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Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner

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Gebr. Sünner GmbH & Co. KG

Brauerei und Brennerei

Suenner-Wappen.svg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1830
Sitz Köln
Leitung Astrid Schmitz-DuMont
Mitarbeiter 40
Branche Bierbrauerei
Website Brauerei Sünner
Brauhaus an der Deutzer Freiheit
Zeche Neu-Deutz, 1858
Brauereigelände im Jahre 1900

Die 1830 gegründete Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner ist die älteste noch produzierende Brauerei Kölns. Neben Kölsch braut Sünner Weizenbier, ungefiltertes obergäriges Bier sowie einen alkoholfreien Malztrunk. An die Brauerei angeschlossen ist eine Brennerei, die verschiedene Schnäpse und Liköre produziert. Das in den Jahren 1888 bis 1890 erbaute Hauptgebäude der Zechenbrauerei in Köln-Kalk ist das älteste noch in ursprünglicher Funktion betriebene Industriedenkmal in der Stadt Köln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brauerei wurde 1830 durch den Brauer Franz Hess, einen Schwager von Christian Sünner, in Deutz gegründet. Die Hausbrauerei lag an der Deutzer Freiheit, direkt am Anleger der acht Jahre zuvor errichteten Schiffsbrücke Köln, der damals einzigen Kölner Brücke über den Rhein. Zur Wahl dieses Standorts dürfte weiterhin beigetragen haben, dass eines der beiden Brückenzoll-Häuschen sowie ein im Fluss verankertes Schwimmbad ganz in der Nähe lagen. Die Hausbrauerei wurde anfangs Zum Schiffgen genannt. Nach dem Tod der Eheleute Hess übernahm Christian Sünner im Jahre 1846 die Brauerei.

Direkt vor dem Brauhaus errichtete die Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft 1846 den Mindener Bahnhof. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage steigerte sich der Kundenzulauf des Gasthauses ständig, sodass der Bierbedarf von der kleinen Hausbrauerei nicht mehr gedeckt werden konnte. Um eine neue Produktionsanlage zu errichten, kaufte Sünner 1858 vom Braunkohlebergwerksbesitzer Wilhelm Eckardt im benachbarten Kalk ein 2,5 Hektar großes Gelände der Gewerkschaft Neu-Deutz. Die dort bestehende Zeche war aufgrund von in den Stollen eindringendem Grundwasser nie in Betrieb genommen worden, doch konnte dieses Stollenwasser wegen seiner Reinheit als Brauwasser für die Sünner-Biere verwendet werden. Die zugehörigen Bergwerksbauten wurden später als Lagerräume genutzt.[1]

1860 konnte die Zechenbrauerei den Betrieb aufnehmen. An die Brauerei war das große Gartenrestaurant Zur Zeche angeschlossen, das sich innerhalb kurzer Zeit zu einer beliebten Gaststätte entwickelte. Die Kapazität der Brauerei wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach durch technische Modernisierungen, wie zum Beispiel eine Kältemaschine, und Erweiterungsbauten der steigenden Nachfrage angepasst, sodass im Jahre 1900 ein Produktionsvolumen von 70.000 Hektoliter Bier erreicht wurde.

Die Brauerei wurde nach dem Ersten Weltkrieg in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Persönlich haftende Teilhaber wurden Albert, Ernst und Christian und Dr. Alexander Sünner. Die Schnapsbrennerei musste durch Rohstoffmangel in der Hungerzeit im Ersten Weltkrieg stillgelegt werden. Sie konnte die Produktion erst 1918 wieder aufnehmen.[2] Nach Eröffnung der Deutzer Hängebrücke wurde 1920 die Deutzer Uferpromenade umfangreich ausgebaut. Dort wurden die Sünner-Terrassen eröffnet. Neben den firmeneigenen Gaststätten in Kalk und Deutz wurden unter anderem die Kölner Brauhausgaststätte Zur Henne und das Muschelhaus Bier-Esel beliefert.

