Radio France Internationale

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Radio France Internationale
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Allgemeine Informationen
Empfang analog terrestrisch, Satellit, Internet
Sendegebiet weltweit
Eigentümer Audiovisuel extérieur de la France / France Médias Monde (FMM).
Intendant Marie-Christine Saragosse
Sendestart 1. Januar 1975, selbständig seit 1987
Rechtsform Aktiengesellschaft im öffentlichen Eigentum, „service public
Homepage rfi.fr
Liste der Hörfunksender

Radio France Internationale (RFI) ist der Auslandsdienst des öffentlichen Hörfunks in Frankreich. RFI wird vom französischen Außenministerium finanziert.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der französische Auslandsrundfunk bis 1974[Bearbeiten]

Der französische Auslandsrundfunk begann mit den Sendungen des Poste colonial aus einem Studio auf der Internationalen Kolonialausstellung (Exposition coloniale internationale), die 1931 in Paris abgehalten wurde.[1] Aufgrund der Machtergreifung der Nazis und der zunehmenden deutschen Propaganda wurden die französischen Auslandssendungen in den kommenden Jahren verstärkt. Bis 1938 sendete man unter der Bezeichnung Paris Ondes Courtes („Pariser Kurzwellen“), später unter dem Namen Paris Mondial („Paris weltweit“) in dreißig Sprachen.[2] Während des Zweiten Weltkriegs fand der guerre des ondes (der „Wellen-Krieg“) auf Kurzwelle statt: Während das Vichy-Regime unter den Bezeichnungen la Voix de la France („die Stimme Frankreichs“), la France fidèle („das treue Frankreich“) und schließlich als la France musulmane („das morgenländische Frankreich“) sendete, bediente sich der französische Widerstand des BBC European Service und des Untergrundsenders Radio Brazzaville.[3][4]

In der Folgezeit wurden die Auslandssendungen Teil des staatlichen französischen Rundfunks, zunächst des Radiodiffusion-Télévision Française (RTF Radio Paris), danach seit 1964 unter dem Dach der öffentlichen Rundfunkgesellschaft Office de Radiodiffusion Télévision Française (ORTF Radio Paris). Der Beginn des Kalten Krieges führte zu einem Erstarken vor allem der amerikanischen Auslandssender, dabei konnten die französischen Sendungen nicht mithalten.[5][6][7][8] Die Auslandssendungen (Emissions vers l’étranger, EVE) wurden wegen der damit verbundenen hohen Kosten insgesamt auf den Prüfstand gestellt. Eine umfangreiche Umfrage zeigte dann aber in den 1960er Jahren, dass die Hörerschaft durchaus vorhanden war, über 45.000 Antworten gingen ein. Deshalb wurde der Auslandsrundfunk unter dem Dach des ORTF seit dieser Zeit wieder ausgebaut.[9] Später firmierte der französische Auslandsrundfunk von 1969 bis zur Auflösung des ORTF unter dem Namen Direction des Affaires Extérieures et de la Coopération (DAEC). Die Abteilung war auch für die Sendungen für Einwanderer nach Frankreich zuständig; sie wurden vom Arbeitsministerium finanziert, während die Sendungen ins Ausland vom Außenministerium bezahlt wurden.[10]

RFI: Seit 1975[Bearbeiten]

RFI wurde nach der Auflösung des ORTF zu Beginn des Jahres 1975 gegründet, ursprünglich als das internationale „fünfte Programm“ von Radio France, das sich insbesondere an Hörer im französischsprachigen Afrika richtete. Gesendet wurde von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends auf Französisch, außer einer Stunde auf Englisch für das englischsprachige Afrika. Für diesen Dienst wurden auch einige Sendungen von France Inter übernommen.[11] Diese Übernahmen wurden ab dem Februar 1976 noch ausdehnt, als das so genannte „West-Programm“ (chaîne ouest) begann, in dem France Inter vollständig für Hörer an der amerikanischen Ostküste und in Mittelamerika auf Kurzwelle übernommen wurde. Seit dem September des darauffolgenden Jahres wurde ein entsprechendes „Ost-Programm“ eingeführt.[12]

Nach der Wahl von François Mitterrand zum französischen Staatspräsidenten wurde der Rundfunk in Frankreich wiederum neu geordnet. Man baute einen „Weltdienst“ (service mondial) in französischer Sprache auf, daneben wurden die Auslandssendungen erweitert. Als in Polen im Jahr 1981 das Kriegsrecht eingeführt wurde, begann RFI innerhalb von nur drei Tagen mit Sendungen in polnischer Sprache.[12] Programme auf Russisch, Rumänisch, in kreolischer Sprache und in Serbo-Kroatisch folgen in den Jahren von 1983 bis 1986. Die Sendungen auf Spanisch und Portugiesisch nach Südamerika wurden ausgedehnt. Am 29. Juli 1982 wurde RFI kraft Gesetzes zu einer Tochtergesellschaft von Radio France. Mit Beginn des Jahres 1987 wurde der Sender in eine eigenständige Gesellschaft überführt.[13] Der erste Intendant von RFI war Henry Tézenas du Montcel. Unter seiner Leitung werden die Sprachdienste auf Arabisch und in Farsi aufgebaut.[14]

In den Jahren bis 1995 folgten unter dem nächsten Intendanten André Larquié der Aufbau der Sprachdienste in Chinesisch, Vietnamesisch und der Ausbau des Persisch-Dienstes. Außerdem wurde die Zusammenarbeit mit ausländischen Rundfunksendern, die das Programm von RFI auf UKW übernehmen, verstärkt. Seit dem ersten Golfkrieg im Jahr 1991 wurde im Programm von RFI sukzessive der Nachrichtenanteil erhöht.[15] Seit 1993 wurde in laotischer Sprache, in Khmer und auf Türkisch gesendet. Seit 1994 ist RFI auch im Internet vertreten. Aber erst der neue Intendant Jean-Paul Cluzel entschied 1995, dass RFI zu einem reinen Nachrichtenprogramm wurde.[16]

In der Folgezeit kam es zu weiteren Einschränkungen des Angebots. Am 23. März 2006 wurden die Sendungen auf Kurzwelle für Europa eingestellt.[17] Im Januar 2009 gab Radio France Internationale bekannt, aufgrund eines rigorosen Sparplans einen massiven Stellenabbau durchzuführen sowie die deutsche und fünf weitere Fremdsprachenredaktionen (Albanisch, Polnisch, Serbo-Kroatisch, Türkisch und Laotisch) aufzugeben.[18] Begründet wurde dies damit, dass diese Sprachen außenpolitisch für Frankreich nicht mehr von Bedeutung seien.[19] Seit dem 19. Dezember 2009 werden keine Sendungen in deutscher Sprache mehr ausgestrahlt, seit dem 29. Januar 2010 wird die deutschsprachige Webpräsenz nicht mehr aktualisiert. Das deutsche Programm wurde seit 1946 produziert. Über die Berliner UKW-Frequenz ist bis Ende Juni 2012 das Programm in französischer Sprache zu empfangen.[20][21] Das deutsche Programm wurde zuletzt in Berlin über Ultrakurzwelle 106,00 MHz seit dem 1. Juli 2012 auf UKW 96,7;MHz, im Saarland auf der Mittelwelle 1179 kHz sowie via Satellit und Internet gesendet. Die UKW-Sender in Leipzig, Chemnitz, Pirna und Dresden wurden seit dem 1. November 2008 eingestellt.

RFI und das Auslandsfernsehen France 24 wurden im Februar 2012 unter dem Dach von Audiovisuel Extérieur de la France (AEF) (heute France Médias Monde FMM) fusioniert.[22] Die Gesellschaft ist auch zu 49 Prozent am dem Fernsehsender TV5 Monde beteiligt. Die umfangreichen Proteste der Beschäftigten und der Hörer gegen den Zusammenschluss waren erfolglos geblieben.[23][24]

Unternehmen[Bearbeiten]

Radio France Internationale wird, wie alle französischen Rundfunksender,[25] in der Rechtsform einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft betrieben. Seit Februar 2012 ist RFI eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Audiovisuel extérieur de la France (AEF), heute France Médias Monde (FMM).[22]

Die Intendanten von RFI waren bisher in zeitlicher Folge:

  • Henri Tezenas du Montcel, von 1986 bis 1989
  • André Larquié, von 1989 bis 1995
  • Jean-Paul Cluzel, von 1995 bis 2004
  • Antoine Schwarz, von 2004 bis 2008
  • Alain de Pouzilhac, von 2008 bis 2012
  • Marie-Christine Saragosse, von 2012.

Programm[Bearbeiten]

Radio France Internationale ist über Kabel, Satellit, sowie über Ultrakurzwelle, Mittelwelle, Kurzwelle und über das Internet in der ganzen Welt zu empfangen. Weiterhin benutzt der Sender Relaisstationen in Gabun, Französisch-Guayana und auf der Insel Zypern. In Kooperation mit der Deutschen Welle, Radio Japan und Radio China International benutzen die Rundfunkanstalten gegenseitig ihre Sendeanlagen. RFI sendet heute in 14 Sprachen: Französisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Chinesisch, Vietnamesisch, Arabisch, Hausa, Farsi, Kisuaheli und Khmer.

Neben einem 24-stündigen Nachrichtenprogramm auf Französisch und einem Fremdsprachenkanal wird auch ein Musikprogramm gesendet.[1] Außerdem gibt es einen Dienst für Afrika und das arabische Programm Monte Carlo Doualiya (MCD).

