Caulerpa taxifolia

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Caulerpa taxifolia
CaulerpaTaxifolia.jpg

Caulerpa taxifolia

Systematik
ohne Rang: Chlorophyta
Klasse: Bryopsidophyceae
Ordnung: Caulerpales
Familie: Caulerpaceae
Gattung: Caulerpa
Art: Caulerpa taxifolia
Wissenschaftlicher Name
Caulerpa taxifolia
(Vahl) Agardh, 1817

Caulerpa taxifolia ist eine grüne Algenart, die ursprünglich aus dem Indopazifik um Australien stammt.[1] Sie vermehrt sich klonal, also ungeschlechtlich, und ist nun weit verbreitet. Auch ins Mittelmeer wurde sie eingeschleppt.[2] Sie überwuchert die heimischen Seegraswiesen und vernichtet dadurch die Lebensgrundlage der Tiere. Deshalb hat man ihr den Namen „Killeralge“ gegeben. Da die Alge giftig ist, hat sie im Mittelmeer keine natürlichen Feinde.

Bau und Gestalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alge hat lange, kriechende Thalli, mit einem Durchmesser von 1–3 mm; eine solche Hauptachse wird bis 1 m lang. An einem Thallus sitzen in regelmäßigen Abständen wurzelähnliche Rhizoide, die die Triebe im Sediment verankern; entgegengesetzt wachsen grüne, eibenblattähnliche Phylloide, in denen Fotosynthese stattfindet.[3] Der wissenschaftliche Name der Art taxifolia leitet sich von der Form dieser Phylloide ab: Taxus = Eibe und folia = Blätter.

Alle Teile der Alge sind miteinander zytoplasmatisch verbunden: sie bilden ein Synzytium, denn sie besitzen keine querenden Zellwände. Die verzweigte und ganze Buchten überwuchernde Alge besteht also nur aus einer einzigen riesigen Zelle, die allerdings viele Zellkerne besitzt. Die Riesenzelle kann nur funktionieren, weil sie polyenergid ist. Darüber hinaus gibt es polyenergide Caulerpa-Arten, deren Zellkerne zusätzlich polyploid sind.[4]

Es ist naheliegend zu fragen, wie der genetische Informationsfluss den Stoffwechsel im Synzytium steuert. Es wurde ein allgemeines Muster festgestellt, das von der Basis zum Frontscheitel reicht, wobei Transkription und nachfolgende Translation auf bestimmte Zellregionen verortet sind.[5]

Entwicklungsbiologen überlegen, ob die Organisation des Synzytiums eine Übergangsform vom mikroskopischen Einzeller zum makroskopischen Vielzeller darstelle.[6]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Teil solch einer Alge mit einem Schiffsanker ausgerissen wird und in eine andere Bucht gelangt, wächst aus diesem Stück wieder eine vollständige, sich ausbreitende Alge heran. Vegetative Vermehrung bildet die Grundlage für ihre rasche Ausbreitung. Hinzu kommt, dass Caulerpa taxifolia ein gewisses Maß an Austrocknung ohne größere Schäden übersteht. Besonders Anker reißen Teile der Alge vom seichten Meeresgrund und befördern sie in andere Meeresabschnitte (sogenannte Agochorie). Tatsächlich fanden sich die ersten Vorkommen von C. taxifolia ausschließlich in der Nähe von Häfen.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Forscher der Universität Genf kamen bei einer Untersuchung zum Ergebnis, dass diese Algenart ein Neophyt ist, der vermutlich aus dem Meeresgebiet östlich von Australien stammt.

Genetische Untersuchungen scheinen zu bestätigen, dass alle Individuen dieser Art im Mittelmeer von einer Alge abstammen.

Diese eine Alge stammt ursprünglich aus dem botanisch-zoologischen Garten in Stuttgart, der Wilhelma. In dessen Aquarienabteilung wird Caulerpa taxifolia sehr gerne als Aquarienalge verwendet, da sie aufgrund giftiger Ausscheidungen nicht oder nur sehr langsam von Rotalgen überwuchert wird. Das verringert den Putzaufwand enorm. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde Caulerpa taxifolia an das Aquarium des Ozeanographischen Institutes von Monaco weitergegeben. Eine Hypothese besagt, dass sie mit dem Abwasser des Aquariums ins Mittelmeer gelangte. Es gibt auch Gerüchte, dass Mitarbeiter die Alge gezielt ausgesetzt hätten.

Unbestritten ist, dass die Alge zuerst vor Monaco im Mittelmeer auftauchte. Von dort wurde sie mit Schiffsankern nach Italien, entlang der Cote d'Azur und auf die Balearen weiterverbreitet. Die Invasion im Mittelmeer ist wohl nicht mehr zu stoppen.

Bekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Als an der Küste von Kalifornien ebenfalls ein kleineres Vorkommen von C. taxifolia gefunden wurde, bekämpfte man dieses, indem eine Plane über die Algenwiese gestülpt wurde. Anschließend wurde die Alge mit Chlor abgetötet. Diese Methode rottet aber auch unschädliche Tiere und Pflanzen aus; die Kosten sind zudem viel zu hoch, um sie flächendeckend im Mittelmeer anzuwenden.

In St. Cyprien in Südfrankreich schlug der Versuch, ein lokales Vorkommen im dortigen Hafen mit massiven Meersalzgaben zu töten, fehl.

