führer der Befreiungskriege versammelt, General von Blücher, Scharnhorst und Gneisenau. Nach Ostpreußen wurde nun Schlesien zum Zentrum des preußischen Widerstandes gegen Napoleon. In dieser Situation wurde am 9. Februar 1813 endlich das Kernstück der Militärreform, die Wehrpflicht, von Scharnhorst und Gneisenau seit Jahren gefordert, eingeführt, zunächst „für die Dauer des Krieges“, indessen später beibehalten.

Historische Bedeutung erlangte hierbei auch der von Friedrich-Wilhelm III. 1813 anlässlich des Beginns der Befreiungskriege gegen Frankreich herausgegebene Aufruf An Mein Volk in der Breslauer Schlesischen privilegierten Zeitung vom 20. März 1813. In dem Aufruf rechtfertigt ein preußischer Regent erstmals vor seinen Untertanen seine Politik; parallel wird die Stiftung des Eisernen Kreuzes, bekannt gegeben. Das Kreuz, entworfen von Karl Friedrich Schinkel, schuf erstmals eine Auszeichnung für alle Ränge, auch die einfachen Soldaten. Im Verbund mit den Russen, Österreichern und Schweden waren die Preußen, die unter Blücher die Russen mit sich zogen, die treibende Kraft bei der Verfolgung Napoleons bis nach Paris.

Konsolidierung im Frieden (1815–1840)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rahmenbedingung: Der Wiener Kongress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preußen und der Deutsche Bund im Jahr 1815

Durch die auf dem Wiener Kongress vereinbarten territorialen Veränderungen entstand ein neues Europa. Das System der Pentarchie bzw. fünf europäischen Großmächte (Preußen, Österreich, Großbritannien, Russland und Frankreich) sollte ein machtpolitisches Gleichgewicht etablieren und Kriege in Europa zukünftig verhindern. Friedrich Wilhelm III. wollte ursprünglich das ganze Königreich Sachsen seinem Staat einverleiben und damit ein zusammenhängendes preußisches Territorium im Osten schaffen.[19]

Preußische Westprovinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus britischen Überlegungen heraus, musste Preußen jedoch vor allem die Verteidigung der Westgrenze Deutschlands gegen ein wiedererstarkendes Frankreich gewährleisten. Zuvor hatten die Habsburger als Stammhalter der Österreichischen Niederlande diese Aufgabe übernommen, konnten aber nicht verhindern, dass das Rheinland zum Spielball französischer Interessen wurde (vgl. die Reunionen unter Ludwig XIV.). Im Wiener Kongress erhielt Preußen daher Westfalen und die Rheinprovinz. In seiner Proklamation an die neuen Westprovinzen stilisierte er sich in Abgrenzung zu Frankreich zum Verteidiger nationaler Interessen.

Festung Ehrenbreitstein, Hauptwerk des zweitgrößten Festungssystems in Europa

„Und so, ihr Einwohner dieser Länder, trete ich jetzt mit Vertrauen unter Euch, gebe euch eurem deutschen Vaterlande, einem alten deutschen Fürstenstamme wieder und nenne euch Preußen“

Proklamation Friedrich Wilhelms III.

In diesem Zusammenhang erließ der König am 11. März 1815 die „Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein“. Gemeinsam mit der Festung Köln sollte die Festung Koblenz den Mittelrhein sichern. Die Städte Koblenz und Ehrenbreitstein wurden bis 1832 befestigt und mit einem Gürtel von selbstständigen vorgeschobenen Festungswerken umgeben, gebaut nach modernsten Erkenntnissen, der so genannten „Neupreußischen“ oder „Neudeutschen Befestigungsmanier“. Die Festung Ehrenbreitstein (1817-1828) war das Hauptwerk.

Preußische Ostprovinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wiener Kongress erhielt Preußen im Osten die nördliche Hälfte Sachsens (mit der Festungsstadt Torgau und Lutherstadt Wittenberg), den schwedischen Teil Vorpommerns (mit der Insel Rühen) und das Großherzogtum Posen.

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Restauration“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Thalermünze von 1819 mit Konterfei Friedrich Wilhelm III.

Der Begriff Restauration kann auf das Preußen der langen Friedensperiode von 1816 bis 1840 (vom Jahr nach dem Sieg bei Waterloo bis zum Tod des Königs) nicht genau so angewandt werden, wie auf Frankreich, wo die alte Dynastie der Bourbonen wieder an die Macht kam. Während der Restauration der Bourbonen wurde tatsächlich der Versuch gemacht, die neue Ausrichtung von Staat und Gesellschaft nach der Französischen Revolution wieder zurück zu drehen. In Preußen setzten jedoch die Hohenzollern ihre Regierung fort. Auch die Reformen blieben bestehen, es wurde die Leibeigenschaft nicht wieder eingeführt oder die Selbstverwaltung der Städte zurückgenommen oder die Gewerbefreiheit abgeschafft und auch die allgemeine Wehrpflicht blieb bestehen. Reformen im Heerwesen sowie in der Finanz-, Wirtschafts- und Bildungsförderung wurden weiter ausgebaut.

Trotzdem war der Begriff Restauration auch in Preußen in liberalen Kreisen negativ wertend gemeint, da das politische System konservativ blieb, so dass es z. B. nicht durch eine Verfassung erweitert wurde. Das hatte etwas mit der Haltung der konservativen Mächte Russland und Österreich nach dem Wiener Kongress zu tun. Fürst Metternich, der Staatskanzler Österreichs, versuchte Druck gegenüber den liberalen Bestrebungen in ganz Europa auszuüben. Dagegen wirkten die preußischen Reformen unter der politischen Oberfläche im großen und Ganzen weiterhin liberalisierend.[20]

Preußens zunehmende Westorientierung wurde ein Gegengewicht gegen den Einfluss der Ostmächte. Als in Frankreich 1830 die Julirevolution ausbrach, weigerte sich Friedrich Wilhelm militärisch einzugreifen, zum Ärger von Zar Nikolaus I., seines Schwiegersohns. Wilhelm, der zweite Sohn des Königs, erkannte (auch in geistiger Auseinandersetzung mit den Vorgängen im Westen) frühzeitig die Notwendigkeit des Übergangs zu konstitutionellen Formen, die jedoch erst nach der Revolution von 1848 möglich wurden. Bis kurz vor seinem Tode (1822) hoffte Staatskanzler Hardenberg, den König dazu zu bewegen, Preußen ein Parlament und eine Verfassung zu geben. Doch die Adelpartei bei Hofe, angeführt vom jungen Kronprinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV., wollte Preußen zu ständischen Formen mit starker Dominanz des Adels zurückführen. 1823 wurden nur Provinzialstände eingeführt, immerhin die ersten Regionalparlamente, aber eben keine „Reichsstände“.

Staatskanzler Hardenberg am Reiterdenkmal für FW III (Preußen), Heumarkt Köln

So konnte Hardenberg die Reform des Finanzwesens, die das durch Besatzung und Krieg völlig verarmte Preußen langsam wieder zahlungsfähig machte, nicht durch eine geschriebene Verfassung und eine Nationalversammlung absichern. Die Militärreform, die der allgemeinen Wehrpflicht verpflichtet blieb, ermöglichte die Einrichtung eines kostengünstigen System aus Linienarmee und Landwehr. Die Beibehaltung der Landwehr wurde in Österreich und Russland argwöhnisch als Verstetigung der „Volksbewaffung“ der Befreiungskriege beäugt. Mit seinem gesamten Reformwerk wurde Preußen das Land der öffentlichen Pflichten, der Wehrpflicht, der Schulpflicht und der Steuerpflicht. In Preußen wurden damit wesentliche Grundlagen der staatlichen Organisation geschaffen, die im Kaiserreich auf ganz Deutschland übertragen wurden und zum Teil noch heute nachwirken.

Demagogenverfolgungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1819 ermordete der Jenaer Burschenschafter und Theologiestudent Karl Ludwig Sand den Dichter August Kotzebue, der im Dienste Russlands gestanden und sich gegen die Turnbewegung und die Burschenschafter ausgesprochen hatte, die er als revolutionär, liberal und nationalistisch Angriff. Davon beeindruckt, ließ sich der König durch Metternich zum Glauben an die Existenz einer allgemeinen revolutionären Verschwörung gegen die legitime Ordnung überreden. So begannen 1820 die sogenannten Demagogenverfolgungen, bei denen auch staatstreue Patrioten wie Ernst Moritz Arndt verfolgt wurden (er wurde erst unter Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert). Unruhen, welche auch in Deutschland infolge der Pariser Julirevolution von 1830 ausbrachen, bestärkten den König später in seiner Abneigung gegen revolutionäre Regungen und verschärften die konservativen Tendenzen seiner späteren Regierung.

Religionspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwierigkeiten bereitete die Integration der Katholiken, von denen es in Preußen wegen der Übernahme des Rheinlands jetzt wesentlich mehr gab. Eine nach der napoleonischen Unterdrückung wieder wesentlich selbstbewusstere Römische Kurie setzte dem König, der sich als Schirmherr des Protestantismus in Preußen und Deutschland sah, erheblichen Widerstand entgegen und rief die Katholiken zum Ungehorsam auf. Offene Widersetzlichkeit, zum Beispiel in der Frage der konfessionell gemischten Ehen (sog. Kölner Wirren), führte zur Verhaftung der Erzbischöfe von Köln und Posen. In den Gebieten mit polnischer Bevölkerung war die konfessionelle Frage auch mit dem Wunsch der Polen nach nationaler Selbstbestimmung verknüpft. Im Rheinland versuchte der Klerus, mentale Unterschiede der Ost- und Westdeutschen für seine Interessen zu nutzen.

Durch die 1817 neu gegründete Union suchte Friedrich Wilhelm zugleich den religiösen Sinn zu heben und die Einheit der protestantischen Konfessionen in der Evangelischen Kirche in Preußen zu erzielen, wobei er es zunächst friedlich versuchte. Hartnäckiger Widerstand, vor allem in den neuen sächsischen Landesteilen, führte ihn zu Zwangsmaßregeln, etwa zur Inhaftierung von Pfarrern, zur Beschlagnahme lutherischer Kirchen, Enteignung von Grundbesitz, wie die Entstehung der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche und der Agendenstreit belegen.

Reformbemühungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon frühzeitig hatte der König aus dem Kurfürstentum Hannover Albrecht Daniel Thaer nach Preußen berufen, der zum Reformator der Landwirtschaft wurde. Für das Gewerbe und die junge Industrie wurde der aus Cleve stammende, preußische Rheinländer Christian Peter Wilhelm Beuth ein einflussreicher Förderer. Das sehr vergrößerte, aber territorial ungünstig verteilte neue Preußen konnte seine wirtschaftliche Vernetzung, z. B. durch den Bau von Straßen und Chausseen sowie Planungen für den Ausbau der Eisenbahn vorantreiben. Als der König starb, war die Berlin-Potsdamer Eisenbahn knapp zwei Jahre fertiggestellt.[21] Friedrich Wilhelm nutzte die Eisenbahn nach Potsdam aktiv und bewilligte in seinem Testament ein Million Taler für eine preußische Ost-West-Eisenbahn. Borsig in Berlin begann mit dem Bau von Lokomotiven. Einfluss bei Hofe und große Popularität in Preußen erlangte auch der Weltreisende Alexander von Humboldt, dessen Werke dem naturwissenschaftlichen Denken einen weiteren Aufschwung brachten. Die Berufung von Georg Wilhelm Friedrich Hegel auf den philosophischen Lehrstuhl der Berliner Universität machte diese zum Mittelpunkt der Philosophie in Deutschland. Von großer Bedeutung war auch das Wirken von Christoph Wilhelm Hufeland. Der Leibarzt des Königshauses war auch ein preußischer Reformer der Medizin und des Sozialwesens.

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenpolitisch verfolgte Friedrich Wilhelm weiter jene Ideen, mit denen er schon als junger König angetreten war, Neutralität und Frieden. Die neu geschaffene Armee kam nach den Befreiungskriegen praktisch nie ins Feuer. Oft war der König in europäischen Konflikten vermittelnd tätig. Die Politik der Heiligen Allianz war zwar reaktionär und restaurativ, aber sie verschaffte Kerneuropa, das seit der Französischen Revolution bis zur Schlacht von Waterloo immer wieder von Kriegen überzogen worden war, eine lange Friedensperiode. In Preußen wurde diese Periode dazu genutzt, Landwirtschaft, Gewerbe und Handel wieder in Gang zu bringen.

Zollpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deswegen fielen im neuen Preußen alle Binnenzölle und nach außen (auch gegen das restliche Deutschland) wurde ein einheitlicher Zoll festgesetzt, der so moderat war, dass er Preußen nicht nach außen abschottete. Zuvor hatte Preußen den deutschen Ländern einen Zollverein angeboten, den diese jedoch aus Angst um ihre Selbstständigkeit abgelehnt hatten. Für Friedrich Wilhelm war dabei stets das Interesse der Krone wichtig, das er, wie seine Vorgänger, weitgehend mit dem Interesse des Landes identifizierte. Wie auch seine Frau Luise ging er davon aus, dass eine florierende Wirtschaft auch die Mittel zur Sicherung des Landes bereitstellt und die Stimmung der Bevölkerung stabilisiert.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Wilhelm starb am 7. Juni 1840. Seine letzte Ruhestätte fand er im Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg, an der Seite seiner ersten Gemahlin Luise. Christian Daniel Rauch, der ihn so oft porträtiert hatte, stellte ihn in einem Marmorbild auf dem Sarkophag liegend neben dem Sarkophag seiner Frau dar. Auch dieses Bildwerk der Berliner Klassik kann besichtigt werden.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hufeland, im Relief am Reiterdenkmal für FW III (Preußen), Heumarkt Köln

Eine Idee der Reformzeit und eine Reaktion auf die Verschleppung zahlreicher Kunstwerke durch Napoleon und deren Rückkehr (darunter Schadows Quadriga vom Brandenburger Tor) war die Zusammenfassung der bisher in den königlichen Schlössern verstreut gezeigten Kunstschätze in einem eigens dafür errichteten Museum. Im Jahr 1810 beauftragte Friedrich Wilhelm III. Wilhelm von Humboldt mit der Zusammenstellung einer „gut gewählten Kunstsammlung.“ Dem neuen Verständnis der Kunst gemäß entstand mit dem Königlichen Museum eine Kultur- und Bildungseinrichtung, die sich an den Staatsbürger richtete. Das Gebäude, eines der schönsten Bauwerke des Klassizismus, errichtete Karl Friedrich Schinkel in den Jahren 1824 bis 1830 am Lustgarten in Berlin. Durch weitere Museen, die Friedrich Wilhelms Nachfolger hinzufügten, wurde es als Altes Museum der Auftakt der Berliner Museumsinsel.

der Architekt des Königs: Karl Friedrich Schinkel

Trotz seiner legendären Sparsamkeit ging Friedrich Wilhelm auch als Förderer von Architektur und Kunst in die Geschichte ein. Zwar konnte Schinkel seine zuweilen ausgreifenden Projekte oft nicht realisieren, aber der nüchterne und mäßigende Geist des Königs brachte die Kreativität des Baumeisters dennoch zu Höchstleistungen. Die Wache unter den Linden, das Schauspielhaus, die Friedrichswerdersche Kirche, das Museum und die Bauakademie (erstere in Berlin noch vorhanden, die Bauakademie leider nur in Bildern, in einer Ansicht meisterhaft durch Eduard Gärtner dargestellt) drücken den Geist der Periode musterhaft aus. Die Wiederentdeckung von Backstein und Terrakotta durch Schinkel in Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmer Tobias Feilner war nicht nur eine historische und künstlerische, sondern auch eine technologische Leistung ersten Ranges.

In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung Schinkels schmückten Christian Daniel Rauch und dessen Bildhauerschule Berlin mit Statuen aus, die das Andenken der Befreiungskriege festhielten. Gerhard von Scharnhorst, Bülow von Dennewitz und Blücher erhielten als erste ihre Denkmale. Yorck und Gneisenau folgten später unter Friedrich Wilhelm IV. Die Reliefs am Berliner Denkmal von Blücher zeichnen sich durch große Volkstümlichkeit aus (der von der Reaktion am meisten angefeindete Reformer Gneisenau ist mehrfach zu sehen). Kurz vor seinem Tode ließ der König noch den Grundstein für das Denkmal Friedrichs des Großen legen, das mehr als zehn Jahre später durch Rauch und seine Schüler fertiggestellt wurde. Es erfreute sich (wie die Legende Friedrichs) großer Beliebtheit im Volk.

Auch für die Malerei tat der König einiges. Er unterstützte Wilhelm Wach, der im Lagerhaus bei Rauch mit seinem Atelier unterkam und Friedrich Wilhelm von Schadow, den Sohn des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Er ließ ihn durch Kultusminister Altenstein zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie ernennen. Anfang 1826 trat er seinen Dienst dort als Nachfolger von Peter von Cornelius an, der nach Schinkels Entwürfen die Vorhalle des Museums ausmalte. Bald folgten ihm seine begabtesten Schüler, und es entstand nach kurzer Zeit die berühmte Düsseldorfer Malerschule.

Friedrich Wilhelm III., Kopf der Reiterstatue vom Heumarkt in Köln (kriegsbeschädigt)

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der absolutistischen Monarchie hängt vieles an den Entscheidungen (oder Nicht-Entscheidungen) des Monarchen. Deswegen beeinflusst der jeweilige Charakter des Herrschers die geschichtlichen Abläufe.[22] Friedrich Wilhelm III. war ein verständiger, prinzipientreuer und rücksichtsvoller Mensch. Mit „genialen“ Menschen kam er jedoch nicht gut zurecht. Er vertiefte sich gewissenhaft in die Dinge, aber seine Neigung, sie bis ins Letzte zu durchgrübeln und abzuwägen, lähmte oft seine Entschlusskraft. Auch in seiner Friedensliebe war er ganz das Gegenteil Friedrichs des Großen, seines Großonkels, den seine philosophische Ader nicht davon abhielt, schnell politische Entscheidungen zu treffen, etwa einen Krieg anzufangen.[23]

Wie bei Friedrich II. war Friedrich Wilhelms Leben von einem großen Wendepunkt bestimmt, und dieses Phänomen sollte sich bei seinem Sohn Wilhelm, später als Wilhelm I. Deutscher Kaiser, wiederholen. Doch diese drei Lebenswenden von Großonkel, Friedrich Wilhelm selbst und Sohn Wilhelm waren ganz verschieden. Großonkel Friedrich II. war in seiner Jugend ein humanistischer Schöngeist und voller Verachtung gegenüber dem prosaischen Regiment seines Vaters, des politisch fähigen Soldatenkönigs. Der Vater-Sohn-Konflikt führte dazu, dass Friedrich versuchte, ins Ausland zu fliehen, gefangen wurde und nur knapp der Hinrichtung entkam. Seine Errettung soll dem Einspruch des Alten Dessauers zu verdanken sein. Friedrich begann sich (erst aus Entsagung, dann aus Überzeugung) in die prosaischen Fachgebiete der Regierung zu vertiefen.

Friedrich Wilhelms Lebenswende wurde durch den Zusammenbruch Preußens (1806) und den frühen Tod seiner geliebten Frau (Luise von Mecklenburg-Strelitz 1810) ausgelöst. Dem staatlichen und persönlichen Abgrund nahe, entschloss er sich, die Reformen, über die er bisher nur nachgedacht hatte, auch umzusetzen. Bei Sohn Wilhelm ging die Lebenswende auf den Zusammenbruch der staatlichen Macht anlässlich der Märzrevolution zurück. Aufständische versuchten ihn auf der Flucht nach England zu lynchen. Die Folgen waren bei den drei großen preußischen Königen sehr verschieden. Friedrich wurde ein harter, pragmatischer und einsamer Mann. Wilhelm dagegen, ein Verehrer Friedrichs, wurde sensibler und die Weichen für den späteren Volkskaiser waren gestellt.

Friedrich Wilhelm wiederum entwickelte sich aus einer einfachen zu einer komplexeren Person. Wie einst der Soldatenkönig zwar am Militär, aber nicht am Krieg interessiert, wurden die Reformzeit und die Friedenszeit nach dem Befreiungskrieg die Phase seiner besten Wirksamkeit. Preußen wurde aus einem Staat des Militärs zu einem Land von Bildung, Kultur und Kunst. Besonders lagen dem König die Aufhebung der preußischen Binnenzölle und die Gründung eines Deutschen Zollvereins am Herzen. Die Förderung des Handels nach liberalen Prinzipien entsprach dem Charakter Friedrich Wilhelms in besonderer Weise. Aus den Aufzeichnungen der Königin Luise ist bekannt, dass auch sie bereits solchen Ideen angehangen hatte. „…denn jeder weiß so gut wie ich, dass nur der Handel einen Staat zur Blüte bringt, das nur er das Volk reich macht, und wem kommt der Reichtum mehr zugute als dem König? Wenn also diese alte Wahrheit wahr bleibt, dann musste der Handel für den König ein politischer Gesichtspunkt, und zwar einer der allerwesentlichen sein.“[24]

Als Friedrich Wilhelm 1797 im Alter von noch nicht einmal 30 Jahren die Regierung übernahm, zeichnete sich jene Periode ab, in der Napoleon Bonaparte mit seinem energischen Willen unaufhaltsam nach Osten vorrückte. Der Imperator hielt Verträge und Abmachungen nur so lange, wie sie ihm nützten. Friedrich Wilhelm versuchte das Land, so lange es nur ging, aus dem großen europäischen Krieg herauszuhalten. Doch das oft nicht geschickte Lavieren und das von der preußischen Kriegspartei geforderte Aufbäumen gegen den Kaiser führten 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt in die Katastrophe. Wäre Preußen später nicht wie Phönix aus der Asche gestiegen, hätte die Geschichte wohl nur noch wenig von dem Land geredet. Doch der König bekam seine zweite Chance.

