Burg Lichtenberg (Salzgitter)

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Burg Lichtenberg
Burgruine mit Bergfried, links Graben, rechts Torfundamente

Burgruine mit Bergfried, links Graben, rechts Torfundamente

Alternativname(n): Heinrichsburg
Entstehungszeit: um 1180
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Ständische Stellung: Herzog
Ort: Salzgitter-Lichtenberg
Geographische Lage 52° 7′ 17″ N, 10° 17′ 19″ OKoordinaten: 52° 7′ 17″ N, 10° 17′ 19″ O
Höhe: 241 m ü. NN
Burg Lichtenberg (Salzgitter) (Niedersachsen)
Burg Lichtenberg (Salzgitter)
Fundamente der Hauptburg, von unten: Wirtschaftsgebäude, Kapelle, Torturm, rechts oben: Blide

Die Burg Lichtenberg, auch als „Heinrichsburg“ bezeichnet, ist die Ruine einer Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert in den Lichtenbergen (Nordwestteil des Salzgitter-Höhenzugs) bei Salzgitter in Niedersachsen. Ihre Überbleibsel stehen südlich bzw. oberhalb von Salzgitter-Lichtenberg auf der steilen Bergkuppe des Burgbergs (241 m).

Die strategisch äußerst günstig gelegene Anlage zeigt den idealtypischen Grundriss einer hochmittelalterlichen Höhenburg. Erbauer der wichtigsten welfischen Festungsanlage war Herzog Heinrich der Löwe (1129–1195). Die Burg wurde gegen das Hochstift Hildesheim und die staufischen Nachbarn in Goslar errichtet. Trotz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen in dieser Zeit wurde sie erst 1552 durch Kanonen eines Söldnerheeres zerstört.

Aufbau der Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg besteht aus der oberen Hauptburg auf 241 m ü. NN und einer darunter liegenden Vorburg. Die Oberburg liegt auf einem ovalen Plateau von 45 × 80 m. Auf ihm befanden sich, umgeben von einer 1,6 m starken Ringmauer, verschiedene Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie Türme und der Burgbrunnen. In einem 10 × 8,5 m großen Wohnbau, einer Kemenate, wurde bei Ausgrabungen eine frühere Warmluftheizung entdeckt. Etwas unterhalb der Kernburg findet sich ein 32 × 8 m großer Palas mit benachbartem Turm und Verlies.

Die erste Bauphase der Burg wird auf den Beginn des 12. Jahrhunderts datiert, ihr Ausbau erfolgte vermutlich zwischen 1170 und 1180. Die ausgedehnte Vorburg gehört in eine jüngere Bauphase. Sie war von einem Wall-/Grabensystem sowie einer Ringmauer mit 13 offenen Halbrundtürmen umschlossen. Davon sind Teile der Tormauern und der dazugehörige Burggraben erhalten. Spuren früherer Gebäude sind nur als einzelne Fundamentfragmente vorhanden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde Burg Lichtenberg 1180 urkundlich erwähnt. Heinrich der Löwe nutzte sie als Bollwerk gegen den staufischen Kaiser Friedrich I. (Barbarossa). Die Burg lag an der Grenze des welfischen Fürstentums und bedrohte die benachbarten, nicht-welfischen Gebiete des Hochstifts Hildesheim sowie des Reichsguts Goslar. Im Rahmen des Reichskrieges gegen Heinrich nahm Barbarossa die Burg 1180 nach kurzer Belagerung ein. Der „Löwe“ erhielt sie erst nach dem Friedensschluss mit dem staufischen Kaiser Heinrich VI. 1194 zurück. Ein Jahr später verstarb Heinrich der Löwe.

Die staufische Fraktion im Reich wählte 1198 Philipp von Schwaben zum König, wogegen die welfische Partei Otto IV., den 16-jährigen Sohn Heinrichs des Löwen, zum Gegenkönig erhob. Otto IV. nutzte die von der Burg Lichtenberg ausgehende Macht, um der staufertreuen Reichsstadt Goslar Schaden zuzufügen. Um ihr Reichsgut Goslar zu sichern, ließen die Staufer 1206 ihren Reichsvogt von Goslar, Graf Hermann von Wöltingerode, gegen die Burg ziehen. Überraschend gelang ihm die Eroberung der Burg. Anfang Juni 1206 belagerte Graf Gunzelin von Wolfenbüttel erfolglos Burg Lichtenberg, nachdem Graf Hermann sie erobert hatte und von dort aus Streif- und Beutezüge in deren Vorland unternahm, auch in den Peiner Raum, Gunzelins Grafschaft.

Als Otto IV. 1208 nach der Ermordung seines Widersachers als alleiniger König anerkannt wurde, fiel die Burg an die Welfen zurück. Nach Ottos Tod 1218 ging das Erbe an Otto das Kind, Herzog von Braunschweig und Lüneburg über. Nach dessen Tod erbte sein Sohn Herzog Johann zu Braunschweig und Lüneburg seine Güter und wurde Burgherr von Lichtenberg. Zeitweise war die Burg an die Stadt Braunschweig verpfändet, wurde aber 1365 von den Herren von Saldern wieder ausgelöst. Sie betätigten sich von der Burg aus als Raubritter, über deren Raubzüge das Braunschweiger Fehdebuch in den Jahren 1379–1382 berichtet. Die Adelsfamilie von Saldern wurde im 15. Jahrhundert von der Burg verdrängt. In Urkunden dieser Zeit werden als Vögte Rudolf von Garßenbüttel und Herwig von Uetze genannt.

Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Oktober 1552 zogen Einheiten des Grafen Vollrad von Mansfeld vom Schmalkaldischen Bund vor der Burg auf. Er war mit rund 5400 Landsknechten und 2100 Reitern plündernd in das Herzogtum Braunschweig eingefallen und hatte bereits Städte im Harzvorland verwüstet. Die Truppen beschossen die Burg mit schweren Geschützen, unter anderem mit großkalibrigen Fürmösers, und nahmen sie nach acht Tagen ein. Im selben Jahr erschien Mansfeld auf gleiche Weise vor Burg Neuhaus in Wolfsburg. Seither ist Burg Lichtenberg eine Ruine, die Nutzung als Steinbruch zum Aufbau der Domäne Lichtenberg tat ihr Übriges.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert rückte die Burgruine ins öffentliche Interesse. Verantwortlich war das gestiegene Geschichtsbewusstsein und die langsam erwachenden nationalistischen Ideen der Bismarck-Ära nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871.

Seit 1892 gab es einen „Verschönerungsverein der Burg Lichtenberg“, der sich 1995 als „Förderverein Burg Lichtenberg e. V.“ (200 Mitglieder) neu gründete. Der Bergfried war 1861 als verfallener Mauerstumpf von 15 m Höhe eingefallen und wurde abgerissen. 1892/93 errichtete der Verschönerungsverein auf den alten Fundamenten einen neuen Bergfried mit dem gleichen sechseckigen Grundriss, der heute mit einer hölzernen Aussichtsplattform eine Höhe von etwa 25 m hat. Sie erlaubt einen weiten Ausblick in das Harzvorland bis zum Brocken. Untersuchungen des Burgbrunnens ergaben, das er rund 60 m tief ist und von Hand ausgeschachtet wurde. Seit 2005 steht an der Burgruine die Nachbildung einer Blide, einer mittelalterlichen Steinschleudermaschine. Auf dem Gelände der Vorburg befindet sich das Burghotel, eine Ausflugsgaststätte.

Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste archäologische Ausgrabungen fanden 1893 statt. In den späten 1950er-Jahren und wieder ab 2004 folgten weitere Einzeluntersuchungen. Die Grabungen legten die Fundamente aller Steingebäude frei. 2004 grub die „Archäologische Arbeitsgemeinschaft Salzgitter“ eine Toranlage aus, die der Zeit Heinrichs des Löwen zugerechnet wird. Bis dahin waren auf der Burg nur Überreste des 14. bis 16. Jahrhunderts gefunden worden. In der freigelegten Pflasterung zeichnen sich noch die Spurrillen der Fuhrwerke ab. Interessantes Detail der älteren Burganlage ist eine Fußbodenheizung nach römischem Vorbild. Dabei wird in einem ummauerten Keller ein Feuer gehalten, das die darüberliegenden Steine und Luft im Mauerwerk erhitzt. Durch neun Öffnungen, die mit Stopfen versehen waren, konnte der Luftstrom geregelt werden. Ein separater Kamin diente als Rauchabzug.

Gaußstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Gaußstein“ mit einer Tafel der Gebrüder Schreitel

Oberhalb der Burgruine steht auf der Bergspitze der „Gaußstein“, ein Vermessungspfeiler, den der Mathematiker und Geodät Carl Friedrich Gauß um 1820 errichten ließ. Er steht im erhöhten Zentrum einer mittelalterlichen Turmhügelburg. Es handelt sich um die Station Lichtenberg der gauß’schen Landesaufnahme, mit der Gauß Auftrag von König Georg IV. das Königreich Hannover vermaß. Die von der Station Lichtenberg aus angezielten anderen Stationen sind die Stationen Brocken, Hils, Deister, Falkenberg und Garssen.[1][2] Die Gedenktafel aus dem 20. Jahrhundert lieferte die Firma Gebrüder Schreitel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Adolf Schultz: Burgen und Schlösser des Braunschweiger Landes. Braunschweig 1980, ISBN 3-87884-012-8.
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Burgruine Lichtenberg. In: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, S. 135–136, ISBN 3-7842-0558-5.
  • Michael Geschwinde, Horst-Rüdiger Jarck, Andreas Wolff: Burg Lichtenberg: 29. Oktober 1552. In: Archäologie in Niedersachsen, 2003, S. 72–77

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Lichtenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gauß-CD. In: webdoc.sub.gwdg.de. Abgerufen am 25. März 2016.
  2. Vermessung - Gauss-Steine - GAUSS-GESELLSCHAFT e.V. Göttingen. In: hs.uni-hamburg.de. Abgerufen am 25. März 2016.