Calciumsilikat-Platte

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Kalziumsilikatplatte
Verkleidung für Kabelkanal zum Funktionserhalt der Leitungen im Brandfall.
Verkleidung für Kabelkanal zum Funktionserhalt der Leitungen im Brandfall.
Herkunft
Rohstoffe Siliziumdioxid und Kalziumoxid durch Zellstoff armiert
Primärenergieverbrauch (Herstellung) 2 kWh/m³[1]
Materialeigenschaften
Wärmeleitzahl λ 0,05-0,07 W/mK[2]
Spezifische Wärmekapazität c 1000 J/kgK[2]
Rohdichte ρ 200-800 kg/m³[3]
Dampfdiffusionswiderstand μ 5-20[3]
Einsatz
Einsatzbereiche Schimmelbekämpfung, Brandschutz und Innendämmung
Materialkosten 30–80 €/m²

Die Kalziumsilikat-Platte (engl. "calcium silicate", auch zu finden unter der Bezeichnung "Calciumsilikat-Platte", "Klimaplatte", "Wohnklimaplatte") ist eine Bauplatte, die aus der technischen Wärmedämmung und dem Brandschutz stammt.

Es handelt sich um einen überwiegend mineralischen Baustoff, der aus Siliziumdioxid, Kalziumoxid, Wasserglas und Zellulose besteht und mit Hilfe von Wasserdampf, ähnlich wie Porenbeton, Mineralschaumdämmplatten und Kalksandstein gehärtet wird. Die Platte ist formstabil, druckfest, nicht brennbar, diffusionsoffen, alkalisch und baubiologisch unbedenklich. Ihre Eigenschaft, Feuchtigkeit aufzunehmen, zu puffern und abzugeben und ihre wärmedämmende Wirkung macht sie für Spezialanwendungen im Hausbau interessant.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

  • Schimmelbekämpfung. Dies ist eine der meist beschriebenen Einsatzmöglichkeiten.
  • Innendämmung von Außenwänden (speziell Fachwerkbauten, Altbauten mit historischer Fassade).
  • Bekleidung für baulichen Brandschutz.

Vorteile/Nachteile bei der Verwendung als Innendämmung von Außenwänden[Bearbeiten]

Vorteile:

  • einfache Verarbeitung
  • keine Dampfsperre oder Dampfbremse notwendig
  • "fehlertolerant": teilweises Durchstoßen der Platte sorgt für Wasserdampfeintrag, der jedoch aufgrund der hohen Kapillarität gepuffert und wieder abgegeben wird.
  • baubiologisch vorteilhaft: besitzt aufgrund ihres hohen pH-Werts eine Anti-Schimmelwirkung. Entsorgungsfreundlich.
  • Energieeinsparung durch "warme Wand"-Effekt: die Raumtemperatur kann durch die höhere Oberflächentemperatur der Wände abgesenkt werden.
  • schnelles Aufheizen im Winter, da kalte Außenwand nicht "aufgeheizt" werden muss, günstig bei nur zeitweise genutzten Räumen

Nachteile:

  • durch niedrige Wärmespeicherkapazität des Werkstoffes Gefahr von "Barackenklima", wenn andere Bauteile wie Innenwände und Geschossdecken keinen Wärmepuffer mehr bilden
  • höhere Wärmeleitfähigkeit als andere Dämmstoffe
  • schwere Gegenstände müssen durch die Platten hindurch in der Außenwand verankert werden.
  • Einschränkung bei Auswahl der Wandoberflächengestaltung
  • hoher Preis (wird teilweise durch die einfache Verarbeitung relativiert)

Verarbeitung[Bearbeiten]