Neben dem russischen Zaren, Alexander I., war Friedrich Wilhelm die treibende Kraft des Befreiungskrieges. Allerdings überließ er den Krieg weitgehend Blücher und Gneisenau, also der Führung der Schlesischen Armee. Das ungleiche Duo aus dem volkstümlichen General und dem intelligenten Strategen nutzte den Spielraum, der aus der Natur des Königs erwuchs, konsequent aus. So konnten die Preußen gegen die bremsenden Österreicher einen Vorwärts-Feldzug durchsetzen, der darauf ausging, Napoleon im eigenen Land zu besiegen. Der König tolerierte diese Strategie durch seine Passivität. Er hatte den aggressiven Charakter von Napoleons Politik erkannt, mit dem kein dauerhafter Frieden möglich war.

Auch aus seinen Neigungen heraus wünschte der König eine Periode des Friedens. Sie sollte dazu dienen, die Kräfte des ausgesogenen Landes zu sammeln. Zu diesem Zwecke musste auf Grundlage der oft noch auf dem Papier stehenden Reformen und der preußischen Traditionen ein neues, in sich schlüssiges gesellschaftliches System gefunden werden. Schieflagen, die die Modernisierung des sozialen Systems des Soldatenkönigs und Friedrichs des Großen nach sich zog, mussten ausgeglichen werden. Die Aufgabe, die Reformen mit der Tradition zu verknüpfen und die sozialen Verhältnisse zu stabilisieren, entsprach ganz dem Charakter und Regierungsstil des Königs.

Noch Friedrich der Große hatte mit seiner zähen Arbeitskraft und wenig Schlaf im kompakteren und vormodernen Preußen alles und jedes bis ins Detail geregelt. Unter Friedrich Wilhelm war Preußen in die Frühmoderne eingetreten, und die komplexeren Verhältnisse erforderten es, Verantwortung an Spitzenbeamte zu delegieren, die ihre Gebiete mit einer gewissen Eigenständigkeit bearbeiteten. Dabei ging es sowohl um die Fachressorts, als auch die Leitung der neu gebildeten Provinzen. Dem König oblagen zwar weiterhin die grundlegenden Entscheidungen, aber die Umsetzung ins Detail war den Ressorts überlassen. Vor allem aber wurden die beratenden Leistungen der Fachleute wichtiger.

Zur königlichen Rolle des Entscheiders gesellte sich die des Moderators und dafür war Friedrich Wilhelm gut geeignet. Deswegen ist seine zweite Regierungsperiode die erfolgreichere. Doch trotz der Ruhe und der Ausgeglichenheit des Königs, konnte er zuweilen in Zorn geraten und harte Entscheidungen treffen. Das betraf vor allem Dinge, die ihm besonders am Herzen lagen, wie die Union der Reformierten und Lutheraner und die Wahrung der Rechte der Protestanten (und der Krone) in den katholisch dominierten Provinzen. Er versuchte es lange im Guten. Da ihm jedoch notorischer Widerstand entgegenschlug, etwa seitens der Erzbischöfe von Köln und Posen oder der sächsischen Lutheraner, griff er schließlich durch.

Ausgleichendes Vorgehen war für Preußen auch außenpolitisch und regional nötig. Das Land lag nun mehr in der Mitte Europas, zwischen den konservativen Mächten des Ostens, Russland und Österreich, und den sozial fortgeschrittenen Staaten des Westens, England und Frankreich. Dazu kam, dass die Länder Preußens geografisch ungünstig verteilt lagen und sich sozial und kulturell deutlich unterschieden. Das an Russland grenzende bäuerliche Ostpreußen und das städtische Rheinland an Deutschlands Westgrenze standen auf sehr verschiedenen Stufen der sozialen Entwicklung. Dem neuen Preußen, einem weitläufigen und heterogenen Gebilde, war nach den Befreiungskriegen auch der Schutz des Westgrenze Deutschlands zugewiesen („Wacht am Rhein“).

Es entsprach dem Charakter des Königs, dass er den friedlichen Ausgleich suchte. Das Zweckbündnis des Befreiungskrieges mit Russland und Österreich wurde fortgesetzt. Einen besonderen Akzent setzte er durch den Ausgleich mit Frankreich. Zwar wurde die Verteidigungslinie nach Westen stark ausgebaut, aber der preußische König vermied es, Frankreich zu reizen oder zu demütigen. In die Julirevolution von 1830 griff er nicht ein, obwohl der russische Verbündete, Schwiegersohn Zar Nikolaus I., ihn dazu drängte. Auch als im selben Jahr an der für Preußen kritischen polnischen Flanke der Novemberaufstand gegen die russische Besatzung ausbrach, verhielt er sich eher passiv.

Wie auch in seiner Rolle als Schutzherr der Protestanten so konnte Friedrich Wilhelm Härte zeigen, wenn es um die Grundfesten der preußischen Monarchie ging. Inhalt und Stil des Liberalismus, später des Sozialismus, stießen schroff auf die preußische Tradition, aber auch auf den am Ausgleich der Stände interessierten Charakter des Königs. Als legitimen Spross einer altehrwürdigen und leistungsfähigen Dynastie beunruhigte ihn der Angriff auf alles Bestehende. Vom Haupt der europäischen Reaktion, Metternich, ließ er sich von der Existenz einer politischen Verschwörung gegen die legitime Ordnung überzeugen und im Rahmen der Demagogenverfolgungen zu überzogenen Maßnahmen verleiten.

Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Ostpreußen bei den Verwaltungsreformen von 1807/08 (mit den Reformern Stein, Hardenberg, Scharnhorst und Gneisenau und Mitgliedern der königlichen Familie, z. B. Bruder Prinz Wilhelm und dessen Gattin, Prinzessin Marianne); Relief am Denkmal für den Freiherrn vom Stein von Hermann Schievelbein und Hugo Hagen in Berlin vor dem Abgeordnetenhaus

Dennoch war es sein Verdienst, dass in Preußen der Prozess der Modernisierung zügiger vorankam als in Russland und Österreich. Es wurden Grundlagen für die Industrialisierung gelegt, insbesondere für ihre deutsche Form mit der Orientierung auf solide Ausbildung und Qualität. Das vom König geförderte Gewerbeinstitut, das aus England und Frankreich und Belgien technologisches Wissen beschaffte, Maschinen nachbaute, Unternehmer und Ingenieure ausbildete und diesen die Technologie zugänglich machte spielte dabei eine Schlüsselrolle. Ebenso lag Friedrich Wilhelm III. die Modernisierung der Landwirtschaft am Herzen, die in seiner Regierungszeit große Fortschritte machte.

Glaubhaft versichern die Quellen, z.B. der Bischof Eylert, die Vorliebe des Königs (und seiner Frau Luise) für den Bauern- und Bürgerstand, wobei letzterer erst in seiner klein- bis mittelbürgerlichen Form in Erscheinung trat. Städte bürgerlichen Gewerbefleißes erfreuten sich der Zuwendung der Monarchen, allen voran das damals noch beschauliche Magdeburg, das dem König auch die Sicherung und Pflege seines Domes verdankt. Adliger Hochmut war dem Königspaar zuwider. Allerdings war Luise die ungleich volksnähere Natur. Am kleinen Darmstädter Hof war sie mit wenig Etikette herangewachsen und hatte sich unter Menschen aller Stände bewegt. Dagegen war der König in seiner Jugend kaum aus den Hofkreisen von Berlin und Potsdam herausgekommen.

