Buschbock

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Sambia-Schirrantilope (Tragelaphus ornatus)

Als Buschbock wird ein Artenkomplex verschiedener, naher verwandter Antilopenarten aus Afrika bezeichnet. Ursprünglich wurden sie in einer einzigen Art geführt und mit Tragelaphus scriptus bezeichnet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Farbe und Musterung der Buschböcke variieren stark nach Region, von hell- bis dunkelbraun zu rotbraun sowie von einigen hellen Stellen bis zu zahlreichen weißen Streifen und Flecken. Alle Tiere haben eine auffällige weiße Markierung am Hals und an der Brust, die je nach Art variiert. Die Männchen tragen 50 cm lange, scharfe gewundene Hörner und eine am Rückgrat entlanglaufende Mähne. Diese kann zur Schau aufrecht gestellt werden.

Die ausgewachsenen Tiere erreichen eine Körperlänge von 1,1 bis 1,5 m und ein Gewicht zwischen 25 und 80 kg, mit einer Schulterhöhe von 75 bis 110 cm. Männchen sind deutlich größer und dunkler als Weibchen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet der Buschböcke
Südliche Schirrantilope (Tragelaphus sylvaticus)

Das Verbreitungsgebiet der Tiere ist das südlich der Sahara gelegene Afrika. Unter anderem sind sie in den Nationalparks Addo Elephant, St. Lucia, Hluhluwe/Umfolozi, Kruger, Moremi, Chobe, Mana Pools, Kafue, South Luangwa, Nyika, Upemba, Arusha, Lake Manyara, Mudumu, Ngorongoro, Ruwenzori, Virunga, Garamba, Queen Elizabeth, Mount Elgon, Marsabit, Samburu, Meru, Mount Kenya, Aberdare, Masai Mara und Nairobi zu finden. Eine ungewöhnliche Ansiedlung des Buschbocks fand 1976 im Calauit Game Preserve and Wildlife Sanctuary auf den Philippinen statt. Es ist die einzige Population von Buschböcken außerhalb Afrikas. [1]

Lebensraum[Bearbeiten]

Ihr bevorzugter Lebensraum sind Wälder und Buschwerk in Wassernähe. Sie leben auch in waldigen Schluchten entlang ausgetrockneter Wasserläufe. In Bergwäldern erreicht der Buschbock Höhenlagen von bis zu 4000 Metern. Gelegentlich besuchen die Tiere die Randzonen von Ortschaften und Gärten.

Lebensweise[Bearbeiten]

Buschböcke leben meistens als Einzelgänger oder paarweise. Sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und ernähren sich von Laub, Triebspitzen, Gräsern, Kräutern und Früchten. Die Tiere bewegen sich geschickt in dichtestem Pflanzenwuchs, wo sie tunnelartige Wechsel hinterlassen. Oft suchen sie das Wasser auf, um zu schwimmen. In Bedrängnis springen sie auf und geben einen Ruf von sich, der Hundegebell ähnelt. Nach einer Tragzeit von 7½ Monaten wird nur ein Junges gesetzt.

Systematik[Bearbeiten]

Ursprünglich wurden die Buschböcke in einer Art (Tragelaphus scriptus) zusammengefasst und innerhalb dieser zwei Unterarten unterschieden, der Delameres Buschbock (Tragelaphus scriptus delamerei) und die Schirrantilope (Tragelaphus scriptus scriptus; die Bezeichnung Schirrantilope kommt von der einem Pferdegeschirr ähnelnden Fellzeichnung). Teilweise wurden auch bis zu 40 Unterarten anerkannt. Eine molekulargenetische Studie aus dem Jahr 2009 erbrachte jedoch, dass die Buschböcke einen Artenkomplex aus wenigsten zwei oder mehreren Arten bilden.[2] In einer Revision der Hornträger, veröffentlicht im Jahr 2011 von Colin Peter Groves und Peter Grubb, wurden insgesamt acht Arten in zwei Artengruppen unterschieden. Folgende Vertreter werden heute zu den Buschböcken gestellt:[3][4]

  • Tragelaphus scriptus-Gruppe
  • Tragelaphus sylvaticus-Gruppe

Laut den genetischen Untersuchungen aus dem Jahr 2009 entstanden die Buschböcke möglicherweise im Pliozän vor rund 3,9 Millionen Jahren im nordöstlichen Afrika, als dort im Gegensatz zu heute noch dichte Wälder bestanden. Vor rund 2,5 Millionen Jahren im Übergang zum Pleistozän spalteten sich die beiden Artengruppen auf, wobei in der Folgezeit die scriptus-Gruppe dann bis in das westliche Afrika, die sylvaticus-Gruppe bis in das südliche Afrika vordrang.[5][2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Colin Groves und Peter Grubb: Ungulate Taxonomy. Johns Hopkins University Press, 2011, S. 1–317 (S. S. 108–280)
  • Colin P. Groves und David M. Leslie Jr.: Family Bovidae (Hollow-horned Ruminants). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 597–610
  • Chris and Tilde Stuart: Southern, Central and East African Mammals. A photographic guide. 2. Aufl. Struik Publ., Kapstadt 2002, ISBN 1-86872-621-5.
  • Herwart Stehr (Red.): Das moderne Tierlexikon, Bd. 2. Lexikon-Institut Bertelsmann, Gütersloh 1981, ISBN 3-570-06782-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Palawan Council for Sustainable Development
  2. a b Yoshan Moodley, Michael W. Bruford, Christoph Bleidorn, Torsten Wronski, Ann Apio und Martin Plath: Analysis of mitochondrial DNA data reveals non-monophyly in the bushbuck (Tragelaphus scriptus) complex. Mammalian Biology 74, 2009, S. 418–422
  3. Colin P. Groves und David M. Leslie Jr.: Family Bovidae (Hollow-horned Ruminants). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 597–610
  4. Colin Groves und Peter Grubb: Ungulate Taxonomy. Johns Hopkins University Press, 2011, S. 1–317 (S. S. 108–280)
  5. Yoshan Moodley und Michael W. Bruford: Molecular Biogeography: Towards an Integrated Framework for Conserving Pan-African Biodiversity. PlosOne 5, 2007, S. e454 ([1])

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Buschbock – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]