Brandzeichen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen siehe unter Brandmal

Ein Brandzeichen ist ein mittels eines erhitzten oder auf Minusgrade gekühlten Gegenstandes in die Haut oder einen Gegenstand eingebrachtes Merkmal. Der Begriff „Branding“, der für den Aufbau und die Weiterentwicklung einer Marke gebraucht wird, geht auf die Praxis des Brandzeichnens zurück.

Brandzeichen bei Tieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandeisen

Ein Brandzeichen dient bei Pferden und Rindern der Kennzeichnung. Brandzeichen markieren die Zugehörigkeit zu einer Tierrasse und – selten, aber mit anderen Zeichen – zu einem Eigentümer.

Brandzeichen bei Pferden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandvorgang beim Tinkerfohlen

Beim Zuchtbrand wird mittels eines heißen Eisens (Heißbrand) das Brandzeichen aufgebrannt. Es bildet sich Narbengewebe, wodurch das Zeichen sichtbar bleibt. Alternativ wird beim Kaltbrand mit einem durch flüssigen Stickstoff auf rund −80 °C abgekühlten Eisen (Kaltbrand) ein Zeichen in die oberen Hautschichten eingebrannt, welches die pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) zerstört. Durch die fehlenden Pigmentzellen kann an diesen Stellen nur noch weißes Fell nachwachsen, d. h., es bleibt das Brandzeichen sichtbar.

Am häufigsten findet man heute beim Pferd Rassebrände, die von einem Zuchtverband vergeben werden. Diese sind oftmals mit einem Nummernbrand ergänzt, welcher der besseren Identifikation dient. Weiterhin gibt es Eintragungsbrände, die bei Eintragung in ein Zuchtregister verwendet werden. In einigen Zuchten werden alle Tiere eines Züchters durch ein Züchterbrandzeichen gekennzeichnet. Bei Gestüten spricht man in diesem Zusammenhang von Gestütbrandzeichen. Brandzeichen, die den Besitzer kennzeichnen, wurden bei freilaufenden Herden verwendet (zum Beispiel Rinderherden im Westen der USA).

Bei Pferden werden Brandzeichen meistens auf der linken Hinterhand (Rassebrände) angebracht. Weitere Stellen sind die rechte Hinterhand (Gestütsbrände), Sattellage (Nummernbrände), Halsseite (Eintragungsbrände) und die Ganaschen (Lipizzaner).

Brandzeichen in der Pferdezucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Einführung des Mikrochips zur Kennzeichnung von Pferden gerät das Brennen vermehrt in den Fokus einer tierschutzrechtlichen Diskussion.

Mehr Einigkeit besteht bei der Beurteilung des Brands an anderen Körperstellen, denn der Halsbrand, der Brand in der Sattellage und der Brand auf der Ganasche verursachen noch häufiger Komplikationen.

Argumente gegen den Schenkelbrand

Der Schenkelbrand ist in der Fachwelt umstritten. Tierschützer und Teile der Veterinäre führen auf, dass der Schenkelbrand bei Fohlen Verbrennungen dritten Grades verursacht. Die Jungtiere zeigten oft wochenlang Schmerzsymptome und seien nach der Verletzung durch den Heißbrand oft verstört, ihr Saug- und Spielverhalten sei beeinträchtigt.[1]

Eine Studie der Universität von Kopenhagen schätzte das Brennen für die Tiere schmerzhafter ein als die Injektion eines Mikrochips.

Beim Brennen könnten Fehler unterlaufen, dadurch könne der Brand langfristig schlecht lesbar sein.[2]

Argumente für den Schenkelbrand

Von Seiten der Dermatologie wird aufgeführt, dass die äußere Haut von Säugetieren evolutionsbedingt auf Verletzungen vorbereitet sei. Die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Chippens eines Transponders auf Gesundheit und Psyche der Pferde sei hingegen unbekannt. Die Implantation von Chips könne zu erheblichen Komplikationsraten führen.[3]

Beim Schenkelbrand sei die Haut in der Region des Brandes zwar vernarbt, es seien jedoch keine Anzeichen von Entzündung zu finden. Anders sei dies beim Chippen: Der Chip würde als Fremdkörper von Gewebe ummantelt, verbunden mit entzündlichen Abläufen. Hautverletzungen, wie beim Brennen, würden problemlos abheilen. Hingegen empfinde der Körper den Chip lebenslang als störend. Im schlimmsten Fall bilde er eitrige Geschwüre, um den Chip abzustoßen.

Zudem wird das Wandern des Mikrochips im Pferdekörper als Argument aufgeführt. Manche Chips seien nach einiger Zeit überhaupt nicht mehr aufzufinden. Andere wanderten beispielsweise in die Nähe des Genicks, was zu Problemen führe, wenn das Pferd den Hals biegen soll.[4]

Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandzeichen sind als Methode zur Kennzeichnung und Identifizierung von Pferden nach dem Tierschutzgesetz zulässig. Die mit dem Brennen einhergehenden, auch mit Schmerzen verbundenen Zerstörungen von Geweben sind zwar nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Tierschutzgesetzes (TierSchG) grundsätzlich verboten. Aus § 6 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 in Verbindung mit § 5 Abs. 3 Nr. 7 TierSchG folgt für den Pferde-Schenkelbrand eine Ausnahme des Verbots, Gewebe eines Wirbeltieres zu zerstören.

In Dänemark wurde das Brennen 2010 verboten.[5]

Die deutsche Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hatte 2012 eine Ergänzung des Tierschutzgesetzes eingebracht, welche die bisherige Ausnahmeregelung im Tierschutzgesetz bezüglich des Schenkelbrandes aufheben sollte und im Herbst 2012 in Kraft treten sollte.[6] Ende Oktober 2012 wurde Christel Happach-Kasan, agrarpolitische Sprecherin der FDP, zitiert, dass ein Verbot des Brandzeichens vom Tisch sei.[7][8] Der Bundestag beschloss den Erhalt des Heißbrandes, bis 2018 dürfte dies betäubungslos erfolgen. Ab 2019 soll der Heißbrand dann in Deutschland nur noch unter lokaler Betäubung vorgenommen werden.[9]

Brandzeichen beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandmarkung von Soldaten, 1616

Früher wurden auch Menschen gebrandmarkt: Sklaven in der Antike und Sklaven in Amerika sowie Verbrechern wurde als Leibesstrafe bis ins 19. Jahrhundert ein Brandmal eingebrannt. Auch Soldaten wurden Brandmarke gesetzt. Im späten 20. Jahrhundert kam Branding als Form der Körpermodifikation in Mode, wobei Schmucknarben in die Haut eingebrannt werden.

Brandzeichen auf Gegenständen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brandzeichen wurden auch mithilfe eines Brennstempels in geschlägerte Hölzer oder Holzwaren gesetzt. Heutzutage werden Brandzeichen als Lasermarkierung zur Kennzeichnung bei Tachometern, Fleecejacken, Golfbällen, Hi-Fi-Boards, Juwelen, Geschirr oder Tabletten eingesetzt.[10]

„Brandzeichen“ als Synonym für Porzellanmarken und markenartige Kennzeichen anderer Keramik, z. B. von Steingut, Fayence, Steinzeug, werden nicht durch Brandeisen aufgebracht, sondern durch Blindstempel, Aufmalen oder Aufstempeln eines Zeichens vor dem Brennen der Keramik.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brandzeichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Brandmal – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. Bohnet (PDF; 651 kB), Stellungnahme der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz zur Kennzeichnung von Pferden mittels Heißbrand und/oder Transponder 2010
  2. Christine Aurich, Veterinärmedizinische Universität Wien, 2012
  3. Heißbrand ist komplikationsfrei und artgerecht, Stellungnahme von Volker Steinkraus (Dermatologikum Hamburg), öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am 17. Oktober 2012
  4. Chips vagabundieren durch den Pferdekörper aus dem Artikel Heißes Eisen, Gabriele Pochhammer / Süddeutsche Zeitung, 20. Februar 2012
  5. Cavallo, Ausgabe April 2010, S. 8, »Dänemark verbietet das Brennen von Pferden«
  6. Heißes Eisen Brandzeichen. 05.06.2012, archiviert vom Original am 11. Juli 2012, abgerufen am 4. Februar 2016 (deutsch).
  7. WELT: Ein Verbot ist vom Tisch
  8. NDR: Brandzeichen für Pferde bleiben erlaubt (Memento vom 29. Oktober 2012 im Internet Archive)
  9. Ausschuss stimmt für Erhalt des Schenkelbrandes, Eva Borg / Deutsche Reiterliche Vereinigung, 29. November 2012
  10. Info zur Lasermarkierung, PDF-Datei