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Charlotte Ander

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Charlotte Ander
Foto: Alexander Binder.

Charlotte Ander, gebürtig Charlotte Andersch (* 14. August 1902 in Berlin; † zwischen dem 1. und 4. August 1969 ebenda[1]), war eine deutsche Schauspielerin der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit.

Charlotte Ander
Fotografie von Alexander Schmoll.

Charlotte Andersch wurde als Tochter des Schauspielerehepaares Rudolf Andersch und Ida Perry im Berliner Stadtteil Kreuzberg geboren.[2] Sie wuchs in Berlin und Wien auf. Nachdem sie ihre Ausbildung an der „Marie-Seebach-Schule“ der Preußischen Staatstheater absolviert hatte, wurde sie 1920 an das Berliner Theater engagiert.[3] Ihr Debüt war die Rolle der „Babuschka Opalinski“ in der Operette Der letzte Walzer (Oscar Straus) an der Seite von Fritzi Massary.[4] Engagements an weiteren Berliner Theaterbühnen folgten. Ihre Filmkarriere startete Ander ebenfalls 1920 mit So ein Lausbub aus der Paulchen-Filmserie[5] und den Filmen „Die letzte Stunde“ und „Danton“ (1921). Zahlreiche Hauptrollen in Stummfilmen und frühen Tonfilmen mit Leinwandgrößen wie Emil Jannings, Marlene Dietrich und Hans Albers folgten.

Charlotte Ander wurde 1928 in Wien von einem Auto überfahren und zog sich einen Schädelbasis-Bruch zu.[6]

Ihren größten Erfolg feierte Ander 1933 mit der Rolle der Schallplattenverkäuferin Nina in dem Musikfilm „Ein Lied geht um die Welt“ an der Seite des bekannten Sängers Joseph Schmidt und ihrer Mutter Ida Perry. Das Jahr 1933 brachte eine Art Wende in ihrer Karriere als Schauspielerin. Von den Nazis als nicht „reinrassig“ angesehen, zog es sie für eine kurze Zeit nach England, wo sie für zwei Filmprojekte vor der Kamera stand. Nachdem Rollenangebote in England ausblieben, kehrte Ander trotz schwieriger Bedingungen nach Deutschland zurück, wo sie nur eingeschränkt arbeiten durfte, auch ein opportunistischer Beitritt in die NSDAP seit dem 2. Mai 1933 hatte für sie nichts bewirkt.[7]

Nach Kriegsende arbeitete Charlotte Ander 1948/49 als Charakterdarstellerin am Theater Baden-Baden und von 1949 bis 1956 wieder in Berlin. Ihre Filmtätigkeit nahm sie erst 1950 mit dem DEFA-Film Familie Benthin wieder auf.

Von 1922 bis 1924 war Ander mit dem Schauspieler Percy Alexander Stieda verheiratet.[8] 1941 heiratete sie den Orientteppichspezialisten Werner Grote-Hasenbalg.
Anfang August 1969 wurde Charlotte Ander in ihrer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf tot aufgefunden. Sie wurde 66 Jahre alt. Ander wurde zusammen mit ihrer Mutter und ihrem zweiten Ehemann auf dem Friedhof Wilmersdorf bestattet; das Grab ist inzwischen aufgelöst.[9][10]

Von Ander gibt es lediglich 3 Titel auf Schellackplatten: Der Onkel aus Amerika, Man braucht kein Geld und Was nützt mir denn die allerschönste Landschaft, u. a. mit Fritz Fischer, aus dem Film Man braucht kein Geld, Musik: Willy Rosen. Aufgenommen am 29. August 1932, veröffentlicht auf Odeon O-11 702 und O-11 703. Es begleitet das Dajos-Béla-Tanz-Orchester.[11]

  • Ander, Charlotte. In: Kürschners biographisches Theater-Handbuch. de Gruyter, Berlin 1956, S. 11
  • Frank-Burkhard Habel, Volker Wachter: Das große Lexikon der DDR-Stars. Die Schauspieler aus Film und Fernsehen. Erweiterte Neuausgabe. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-391-8.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A – C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 94.
  • Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 621 f.
Commons: Charlotte Ander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Standesamt Berlin-Schmargendorf, Sterbeurkunde Nr. 2085 vom 8. August 1969 (Landesarchiv Berlin)
  2. Standesamt Berlin IVb, Geburtsurkunde Nr. 2077 vom 22. August 1902 (Landesarchiv Berlin)
  3. Deutsches Bühnenjahrbuch 1921, S. 271 f
  4. Charlotte Ander: Wienerin und Berlinerin. In: Neues Wiener Tagblatt vom 12. April 1925, S. 15 [1]. Der von ihr genannte Geburtsort ist falsch, s. Geburtsurkunde
  5. So ein Lausbub bei filmportal.de
  6. Württemberger Illustrierte Zeitung, Jg. 1928, Nr. 29, [S. 2].
  7. Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 35.
  8. Standesamt Berlin-Charlottenburg I, Heiratsurkunde Nr. 1078 vom 9. November 1922 (Landesarchiv Berlin)
  9. Charlotte Ander in der Datenbank Find a GraveVorlage:Findagrave/Wartung/Wikidatakennung nicht gesetztVorlage:Findagrave/Wartung/Wirkungslose Verwendung von Parameter 2 mit Foto des Grabsteins
  10. Helga und Karlheinz Wendtland: Geliebter Kintopp. Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929 – 1945. Künstlerbiographien A–K. Verlag Medium Film, Berlin 1995, ISBN 3-926945-13-3, S. 11.
  11. GHT-WEB BASE