Chemin de Fer du Vivarais

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Billard-Triebwagen 314 bei Colombier-le-Vieux
Dreischienengleis mit Abzweig des Schmalspurgleises am Bahnhof Tournon

Die Chemin de Fer du Vivarais, abgekürzt CFV, war eine Museumseisenbahn in Frankreich. Sie verkehrte von 1970 bis 2008 auf einem erhaltenen Abschnitt der 1968 stillgelegten Bahnstrecke Tournon–Le Cheylard. Der Museumsbahnbetrieb wurde 2013 von der SNCFV (Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais) unter dem Namen Le Mastrou wieder aufgenommen.

Von Tournon im Rhonetal führt die meterspurige Strecke durch die imposante Schlucht des Doux nach Lamastre. Es verkehren mit Dampflokomotiven bespannte Züge und Dieseltriebwagen (Autorails), die Dampfzüge werden mit einer Mallet-Lokomotive bespannt. Die Streckenlänge betrug bis 2008 33 Kilometer, nach der Reaktivierung im Jahr 2013 ist sie etwa vier Kilometer kürzer. Die Fahrt zwischen den Endpunkten dauert ungefähr zwei Stunden bei Dampftraktion und circa eine Stunde mit dem Triebwagen. Der Museumsbetrieb wird von April bis November durchgeführt.[1]

Bemerkenswert war das Dreischienengleis zwischen dem Bahnhof Tournon und dem Abzweig bei Saint-Jean-de-Muzols, das in zwei Tunneln (640 und 40 Meter lang) den Ortsrand unterquerte und auf einem 165 Meter langen Eisenviadukt über den Fluss Doux führte. Seit der Wiedereröffnung der Bahn im Jahr 2013 wird dieses Teilstück nicht mehr von den Museumszügen befahren. Östlicher Endpunkt der Strecke ist jetzt der neu errichtete Bahnhof Tournon–St.-Jean-de-Muzols unweit des ehemaligen Haltepunkts Douce-Plage.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bahnstrecke von Tournon über Lamastre wurde am 12. Juli 1891 von der Compagnie de chemins de fer départementaux (CFD) eröffnet und 1903 bis Le Cheylard verlängert. In Tournon entstanden ein Gemeinschaftsbahnhof mit der Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) und auf 2,2 Kilometer Länge ein gemeinschaftlich genutztes Dreischienengleis. Am 31. Oktober 1968 wurde die Gesamtstrecke stillgelegt, am 14. Juni 1969 begann der touristische Verkehr zwischen Lamastre und Saint-Jean-de-Muzols. Ab Februar 1970 wurde wieder bis zum Bahnhof Tournon gefahren.

Offiziell wurde der Museumsverkehr auf der Strecke Tournon–Lamastre am 18. April 1970 eröffnet. 1973 wurden die Gleise, Bahnhöfe und Fahrzeuge vom CFV erworben. 2004 wurde der Betreiber zu einer „Gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft“ und in CFTM umbenannt, mit dem Département Ardèche als Mehrheitsaktionär.

Strecke[Bearbeiten]

Ausgangspunkt war der Bahnhof Tournon, der gemeinsam mit der PLM und deren Nachfolger SNCF betrieben wurde. Hier befand sich das Bahnbetriebswerk. In nördlicher Richtung verlief die Bahn auf einem Dreischienengleis, das zugleich das nördliche Richtungsgleis der Hauptbahn (Linksverkehr) darstellte. Nach der Brücke über den Doux zweigte das Schmalspurgleis nach Westen ab und folgte im weiteren Verlauf dem Tal des Flusses.

Seit der Reaktivierung der Bahn im Jahr 2013 werden die Bahnhöfe Tournon und St.-Jean-de-Muzols nicht mehr angefahren. Die Züge beginnen im neu errichteten Bahnhof Tournon–St.-Jean-de-Muzols[2] nahe dem ehemaligen Haltepunkt Douce-Plage.[3]

Die Strecke weist mehrere gemauerte Brücken, Einschnitte und bei Mordane einen weiteren, 265 Meter langen Tunnel auf. Von Tournon (123 m über NN) bis Lamastre (373 m über NN) wurde ein Höhenunterschied von 250 Metern überwunden.

