Brod nad Dyjí

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Brod nad Dyjí
Wappen von Brod nad Dyjí
Brod nad Dyjí (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 1197 ha
Geographische Lage: 48° 53′ N, 16° 32′ OKoordinaten: 48° 52′ 30″ N, 16° 32′ 7″ O
Höhe: 175 m n.m.
Einwohner: 519 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 692 01
Verkehr
Straße: Dolní Dunajovice - Drnholec
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Pavla Norková (Stand: 2008)
Adresse: Brod nad Dyjí 45
692 01 Brod nad Dyjí
Gemeindenummer: 584355
Website: www.brodnaddyji.cz
Pfarrkirche St. Nepomuk

Brod nad Dyjí (deutsch Guldenfurt) ist eine Gemeinde in der Region Südmähren in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer nordwestlich von Mikulov (Nikolsburg) und gehört zum Okres Břeclav (Bezirk Lundenburg). Der Ort ist als ein Straßenangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Südwesten Drnholec (Dürnholz) und Novosedly na Moravě (Neusiedl am Sand), im Süden Dobré Pole (Guttenfeld) und Březí u Mikulova (Bratelsbrunn) und im Osten Dolní Dunajovice (Untertannowitz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand in den Jahren 1568–1570 als eine Neuansiedelung für den verwüsteten Ort Neudorf. 1583 wird die Ortschaft in einem Erbteilungsvertrag der Familie Liechtenstein erstmals urkundlich erwähnt.

Die Matriken des Ortes werden seit 1652 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[2] Die Grundbücher werden seit 1792 aufgezeichnet. Bis zum Jahre 1786 gab es einen fürstlichen Schafhof im Ort. Kaiser Joseph II. ordnete am Ende des 18. Jahrhunderts die Zerstückelungen von herrschaftlichen Meierhöfen an. Daraus sollten Neuansiedlungen gefördert werden. In Guldenfurt selbst wurden aufgrund dieser Verordnung 9 neue Häuser gebaut. Guldenfurt gehörte bis 1848 zur Herrschaft Dürnholz. In den Napoleonischen Kriegen wurde die Ortschaft 1805 von französischen Truppen geplündert und 1809 16 Wochen lang von diesen besetzt. Im Jahre 1808 wurde eine vierklassige Schule gebaut. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1885 gegründet. Die Mehrzahl der Einwohner war in der Landwirtschaft und im Weinbau tätig. Im Jahr 1910 waren 99,7 % der Einwohner deutschsprachig.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gultenfurt Teil der neu gegründeten Tschechoslowakei. 1938 kam der Ort nach dem Münchner Abkommen an das Deutsche Reich und wurde ein Teil des Reichsgaues Niederdonau. Von den im Zweiten Weltkrieg eingezogenen Männern sind 126 gefallen oder wurden vermisst. Mit Kriegsende wurde Guldenfurt wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Ein Teil der deutschsprachigen Ortsbewohner floh über die Grenze nach Österreich oder wurde dorthin vertrieben. Zwischen 15. März und 5. Oktober 1946 erfolgte die Zwangsaussiedlung von 545 Guldenfurtern nach Westdeutschland.[3] Bis auf 70 Familien wurden alle der in Österreich befindlichen Guldenfurter entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen nach Deutschland abgeschoben. Je eine Familie wanderte in die Schweiz und eine in die DDR aus.[4][5][6]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Siegel aus dem Jahr 18. Jahrhundert zeigt eine stilisierte Lilie beseitet von zwei Sternen. Ab dem 19. Jahrhundert gab es nur noch einen Schriftstempel.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1793 408
1836 676
1869 774
1880 814 814 0 0
1890 889 889 0 0
1900 1.011 1.003 3 5
1910 955 952 3 0
1921 943 916 7 20
1930 999 983 5 11
1939 970
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A–Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche des hl. Johann von Nepomuk (1770/83)
  • Marienkapelle
  • Katharinenkapelle am Kapellenberg
  • Mariensäule
  • Schule (Neubau 1808)
  • Kriegerdenkmal (1920)[8][9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Kleindienst (* 27. März 1920), Kammermusiker, Heimatforscher, Zeichner und Südmährischer Kulturpreisträger

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Guldenfurt S.81
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren., C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Guldenfurt: S.12;
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden., Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X, Guldenfurt s.85f,
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 235 f. (Guldenfurt).
  • Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z, Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006, Guldenfurt s.92f,

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Guldenfurt: Seite 126
  • Johann Schwanzer, Julius Herbst: Guldenfurt, ein Heimatbuch. 1966
  • Leopold Kleindienst: Der Schafhof bei Guldenfurt. 1974
  • Leopold Kleindienst: 400 Jahre Guldenfurt. 1974
  • Tejral, Jaroslav – Jelínková, D.: Nové Nálezy z doby Římské v Brodě nad Dyjí. 1980
  • Leopold Kleindienst: Die Neusiedlung Guldenfurt. 1981
  • Johann Schwanzer: Arbeiten für die Gemeinde Guldenfurt.
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Andreas Bicherl: Guldenfurter Familien 1770–1945. 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brod nad Dyjí – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 18. März 2011.
  3. Archiv Mikulov: Odsun Nĕmců - transport odeslaný dne 20. kvĕtna, 1946
  4. Cornelia Znoy: Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  5. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  6. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 235 f. (Guldenfurt).
  7. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Guldenfurt Seite 82
  8. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, 1990, s.12
  9. Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Guldenfurt S.16