Stadtarchiv Bozen

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Stadtarchiv Bozen

Zugang unter den Lauben
Zugang unter den Lauben
Koordinaten 46° 29′ 59″ N, 11° 21′ 17,6″ OKoordinaten: 46° 29′ 59″ N, 11° 21′ 17,6″ O
Ort Bozen
Besucheradresse Lauben 30
Gründung 1776
Umfang ca. 2500 Laufmeter
Alter des Archivguts 13. Jahrhundert
ISIL IT-BZ0279
Träger Gemeinde Bozen
Website Offizielle Website
Das Bozner Stadtbuch aus den Jahren 1472–1525; auf fol. 76v eine Abschrift des 1363 von Herzog Rudolf von Österreich erteilten Stadtratprivilegs

Das Stadtarchiv Bozen (italienisch Archivio Storico della Città di Bolzano) ist die zentrale Verwahrungs- und Dokumentationsstelle der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen. Es ist im Alten Rathaus in den Lauben angesiedelt und verfügt über eine umfangreiche Archivaliensammlung, die in Teilen bis ins Mittelalter zurückgeht. Das Schrift-, Plan- und Dokumentationsgut spiegelt die historische Entwicklung Bozens und des Landes wider. Die Bestände sind zu überwiegenden Teilen in deutscher Sprache verfasst, frühe Urkunden hingegen in Latein, Dokumente ab den 1920er Jahren auch auf Italienisch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits aus dem späten 15. Jahrhundert sind Maßnahmen zur Aufbewahrung, Ordnung und Nutzung des kommunalen Schriftguts dokumentiert. Während der Amtszeit des Bürgermeisters Franz von Gumer beschloss der Stadtrat am 4. Jänner 1776 die zentrale Sammlung aller Archivalien im neuerrichteten Rathaus in den Lauben (das heutige Alte Rathaus). Im frühen 20. Jahrhundert erfolgte eine grundlegende Neuordnung und -aufstellung (darunter Einführung eines einheitlichen Inventars) des Archivs im Stadtmuseum Bozen, das als Aufbewahrungsort der älteren Bestände diente, während neuere Akten im neuen Rathaus verblieben. 2002 konnten alle Bestände im Alten Rathaus wieder zusammengeführt werden.

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bestände des Stadtarchivs, die überwiegend kommunale Verwaltungstätigkeit dokumentieren, reichen bis ins 13. und 14. Jahrhundert zurück und umfassen Urkunden, Akten und Handschriften (Amtsbücher), wobei diese bis heute gültige Archivtektonik der Altbestände von Karl Klaar um 1910/11 geschaffen wurde.[1] Gelagert werden nicht nur Archivalien der Stadt Bozen, sondern auch der ehemaligen Gemeinden Gries und Zwölfmalgreien, der Landgemeinde Leifers, sowie Archive anderer örtlicher Körperschaften und Vereinigungen.

Von besonderer Bedeutung ist das umfangreiche Archiv des ehemaligen Bozner Heilig-Geist-Spitals.[2] Die älteste Überlieferung des Stadtarchivs ist ein Fragment des 12. Jahrhunderts, das einen Ausschnitt eines Bibelkommentars von Beda Venerabilis enthält.[3]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtarchiv ist öffentlich zugänglich und kostenfrei benützbar. Es steht auch eine Präsenzbibliothek zur Verfügung. Über das Projekt «BOhisto: Bozen-Bolzano’s History Online» werden historische Ratsprotokolle digitalisiert und auf der Website des Stadtarchivs online gestellt. Im den Lauben zugewandten Foyer wird zudem ein Exponat des Monats präsentiert, das Kurioses und Unbekanntes aus den Beständen einem breiteren Publikum bekannt machen soll.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil von Ottenthal, Oswald Redlich: Das Bozner Stadtarchiv. In: Joseph Alexander von Helfert (Hrsg.): Archiv-Berichte aus Tirol. IV. Band. Wien/Leipzig 1912, S. 410–432 (PDF-Datei; 2,27 MB)
  • Hannes Obermair: Das Stadtarchiv Bozen. In: Der Schlern, Nr. 11, November 1994, S. 669–672 (PDF-Datei; 2,38 MB)
  • Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1: Regesten der kommunalen Bestände 1210–1400. Stadt Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X (PDF-Datei; 5,70 MB)
  • Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2: Regesten der kommunalen Bestände 1401–1500. Stadt Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8 (PDF-Datei; 9,63 MB)
  • Hannes Obermair: Multiple Vergangenheiten – Sammeln für die Stadt? Das Bozener Stadtarchiv 3.0. In: Philipp Tolloi (Hrsg.): Archive in Südtirol: Geschichte und Perspektiven / Archivi in Provincia di Bolzano: storia e prospettive (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 45). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7030-0992-1, S. 211–224.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Obermair: Multiple Vergangenheiten – Sammeln für die Stadt? Das Bozener Stadtarchiv 3.0. In: Philipp Tolloi (Hrsg.): Archive in Südtirol: Geschichte und Perspektiven / Archivi in Provincia di Bolzano: storia e prospettive (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 45). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2018, ISBN 978-3-7030-0992-1, S. 211–224, bes. S. 213–220.
  2. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 18–19.
  3. Hannes Obermair: »Novit iustus animas«. Ein Bozner Blatt aus Bedas Kommentar der Sprüche Salomos. In: Concilium Medii Aevi. Band 31, 2010, S. 45–57, doi:10.13140/RG.2.1.3897.5762 (http://cma.gbv.de,cma,003,2010,a,03.pdf [PDF]).