Rhonetal (Frankreich)

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Rhonetal (Vallée du Rhône)
Blick über Tournon-sur-Rhône auf Tain-l’Hermitage

Blick über Tournon-sur-Rhône auf Tain-l’Hermitage

Lage Frankreich
Gewässer Rhone
Gebirge Alpen / Massif Central
Geographische Lage 45° 0′ 0″ N, 4° 50′ 0″ OKoordinaten: 45° 0′ 0″ N, 4° 50′ 0″ O
Rhonetal (Frankreich) (Frankreich)
Rhonetal (Frankreich)
Typ Grabenbruch
Länge 300 km

Als Rhonetal (französisch Vallée du Rhône) wird in Frankreich das Tal der Rhone von Lyon bis an das Mittelmeer bezeichnet.[1]

Es gibt noch einen weiter gefassten Begriff des Vallée du Rhône im Sinne des „Rhonetals Frankreichs“, nämlich mitsamt der Strecke vom Rhonedurchbruch durch den Jura beim Défilé de l’Écluse bis nach Lyon.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vallée du Rhône als Unterlauf der Rhone nimmt mit etwa 300 Kilometer Länge ungefähr zwei Drittel des Laufs in Frankreich, und ein gutes Drittel des gesamten Laufs der Rhone ein. In diesem Sinne umfasst nach französischer Auffassung Rhône amont ‚Obere Rhone‘ den Flusslauf bis Lyon, Rhône moyen ‚Mittlere Rhone‘ das Tal im eigentlichen Sinne, und Rhône aval ‚Untere Rhone‘ die Mittelmeerebenen.[3]

Begrenzt wird die Talung durch das Lyoner Becken im Norden, die französischen Voralpen im Osten, die Camargue im Süden, sowie den Forez, den Monts du Vivarais und die Cevennen im Westen. Das Tal bildet über weite Strecken eine schmale Flussebene zwischen den bewaldeten Talungsflanken:[4] Der nördliche Abschnitt bis Montélimar wird auch Côtes du Rhône ‚Rhone-Flanken‘ genannt, der südliche bis Avignon Bouches du Rhône ‚Rhone-Mündungen‘. Die Landschaften ab den Monts du Lyonnais heißen rechts der Rhone Pilat, Haut-Viverais, Boutieres, Bas-Viverais und Pays Garrigues, links (Alpenseite) Valentinois, das Seitental Vallée de la Drôme, Tricastin und Comtat Venaissin.[5]

Der Übergang zum Mittelmeergebiet im eigentlichen Sinne kann am Massif des Alpilles gesehen werden, dem westlichsten Sporn der Alpen. Ab hier erstrecken sich beiderseits der Rhone die Costières und die Plaine de la Crau.[5] Die Rhone erreicht schon 20 Kilometer vor Arles das Meeresniveau, bis zur Mündung sind es ab dieser Stadt noch einmal etwa 30 Kilometer.

Verwaltungseinheiten und Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefällestruktur der Rhone in Frankreich

Das Tal erstreckt sich über drei administrative Regionen und insgesamt acht Départements, nämlich von Norden nach Süden den Départements Rhône, Loire, Isère, Ardèche und Drôme in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, den Départements Vaucluse und Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und dem Département Gard in der Region Okzitanien.

Die wichtigsten Orte flussabwärts sind (die größeren Städte mit grober Einwohnerzahl und Seehöhe[6]):

Lyon (500.000 EW, 162 m), La Mulatière, Oullins, Pierre-Bénite, Saint-Fons, Irigny, Feyzin, Vernaison, Givors (20.000 EW, 145 m), Chasse-sur-Rhône, Saint-Romain-en-Gal, Sainte-Colombe, Vienne (30.000 EW, 140 m), Condrieu, Saint-Michel-sur-Rhône, Chavanay, Saint-Pierre-de-Bœuf, Saint-Alban-du-Rhône, Serrières, Le Péage-de-Roussillon, Tournon, Valence (60.000 EW, 106 m), Le Pouzin, Cruas, Montélimar (35.000 EW, 56 m), Viviers, Pierrelatte, Pont-Saint-Esprit, Orange (30.000 EW, 24 m), Avignon (90.000 EW, 10 m), Villeneuve-lès-Avignon, Vallabrègues, Beaucaire, Tarascon, Arles (50.000 EW, 0 m)