Die Entfernung der Alge per Hand durch Taucher erwies sich als kontraproduktiv, da durch diese Aktionen viele kleine Algenfetzen ins Meerwasser gebracht wurden und die Alge nach der Aktion häufiger in der Bucht auftrat als davor.

Man studiert eine Schneckenart, Elysia subornata, die sich von C. taxifolia ernährt. Durch besondere Enzyme neutralisiert sie das Gift der Alge.

In letzter Zeit wurden in seltenen Fällen einheimische Tiere beobachtet (z. B. die Goldstrieme), die an C. taxifolia gefressen haben.

Eine dpa-Meldung von Mai 2006 besagt, dass sich die Verbreitung der C. taxifolia im Mittelmeer aus noch nicht geklärter Ursache rückläufig entwickelt. Eine Viruserkrankung wird ausgeschlossen, eine Schneckenart wird vermutet. Um Mallorca ist die Alge inzwischen wieder vollständig verschwunden.

In Südfrankreich ist es dem Hobbyforscher Bernard Jaffrennou unter Aufsicht der Universität Nizza gelungen, die Alge mit Hilfe einer Kupferelektrolyse zu bekämpfen. Bereits eine Stunde nach der Behandlung zeigte sich die Wirkung. Nach zwei Wochen sind die Algen soweit abgestorben, dass nur noch kleine Reste von ihnen übrig blieben. Trotz der großen Erfolge ist der Staat Frankreich nicht an einer Finanzierung des Projektes interessiert.

„Killeralge“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der unsachliche Name „Killeralge“ bedeutet nicht aktives Töten, sondern umschreibt allmähliches Überwuchern der ursprünglichen Meeresflora. Ein Großteil des marinen Ökosystems des Mittelmeeres baut auf dem Primärproduzenten Seegras auf. Es produziert die Nährstoffe, bietet Lebensraum für viele Algen- und Tierarten, die wiederum Nahrungsgrundlage für Fische u. a. Meerestiere bilden. C. taxifolia überwuchert das Seegras und entzieht ihm Sonnenlicht und Nährstoffe, sodass es abstirbt.[7] Dann verschwinden auch (fast) alle anderen Algen und Tiere.

In Laborversuchen lösten Caulerpa-Extrakte sowie Caulerpin in den Zelle eines Meeresschwammes Apoptose aus.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Sitte, Elmar Weiler, Joachim W Kadereit, Andreas Bresinsky, Christian Körner: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. Begründet von E. Strasburger. 35. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002. ISBN 3-8274-1010-X
  • C F Boudouresque, A Meinesz, V Gravez: First international workshop on Caulerpa taxifolia. Nice, France, 17-18 janvier 1994. GIS Posidonie, Marseille, France. 1994: 392 Seiten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. I Meusnier, J L Olsen, W T Stam, C Destombe, M Valero: Phylogenetic analyses of Caulerpa taxifolia (Chlorophyta) and of its associated bacterial microflora provide clues to the origin of the Mediterranean introduction. In: Mol Ecol 10, 4, 2001: 931–946. DOI:10.1046/j.1365-294x.2001.01245.x
  2. A Meinesz, B Hesse: Introduction of the tropical alga Caulerpa taxifolia and its invasion of the northwestern Mediterranean. In: Oceanologica Acta 14, 4, 1991: 415–426.
  3. Eduard Strasburger et al; neubearbeitet von Peter Sitte, Hubert Ziegler, Friedrich Ehrendorfer, Andreas Bresinsky: Lehrbuch der Botanik für Hochschulen. 33. Auflage. Gustav Fischer, Stuttgart, Jena, New York 1991; → S. 637f. ISBN 3-437-20447-5.
  4. Elena Varela-Álvarez, Amelia Gómez Garreta, Jordi Rull Lluch, Noemi Salvador Soler, Ester A Serrao, María Antonia Ribera Siguán: Mediterranean species of Caulerpa are polyploid with smaller genomes in the invasive ones. In: PLoS ONE 7, 10, 2012: e47728. PDF.
  5. Aashish Ranjan, Brad T Townsley, Yasunori Ichihashi, Neelima R Sinha, Daniel H Chitwood: An intracellular transcriptomic atlas of the giant coenocyte Caulerpa taxifolia: In: PLOS Genetics 11, 1, 2015: e1004900. PDF.
  6. Karl J Niklas: The evolutionary-developmental origins of multicellularity. In: Am J Bot 101, 1, 2014: 6-25. PDF.
  7. Gérard Pergent, Charles-François Boudouresque Olivier Dumay, Christine Pergent-Martini, Sandy Wyllie-Echeverria: Competition between the invasive macrophyte Caulerpa taxifolia and the seagrass Posidonia oceanica: contrasting strategies. In: BMC Ecol 8, 2008: 20. PDF.
  8. H C Schröder, F A Badria, S N Ayyad, R Batel, M Wiens, H M Hassanein, B Kurelec, W E Müller: Inhibitory effects of extracts from the marine alga Caulerpa taxifolia and of toxin from Caulerpa racemosa on multixenobiotic resistance in the marine sponge Geodia cydonium. In: Environ Toxicol Pharmacol 5, 2, 1998: 119–126.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Caulerpa taxifolia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien