Christa Mulack

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Christa Mulack (* 1943 in Hamburg) ist eine deutsche feministische Theologin, Pädagogin und Buchautorin. Sie versteht sich als Patriarchatskritikerin. Mulack lebt in Hagen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mulack studierte Theologie, Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften. Während ihrer Lehrtätigkeit an einem Gymnasium promovierte sie 1982. Seit 1984 ist Mulack freiberuflich als Autorin und Dozentin tätig. An mehreren Universitäten und Kirchlichen Hochschulen nahm sie Lehraufträge im Fach Feministische Theologie wahr.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ihrer Dissertation Die Weiblichkeit Gottes (1983) wurde Christa Mulack als feministische Theologin bekannt. Darauf aufbauend folgten Maria – die geheime Göttin im Christentum (1985) und Jesus – der Gesalbte der Frauen (1987). Sie stützt sich bei der Wahl ihres theoretischen und methodischen Instrumentariums auf die Geschlechtertypologie von C G. Jung und die Kabbala.[1]

Christa Mulack unternimmt in ihrem Werk den Versuch, die Bibel von den nach ihrem Verständnis patriarchalen Verformungen der letzten 2000 Jahre zu befreien. Sie behält die christlichen Symbole bei, will das Christentum feministisch reformieren und (ihr) Matriarchat aus dem Urgrund der Bibel rekonstruieren, indem sie angeblich matriarchale Spuren früherer Überlieferung text- und ideologiekritisch hypothetisch rekonstruiert. Jesus ist bei ihr der Prototyp des Anima-integrierten Mannes und matriarchalen Menschen und steht an der Schnitt-/Nahtstelle von Matriarchat und Patriarchat.[2]

„Mit dieser Reinstituierung des Bildes der Mutter und ihres Sohngeliebten, das über einen langen Zeitraum alle Religionen durchzieht, knüpft Jesus an die matriarchalische Welt wieder an, in der die Vorstellung geprägt worden war.“

Christa Mulack[3]

In diesem Deutungsmuster versteht Mulack in Jesus – Der Gesalbte der Frauen Maria Magdalena als Göttin und Jesus als ihren „Sohngeliebten“. Nach ihrer Lesart weisen die Salbungsgeschichten im Neuen Testament deutliche Parallelen zu Ritualen um die Magna Mater und ihres Heros auf, wie sie von Heide Göttner-Abendroth als Grundmuster matriarchaler Religionen postuliert werden.[4]

In ihrem thematisch anders gelagerten Buch … und wieder fühle ich mich schuldig (1993) widmet sich Mulack der Aufarbeitung von angeblich bei Frauen typischen Schuldgefühlen, denen sie gesellschaftliche Ursachen zuschreibt.[5]

In Klara Hitler – Muttersein im Patriarchat (2006) beschreibt sie die patriarchale Familie als „Steigbügelhalter des Dritten Reiches“ und Klara Hitler als Prototyp einer patriarchalen Mutter.[6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christa Mulack vertritt eine revisionistische Geschichte des Christentums, der zufolge Inhalte der Religion, die weibliche Spiritualität stark aufwerten, unterdrückt worden seien. Weite Kreise der Fachtheologie lehnen ihre Thesen jedoch ab; ihre Kritik des Antiken Judentums, das sie für den vermuteten Wandel eines ursprünglich matriarchalischen Gottesbilds zu dem in den abrahamitischen Religionen dominierenden Bild eines Vatergottes verantwortlich macht, hat zum Vorwurf antisemitischer Tendenzen geführt, wie sie auch in den Werken von Gerda Weiler und Elga Sorge zu finden seien.[7][8]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Weiblichkeit Gottes. Matriarchale Voraussetzungen des Gottesbildes. Kreuz, Stuttgart 1983; 6. A. ebd. 1992, ISBN 3-7831-0701-6 (= Diss. Uni Dortmund)
  • Maria – die geheime Göttin im Christentum. Kreuz, Stuttgart 1985; Pomaska-Brand, Schalksmühle 2005, ISBN 3-935937-24-5
  • Jesus – der Gesalbte der Frauen. