CEO Fraud

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der CEO Fraud ist eine Betrugsmasche, bei der Firmen unter Verwendung falscher Identitäten zur Überweisung von Geld manipuliert werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Fälle dieser Internetkriminalität traten in den USA auf. „CEO“ steht für Chief Executive Officer und bedeutet sinngemäß Geschäftsführer, Fraud ist das englische Wort für Betrug. Inzwischen ist das Phänomen weltweit zu beobachten. Alternative Bezeichnungen sind BEC (Business Email Compromise), FPF (Fake President Fraud) oder Bogus Boss Email. In China spricht man in Anlehnung an eine Märchen-Schreckgestalt von Huapi-Zhapian, dem „Betrug mit der bemalten Haut“.[1][2]

Vorgehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typischerweise handelt es sich um gut gefälschte E-Mails, die scheinbar von einem Mitglied der Unternehmensführung stammen. Darin wird unter vermeintlich berechtigten Gründen die Überweisung hoher Geldbeträge auf eine ausländische Bankverbindung angewiesen.[3] Aber auch sehr gut gefälschte Briefpost (Logos von Bundesbehörden, gestempelte Hoheitszeichen, Freigabeunterschriften von Vorstandsmitgliedern) sind nicht unüblich. Erkennbar sind die guten Fälschungen oft nicht, da die Straftäter im Vorfeld Firmeninterna recherchieren. Hierzu nutzen sie neben öffentlich zugänglichen Angaben auch durch Social Engineering in Erfahrung gebrachte Daten.[4] Oft werden die ausführenden Mitarbeiter unter Zeitdruck gesetzt und auf die Geheimhaltung der Überweisung hingewiesen. Anfällig seien besonders "patriarchalisch-autoritär geführte Unternehmen, in denen Zweifel und Widerspruch nicht erwünscht sind".[5][6]

Nach Angaben des FBI summieren sich die weltweiten Schäden auf 2,8 Milliarden Euro. Als Transferziel werden meist Banken in China und Hongkong angegeben.[6][7]

Seit 2013 häufen sich Fälle auch im deutschsprachigen Wirtschaftsraum. Das Bundeskriminalamt zählte in drei Jahren 250 Betrugsfälle, die bekanntesten waren 2016 der bayerische Autozulieferer Leoni AG (40 Mio. Euro) und der österreichisch-chinesische Luftfahrtzulieferer FACC (50 Mio. Euro).[8] In der Regel verzichten die betroffenen Firmen aus Imagegründen darauf, darüber zu berichten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Springer Fachmedien: CEO-Betrug nimmt drastisch zu vom 27.03.2017, geladen am 04.04.2017
  2. Die Welt: Mit dieser Masche erbeuten Chinesen Millionen vom 18.02.2016, geladen am 04.04.2017
  3. Süddeutsche Zeitung: Der Boss, der keiner ist vom 5. November 2014, geladen am 4. April 2017
  4. Tagesschau: Falsche Chefs ergaunern Millionen vom 28. Dezember 2016
  5. Hypovereinsbank: "Fake President Fraud" oder "CEO-Fraud" geladen am 4. April 2017
  6. a b Frankfurter Allgemeine Zeitung: Autozulieferer Leoni um Millionensumme gebracht vom 16. August 2016, geladen am 5. April 2017
  7. Die Welt: Mit dieser Masche erbeuten Chinesen Millionen vom 18. Februar 2016, geladen am 4. April 2017
  8. Wirtschaftswoche: Wie falsche Chefs Millionen ergaunern vom 19. Oktober 2016, geladen am 31. März 2017