Im Laufe seiner langen Regierungszeit wandelte sich jedoch das ernste und steife Wesen des Königs. Schon das volksnahe Leben mit Luise und der Familie im ländlichen Paretz („Schloss Still-im-Land“) hatte dazu beigetragen. Friedrich Wilhelm war die Hoffnung des kinderlosen Alten Fritz gewesen, der mit der Lebensart seines Neffen Friedrich Wilhelm unzufrieden war, der als Friedrich Wilhelm II. seine kurze Regierung antrat. Aber wenig fähig mit Kindern umzugehen und den Jungen liebevoll in seinem Sinne zu erziehen, gab Friedrich ihm einen pedantischen Sauertopf zum Erzieher und ab und zu gute Ratschläge, deren sich der König später immerhin noch erinnern konnte. Der Junge wurde von seinem Vater wenig beachtet und hielt sich dem frivolen Treiben bei Hofe fern. Er entwickelte sich zu einem schüchternen und wenig selbstbewussten Charakter.

Ohne jene Fügung, die den aufmunternden Charakter Luises an die Seite Friedrich Wilhelms brachte, ist seine Wandlung zu einer gewissen Umgänglichkeit kaum vorstellbar. Dass es eine Liebesheirat wurde und die Ehe glücklich und kinderreich, trug dazu bei. Das junge Paar war bei der Bevölkerung beliebt, auch weil es oft ohne Begleitung in Berlin Unter den Linden oder im Tiergarten spazierte. Der König mischte sich später gerne unter das Volk und ließ sich allabendlich im Theater sehen. Dabei ging er sowohl in das Berliner Schauspielhaus als auch in das Königsstädtische Theater, die er beide in Auftrag gegeben hatte. Bischof Eylert berichtet, dass der König sich auf diese Weise von der Regierungsarbeit zu erholen suchte. Zum anderen versuchte er sich anhand der bürgerlichen Volksstücke in die Mentalität seiner Bürger und ihre Stimmungen einzufühlen.

Er vertrat fortschrittliche Kunstansichten: Das zeigt jedenfalls der Ankauf der „modernsten deutschen Bilder der Zeit“ – Caspar David Friedrichs Der Mönch am Meer und Abtei im Eichwald (1810).[25] Friedrich Wilhelm III. war auch musikalisch besonders begabt. Bereits als zehnjähriger Prinz komponierte er einen heute noch sehr bekannten Marsch, der allerdings zunächst in Vergessenheit geriet. Aufgeführt wurde dieser Marsch erstmals 1835 bei der Revue von Kalisch. Der Marsch wurde später von den meisten Regimentern der Armee als Präsentiermarsch genutzt und auch so benannt. Auch die Bundeswehr spielt ihn noch heute.

Friedrich Wilhelm III. von Preußen im fortgeschrittenen Alter von Christian Daniel Rauch (Römische Bäder Potsdam-Sanssouci)

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue von Friedrich Wilhelm III. auf der Burg Hohenzollern

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standbild Friedrich Wilhelms III. von Friedrich Drake in Berlin
Köln
Königssäule in Wolfshagen
Waterloo-Gedenktafel in Merseburg
Reiterstandbild vor dem Universitätsgebäude in Königsberg, um 1920
  • Im südlichen Großen Tiergarten steht ganz in der Nähe des Denkmals der Königin Luise ein 6,50 Meter hohes Standbild des Königs, das der Bildhauer Friedrich Drake geschaffen hat. Es stellt Friedrich Wilhelm in einfacher Kleidung dar, die Inschrift lautet: Ihrem Könige Friedrich Wilhelm III. Die dankbaren Einwohner Berlins 1849. Das Denkmal entstand als Dank für die Verschönerung des Tiergartens, die vom König veranlasst worden war. Finanziert wurde es durch Spenden aus allen Teilen der Bevölkerung. Termin der Aufstellung war der 3. August 1849. Die Reliefs am Sockel versinnbildlichen einen Lobgesang auf den Tiergarten. Das Denkmal ist eine Kopie, das geschützte Original befindet sich seit Mai 2009 in der Zitadelle Spandau.
  • In der Mitte des Lustgartens stand ein Reiterstandbild des Königs von Albert Wolff, enthüllt am 16. Juni 1871, dem Tag der Heimkehr der siegreichen Truppen aus dem Deutsch-Französischen Krieg. Es gehörte zu einem Ensemble der Reiterstandbilder von schließlich fünf Hohenzollern, die auf das Berliner Stadtschloss zu ritten. Das bei der Umgestaltung des Platzes 1936 an den westlichen Platzrand gerückte und im Zweiten Weltkrieg beschädigte Denkmal wurde nach 1945 als Buntmetallschrott eingeschmolzen.[26]
  • Im Jahre 1886 wurde in der Herrscherhalle des Zeughauses ein 2,8 Meter hohes Bronzestandbild Friedrich Wilhelms von Emil Hundrieser aufgestellt. Zuerst 1944 auf die Plassenburg bei Kulmbach ausgelagert, befindet es sich seit 1960 mit den anderen Herrscherstatuen auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen (Abbildung siehe oben).[27]
  • Für die Siegesallee schuf der Bildhauer Gustav Eberlein in der Denkmalgruppe 30 ein Marmorstandbild Friedrich Wilhelms III., enthüllt am 30. März 1901. Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II., dem Auftraggeber der Monumentalallee, zeigte Eberlein den König nicht als den unglücklichen alten Mann, dessen Politik eher ungünstig in Erinnerung blieb, sondern in schlanker Offiziersgestalt als jungen König, der sich gerne in das fast bürgerliche Familienleben im Sommersitz Paretz zurückgezogen hatte.
    Die politisch-militärische Dimension seiner Regierungszeit repräsentierten in der Denkmalgruppe die Nebenbüsten zu Gebhard Leberecht von Blücher und Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein. Das Standbild Friedrich Wilhelms ist erhalten (die rechte Hand und der Stock fehlen) und ruht seit Mai 2009 gleichfalls in der Zitadelle Spandau.[28]
  • Zugleich hatte Eberlein ein überlebensgroßes Marmorstandbild Friedrich Wilhelms für den zwischen 1892 und 1903 von Ernst von Ihne zum Hauptrepräsentationraum des preußischen Staates umgestalteten Weißen Saal des Berliner Schlosses geschaffen.[29] Zusammen mit den anderen acht Statuen fiel sie im Dezember 1950 der Sprengung des Schlosses zum Opfer.[30]

Breslau 1861 wurde in der Nähe des Neuen Rathauses ein Reiterstandbild zu Ehren Friedrich Wilhelm III. aufgestellt. Das Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Potsdam 1845 wurde in Potsdam auf dem Wilhelmsplatz (dem heutigen Platz der Einheit) ein aus Spenden von Potsdamer Bürgern finanziertes Bronzedenkmal des Berliner Bildhauers August Kiß eingeweiht. Es zeigte König Friedrich Wilhelm III. zu Fuß in Generalsuniform mit Mantel und unbedecktem Haupt. Wegen einer Fundamentabsenkung musste es 1928 aus der Mitte an die Südseite des Platzes verlegt werden. Das unbeschädigte Denkmal wurde 1945 nach Kriegsende demontiert und 1950 auf Anordnung der Brandenburgischen Landesregierung als Buntmetallschrott zusammen mit anderen Potsdamer Bronzestandbildern eingeschmolzen.[31]

Kolberg Die Bürger Kolbergs errichteten Friedrich Wilhelm, der die Stadt wegen ihres erfolgreichen Widerstands gegen die französische Belagerung im Jahre 1807 besonders gefördert hatte, 1860 vor dem Rathaus ein von Friedrich Drake geschaffenes Standbild. Es zeigte auf hohem Podest den barhäuptigen König, mit der Rechten seinen Hermelinmantel raffend, die Linke gestützt auf ein Schwert, in angedeuteter Schrittstellung. Das Denkmal wurde 1945 nach der Inbesitznahme Kolbergs durch Polen beseitigt.[32]

Köln Gustav Blaeser führte ein aus Bürgerspenden finanziertes Kolossaldenkmal für den Heumarkt in Köln aus, das 1878 eingeweiht wurde. Nachdem das Denkmal im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, blieb der Platz bis 1990 ohne Preußenkönig. Ein Teil-Nachguss mit Originalstücken schmückte anschließend den innerstädtischen Platz bis 2007. Durchgerostete Stellen mussten bearbeitet werden, um die Standfestigkeit zu sichern. Am 6. Oktober 2009 wurde das Reiterstandbild wieder auf den unverkleideten Sockel gehoben. Die Kosten von rund 200.000 Euro wurden hälftig von der Stadt und Spendern aufgebracht.

