Innendämmung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Innendämmung fasst Dämmmaßnahmen für Gebäude zusammen, bei denen der Dämmstoff von innen auf Außenwänden sowie Decken angebracht wird, die an kalte Außenbereiche grenzen.

Es kann verschiedene Gründe geben, warum diese aufwändigere Maßnahme anderen Dämmformen wie der Kerndämmung und der Außenwanddämmung vorgezogen wird:

  • die Fassade bleibt erhalten
  • Räume und Wohnungen können einzeln gedämmt werden, so dass dies auch von Mietern und Eigentümern in Gemeinschaften auszuführen ist
  • schnellere Aufheizung des Wohnraumes
  • eine gezielte Dämmung von Einzelflächen ist möglich, z.B. um Schimmelschäden zu sanieren
  • es ist kein Gerüst notwendig
  • bei einer fachgerechten Durchführung werden Schimmel- und Feuchteschäden vermieden
  • es ist eine schrittweise Sanierung möglich
  • es ist keine Hohlschicht zur Ausführung einer Kerndämmung vorhanden

Die Innendämmung steht dabei zwei großen Herausforderungen gegenüber. So wird durch die innenseitige Anbringung des Dämmstoffes der Wohnraum vermindert. Um den Wohnraumverlust gering zu halten, sollte gegebenenfalls die Verwendung von Hochleistungsdämmstoffen wie Phenolharzschaumplatten oder Vakuumdämmplatten in Erwägung gezogen werden. Daneben gilt es, durch die Wahl eines geeigneten Dämmstoffes und eine fachgerechte Durchführung, den Feuchtehaushalt der Wände zu kontrollieren und die Bildung von Feuchtenestern sowie Schimmel zu verhindern.

Feuchtenester und daraus resultierender Schimmel können durch Wärmebrücken entstehen. Die Innendämmung kann zum einen durch eine fachgerechte Durchführung vorhandene Wärmebrücken beseitigen und dadurch die Gefahr von Feuchtenestern mindern. So können geometrisch bedingte Wärmebrücken durch die gezielte Applikation von Dämmstreifen an der Innenseite von Gebäudeecken vermieden werden. Viele Hersteller von Innendämmstoffen bieten spezielle Dämmkeile an, durch welche ein Absatz vermieden wird, so dass sich ein kaum sichtbarer Anschluss von Dämmstreifen an die angrenzende Wandfläche erreichen lässt.

Die Differenz zwischen Außen- und Innentemperatur verringert sich durch eine Innendämmung, wodurch sich weniger Feuchtigkeit an diesen Stellen niederschlägt. Unterstützt werden kann der positive Einfluss auf die Oberflächenfeuchtigkeit der Wand durch die Verwendung von kapillaraktiven Dämmstoffen Calciumsilikat- bzw. Mineraldämmplatten. Diese können Luftfeuchtigkeit aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben. Der hohe pH- Wert der Platten wirkt zusätzlich einem Schimmelwachstum entgegen.

Wenn bei der Verlegung der Innendämmung nicht darauf geachtet wird, Hohlräume zu vermeiden, besteht die Gefahr von lokalen Feuchtigkeitsansammlungen.

Wärmebrücken ergeben sich an den Anschlüsse von Decken und Innenwände an die Außenwände. Bei der ungünstigen Kombination von dünnen Außenwänden mit massiven Innenwänden wird von den Herstellern zur Anwendung der bereits erwähnten Dämmkeile in den Raumecken geraten (Flankendämmung).[1]

Bauphysikalische Eigenheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Installation einer Innendämmung fällt die Temperatur der inneren Oberfläche der Außenwand im Winter stark ab, da die Außenwand nun von der Wärme der Innenräume durch die Dämmung abgeschirmt wird und somit bei großen Dämmstärken annähernd die Außentemperatur annehmen kann. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik rechnet bei einem typischen Wandaufbau mit einer Tiefsttemperatur von 4 °C.[2] Der Taupunkt der Raumluft wird oft mit durchschnittlich 10 - 12 °C angenommen.[3] Bei einer typischen Temperatur der inneren Wandoberfläche der Außenwand von 17 °C wird die Taupunkttemperatur bei kalten Außentemperaturen also etwa in der Mitte des Querschnitts der der Innendämmung erreicht.

Um zu verhindern, dass Luftfeuchtigkeit aus dem Innenraum in die Dämmung diffundiert und dort kondensiert, wird raumseitig häufig eine Dampfbremse angebracht. Der dahinterliegende Wandaufbau und die Dampfbremse selber sollten luftdicht ausgeführt werden, da Undichtigkeiten eine Durchströmung des Wandaufbaus mit feuchter Innenraumluft und im ungünstigsten Fall die Kondensation von größeren Feuchtigkeitsmengen ermöglichen. Oft wird nur ein geringer Teil der Feuchtigkeit durch die Außenwand wandern auf der Außenseite verdunsten. Zur Innenseite kann die Feuchtigkeit in ausreichendem Maße meist nur dann abgeführt werden, wenn der Kapillartransport durch Dämmstoff, Dampfbremse und innerer Beplankung möglich ist.