Stationen[Bearbeiten]

Bahnhof Lamastre
Mallet-Lokomotive Nr. 403 in Boucieu-le-Roi, 1975
Zug mit Mallet-Lokomotive Nr. 413 im Bahnhof Tournon
  • Tournon-sur-Rhône (km 0,0; 123 m über NN; bis 2008)
  • Saint-Jean-de-Muzols (km 2,6; bis 2008)
  • Tournon–St.-Jean-de-Muzols (seit 2013)
  • Douce-Plage
  • Troyes (km 6,6)
  • Mordane (km 9)
  • Clauzel (km 11)
  • Colombier-le-Vieux–Saint-Barthélemy-le-Plain (km 12,9)
  • Boucieu-le-Roi (km 18,5; 276 m über NN)
  • Tincey (km 19)
  • Arlebosc (km 21,6)
  • Le Garnier (km 24)
  • Le Plat-Empurany (km 26,1)
  • Lamastre (km 32,6; 373 m über NN)

Krise 2008[Bearbeiten]

Vierzig Jahre nach der Rettung des Teilstücks Tournon - Lamastre vor der Stilllegung stand die Bahn vor einer weiteren Krise: seit 2008 fand kein Fahrbetrieb statt, es stand keine betriebsbereite Dampflok zur Verfügung und die Strecke wies Sicherheitsmängel auf.[4] Größtes Problem hierbei war die Mitbenutzung der normalspurigen Rhone-Strecke der SNCF mittels Dreischienengleis. Diese Strecke weist nur Transitgüterverkehr auf und dessen Betreiber möchten die Fahrplantrassen der Schmalspurbahn für ihre Züge nutzen.

Betrieb seit 2013[Bearbeiten]

Am 18. Februar 2011 haben das Département Ardèche und der neue Betreiber, die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais, abgekürzt SNCFV, eine Vereinbarung über den Weiterbetrieb als Museumsbahn unterzeichnet. Die Société Nouvelle du Chemin de Fer du Vivarais wurde vom Reiseveranstalter Kléber Rossillon und dem Reisebusunternehmen Courriers Rhôdaniens gegründet. Geplant ist ein Investitionsvolumen von 13 Millionen Euro.[5] Östlich des Orts Saint-Jean-de-Muzols wurde ein neuer Bahnhof errichtet, der seit 2013 als Endbahnhof dient.

Im Sommer 2011 wurde auf einem 12 Kilometer langen Abschnitt ein Fahrraddraisenenverkehr eingerichtet. Dabei kommt der Billard-Triebwagen 213 zum Einsatz, er bringt die Draisinen wieder an ihren Anfangspunkt.[6]

Seit 2013 gibt es wieder dampflokbespannte Züge, neben dem „Mastrou“ den „Train des Gorges“, der nur bis Colombier-le-Vieux verkehrt. Der „Train du Marché“ ist ein Dieseltriebwagen, der im Juli und August dienstags nach Lamastre fährt. Der Dampfbetrieb wird mit der Mallet-Lokomotive 403 (aus dem Jahr 1903) durchgeführt, Lok 414 (1932) befindet sich in Aufarbeitung. Im Juli und August wird täglich außer samstags, in den anderen Monaten überwiegend an den Wochenenden gefahren.[1]

Der bisherige Endbahnhof Tournon-sur-Rhône wird aufgegeben - die dort vorhandene Fahrzeug- und Ersatzteilsammlung wurde größtenteils abgeholt und auf die verbleibenden Bahnhöfe der Strecke verteilt.[7] Die überdachte Abstellanlage neben dem Lokschuppen in Tournon und die darunter abgestellten zwölf historischen Fahrzeuge wurden am 9. April 2014 durch ein Feuer teilweise bis vollständig zerstört.[8] Die schmalspurigen Gleisanlagen im Bahnhofsbereich sind teilweise schon demontiert, einige mit Planen wetterfest konservierte vierachsige Wagen warten noch auf ihre Abholung.[9]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jean Arrivetz, Pascal Bejui: Les Chemins de Fer du Vivarais. Presses et Editions Ferroviaires, Grenoble 1986, ISBN 2-905447-04-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Fahrplan 2014 bei trainardeche.fr, abgerufen am 31. Januar 2015
  2. Le Mastrou. Le train touristique de l'Ardèche bei mastrou.com, abgerufen am 31. Januar 2015
  3.  Jean Arrivetz, Pascal Bejui: Les Chemins de Fer du Vivarais. Presses et Editions Ferroviaires, Grenoble 1986, ISBN 2-905447-04-4, S. 63.
  4. Pressemitteilung vom April 2008
  5. http://ortferroviaire.canalblog.com/archives/2011/02/20/20441318.html
  6. Vélorail en Ardèche
  7. siehe Bilder hier vom September 2013: [1]
  8. Deux monuments historiques partent en fumée dans un incendie in: Pompier Magazine (französisch), abgerufen am 1. Februar 2015
  9. Ortsbesichtigung 21.Juni 2014