Cacheu (Stadt)

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Cacheu
Cacheu (Guinea-Bissau)
Cacheu
Cacheu
Koordinaten 12° 16′ N, 16° 11′ WKoordinaten: 12° 16′ N, 16° 11′ W
Basisdaten
Staat Guinea-Bissau

Provinz

Norte
Region Cacheu
Fläche 1004,4 km²
Einwohner 18.563 (2009)
Dichte 18,5 Ew./km²

Cacheu ist eine Stadt im Nordwesten Guinea-Bissau mit 5.674 Einwohnern.[1] Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Region Cacheu.

Die Stadt ist Sitz des gleichnamigen Verwaltungssektors mit einer Fläche von 1.004 km²[2] und 18.563 Einwohnern (Stand 2007).[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cacheu liegt am Südufer des Rio Cacheu etwa 20 Kilometer vor dessen Mündung in den Atlantik. Die Stadt ist etwa 100 km nördlich von der Hauptstadt Bissau entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Festung von Cacheu

Der Ort wurde im Jahr 1588 zur ersten portugiesischen Faktorei in Guinea-Bissau, begünstigt durch den natürlichen tiefen Hafen und der Lage, die eine effiziente Kontrolle der breiten Flussmündung erlaubte. Von hier wurden Gold, Elfenbein und Gewürze, vor allem aber Sklaven verschifft. Die Stadt blieb lange ein Zentrum des Sklavenhandels. Zu diesem Zweck wurde 1656 die Handelskompanie Companhia de Cacheu geschaffen.[3]

Cacheu wurde von Kap Verde aus verwaltet, bis Guinea-Bissau 1879 als Portugiesisch-Guinea eigenständige portugiesische Kolonie wurde.

1913 wurde Cacheu zur Kleinstadt (Vila) erhoben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parque Natural dos Tarrafes do Rio Cacheu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationstafel zum Naturpark an der Zugangsstraße vor Cacheu

Der im Jahr 2000 gegründete Naturpark Parque Natural dos Tarrafes do Rio Cacheu (kurz Tarrafes de Cacheu) umfasst 88.615 km², 68 % davon Mangrovenwälder, die als das größte zusammenhängende Mangrovengebiet Westafrikas gelten. Es leben 7.950 Menschen hier (Stand 2009), verteilt auf 41 Dörfer (Tabancas) und zu sechs verschiedenen Ethnien zugehörig.[4]

Mit seinen ausgedehnten Mangroven und seinen 248 teils raren Vogelarten (Zählung 2014) gehört zu den weltweit wertvollsten Gebieten für Vogelbeobachtung.[5] Neben einer Vielzahl saisonaler Zugvögel (insbesondere Schlammvögel) sind hier u. a. Pelikane, Flamingos, Nördliche Hornraben (Bucorvus abissinicus) und Sporngänse (Plectropterus gambensis) zu sehen.[6]

Hier findet sich das ausgedehnteste Gebiet natürlicher Mangobäume Westafrikas, an deren Wurzeln im Wasser sich Austern bevorzugt ansiedeln. Flusspferde (Hippopotamus amphibius) und die Seekuhart des Afrikanischen Manatis (Trichechus senegalensis) gehören hier zu den größten vorkommenden Tieren. Unter der reichen Fauna finden sich zudem Krokodile (Crocodylus niloticus), die hier als irã cego bekannte Afrikanische Python (Python sebae), das Gambische Sonnenhörnchen (Heliosciurus gambianus), die hier gazela pintada genannte Art der Buschböcke (Tragelaphus scriptus), Mangusten (Herpestes paludinosus) oder das hiesige schwarze Warzenschwein,[6] und auch Delfine und die Äthiopische Grünmeerkatze, eine Hundsaffenart, sind hier zuhause.[4]

Auch an Fischen ist der Naturpark reich, insbesondere Barsch- und Karpfenarten, Barrakudas, Corvinas (Cilus gilberti, aus der Familie der Umberfische) und die Großkopfmeeräsche (Mugil cephalus) gehören hier zu den am häufigsten vorkommenden Arten. Dazu sind Garnelenarten weit verbreitet.[6]

Es werden unterschiedliche geführte Routen angeboten, die sich in Preis und Dauer unterscheiden. Die kürzeste Tour dauert zwei Stunden und führt von Cacheu nach São Domingos, die längste führt durch verschiedene Dörfer (Tabancas), darunter die Tabanca Elia, in der es ungewöhnliche zweistöckige Hütten gibt, und die Tabanca Jobel, die sich über mehrere Flussarme erstreckt und deren Bewohner sich in kleinen Kanus fortbewegen. Die Tour kann auch auf eine Bootstour zur Tabanca Poilão de Leão erweitert werden, wo man Nilpferde findet. Touren können über das staatliche Naturschutz-Institut IBAP in Bissau, die portugiesische NGO Monte ACE[7] oder die private guinea-bissauische Agentur Osseh’mene Tours & Souvenirs gebucht werden.[6]

Projekt „Cacheu, caminho de escravos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 2016 eröffnete Museum Memorial da Escravatura e do Tráfico Negreiro

Unter Mithilfe der portugiesischen NGO Acção para o Desenvolvimento und mit EU-Zuschüssen entsteht in Cacheu seit 2014 das Projekt Cacheu, caminho de escravos (portugiesisch für: Cacheu, der Weg der Sklaven). Das Programm hat einen Umfang von 577.000 Euro und wird zu 90 % von der EU finanziert. Neben der Erinnerung an den Sklavenhandel verfolgt das Projekt eine Reihe weiterer Ziele, insbesondere Kulturförderung, Erhalt historischer Bauten und überlieferter Traditionen, Friedensförderung durch interkulturellen Dialog und Bürgerbewusstsein, und die Förderung der lokalen Wirtschaft durch Kulturaktivitäten.[8]

Wichtigster Teil des Projektes ist das Museum Memorial da Escravatura e do Tráfico Negreiro, im Juli 2016 unter Anwesenheit des guinea-bissauischen Kulturministers Tomás Barbosa eröffnet. Das unweit des historischen Verladehafens in einem restaurierten alten Handelshaus eingerichtete Museum zeigt die Geschichte des Sklavenhandels, bietet Veranstaltungen in eigenen Räumen und unterhält Einrichtungen für Wissenschaftliche Forscher.[9][10][11]

Am 24. und 25. November 2017 fand das vierte Kulturfestival von Cacheu statt. Landesweit bekannte Musiker und regionale Musik- und Tanzgruppen, eine Moderatorin des brasilianischen Fernsehsenders TV Globo und Theatergruppen traten auf, und regionale Produkte der Landwirtschaft und des Kunsthandwerks wurden ausgestellt. Parallel fand im Sklavereimuseum eine Konferenz zur Bedeutung des Sklavenhandels für die Entstehung von Kreolsprachen und für die Verbreitung der traditionellen afrikanischen Tuchherstellung.[12]

Im Rahmen des Projektes Cacheu, caminho de escravos werden auch Weiterbildungen für Jugendliche und Frauen durchgeführt und ein Hotel nahe dem Museum renoviert, um für Besucher erste Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1588 errichtete, erstaunlich kleine portugiesische Fort ist gut erhalten. Es sind dort auch überlebensgroße Bronzestatuen portugiesischer Entdecker aus verschiedenen Orten Guinea-Bissaus untergebracht und ausgestellt, die im Laufe der Zeit beschädigt oder im Zuge des Entkolonialisierungseifers nach der Unabhängigkeit 1974 von ihren ursprünglichen Denkmälern entfernt wurden, im einzelnen: Diogo Gomes, Nuno Tristão, Teixeira Pinto und Honório Barreto, 1813 hier geborener Gouverneur Cacheus.[13]

Die kleine Wallfahrtskirche Santuário Nossa Senhora da Natividade war die erste Kirche, die die Portugiesen in Westafrika errichteten. Die einfache Kirche, von den ersten franziskanischen Missionaren 1660 errichtet, wird alljährlich im Dezember Ziel für zahlreiche Katholiken in Guinea-Bissau. Diese Wallfahrt gilt als bedeutendster Ausdruck der katholischen Religion in dem Land. Die Kirche bleibt die übrige Zeit verschlossen, kann jedoch auf Nachfrage in der benachbarten Polizeiwache besichtigt werden.[14]

Am Hafen ist eine Säule auf einem kleinen Platz zu sehen. Das Denkmal wird dem Maler und Bildhauer Severo Portela zugeschrieben und wurde 1960 in Erinnerung an Heinrich den Seefahrer errichtet.[14]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cacheu ist über eine vergleichsweise gute asphaltierte Straße mit der etwa 100 km südlich gelegenen Hauptstadt Bissau verbunden.[3]

Eine kleine Fähre überquert den breiten Fluss Rio Cacheu, an dessen Südufer die Stadt liegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cacheu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohner per Region, Sektor und Ortschaft nach Geschlecht, Volkszählung 2009 (S. 135, port.), PDF-Abruf beim Nationalen Statistikamt INE vom 30. Dezember 2017
  2. Statistischer Jahresbericht Guinea-Bissau 2015 (S. 11), PDF-Abruf beim Nationalen Statistikamt INE vom 30. Dezember 2017
  3. a b Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 57.
  4. a b Website zum Parque Natural dos Tarrafes do Rio Cacheu beim Instituto da Biodiversidade e das Áreas Protegidas (port.), abgerufen am 6. Januar 2018
  5. Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 20.
  6. a b c d Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 61.
  7. Website der NGO Monte ACE (port.), abgerufen am 30. Dezember 2017
  8. Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 60.
  9. Memorial da escravatura e tráfico negreiro na Guiné-Bissau (portugiesisch), Artikel vom 8. Juli 2016 zur Museumseröffnung, Website von Radio France Internationale, abgerufen am 5. Januar 2018
  10. Offizielle Website des Memorial da Escravatura e do Tráfico Negreiro (im Aufbau), abgerufen am 5. Januar 2018
  11. Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 60.
  12. VI. Festival de Cacheu realizado – „Viertes Festival von Cacheu durchgeführt“, Artikel vom 1. Dezember 2017 auf www.adbissau.org, abgerufen am 5. Januar 2018
  13. Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 58.
  14. a b Joana Benzinho, Marta Rosa: À Descoberta da Guiné-Bissau. Afectos com Letras/EU, Pombal 2015, ISBN 978-989-20-6252-5, S. 59.
  15. Übersicht über die Städtepartnerschaften portugiesischer Kommunen in Guinea-Bissau, Webseite beim Dachverband der portugiesischen Kreisverwaltungen ANMP, abgerufen am 5. Januar 2018