Auf der Mittelwelle 1179 kHz werden Teile des französischen Programms des Senders über Antenne Saar ausgestrahlt.[26]. Die Ausstrahlung auf Kurzwelle wurde bereits zuvor eingestellt und damit die Empfangsmöglichkeit dieses Programms in Deutschland stark eingeschränkt.

Seit dem 25. Juli 2007 ist Radio France Internationale Mitglied des Europäischen Radio Netzwerks Euranet und auch hierüber zu hören.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frédéric Brunnquell: Fréquence monde: du poste colonial à RFI. Hachette. Paris. 1991. ISBN 9782010189531

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Radio France International. In: Continuum Encyclopedia of Popular Music of the World: Media, Industry and Society. 2003. Abgerufen am 9. Mai 2012 über Credo Reference.
  2. 1931/1939 : Naissance du Poste colonial. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  3. 1939/1944 : La guerre des ondes. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  4. 1945/1947: «Radio Brazzaville». In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  5. 1939/1944 : La guerre des ondes. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  6. De 1948 à 1956. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  7. 1956 à 1963: un manque d'ambition politique. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  8. De 1948 à 1956. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  9. 1963 à 1968: Opération «Rose des vents». In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  10. 1969 à 1974: Naissance de la DAEC mais les émissions en langues sont laminées par l'éclatement de l'ORTF. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  11. 1975: Radio France Internationale, la cinquième chaîne de Radio France. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  12. a b 1976 / 1981: RFI lance une Chaîne Ouest puis une Chaîne Est. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  13. 1982 / 1986: De l’autonomie à l’indépendance. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  14. 1986–1989: RFI devenue société indépendante. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  15. 1990/1993 : vers une chaîne spécialisée dans l’actualité. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  16. 1993/1996 : une radio d’information en continu. In: rfi.fr. 28. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  17. 2004/2008. In: rfi.fr. 28. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  18. Günter Liehr: Deutsche Redaktion fällt Sparplan zum Opfer. In: rfi.fr. 16. Januar 2009. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  19. Siegfried Forster: Stellungnahme des Intendanten. In: rfi.fr. 19. Januar 2009. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  20. Ende der Sendungen in deutscher Sprache. rfi.fr. 11. Januar 2010: „Seit dem 19. Dezember strahlt RFI seine Sendungen in deutscher Sprache nicht mehr aus. Am 29. Januar wird auch die Webseite der deutschen Redaktion eingestellt. RFI behält seine UKW-Frequenz in Berlin (UKW 106), auf der das französische Programm ausgestrahlt wird. Die Direktion von RFI hatte im Januar dieses Jahres einen Sozialplan eingeleitet. Er sieht den Abbau von 201 Stellen vor, sowie die Schließung von sechs Fremdsprachenredaktionen. Als bekannt wurde, dass auch die deutsche Redaktion geschlossen werden sollte, haben sich über Tausend Hörer, Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, dafür eingesetzt, dass die deutschen Sendungen erhalten bleiben. Leider hat diese Mobilisation nichts genutzt. Anfang kommenden Jahres wäre die Redaktion 65 Jahre alt geworden. Wir möchten uns bei Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ganz herzlich bedanken für Ihr Interesse an Frankreich und unseren Sendungen, für Ihre zum Teil jahrzehntelange Treue und für den Einsatz unserer Mitarbeiter und Partner. Ihnen widmen wir unsere letzte Sendung, die am 18. Dezember 2009 ausgestrahlt wurde.“ – Die letzte Sendung der Redaktion ist dort zu hören. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  21. Radio Paradiso erhält die Frequenz 106,0 MHz in Berlin. In: Radioszene. 3. Februar 2012. Abgerufen am 13. März 2012.
  22. a b Robert Briel: France 24 and RFI finally merge. In: Broadband TV News. 14. Februar 2012. Abgerufen am 24. Februar 2012.
  23. Andy Sennitt: Radio France International hit by new strike. In: Media Network. 16. Januar 2012. Abgerufen am 29. Januar 2012.
  24. Pétition. Non à la fusion-destruction de RFI. In: RFI riposte. Le blog des salariés de RFI. 27. Januar 2012. Abgerufen am 29. Januar 2012.
  25. Man spricht insoweit auch von „staatlichen Programmgesellschaften“ (sociétés nationales de programme): Anna Keller: Der neue Rechtsrahmen für den öffentlichen Rundfunk in Frankreich. Schriften zum internationalen und zum öffentlichen Recht. Band 93. Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main u. a. 2011. Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 2009. ISBN 978-3-631-60001-6. S. 122ff., 122.
  26. Antenne Saar. Sendeschema. Abgerufen am 9. Mai 2012.