Das durch Fliegerbomben im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stammhaus an der Deutzer Freiheit wurde nicht wieder aufgebaut. Die Sünner-Terrassen, die in den Nachkriegsjahren eins der beliebtesten Ausflugslokale in Köln waren, wurden Mitte der 1960er-Jahre abgerissen, da dort die Hauptverwaltung der Lufthansa gebaut wurde.[3]

Neben Bock-, Export- und Lagerbier wurde die Produktpalette der Sünner-Brauerei im Jahre 1906 um ein obergäriges helles Bier erweitert, das erstmals 1918 mit dem Zusatz „echt Kölsch“ beworben wurde. Die Werbeoffensive bezüglich der regionalen Herkunft des Bieres wurde von allen Traditionsbrauereien in Köln übernommen. Da sich die Bezeichnung Kölsch immer mehr durchsetzte, wurde diese bis zu den 1960er-Jahren Bestandteil aller Kölner Biermarkennamen. Im März 1986 unterschrieben die 24 Kölsch-Brauereien des Kölner Brauerei-Verbandes e.V. die Kölsch-Konvention und sind seither allein berechtigt Kölsch zu produzieren. 1997 wurde Kölsch eine durch die EU in ihrer Herkunftsbezeichnung geschützte Biersorte.[4][5]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zechenbrauerei
Eingangstor und Kutschenhaus

Von der Kalker Hauptstraße aus ist der von 1888 bis 1890 erbaute dreigeschossige Backsteinbau sichtbar. Die Wappen von Kalk und Deutz zieren die Stufengiebel des straßenseitig mit gelben Ziegeln verblendeten Gebäudes. Ein großes mittiges Fenster im Erdgeschoss, eingebaut in den 1950er-Jahren, erlaubt einen Blick auf die kupferne Würzepfanne der Brauerei. Mittig im Obergeschoss wurde über den drei zentralen Rundbogenfenstern der Schriftzug „Zechenbrauerei“ angebracht, links und rechts flankiert von den Bergbausymbolen Schlägel und Eisen. Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude wurde bis zum Anfang der 1950er-Jahre wieder komplett aufgebaut, gleichzeitig wurden die Produktionsanlagen modernisiert.

An der Gebäuderückseite befindet sich ein neueres Maschinen- und Kesselhaus. Im hinteren Teil des Brauereigeländes stehen ein Stallgebäude, das im Jahre 1898 erbaut wurde, eine 1907 fertiggestellte Kellerei sowie ein Verwaltungsbau. Im Stallgebäude, das auch Platz für Pferdefutter und -wagen bot, sind noch heute die Pferdeboxen zu erkennen.[6]

Am 26. Juli 1983 wurden die straßenseitige Einfriedung mit den beiden Toren, das vordere Gebäude mit Sudhaus, Maschinen- und Kesselhaus mit dem Schornstein und dem jetzigen Brennereigebäude, der Verwaltungsbau mit der seitlichen Kellereihalle und der Laderampe sowie das Kutscher- und Remisengebäude unter Denkmalschutz gestellt. Bei umfangreichen Sanierungsarbeiten wurden von 1989 bis 1991 die Gebäude modernisiert und gleichzeitig optisch dem Ursprungszustand angeglichen.[7] Die durch Umwelteinflüsse, insbesondere durch die in den Abgasen der ehemaligen Kalker Industrie enthaltenen luftverunreinigenden Stoffe, stark verschmutzten Fassaden der historischen Gebäude wurden am Ende der 1990er-Jahre mittels Hochdruckreiniger gesäubert.[8]

Die Traditionsbrauerei öffnete am 23. April 2009, angrenzend an den Biergarten, den Sünner-Keller, der auf etwa 1000 Quadratmetern in den historischen Kellergewölben Brauhausspezialitäten sowie Räumlichkeiten für Veranstaltungen offeriert.[9] Der historische Sünner-Keller ist auch Ausgangs- und Endpunkt der etwa 90-minütigen Brauerei- und Brennereibesichtigungen, die von Sünner angeboten werden.[10]

Das Unternehmen heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen mit Sitz im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Kalk befindet sich noch heute in Familienbesitz und wird von Astrid Schmitz-DuMont und Eberhard Fischer geführt. Mit etwa 40.000 Hektoliter jährlicher Bierproduktion zählt Sünner zu den mittelgroßen Kölsch-Brauereien.

