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Caulerpa

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Caulerpa

Caulerpa prolifera

Systematik
ohne Rang: Chloroplastida
ohne Rang: Chlorophyta
Klasse: Ulvophyceae
Ordnung: Bryopsidales
Familie: Caulerpaceae
Gattung: Caulerpa
Wissenschaftlicher Name der Familie
Caulerpaceae
Kützing
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Caulerpa
J.V. Lamour.

Caulerpa ist eine Gattung in tropischen und subtropischen Meeren lebender siphonaler Grünalgen aus der Klasse der Chlorophyceae. Mit dem Begriff Siphonal bezeichnet man Algen, die aus einer einzigen riesigen Zelle mit vielen Zellkernen (Synzytium) bestehen. Der schlauch- oder stielartige Körper (Thallus) trägt blattähnliche Lappen, sogenannte Phylloide. Des Weiteren gehen von dem Schlauch sogenannte Rhizoide aus, wurzelähnliche Organe, welche die Pflanze im Boden verankern.

Eine ursprünglich aus dem Indopazifik stammende Art, Caulerpa taxifolia, die sogenannte Killeralge, breitet sich massiv im Mittelmeer aus und verdrängt durch ihr schnelles Wachstum viele Tier- und Pflanzenarten. Die Caulerpas sind, soweit bekannt, die am schnellsten wachsenden Algen der Welt (bis zu 8 cm/Tag). Inzwischen wird auch die Art Caulerpa cylindracea kritisch beobachtet, die über den Suezkanal ins Mittelmeer eingewandert ist. Sie breitet sich ebenfalls im Mittelmeer aus und vermehrt sich hier, im Gegensatz zur Caulerpa taxifolia, auch sexuell.

Viele Arten der Caulerpa werden von den Schlundsackschnecken (Sacoglossa) auf dem Meeresboden abgegrast. Die Schnecken nehmen hierbei deren Chloroplasten auf und lagern sie in ihre Haut ein.[1] Die Chloroplasten werden dann über einige Zeit als Energiequelle genutzt. Solche Chloroplasten werden als Kleptoplastiden bezeichnet. Hierbei handelt es sich nicht um eine Symbiose, da die Chloroplasten nicht an die Nachkommen weitergegeben werden. Andere Beispiele für Kleptoplastiden lassen sich auch bei einigen anderen Schnecken und einigen Dinoflagellaten finden.

Einige Caulerpa-Arten sind leicht im Meerwasseraquarium kultivierbar. Algen dieser Gattung werden zum Beispiel in Artaquarien zusammen mit Seepferdchen gehalten.

Caulerpa ist nach heutiger Auffassung die einzige Gattung einer, damit monotypischen, Familie Caulerpaceae.[2] Weitere Gattungen, darunter Chauvinia Bory, 1828, Tricladia Decaisne, 1842, Herpochaeta Montagne, 1843, Phyllerpa Kützing, 1849, Stephanocoelium Kützing, 1847, Ahnfeldtia Trevisan, 1849, Corradoria Trevisan, 1849, Himandactylius Trevisan, 1849, Caulerpella Prud’homme van Reine, 1992, wurden mit Caulerpa synonymisiert.[3]

Einige fossile Gattungen und Arten von Kalkalgen, darunter die Gattung Lanicicula und verschiedene aus ihr ausgegliederte Gattungen (Hasticula, Laniciculella, Lepidolancicula, Quasilancicula), verbreitet in devonischen Sedimenten des Urals, Russlands und beschrieben durch den russischen Paläobotaniker Wadim Shuyski, werden manchmal irrtümlich der Familie zugeschrieben. Dies liegt daran, dass insbesondere Paläobotaniker den Namen Caulerpaceae als älteres Synonym von Halimedaceae aufgefasst und verwendet haben, außerdem verwendeten sie für die Ordnung Bryopsidales den Namen Caulerpales.[4] Die Nomenklatur dieser fossilen Kalkalgen ist seit jeher unklar und verwickelt,[5] meist wurden sie einer Familie Udoteaceae zugeordnet,[6] die aber später als polyphyletisch erkannt und aufgelöst wurde.[2] Fossile Arten der Familie Caulerpaceae, in moderner Auffassung, sind keine bekannt.

Caulerpa lentillifera, in Miyakojima, Okinawa, Japan
Caulerpa racemosa
Caulerpa racemosa var. clavifera
Caulerpa sertularioides, bei Munyon Island, North Palm Beach, Florida.