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebildet wird die Talung durch den Rhone-Graben (französisch Sillon rhodanien), einem Grabenbruch, der sich von südwestlich des Jura bis in die Tiefen des Golfe du Lion zieht, und eine fundamentale Grenze zwischen dem tektonisch aktiven Deckensystem der Alpen im Osten und dem Rumpfgebirge Zentralmassiv im Westen bildet.[7] Im Speziellen umfasst die Linie im Süden Valence-, Manosque- und Alès-Graben, hier wird der geologische Aufbau vielfältig, östlich der Rhone ist das Massif des Maures als Fremdkörper an die westlichen Kalkalpen geschoben.[8]

Im Norden findet der Bruch eine Fortsetzung in Saône- und Bresse-Graben (Doubs-Talungen), zusammen auch als Rhône-Saône-Graben oder Rhône-Sâone-Senke bezeichnet, und wird mit dem Rheingraben als Gesamtstruktur gesehen (Rhein-Rhône-Graben), hierbei spricht man auch von Rhein-Rhone-Linie (RRL) als Störungszone. Diese Gräben bilden den Kern des Westeuropäischen Riftsystem, zu dem im Raum des Rhone-Graben auch die Zone Limagne-Graben/Cher-Graben im nördlichen Massif Central gehört.[9]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mistral und seine Entstehung.

Durch seinen Süd-Nord-Verlauf bildet die Talung eine Klimaschneise. Noch Lyon – das etwa auf der nördlichen Breite des Tessin oder von Triest liegt – hat ein stark mediterran beeinflusstes Klima, eine Gunstlage, die sich bis Südwestdeutschland auswirkt. Besonderheit ist hierbei die Épisode méditerranéen, ein Südstau am Zentralmassiv, der zu schweren Niederschlägen und Sturzfluten führt, hierorts insbesondere Pluies oder Orage cévenol (‚Cevennen-Regen/-Unwetter‘) genannt.

Umgekehrt kann die Schneise auch zu Nordwetterereignissen führen, darunter dem Wind Mistral, ein Einströmen polarer Kaltluft in das westliche Mittelmeer, das auch sehr heftig werden kann.

Bei Westlagen herrscht Stauniederschlag an den Alpen, wobei das Rhonetal selbst im Lee des Zentralmassivs geschützt ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rhonetal wird Landwirtschaft betrieben, im dazu geeigneten Teil liegt ein bekanntes Weinbaugebiet (Rhône). Daneben finden sich aber auch etliche Industriestandorte, darunter auch solche der Chemieindustrie.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch seine Lage bildet das Tal die zentrale Nord–Süd-Achse Frankreichs, und auch Westeuropas. In Lyon treffen sich die Routen von Paris, Straßburg und Genf in den Mittelmeerraum. Als Westumfahrung der Alpen stellt es eine der meistgenutzten Fernverkehrsrouten Europas dar.

Wichtigste Straßenverkehrsrouten sind:

Die Autobahn ist Teil der Europastraße E15 Großbritannien – Spanische Ostküste, in Arles quert die E80 Portugal – Italien – Türkei

Die beiden Flussufer sind durch zahlreiche Brücken, oft Hängebrücken, miteinander verbunden. An manchen Stellen verkehren Fähren.

Durch das Tal verläuft die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke (LGV) Méditerranée (Eröffnung 2001); sie ist ebenfalls großteils linksufrig trassiert. Rechts der Rhone bildet die Bahnstrecke Paris – Marseille die heutige Regional- und Güterverkehrsstrecke. Sie wird nur noch abschnittsweise von Personenzügen befahren, meist um eine vom Rhonetal abgehende Strecke zu bedienen. Weiterhin wird sie von vielen Güterzügen zwischen Lyon (Sibelin) und Nîmes (und weiter in Richtung Spanien) benutzt.

Auch die Rhone selbst stellt einen wichtigen Verkehrsweg dar, und gehört zum System des 1775 bis 1843 erbauten Canal de Bourgogne, mit dem sich Frankreich seinen langen Traum einer Wasserstraße ans Mittelmeer verwirklichte, wie auch des Rhein-Rhône-Kanal, dem heute wirtschaftlich bedeutendsten Wasserweg, vom Mittelmeer in die Wirtschaftszentren Nordwesteuropas. Weniger bedeutend ist der nördlich angeschlossene Canal du Centre von der Saône westwärts an die Loire. Die wichtigsten Flusshäfen sind Port Édouard-Herriot in Lyon, Port fluvial de commerce de la Drôme in Valence und Port de commerce d'Avignon – Le Pontet.

Weil der Talgrund nur eine vergleichsweise schmale Flussebene umfasst, die beiderseits von den Verkehrsrouten dominiert wird, ähneln die Umwelt- und Strukturprobleme im Bezug auf die Verkehrsbelastung denen der Alpentäler.[10]

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Électricité de France betreibt mehrere Kernkraftwerke, welche mit Flusswasser der Rhone gekühlt werden:

Daneben gibt es etliche Laufkraftwerke.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lyon et la vallée du Rhône. Ardèche-Velay-Beaujolais. Reihe Michelin Guide vert, Band 24, 5. Auflage 2002, ISBN 978-206100354-1.

historisches:

  • Achille Raverat: La vallée du Rhône, de Lyon à la mer (en bateau à vapeur). Waltener, Lyon 1889.
  • Gabriel Fauré: La vallée du Rhône. Charpentier, 1923.
  • Michel Grandin: Vallée du Rhône. Lyonnais, Jarez, Ardèche. Band 18 von Voir en couleurs: Tourisme France. Sun, 1973.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marie-Christine Aubin: Rhône, vallée du. In: Encyclopædia Universalis. (eingeschränkte Vorschau).
  2. So etwa: M. J.-A. Deluc: Sur les blocs erratics alpins épars à de grandes distances des Alpes. In: Bulletin de la Société géologique de France, Band 9, 1838, S. 365 (ganzer Artikel S. 365–369; Google eBook, vollständige Ansicht);
    In diesem Sinne bis heute üblich, auch dort von „Rhonetal“ zu sprechen, vergl. Le et le fort: Le Fort l’Ecluse. leaz.fr, abgerufen 7. Februar 2016.
  3. Plan Rhône. – Webseite zur Hydrographie, abgerufen 4. Februar 2015.
  4. La vallée du Rhône. Direction régionale des affaires culturelles de Rhône-Alpes, vpah-rhone-alpes.fr, abgerufen 4. Februar 2016.
  5. a b Naturlandschaften Frankreichs, nach Bénédicte, Jean-Jacques Fénié: Dictionnaire des pays et provinces de France und Frédéric Zégierman: Guide des pays de France; vergl. die Karte (Bilddatei auf Commons).
  6. Niedrigste Seehöhe im Gemeindegebiet
  7. Pierre Charles de Graciansky, David G. Roberts, Pierre Tricart: The Western Alps, from Rift to Passive Margin to Orogenic Belt: An Integrated Geoscience Overview. Band 14 von Developments in earth surface processes (ISSN 0928-2025), Verlag Elsevier, 2011, ISBN 978-0-444-53724-9.
  8. Vergl. etwa: Stephan Müller: Tiefenstruktur, Dynamik und Entwicklung des Mittelmeer- und Alpenraumes. In: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 129/3 (1984), S. 217–245 (PDF, ngzh.ch).
  9. Siehe etwa Vergleich des Rhein-Rhone-Grabensystems mit jenen des Rift Valleys in Ostafrika: Tektonische Voraussetzungen. Verein Geothermische Kraftwerke Schweiz, abgerufen 2. Februar 2016 – mit übersichtlichen Karten.
  10. Vallée du Rhône:, insb. Reiter Objectifs. FNE PACA – Fédération régionale de France Nature Environnement, fnepaca.fr, abgerufen 4. Februar 2015.