Königsberg Als Friedrich Wilhelm IV. mit Friedrich August Stüler ein Zentrum für Kunst und Wissenschaft in Königsberg plante, errichteten die dankbaren Preußen, die Stände der Provinz Preußen, im Jahre 1851 Friedrich Wilhelm III. bereits vor dem Neubau der Universität (1857–1862) ein bronzenes Reiterstandbild. Modelliert von August Kiß und gegossen aus erbeuteten französischen Geschützen, zeigte die fünf Meter hohe Figur den lorbeerbekränzten König im Purpurmantel. Sie erhob sich auf einem sechs Meter hohen Sockel, geschmückt mit sechs Frauenfiguren die Glauben, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Friede und Weisheit darstellten. Das Denkmal galt als das repräsentativste der Stadt. Im nunmehr sowjetischen Kaliningrad wurde es in den 1950er Jahren beseitigt und eingeschmolzen.

Merseburg Reiterdenkmal im Schlosspark, Bronzeguss 1918, aufgestellt 1935, letztes Werk von Louis Tuaillon.

Historische Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Volk hatte einst mit großer Anteilnahme den Tod der jungen und beliebten Königin Luise gesehen. Als der Witwer 14 Jahre später (1824) die Gräfin Auguste Gräfin von Harrach in morganatischer Ehe heiratete, gab es Unmut, der sich jedoch bald legte. Heinrich Heine berichtet in seinen Briefen aus Berlin, dass das Volk genau über „ihre“ Prinzen und Prinzessinnen Bescheid wusste und z. B. bedauerte, dass „unsere Alexandrine“ als Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin verheiratet wurde. Eindruck soll es auf die Bürger Berlins gemacht haben, dass der König oft mit seinem einfachen Militärmantel und seiner einfachen Militärmütze in der Stadt unterwegs war, im uralten Zweispänner (in den sich, wie man sagte, kaum ein Hofangestellter setzen würde) oder als Spaziergänger im Tiergarten. Der Tod des geraden und einfachen Mannes wurde trotz seiner Fehler vom Volk stark bedauert. Die Berliner Bürger ließen ihn durch Rauchs Schüler Friedrich Drake als Marmorskulptur im Tiergarten darstellen, wo er heute noch zu sehen ist.

Einen Eindruck von der Atmosphäre der späteren Regierungszeit Friedrich Wilhelm III. erhält man auf Franz Krügers Gemälde Eine Parade, das der König auf der Akademieausstellung nach dem Zeugnis des Direktors Gottfried Schadow ausdrücklich lobte. Hier sieht man die Berliner Gesellschaft, Adel, Bürgertum und Volk zu Hunderten bunt gemischt im Vordergrund, dagegen die „Hauptpersonen“, König, Zar, Prinzen, Militärs nur in Miniatur erscheinen.

Spätere Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach König Friedrich Wilhelms Tod fiel im späteren 19. Jahrhundert das Urteil über seine Regierungszeit eher ungünstig aus. Die produktive Wirksamkeit von so vielen fähigen Fachleuten aus Politik, Militär, Wissenschaft und Kunst, zum großen Teil vom König berufen, wurde vor allem diesen Männern selbst zugesprochen und die Rolle des Königs zuweilen als Impulsgeber, zumeist jedoch als Moderator des Übergangs in die preußische Moderne übersehen. Durch Hardenbergs Finanzreformen, allgemeine Sparsamkeit und die Wirkungen des Zollvereins (eines der eigenen Projekte des Königs) wurde der Staatshaushalt saniert, der sich beim Tode des Königs deutlich im Plus befand. Nach den Befreiungskriegen wurde er in den Kernprovinzen Preußens und in Berlin, zum Beispiel, wenn er fast täglich im Theater erschien, als „Vater des Vaterlands“ gefeiert.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen (ca. 1803).
In der Mitte Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861 König), rechts daneben Wilhelm I. (1861–1888 König und 1871–1888 Kaiser)

Alle Kinder stammen aus der ersten Ehe mit Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810).

∞ 1823 Prinzessin Elisabeth von Bayern
∞ 1829 Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
∞ 1817 Zar Nikolaus I.
  • Friederike (1799–1800)
  • Carl (1801–1883)
∞ 1827 Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach
∞ 1822 Großherzog Paul Friedrich zu Mecklenburg-Schwerin
  • Ferdinand (1804–1806)
  • Luise (1808–1870)
∞ 1825 Prinz Friedrich, Prinz der Niederlande
∞ 1830–1849 Prinzessin Marianne der Niederlande (1810–1883), eine Schwester von Friedrich, Prinz der Niederlande
∞ 1853 Rosalie von Rauch, eine Tochter des Generals Gustav von Rauch, spätere Gräfin von Hohenau (1820–1879)

Die zweite Ehe mit Gräfin Auguste von Harrach (1800–1873), spätere Fürstin von Liegnitz, blieb kinderlos.

Ahnentafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnentafel Friedrich Wilhelm III. (Preußen)
Ururgroßeltern König Friedrich I. (Preußen) (1657–1713)
∞ 1684
Sophie Charlotte von Hannover (1668–1705)
Herzog Ernst August (Hannover) (1629–1698)
∞ 1658
Prinzessin Sophie von der Pfalz (1630–1714)
Herzog Ferdinand Albrecht I. (Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern) (1636–1687)
∞ 1667
Landgräfin Christine von Hessen-Eschwege (1648–1702)
Herzog Ludwig Rudolf (Braunschweig-Wolfenbüttel) (–1735)
∞ 1690
Prinzessin Christine Luise von Oettingen-Oettingen (1671–1747)
Landgraf Ernst Ludwig (Hessen-Darmstadt, Landgraf) (1667–1739)
∞ 1687
Prinzessin Dorothea Charlotte von Brandenburg-Ansbach (1661–1705)
Landgraf Johann Reinhard III. (Hanau) (1665–1736)
∞ 1699
Prinzessin Dorothea Friederike von Brandenburg-Ansbach (1676–1731)
Pfalzgraf Christian II. (Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld) (1637–1717)
∞ 1667
Gräfin Katharina Agathe von Rappoltstein (1648–1683)
Graf Ludwig Kraft (Nassau-Saarbrücken) (1663–1713)
∞ 1699
Gräfin Philippine Henriette zu Hohenlohe-Langenburg (1679–1751)
Urgroßeltern König Friedrich Wilhelm I. (Preußen) (1688–1740)
∞ 1706
Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (1687–1757)
Herzog Ferdinand Albrecht II. (Braunschweig-Wolfenbüttel)
(1680–1735)
∞ 1712
Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1696–1762)
Landgraf Ludwig VIII. (Hessen-Darmstadt) (1691–1768)
∞ 1717
Charlotte Christine Magdalene Johanna von Hanau-Lichtenberg (1700–1726)
Herzog Christian III. (Pfalz-Zweibrücken) (1674–1735)
∞ 1719
Karoline von Nassau-Saarbrücken (1704–1774)
Großeltern Prinz August Wilhelm von Preußen (1722–1758)
∞ 1742
Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722–1780)
Landgraf Ludwig IX. (Hessen-Darmstadt) (1719–1790)
∞ 1741
Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken (1721–1774)
Eltern König Friedrich Wilhelm II. (Preußen) (1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt (1751–1805)
König Friedrich Wilhelm III. (Preußen) (1770–1840)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundsteuer-Gesetz für die westlichen Provinzen vom 21. Januar 1839, nebst den bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen. Regensberg, Münster 1839 Digitalisat