Obwohl die ehemalige Geschäftsführerin Ingrid Müller-Sünner († 25. Mai 2013), die Mutter von Astrid Schmitz-DuMont, mit Hermann R. Müller, einem der Gesellschafter der Früh-Brauerei verheiratet war, gehen die Brauereien geschäftlich getrennte Wege. Die Sünner GmbH & Co. KG kooperiert geschäftlich auch mit keiner anderen Brauerei. Durch die rückläufige Anzahl an gastronomischen Betrieben im Kölner Raum fällt der Bierausstoß der Brauerei kontinuierlich, da dort der Hauptabsatzmarkt von Sünner-Kölsch liegt. Der Fassbieranteil der Produktion liegt bei zirka 70 %. Im Lohnbrau wird seit 1978 für die Bedburger Brauerei Peter Schopen GmbH das nicht weit verbreitete Severins-Kölsch gebraut und seit 2007 für den Krefelder Getränkehändler trinkgut das Traugott Simon Kölsch sowie ab Januar 2016 das Colonius Kölsch[11]. Zudem werden für die Brauerei Joh. Cramer & Cie. KG aus Nideggen die 3 Sorten Cramer obergärig, Cramer Edel-Pils und Cramer Malz gebraut und für das kubanische Restaurant Colina das Bier Cerveza Colina hergestellt und in Flaschen abgefüllt.[12][13][14]

Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annonce der Sünner-Brauerei aus dem Jahre 1921

Für das Bierbrauen verwendet Sünner nach eigenen Angaben nur Braugerste aus heimischem Anbau, Hopfen aus der Hallertau, eigene Reinzuchthefe und weiches Wasser aus dem eigenen Brunnen. Die Würze reift in der Sünner-Brauerei unter Hinzugabe von obergäriger Hefe im offenen Gärverfahren. Die bei der Gärung des Bieres entstehenden geschmacksschädlichen Stoffwechselprodukte wie Gerb- und Bitterstoffe können bei diesem Verfahren noch aus dem Bier entfernt werden. Bei einer geschlossenen Gärung ist dies in dieser Form nicht mehr möglich. Da diese Methode sehr arbeitsintensiv und damit teuer ist, wird dieses Verfahren in Köln nur noch von wenigen Brauereien angewandt. Anschließend wird das Jungbier noch rund drei Wochen in Tanks zur Endreifung gelagert, bevor es in die Abfüllung gelangt.[15]

Brennerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sünner ist die einzige Brauerei in Köln, an die eine hauseigene Brennerei angeschlossen ist. Einmal jährlich wird unter Aufsicht der Bundeszollverwaltung 95-prozentiger Alkohol gebrannt. Dieser wird als Grundlage für ein umfangreiches Spirituosensortiment verwendet. Die Spirituosen reifen und lagern im so genannten Likör-Keller, einem Gewölbekeller unterhalb der Brennerei. Für den Reifeprozess werden, neben modernen Edelstahltanks, sehr alte Eichenfässer genutzt.

Marketing und Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kölsch-Express

Das Hauptprodukt Sünner Kölsch wird, wie viele andere Kölschmarken, nur regional angeboten. Infolgedessen wird es nur im Nahbereich von Köln durch Anzeigen, Radiospots und Verkehrsmittelwerbung beworben. Seit 2007 wird das Flaschenbier als einzige Kölschmarke in einer den Brauereifarben angeglichenen grünen Longneck-Flasche angeboten. Der aktuelle Werbeslogan von Sünner lautet: „Kölsch von seiner schönsten Seite.“

