Burgundischer Vertrag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Burgundische Vertrag oder Vertrag von Augsburg wurde am 26. Juni 1548 ratifiziert. Er regelte die staatsrechtliche Stellung der Habsburgischen Niederlande, der so genannten Siebzehn Provinzen, im Gefüge des Heiligen Römischen Reichs neu.

Wappen Karls V.

Größtenteils ein Werk des kaiserlichen Rates Viglius van Aytta, war der Vertrag von Augsburg ein Übereinkommen zwischen Kaiser Karl V. und den Reichsständen (in Person ihrer Abgesandten auf dem geharnischten Reichstag). Die Regelung war ein erster Schritt zur Bildung eines niederländischen Territorialstaates, die der Kaiser als Nachfolger seiner burgundischen Vorfahren anstrebte. Es ging ihm darum, für den spanischen Teil der Habsburgerdynastie durch die weitgehende Herauslösung der Niederlande aus dem Herrschaftssystem des Heiligen Römischen Reiches eine Eigenherrschaft und damit ihre zweiten oder niederen Erblande zu schaffen.[1]

„Allegorie auf Kaiser Karl V.“ (Gemälde von Peter Paul Rubens)

Politisch ermöglicht wurde das Abkommen durch die gefestigte Stellung des Kaisers innerhalb des Reiches nach dem Schmalkaldischen Krieg, aber auch durch die Entwicklung der Niederlande selbst. So gelang es, Artois und Flandern aus der Lehensbindung an den französischen König zu lösen und den Territorien Karls anzugliedern. Gleichzeitig schuf man in Mechelen ein Oberstes Tribunal und eine Rechenkammer, die ausschließlich für die „Niederlande“ zuständig waren.

Der Vertrag löste die direkten Herrschaften Karls V. (Herzogtum Geldern, Grafschaft Zutphen, die Territorien Hochstift Utrecht, Groningen, Herrschaft Overijssel sowie die Grafschaft Drenthe) aus dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis heraus; sie wurden dem Burgundischen Reichskreis zugeschlagen. Die somit entstandene neue Einheit der burgundischen Erblande Karls V. wurde der Jurisdiktion des Reichskammergerichts entzogen. Dagegen blieben Verbindungen im außen- und sicherheitspolitischen Bereich: Das Reich verpflichtete sich zum immerwährenden Schutz für die Territorien. Dafür sollte der Burgundische Kreis so viel wie zwei Kurfürsten an Reichsumlagen an die kaiserliche Kasse zahlen und für die Türkenkriege sogar so viel wie drei Kurfürsten.

Damit dieses Herrschaftsgebiet auch fortan einem einzigen Herren unterstellt sein und nicht in seine Bestandteile zerfallen würde, erließ Kaiser Karl V. am 4. November 1549 die Pragmatische Sanktion, in welcher er die einzelnen Territorien zu einer unteilbaren Herrschaft zusammenfügte und damit die Erbfolge für sein burgundisches Erbe regelte.

Die Lehensbeziehungen der einzelnen Gebiete zum Reich blieben formal erhalten, verloren aber immer mehr an Bedeutung. Die Konsequenz war, dass das Gebiet der Habsburgischen Niederlande weitgehend aus dem Reichsverband herausgelöst wurde und somit die bereits im Spätmittelalter begonnene faktische Distanzierung vom Reich auch rechtlich forciert wurde. Der Burgundische Vertrag war also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit der Niederlande.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Rachfahl: Die Trennung der Niederlande vom deutschen Reiche. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst 19 (1900), S. 79–119 (Digitalisat im Internet Archive).
  • Nicolette Mout: Die Niederlande und das Reich im 16. Jahrhundert. In: Volker Press, Dieter Stievermann (Hrsg.): Alternativen zur Reichsverfassung in der Frühen Neuzeit? München 1995, S. 143–168 (Vorschau bei Google Buchsuche).
  • Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806). Geschichte und Aktenedition. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07146-6, S. 390 ff. und 565 ff. (Vorschau bei Google Buchsuche).

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Volker Press: Die Niederlande und das Reich in der Frühen Neuzeit. In: Wim P. Blockmans, Herman van Nüffel (Hrsg.): Etat et Religion aux XVe et XVIe siècles. Actes du colloque à Bruxelles du 9 au 12 octobre 1984. Brüssel 1986, S. 321–338.