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In seiner Regierungszeit wirkte der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel, der von ihm nachhaltig und umfangreich gefördert worden ist.
  • Friedrich Wilhelm III. stiftete am 10. März (Geburtstag seiner Frau Luise) 1813 das Eiserne Kreuz, den ersten Orden, den nicht nur Offiziere erhalten konnten. Obwohl die auf den Geburtstag Königin Luises (rück)datierte Stiftungsurkunde ausdrücklich die einmalige und ausschließliche Verleihung für die Befreiungskriege vorsieht, wurde es in späteren Kriegen immer wieder neu aufgelegt.
  • Er führte das „Eichenlaub“ zum Orden Pour le Mérite ein. Das L auf der Blattader steht für seine verstorbene Frau Luise, die Blattenden stehen für seine zu dieser Zeit nur noch sieben lebenden Kinder.
  • Ihm ist die 9. Sinfonie Beethovens gewidmet.
  • Für ein Te deum des Münsteraner Komponisten Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff, das 1815 anlässlich einer Huldigungsfeier aufgeführt worden war, bedankte er sich mit einem handschriftlichen Brief und einer Medaille.
  • Er komponierte in seiner Freizeit viel Militärmusik, darunter den noch heute häufig gespielten Präsentiermarsch sowie den Marsch Bataillon Garde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron. Siedler, Berlin 1992.
  • Hans Haussherr: Friedrich Wilhelm III.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 560–563 (Digitalisat).
  • Julius von HartmannFriedrich Wilhelm III., König von Preußen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 700–729.
  • Birgit Aschmann: Preußens Ruhm und Deutschlands Ehre. Zum nationalen Ehrdiskurs im Vorfeld der preußisch-französischen Kriege des 19. Jahrhunderts, München 2013 (Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 72).
  • Carsten Peter Thiede, Eckhart G. Franz: Jahre mit Luise von Mecklenburg-Strelitz. Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde Bd. 43. Darmstadt 1985.
  • Claudia von Gélieu, Christian von Gélieu: Die Erzieherin von Königin Luise. Salomé de Gélieu. Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2043-2.
  • Dagmar von Gersdorff: Königin Luise und Friedrich Wilhelm III. Eine Liebe in Preußen. Rowohlt, Reinbek 2001. ISBN 3-499-22615-4.
  • Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert; verschiedene Ausgaben, zum Beispiel: F. W. Hendel Verlag Leipzig 1928, vor allem Band 1 (zuerst 1879).
  • Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländischer Geschichte, 6. Aufl., Berlin 1915.
  • Rudolf Ibbeken: Preußen 1807–1813. Staat und Volk als Idee und in Wirklichkeit, Köln/Berlin 1970. (=Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, Bd. 5).
  • Rulemann Friedrich Eylert: Charakterzüge und historische Fragmente aus dem Leben des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III., gesammelt nach eigenen Beobachtungen und selbst gemachten Erfahrungen. Heinrichshofensche Buchhandlung, Magdeburg 1843 (4.Bände mit mehr als 2.000 Seiten). Digitalisat (1842-, 3 Bände)
  • Thomas Stamm-Kuhlmann: Friedrich Wilhelm III. (1797–1840). In: Frank-Lothar Kroll (Hg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München 2006 (Beck’sche Reihe), S. 197–218.
  • Friedrich Vormbaum: Friedrich Wilhelm der Dritte, König von Preußen, der Gerechte unde Weise. Ein Erinnerungsbuch für alle Preußen, insbes. f.d. preuß. Bürger u. Landmann. Crayen, Leipzig 1841. Digitalisat
  • Lobrede auf Seine hochselige Majestät Friedrich Wilhelm den Dritten, König von Preußen. Mit einem Anhang, Logier, Berlin 1840. Digitalisat
  • Heinrich Menu von Minutoli: Beiträge zu einer künftigen Biographie Friedrich Wilhelms III. so wie einiger Staatsdiener und Beamten seiner nächsten Umgebung: Aus eigener Erfahrung und mündlich verbürgten Mittheilungen zusammengetragen. Mittler, Berlin [u.a.] 1843. Digitalisat
  • Das Testament Friedrich Wilhelm III. und die Thronreden Friedrich Wilhelm IV. bei der Huldigung zu Königsberg und Berlin. Sechs Staatsurkunden f. d. Preuss. Volk, angefügt die beiden Eröffnungsreden d. Herrn v. Rochow u. d. Huldigungseid. G. Eichler, Berlin 1840. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich Wilhelm III. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charakteristisch die fast schon prophetischen Ratschläge des Großonkels an den Jungen bei einem Spaziergang in Sanssouci: „Nun Fritz werde etwas Tüchtiges … Es wartet Großes auf dich … Ich bin am Ende meiner Karriere und mein Tagwerk ist bald absolviert ... Überall liegen Gärungsstoffe und leider nähren sie die regierenden Herren, vorzüglich in Frankreich ... Die Massen fangen schon an, von unten auf zu drängen, und wenn es zum Ausbruche kommt, ist der Teufel los. Ich fürchte, du wirst einmal einen schweren, bösen Stand haben … rüste dich, sei firm, denke an mich … Wache über unsere Ehre und unsern Ruhm. Begehe keine Ungerechtigkeit; dulde aber auch keine … Unter solchen Äußerungen war er in Sanssouci bis zum Ausgang gekommen, wo der Obelisk steht … Sieh ihn an … schlank aufstrebend und hoch und doch fest im Sturm und Ungewitter … der Kulminationspunkt, die höchste Spitze, überschauet und krönet das Ganze; aber trägt nicht, sondern wird getragen von Allem, was unter ihr liegt, vorzüglich vom unsichtbaren, tief unterbauten Fundament. Das tragende Fundament ist das Volk in seiner Einheit. Halte es stets mit ihm, dass es dich liebe und dir vertraue; darin nur allein kannst du stark und glücklich sein. Er maß mich mit einem festen Blick von Fußsohle bis zum Scheitel, reichte mir die Hand und entließ mich mit den Worten: Vergiss diese Stunde nicht! Ich habe sie nicht vergessen und eben jetzt steht sie lebhaft vor meiner Seele.“ (siehe in der Literaturliste: Eylert, Friedrich Wilhelm III., S. 455–456)
  2. Vgl. Franz Blei: Königin Luise von Preußen. In: Gefährtinnen. Berlin 1931, S. 68 f.
  3. Linda Brüggemann:: Herrschaft und Tod in der Frühen Neuzeit. S. 334.
  4. a b Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. S. 133.
  5. Preußen: aufstieg und Fall. S. 368.
  6. Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 372.
  7. Die Verwaltung- Band 19. S. 294.
  8. a b Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang. S. 343.
  9. Preußen: aufstieg und Niedergang. S. 349.
  10. Christopher Clark: Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 346.
  11. Johannes Willms: Nationalismus ohne Nation: Deutsche Geschichte von 1789–1914.
  12. Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. S. 208.
  13. Wolfgang Stribrny in einem Vortrag zur Geschichte Memels 1252–1945, S. 16: annaberger-annalen.de (PDF; 1,0 MB)