Die Lieferung der Produkte an Einzelhandel und Gaststätten erfolgt im gesamten Vertriebsgebiet meistenteils mit firmeneigenen Fahrzeugen. Das Unternehmen besitzt zahlreiche Gaststätten, die brauereigebunden verpachtet werden. Zu den bekanntesten Objekten zählen das Muschelhaus Bier-Esel und das Brauhaus Sünner im Walfisch. Durch feste Verträge mit Veranstaltern und Festzeltverleihern kommt Sünner-Kölsch auf vielen Festen zum Ausschank. Innerhalb des Brauereigeländes richtete Sünner einen Biergarten und einen Brauhauskeller ein, welche von der Sünner Gastronomie GmbH betrieben werden. Zudem wird auf dem Brauereihof jährlich am Weiberfastnachtstag der Kalker Straßenkarneval eröffnet.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sünner Kölsch – klassisches obergäriges Kölsch
Sünner Hefeweizen – hefetrübes Weizenbier
Sünner BioColonia – ungefiltertes (Bio-) Kölsch (Wieß)
Sünner Malz – alkoholfreier Malztrunk
Sünner Kölsches Wasser mit/ohne – Tafelwasser aus eigenem Brunnen
Sünner No. 1 – feiner Weizenbrand
WacholdergeistWacholderbrand
Sünner Feiner Korn – Korn
Sünner Doppelkorn – doppelt gebrannter Korn
Sünner Mälzchen – Malzlikör
Sünner Dry Gin No. 260 – Gin
Sünner Akrobat – Kräuterlikör

Die Biersorten werden in 0,33 und 0,5 l-Longneck-Flaschen angeboten. Sünner-Kölsch ist zudem in 10-, 15-, 20-, 30- und 50 l-Fässern erhältlich. Für die Gastronomie werden 30- und 50-l-Keg-Fässer mit Kölsch und Weizen befüllt. Die Spirituosen werden produktabhängig in Größen von 0,04 bis 10 l abgefüllt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Bützler: Geschichte von Kalk und Umgebung, Nachdruck nach dem Original von 1910. Ohlert Verlag, Köln 2001, ISBN 3-935735-00-6.
  • Georg Roeseling: Zwischen Rhein und Berg – Die Geschichte von Kalk, Vingst, Humboldt/Gremberg, Höhenberg . Bachem-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-7616-1623-6.
  • Henriette Meynen: Stadtspuren – Denkmäler in Köln, Band 7, Kalk und Humboldt/Gremberg. Bachem Verlag, Köln 1990, ISBN 3-7616-1020-3.
  • Geschichtswerkstatt Kalk e. V: Kultur & Industriepfad Kalk, Ein Stadtteilführer. Eigenverlag, Köln 2004, ISBN 3-935735-06-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sünner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Bützler:Geschichte von Kalk und Umgebung. Eigenverlag, Köln 2003, S.54 und S. 292
  2. Webseite der Sünner-Brauerei zur Firmengeschichte, Zugriffsdatum 29. Juli 2007
  3. Kölschbibliothek des Kölner Brauerei-Verband e.V. (Memento vom 26. Mai 2008 im Internet Archive), Zugriffsdatum 29. Juli 2007
  4. www.koelsch-net.de, Zugriffsdatum 3. August 2007
  5. Webseite des Deutschen Institutes zum Schutz von geographischen Herkunftsangaben, Zugriffsdatum 5. April 2008
  6. Werner Jung: Das neuzeitliche Köln. Bachem Verlag, Köln 2004, S. 206, ISBN 3-7616-1590-6
  7. rheinische-industriekultur.com Zugriffsdatum 28. März 2008
  8. Webseite der Sünner-Brauerei zur Firmengeschichte, Zugriffsdatum 3. August 2007
  9. Der SÜNNER Keller. In: suenner-keller.de
  10. Sünner-Brauerei in Köln-Kalk.de, Zugriffsdatum 15. Januar 2011
  11. Express.de - Nanu, wo kommt den dieses neue Kölsch her? Abgerufen am 12. Januar 2016
  12. Akademie för uns kölsche Sproch, Bericht über die Besichtigung der Sünner-Brauerei am 3. Juli 2007, Zugriffsdatum 31. Juli 2007
  13. Pressemeldung Kölner Brauerei-Verband 24./25. April 2001 (Memento vom 8. Januar 2008 im Internet Archive), Zugriffsdatum 1. August 2007
  14. beerme.com, Zugriffsdatum 13. März 2008
  15. Webseite der Sünner-Brauerei über das Bierbrauen, Zugriffsdatum 1. August 2007

Koordinaten: 50° 56′ 21″ N, 7° 0′ 40″ O

Dieser Artikel wurde am 5. April 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.