Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer

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Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) ist der Dachverband von Zentren, Einrichtungen und Projekten, die sich die soziale, psychologische und medizinische Versorgung und Behandlung von Flüchtlingen und Überlebenden organisierter Gewalt zur Aufgabe gemacht haben.

Es wird psychisch belasteten Flüchtlingen Psychotherapie (meist mit Schwerpunkt Traumatherapie), sozialarbeiterische Begleitung und oft auch Gruppenarbeit angeboten. Die meisten Zentren bieten darüber hinaus Fortbildung und Fachberatung für medizinische, psychotherapeutische und pädagogische Fachkräfte an und setzen sich auch auf politischer Ebene für die Belange von Flüchtlingen ein.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eingetragene Verein ging 1996 aus einer Reihe von nationalen Treffen und Fachtagungen hervor, in welchen die Idee eines bundesweiten Bündnisses der Psychosozialen Zentren in Deutschland befürwortet wurde. Die BAfF nimmt Aufgaben wahr, die allen Mitgliedsorganisationen gemeinsame Anliegen sind und die die Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten der einzelnen Organisationen sinnvoll erweitern, so z. B.

  • gemeinsame Projekte und Evaluation
  • Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den Zentren und mit externen Fachkräften
  • Arbeitsgruppen zu Standards in der Therapie und Begutachtung psychotraumatisierter Flüchtlinge
  • Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit
  • europäische und internationale Vernetzung
  • Fortbildungen und eine jährliche Bundesfachtagung

Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Berlin.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vernetzung der Behandlungszentren auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene
  • Stärkung des fachlichen Austauschs mittels der Entwicklung, Sammlung und Weitergabe von professionellen Standards, neuster Forschungsergebnisse, rechtlicher Veränderungen etc.
  • Entwicklung und Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen innerhalb der Behandlungszentren (Fortbildung, Fachtagungen, Zusammenarbeit mit Ausbildungsinstituten)
  • Angebot von Qualifizierungsmaßnahmen für Fachleute außerhalb der Behandlungszentren
  • Vermittlung von Expertise für Tagungen, Expertenrunden, Politik, Verwaltung und Fachleute etc.
  • Suchen und Fördern der Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden, Ärzte- und Psychotherapeutenkammern, Entscheidungsträgern im Gesundheits- und Sozialwesen sowie weiteren öffentlichen Interessenvertretern und europäischen Institutionen
  • Stärken des Schutzes und der Achtung für die Opfer von Gewalt und Verteidigung der Menschenrechte

Mitgliedsorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein hat über 30 Mitglieder, dazu gehören alle größeren Einrichtungen zur Rehabilitation von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland sowie einige Flüchtlingsberatungsstellen, die auch psychologische Angebote bereithalten. In beinahe allen Bundesländern Deutschlands befinden sich Mitgliedszentren:

Baden-Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

refugio Stuttgart - Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge
PBV Stuttgart - Psychologische Beratungsstelle für politisch Verfolgte und Vertriebene
BFU Ulm - Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm
REFUGIO Villingen-Schwenningen - Kontaktstelle für traumatisierte Flüchtlinge

Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

exilio Lindau - Hilfe für Migranten, Flüchtlinge und Folterüberlebende
REFUGIO München - Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer
PSZ Nürnberg - Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge

Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrum Überleben gGmbH
XENION Berlin - Psychotherapeutische Beratungsstelle für politisch Verfolgte

Brandenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behandlungsstelle für traumatisierte Flüchtlinge, Fürstenwalde
FaZIT - Fachberatungsdienst Zuwanderung, Integration und Toleranz

Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

REFUGIO Bremen - Psychosoziales Zentrum für ausländische Flüchtlinge

Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

haveno - Psychotherapie und interkulturelle Kommunikation
SEGEMI - Seelische Gesundheit Migration und Flucht e.V.

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FATRA Frankfurt/M. - Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil e.V.
Ev. Zentrum für Beratung und Therapie Frankfurt/M. - Haus am Weißen Stein - Beratung und Therapie für Flüchtlinge

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychosoziales Zentrum für Migranten in Vorpommern, Greifswald

Niedersachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V., Hildesheim
IBIS - Interkulturelle Arbeitsstelle e.V., Oldenburg

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PÄZ Aachen - Pädagogisches Zentrum - Fach- und Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausländischer, binationaler und deutscher Herkunft
MFH Bochum - Medizinische Flüchtlingshilfe
PSZ Düsseldorf - Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf
PSZ Bielefeld - Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge
tzfo Köln - Therapiezentrum für Folteropfer des Caritasverbandes für die Stadt Köln
Refugio Münster - Psychosoziale Flüchtlingshilfe
Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge Dortmund
PSZ für Flüchtlinge Diakonie Mark-Ruhr

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IN TERRA - Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge, Mayen
Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge, Altenkirchen
Ökumenische Beratungsstelle für Flüchtlinge, Trier
Psychosoziales Zentrum Pfalz, Ludwigshafen
Psychosoziales Zentrum für Flucht und Trauma, Mainz

Saarland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PSZ Saarbrücken - Psychosoziales Beratungszentrum des Deutschen Roten Kreuzes

Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Leipzig (Mosaik e.V.)
Psychosoziales Zentrum Dresden (CALM Sachsen)

Sachsen-Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychosoziales Zentrum für Migrantinnen und Migranten (Standorte in Halle (Saale) und Magdeburg)

Schleswig-Holstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychosoziale Anlaufstelle für Geflüchtete, Neumünster

Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Refugio Thüringen − Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge (Standorte in Jena und Erfurt)

Außerdem sind Pro Asyl, die bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge, und der Sächsische Flüchtlingsrat in Dresden Mitglieder der BAfF sowie einige Einzelpersonen als Fach- und Fördermitglieder.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Therapie und Begleitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und die Behandlungszentren für Folteropfer bieten psychisch belasteten Flüchtlingen Psychotherapie (meist mit Schwerpunkt Traumatherapie), sozialarbeiterische Begleitung und oft auch Gruppenarbeit an.

Laut Versorgungsbericht der BAfF e.V. haben Patienten im Jahr 2014 im Durchschnitt erst nach sieben Monaten einen Termin für das Erstgespräch erhalten. Nur sechs Prozent der Patienten könnten von den PSZ an einen niedergelassenen Psychotherapeuten weitervermittelt werden.[1]

Die meisten Zentren bieten darüber hinaus Fortbildung und Fachberatung für medizinische, psychotherapeutische und pädagogische Fachkräfte an.

Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kontakt mit Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung setzt sich die BAfF für die Belange traumatisierter und psychisch belasteter Flüchtlinge und für die Absicherung ihrer Rehabilitation ein [2].

Zeitzeugen der Menschenrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt Zeitzeugen der Menschenrechte verfolgt das Ziel, folterüberlebenden Flüchtlingen zu einer Stimme im öffentlichen Raum zu verhelfen. Ihre Erfahrungen von schweren Menschenrechtsverletzungen und ihre aktuellen Schwierigkeiten sind oft Thema der Zeitzeugnisse. Sie berichten aber auch über ihren Lebenswillen und ihre Kraft, trotz Folter und Erniedrigung weiterzuleben. Diese Zeitzeugnisse werden in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedseinrichtungen in Form von Interviews, Gruppendiskussionen, einer Schreibwerkstatt und verfremdeten Fotos dokumentiert und anonymisiert der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Mit dem Projekt reagiert die BAfF einerseits auf Bedürfnis der Menschen, ihre Erlebnisse von Gewalt, Flucht, Leben im Exil bzw. Rückkehr in die Heimat mitzuteilen und damit öffentlichen Raum zu betreten. Andererseits zielt die Veröffentlichung ihrer Biographien und Einzelschicksale auf die Sensibilisierung des öffentlichen Raums ab. Durch die Dokumentation der Zeitzeugen-Berichte können die unaussprechlichen Erlebnisse zugänglich und die konkreten Probleme und Bedürfnisse der Folteropfer sowie die erforderliche Unterstützung deutlich gemacht werden.

Kontextbezogene Traumabehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BAfF informiert sich über bestehende Behandlungsangebote für Opfer von Menschenrechtsverletzungen vor Ort. Bereits bestehende kontextbezogene, integrierte Traumabehandlung in den Herkunftsländern sind besonders wichtig. Die BAfF sucht und pflegt Kooperation mit deutschen, europäischen und internationalen NGOs und Partnern. Der wechselseitige Transfer von Wissen und Erfahrung ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Versorgung im Heimatland. Zugleich kann das Kontextwissen helfen, die Lebenssituation sowie die politischen und kulturellen Hintergründe des Heimatlandes bzw. der Betroffenen besser zu verstehen und so einen Beziehungsaufbau und einen Zugang zu den Klienten fördern.

Arbeitsgruppe Flüchtlingskinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Arbeitsgruppe bemüht sich um gezielte Lobbyarbeit zu Gunsten der Flüchtlingskinder und geflüchteten Jugendlichen, um ihnen somit in ihrer Lebenssituation besser helfen zu können. Arbeitsschwerpunkte dieser Arbeitsgruppe sind etwa der Zugang zu Hilfsangeboten der Jugendhilfe oder gesundheitlicher Versorgungszentren, Aktivitäten zum Kinderschutz in Flüchtlingsfamilien sowie der Austausch zu Strategien lokaler Lobbyarbeit.

Arbeitsgruppe Fundraising[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesundheitsregelversorgung übernimmt in der Regel nur begrenzt die Behandlung von Flüchtlingen und Folteropfern. Oft notwendige Dolmetscherkosten sind keine Leistungen, die von den Krankenkassen übernommen werden. Hinzu kommt, dass die besonderen Bedürfnisse von schwer traumatisierten Menschen niedergelassene Ärzte und Psychologen abschrecken. Die Behandlungszentren finanzieren sich vornehmlich durch Projektmittel, Stiftungen und Spendengelder.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jenny Baron, Lea Flory: Versorgungsbericht. Zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland. 2. aktualisierte Auflage. BAfF e.V., abgerufen am 15. Dezember 2016.
  2. Thüringer Erklärung – Sicherung der Rehabilitation von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen. In: www.wiki.psz-duesseldorf.de. Abgerufen am 29. Oktober 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]