  14. Christopher Clark: Preußen: Aufstieg und Niedergang - 1600–1947.
  15. Erich Donnert: Mittel-, Nord- und Osteuropa. S. 801.
  16. Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 374.
  17. Gunter Heinickel: Adelsreformideen in Preußen. S. 88.
  18. Klaus Wiegrefe: Die gute Revolution. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2007, S. 37 (online).
  19. Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 449.
  20. Zu Einzelheiten und den Wirkungen der Reformen ist die beste Quelle: Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. Verschiedene Ausgaben, beispielsweise F. W. Hendel Verlag, Leipzig 1928 (1. Band ursprünglich 1879).
  21. Eine Anekdote, wie man den eher widerwilligen König für die Eisenbahn gewann, berichtet F. R. Paulig in seinem Buch Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (1770–1840): Sein Privatleben und seine Regierung im Lichte neuerer Forschungen. Verlag Friedrich Paulig, Frankfurt a. Oder 1904, S. 326–327.
  22. Eine unschätzbare Quelle aus erster Hand für Charakter, Leben und Regierungsstil Friedrich Wilhelms III. stellt das Werk seines Hofpredigers, des Bischofs Eylert, dar. Die Ausgabe ist sehr selten: Rulemann Friedrich Eylert, Charakterzüge und historische Fragmente aus dem Leben des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III., gesammelt nach eigenen Beobachtungen und selbst gemachten Erfahrungen, Heinrichshofensche Buchhandlung, Magdeburg 1843; das vierbändige Werk enthält auch eine einfühlsame Beschreibung des Charakters und der Erscheinung der Königin Luise. Eine weitere Quelle ist: F. R. Paulig: Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (1770–1840), sein Privatleben und seine Regierung im Lichte neuerer Forschungen, Verlag Friedrich Paulig, Frankfurt a. Oder 1904, ein Werk, das sich zum Teil auf Eylert stützt. Wie der Bürgerliche Paulig ist auch Friedrich von der Marwitz, aber aus altadligen Ressentiments heraus eher kritisch gegen den König eingestellt, vgl.: Nachrichten aus meinem Leben 1777–1808, Buchverlag der Morgen, Berlin 1989
  23. Heinrich von Treitschke fasste die Darstellungen in den Quellen kompakt und pointiert zusammen: „Ernst und pflichtgetreu, fromm und rechtschaffen, gerecht und wahrhaft, in Art und Unart ein deutscher Mann … schien (er) wie geschaffen, einen wohlgeordneten Mittelstaat in Ehren durch eine ruhige Zeit hindurchzuführen ... Seine Erziehung hatte alles versäumt, was diese edle, aber schwunglose und im Grunde unpolitische Natur zu der Freiheit königlicher Weltanschauung emporheben konnte ... Jedes Hinaustreten in die Öffentlichkeit, selbst das Reden im größeren Kreise fiel ihm schwer; in barschen abgerissenen Sätzen sprach er dann sein verständiges Urteil … Von Jugend aus an den Umgang mit mittelmäßigen Köpfen gewöhnt, hat er den Widerwillen gegen das Geniale, das Kühne, Außerordentliche nie überwunden … Von all den hochbegabten Männern, die ihm dienten, ist ihm nur einer wahrhaft lieb und teuer geworden: Scharnhorsts einfältige anspruchslose Größe … Unsäglich schwer fiel ihm jeder große Entschluss; er zauderte und überlegte, ließ die Dinge gehen, duldete lange, was ihm missfiel, weil er sich mit seinem Urteil nicht heraustraute; doch wenn entschieden werden musste, dann folgte er immer und überall seinem Gewissen. Von der Schuld wie von dem Ruhme seiner langen Regierung gebührt ihm weit mehr, als die Zeitgenossen annahmen, die den schlichten Fürsten neben den glänzenden Gestalten seiner Generale und Staatsmänner zuweilen fast aus den Augen verloren. Er trägt die Hauptschuld an der schlaffen Friedenspolitik, welche dem alten Staate den Untergang bereitete, aber er hat auch, als er nach zehn Jahren des Zauderns und nach grausamen Schicksalsschlägen endlich wagte, ganz er selbst zu sein, aus freiem Entschluss den Neubau des Staates in Angriff genommen, die Reformgedanken seiner Räte genau so weit durchgeführt, wie es ihm richtig schien, und den lange vorbereiteten Befreiungskrieg nicht eher gestattet, als bis er selber einsah, der rechte Augenblick sei gekommen. Er hat in der zweiten Hälfte der Regierung den Anschluss der preußischen Politik an Österreich, die Sünden der Demagogenjagd und das Ausbleiben der verheißenden Verfassung verschuldet, aber auch die Neugründung des preußischen Einheitsstaates mit zäher Geduld geleitet und mit gutem Blicke die richtige Stunde erkannt, da die orientalischen Wirren und die Kämpfe der deutschen Handelspolitik dem Staat erlaubten, wieder selbstständig seines Weges zu gehen. Ohne ihn … war die Versöhnung der zahllosen landschaftlichen Gegensätze in dem neuen Preußen ebenso unmöglich wie die friedliche Entstehung jenes Zollvereins, der das nichtösterreichische Deutschland unauflöslich mit dem preußischen Staat verkettete und die Grenzpfähle aufrichtete für das neue deutsche Reich. “ vgl. Literaturliste: Treitschke (1928, zuerst 1879), S. 141–143.
  24. Königin Luise 1808, Aufzeichnungen über Lombards Denkwürdigkeiten über die Jahre 1805–1807, in Königin Luise, Ein Leben in Briefen, hg. Von Karl Griewank, Georg Olms Verlag Hildesheim 2003, S. 355.
  25. Hans Dickel, Christoph Martin Vogtherr: Preußen, die Kunst und das Individuum: Beiträge gewidmet Helmut Börsch-Supan. Berlin 2003
  26. Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. Propyläen, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1978, S. 154, Abbildung der Trümmer im Eosanderhof des Berliner Schlosses S. 249.
  27. Regina Müller: Das Berliner Zeughaus. Die Baugeschichte, Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1994, S. 248.
  28. Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, S. 210f, ISBN 3-496-01189-0
  29. Zum Raumprogramm und den anderen Statuen siehe Goerd Peschken, Hans-Werner Klünner: Das Berliner Schloß. Das klassische Berlin, Propyläen, Berlin 1982, ISBN 3-549-06652-X, S. 491f.
  30. Dazu mit Foto des wiederhergestellten Saales vor der Sprengung siehe Renate Petras: Das Schloß in Berlin. Von der Revolution 1918 bis zur Vernichtung 1950, Verlag für Bauwesen, Berlin 1992, ISBN 3-345-00538-7, S. 99.
  31. Frank Bauer, Hartmut Knitter, Heinz Ruppert: Vernichtet.Vergessen.Verdrängt. Militärbauten und militärische Denkmäler in Potsdam, E. S. Mittler & Sohn, Berlin, Bonn, Herford 1993, S. 139f., Dokumente des behördlichen Schriftverkehrs zur Denkmalvernichtung 1945–1950, S. 186–196.
  32. Otto Schmitt: Ostpommern. Pommern östlich der Rega, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1927, S. 21, Abb. Tafel 78
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Wilhelm II. König von Preußen
1797–1840
Friedrich Wilhelm IV.
Friedrich Wilhelm II. Kurfürst von Brandenburg
1797–1806