Das Material lässt sich, ähnlich wie Porenbeton, sägen und bohren. Die Platten werden im Verband vollflächig oder im Punkt-Wulst-Verfahren, je nach Hersteller und Anwendung, auf mineralische, gipsfreie Untergründe mit einem Spezialkleber aufgebracht. Die Anbringung mit Kleberbatzen birgt die Gefahr der Hinterlüftung, wenn die Wandanschlüsse nicht sorgfältig abgedichtet werden und ist deshalb zu vermeiden. Wenn möglich ist eine vollflächige Verklebung mit Zahnspachtel vorzunehmen, da einerseits dadurch die Kapillarität der Platte voll zur Geltung kommt, andererseits eine Hinterlüftung sicher ausgeschlossen wird. Die möglichst schmal auszuführenden Stöße sind entweder mit Kleber zu versehen oder werden mit einer Kalkzementglätte ausgespachtelt. Die Oberfläche kann dann mit Kalkzementglätte gespachtelt oder mit einem mineralischen Putz versehen werden. Wärmebrücken sind, wie bei Innendämmung üblich, mit Dämmkeilen oder anderen geeigneten Maßnahmen zu behandeln. Anschließend darf die Oberfläche, um die Wirkung der Platte nicht zu beeinträchtigen, nicht großflächig mit diffusionsabsperrenden Beschichtungen versehen werden (z.B. wie mehrfacher Dispersionsfarbenanstrich auf Raufasertapeten). Allgemein wird als Beschichtung eine Silikatfarbe empfohlen, auch das Aufbringen leichter Papiertapeten ist möglich.

Bei Fachwerkbauten ist das Aufkleben der Platten auf die Innenwände mit Lehmmörtel möglich.

Bei der Verkleidung von Bauteilen zum Zwecke des Brandschutzes vereinfacht die Möglichkeit, die Platten miteinander zu verschrauben, die Montage wesentlich.

Einsatz als Innendämmung von Außenwänden[Bearbeiten]

Eine Innendämmung ist im Vergleich zur Außendämmung nur die zweitbeste Lösung. Sie setzt eine sorgfältige Verarbeitung voraus, Wärmebrücken müssen berücksichtigt werden.

Die Kalziumsilikatplatte ist relativ teuer, (5 cm Platte ca. 40–60 Eur/m² je nach Hersteller), ihre Verbreitung ist nicht sehr hoch. Im Bereich der Innendämmung steht sie in Konkurrenz mit der preiswerteren Holzfaserdämmplatte, deren Verlegung jedoch mehrere Arbeitsgänge und höheres handwerkliches Know-how erfordert, und der Mineralschaumdämmplatte, deren Kapillarität jedoch nicht so hoch ist, die aber eine bessere Dämmwirkung hat.

Zu beachten ist im Zusammenhang mit der Energieeinsparverordnung (EnEV): Durch eine Innendämmung lässt sich der von der EnEV (2009) geforderte U-Wert für die Wärmedämmung von Außenwänden bei Altbauten in der Praxis mit diffusionsoffenen Baustoffen schwer erreichen, da die Dämmschichtdicken auf der Innenwand 10 cm oder mehr betragen würden. Erreichbar sind bei einer Dämmschichtdicke von 5 cm Werte von 0,6–0,7 (siehe Links).

Zur Problematik der Tauwasserbildung: Die Anbringung einer Innendämmung führt immer dazu, dass die außerhalb der Innendämmung liegenden Bauteilschichten kälter werden. Besonders im Winter könnte es dadurch am Übergang der Innendämmung und Außenwand zu einer Taupunktunterschreitung und nachfolgend zu Schimmelpilzbildung kommen, wenn keine ausreichende Austrocknung mehr erfolgen kann. Wissenschaftliche Studien hierzu haben gezeigt, dass dies beim Einsatz von Calciumsilikat-Platten nicht zu befürchten ist. Das zur Abschätzung der Tauwasserbildung bislang überwiegend eingesetzte Glaserverfahren führt bei kapillaraktiven Dämmungen zu unrealistisch hohen Werten, da es die gute Feuchteabgabe sowie die dynamischen Prozesse innerhalb der Wand nicht berücksichtigt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • TU Dresden Wissenschaftliche Berechnungsgrundlagen zu hygroskopischen Baustoffen
  • FIZ Karlsruhe: PDF-Dokument zu Untersuchung der TU Dresden zum Einsatz von Kalziumsilikatplatten als Innendämmung von denkmalgeschütztem Gebäude und Fachwerkhaus.
  • Kurzbericht zu Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Bauforschung: "Feuchteschutztechnische, energetische und kostenmäßige Bewertung der Gebäudesanierung mit raumseitiger Wärmedämmung aus Calciumsilikat TU Dresden, Inst. f. Bauklimatik"

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Flyer (PDF; 152 kB) von gutebaustoffe.de. Siehe auch Datenbankeintrag
  2. a b Zusammenstellung mit Tabelle von pbschober.at
  3. a b Übersichtstabelle von mineralwolle.de