Auswahl nach World Register of Marine Species (WoRMS):[7]

Nutzung als Nahrungsmittel

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Einige Arten von Caulerpa sind essbar. Die beiden am häufigsten verzehrten Arten sind C. lentillifera und C. racemosa, die beide im Englischen sea grapes genannt werden. Sie werden traditionell wild im Meer geerntet und auf lokalen Märkten in Südostasien, Ozeanien und Ostasien verkauft. Üblicherweise werden sie roh in Salaten gegessen, haben einen charakteristischen (leicht salzigen) Meeresgeschmack und eine knackige Textur ähnlich Kaviar.[8] Daher stammt auch die deutsche Bezeichnung „grüner Kaviar“ für als mögliche Zukunftsnahrung angesehene „Meerestraube“ C. lentillifera.[9]

Nur C. lentillifera wird auch in Aquakulturen gezüchtet. Der Anbau begann in den 1950er Jahren in Cebu auf den Philippinen, nachdem C. lentillifera versehentlich in Fischteiche eingeführt worden war.[10] 1986 folgte Japan, wo sie in Becken in den tropischen Gewässern von Okinawa kultiviert wurde.[11] Der kommerzielle Anbau hat sich seitdem auf andere Länder ausgeweitet, darunter Vietnam, Taiwan und China (Fujian und Hainan). Die meisten dieser Algen sind für den Inlandsverbrauch bestimmt, sie werden aber auch nach Japan exportiert.[12]

Einzelnachweise

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  1. S. I. Williams, D. I. Walker: Mesoherbivore-macroalgal interactions: feeding ecology of sacoglossan sea slugs (Mollusca, Opisthobranchia) and their effects on their food algae. In: Oceanography and Marine Biology: an Annual Review. 1999, 37, 87–128.
  2. a b Ma. Chiela M. Cremen, Frederik Leliaert, John West, Daryl W. Lam, Satoshi Shimada, Juan M. Lopez-Bautista, Heroen Verbruggen (2019): Reassessment of the classification of Bryopsidales (Chlorophyta) based on chloroplast phylogenomic analyses. Molecular Phylogenetics and Evolution 130: 397–405. doi:10.1016/j.ympev.2018.09.009
  3. Mayalen Zubia, Stefano G. A. Draisma, Kathryn Lee Morrissey, Elena Varela-Álvarez, Olivier De Clerck (2020): Concise review of the genus Caulerpa J.V. Lamouroux. Journal of Applied Phycology 32: 23–39. doi:10.1007/s10811-019-01868-9
  4. Edith L. Taylor, Thomas N. Taylor, Michael Krings: Paleobotany: The Biology and Evolution of Fossil Plants. Academic Press, 2nd edition 2009, ISBN 0-1237-3972-1, S. 130.
  5. Bernhrad Hubmann (1993): Zur heutigen Situation der Systematik und Taxonomie devonischer Grünalgen am Beispiel „Lancicula“. Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse 200: 151–161.
  6. A. Roux: Ordovician to Devonian Marine Calcareous Algae. Chapter 18 in Robert Riding (editor): Calcareous Algae and Stromatolites. Springer, Berlin etc. 1991. ISBN 978-3-642-52337-3
  7. WoRMS: Caulerpa J.V. Lamouroux, 1809
  8. Nicholas A. Paul, Nicolas Neveux, Marie Magnusson, Rocky de Nys: Comparative production and nutritional value of "sea grapes" — the tropical green seaweeds Caulerpa lentillifera and C. racemosa. In: Journal of Applied Phycology. 21. Dezember 2013, doi:10.1007/s10811-013-0227-9 (englisch).
  9. Nadja Podbregar: Zukunftsnahrung aus dem Meer – Von Quallenchips, Seegurkensuppe und grünem Kaviar, auf scinexx vom 3. Dezember 2021.
  10. Gavino C., Jr. Trono: Manual on Seaweed Culture. ASEAN/UNDP/FAO Regional Small-Scale Coastal Fisheries Development Project, Dezember 1988 (englisch, fao.org).
  11. G. C. Jr. Trono: Caulerpa lentillifera. PROSEA (Plant Resources of South East Asia), abgerufen am 3. Dezember 2021 (englisch).
  12. Xiaolin Chen, Yuhao Sun, Hong Liu, Song Liu, Yukun Qin, Pengcheng Li: Advances in cultivation, wastewater treatment application, bioactive components of Caulerpa lentillifera and their biotechnological applications. In: PeerJ. 7. Jahrgang, 2019, S. e6118, doi:10.7717/peerj.6118, PMID 30643691, PMC 6329336 (freier Volltext) – (englisch).
Commons: Caulerpa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien