Choren Industries

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Choren Industries
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Rechtsform GmbH
Sitz Freiberg
Leitung Insolvenzverwalter: Kübler
Mitarbeiter 290 (Unternehmensgruppe, Dezember 2008)[1]
Branche Chemische Industrie, Energiewirtschaft
Produkte Biokraftstoffe (BtL): SunFuel, SunDieselVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.choren.com

Die Choren Industries GmbH ist ein deutsches Unternehmen der chemischen Industrie in Freiberg (Sachsen). Das Unternehmen betrieb als erstes Unternehmen weltweit eine Anlage zur Herstellung des synthetischen BtL-Kraftstoffs auf der Basis von Biomasse (Waldrestholz, Altholz). Über das Vermögen der Choren Industries GmbH wurde im Juli 2011 die vorläufige Insolvenzverwaltung[2][3] angeordnet.

Entwicklung der BtL-Kraftstoffe[Bearbeiten]

BtL-Kraftstoffe werden als Biokraftstoffe der zweiten Generation vor allem in Europa stark gefördert. Die Herstellung basiert auf der Fischer-Tropsch-Synthese aus Synthesegas, das aus Biomasse gewonnen werden kann. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung bestehender Techniken für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus Kohle (CtL-Kraftstoff) und Erdgas (GtL-Kraftstoff). Aktuell gibt es noch keine großtechnische BtL-Produktion - einzelne Pilotprojekte sind allerdings angelaufen.

Die Choren Industries baute in Freiberg ein erstes Werk für die Produktion des von ihnen als SunFuel für Ottomotoren und SunDiesel für Dieselmotoren bezeichneten BtL-Kraftstoffs mit einer Kapazität von 15.000 Tonnen pro Jahr, das im Herbst 2009 die Produktion aufnehmen sollte[4]. Bei dem dort eingesetzten Carbo-V-Verfahren wird die Biomasse zunächst verschwelt. Die Verschwelungsprodukte werden in einem Flugstromreaktor mit Sauerstoff zu einem Synthesegas umgesetzt. Aus dem konditionierten Synthesegas wird durch Fischer-Tropsch-Synthese BTL-Diesel erzeugt. Der gesamte Prozess findet an einem Standort statt.[5] Die Entwicklung des Carbo-V-Verfahrens von Choren erfolgte in einer Kooperation mit den Autoherstellern Volkswagen, der Daimler AG und dem Energieunternehmen Royal Dutch Shell.

Im Januar 2010 kündigte Choren den Bau einer BtL-Anlage in Frankreich gemeinsam mit dem Unternehmen CNIM (Constructions Industrielles de la Méditerranée SA) an, die nach Fertigstellung im Jahr 2014 jährlich mindestens 23.000 Tonnen BtL-Kraftstoff produzieren soll.[6]

Gesellschafter[Bearbeiten]

VW und Daimler waren seit 2007 als Minderheitsgesellschafter an Choren Industries beteiligt. Daneben waren auch mehrere Privatpersonen aus Norddeutschland beteiligt, Hauptgesellschafter und Initiator des Projekts war Michael Saalfeld, der Mehrheitsbesitzer des Energieversorgers Lichtblick. Shell war von 2005 an als Minderheitsgesellschafter beteiligt und verkaufte seine Anteile im November 2009 an die damals verbliebenen Gesellschafter.

Die Unternehmen der Choren-Gruppe[Bearbeiten]

Choren Industries GmbH, ehemalige Muttergesellschaft der Unternehmensgruppe, hatte ihren Sitz in Freiberg. Der Unternehmensbereich Biomassbeschaffung befand sich in Hamburg. Am Standort Freiberg befand sich außerdem die Choren Components GmbH und die Choren Fuel Freiberg GmbH & Co. KG. Zur Choren-Gruppe außerhalb Europas gehörten die Choren USA LLC und die Choren Energy Chemical Technology (Beijing) Co.

Insolvenz[Bearbeiten]

Am 8. Juli 2011 hat die Choren Industries zusammen mit ihren zwei deutschen Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet[7]. Als Grund werden "Finanzierungsschwierigkeiten bei der Inbetriebnahme der Synthesegas-Demonstrationsanlage" genannt. Allerdings berichtete der MDR im August 2011 von Pannen, geschönten Zahlen und sehr geringen Produktionsmengen [8]. Nach diesem Report seien mindestens 30 Millionen Euro Fördermittel in ein Potemkinsches Dorf geflossen, ohne die Wirksamkeit des Verfahrens wissenschaftlich zu begleiten und zu überprüfen, wie es in vergleichbaren Projekten üblich sei. Demgegenüber meinte Robert Rapier, ein international renommierter Biosprit-Experte, dass die Insolvenz von Choren weniger prinzipiell unlösbaren Problemen als den Schwierigkeiten beim Übergang von einer Demonstrationsanlage in die industrielle Produktion zuzuschreiben sei.[9]

Im Februar 2012 hat die Linde Engineering Dresden GmbH die Rechte an der Carbo-V® Technology übernommen.[10] Das Geschäftsfeld Kurzumtriebsplantagen und Biomassestrategie wurde Ende 2011 über einen Management-buy-out aus der Choren-Insolvenzmasse herausgelöst und in gleicher personeller Besetzung unter der neuen Firmierung Lignovis GmbH fortgeführt.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.choren.de
  2. Amtsgericht Chemnitz, Aktenzeichen: 14 IN 1970/11
  3. Automobil-Industrie:Choren ist pleite
  4. BtL von Choren kommt später - FKZ Karlsruhe holt auf. Nachrichten-Portal www.nachwachsende-rohstoffe.info, Nachricht vom 29. Oktober 2008
  5. Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, 2006: Ökobilanzen zu BTL: Eine ökologische Einschätzung. pdf
  6. Erstes BTL-Projekt mit CHORENs Carbo-V-Technologie in Frankreich gestartet. EPC-Vertrag für eine 45 MW-Synthesegasanlage unterzeichnet. Pressemitteilung vom 29. Januar 2010.
  7. Pressemitteilung der Kübler GbR, 8. Juli 2011
  8. Choren soll falsche Zahlen veröffentlicht haben Mitteldeutscher Rundfunk, 31. August 2011
  9. http://www.heise.de/tr/artikel/Der-Sprit-ist-aus-1726672.html
  10. http://www.the-linde-group.com/en/news_and_media/press_releases/news_120209.html
  11. http://www.lignovis.com/unternehmen.html

Weblinks[Bearbeiten]