Die unten genannten Baustoffe erlauben den Kapillartransport. Zum Übergang der Feuchtigkeit an Dampfbremse und Beplankung muss ein inniger Kontakt zwischen diesen vorliegen, wozu sie zumindest dicht aneinander liegen oder besser aufeinander gepresst werden sollten.[4] Zuverlässiger ist es, die Dampfbremse in Form einer mineralischen Schlämme oder eines Putzes mit Kunstharzanteil aufzubringen und eine gegebenenfalls zusätzlich vorgesehene Beplankung mit kapillaraktiven Stoffen vollflächig anzukleben.

Wenigstens ein Hersteller von Holzfaserdämmplatten integriert eine mineralische Dampfbremse in den Aufbau der Dämmplatte, wodurch der Kapillartransport sichergestellt ist.[5]

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Dämmstoffe werden für die Innenwanddämmung angeboten und besitzen eine ausreichende Fähigkeit zum kapillaren Feuchtetransport, um Feuchteansammlungen durch Schlagregen zu vermeiden und auf eine schadensanfällige Dampfbremse in der Konstruktion verzichten zu können.

Platten:

Schüttungen zum Auffüllen von vorgesetzten Hohlwänden bzw. zum Anwerfen oder Aufspritzen als feuchte Mischung:

Flexible Dämmstoffe, die einer Unterstützung durch Streckmetall- oder Hohlwandkonstruktionen bedürfen:

Dampfbremsen:

  • Folien sind meist nicht in der Lage, planmäßig oder unplanmäßig anfallende Feuchtigkeit im Wandaufbau nach innen weiterzuleiten.
  • Pappen oder Papiere sind zum Kapillartransport in der Lage, wenn der Kunstharzanteil nicht zu hoch ist.
  • Nicht zum Kapillartransport fähige Dampfbremsen sollten sich zumindest durch einen variablen Dampfdiffusionbeiwert auszeichnen, wodurch in flüssiger Form vorliegendes Wasser in begrenztem Maß nach innen durchgeleitet werden kann, was eine gewöhnliche Dampfsperre ansonsten verhindern würde
  • Die Kapillarität von Schlämmen, Kleb- und Armierungsmörteln, Putzen und Anstrichen hängt ebenfalls vom Kunstharzanteil ab, der in ähnlichem Maße auch die Diffusionsfähigkeit beeinflusst. Die von den Herstellern angegebenen Sd- bzw µ-Werte erlauben daher eine grobe Abschätzung der Fähigkeit zum Kapillartransport. Reine Kunstharzputze und -farben verhindern den Feuchtetransport oft völlig.

Beplankungerst

Im Zweifel kann die Kapillarität durch Besprenkeln des Baustoffs mit Wassertropfen getestet werden. Wenn die Feuchtigkeit zügig einzieht und die sich bildenden dunklen Flecke innerhalb von etwa einer Stunde wieder verschwinden, sollte ein ausreichender Kapillartransport möglich sein. Wenn die Feuchtigkeit erst nach langer Zeit oder gar nicht einzieht oder die eingezogene Feuchtigkeit sich nicht im Material verteilt, dann ist das nicht unbedingt der Fall.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drewer, A., Paschko, H., Paschko, K., Patschke, M.: Wärmedämmung: Kompass zur Auswahl und Anwendung. Verlagsges. Müller, 2013, ISBN 978-3-481-03094-0, S. 96 ff.
  • Drewer, A., Paschko, K.: Vorteile und Risiken der nachträglichen Innendämmung. In Immobilien vermieten und verwalten. 2013. Heft 4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Abschnitt Planungshilfe zur Flankendämmung in der Anwendungsbroschüre "Innendämmung der Außenwand" des GUTEX Holzfaserplattenwerks, Waldshut-Tiengen; abgerufen im Januar 2017
  2. Dr.-Ing. Martin Krus, Prof. Dr.-Ing. Klaus Sedlbauer, Dr.-Ing. Hartwig Künzel, Innendämmung aus bauphysikalischer Sicht, Fraunhofer-Institut für Bauphysik; abgerufen im November 2016
  3. Kenndaten Gebäudehülle und Heizlast, Datenpool IfHK, FH Wolfenbüttel; abgerufen im November 2016
  4. Technikblatt Innendämmung, Claytec.de; abgerufen im November 2016
  5. Innendämmung mit und ohne Dampfbremse, Teil 2: Innovative Systeme – Erfahrungen mit der Verarbeitung und erste Feuchtemessungen, Holzbau - die neue Quadriga, Ausgabe 4/2008; abgerufen im November 2016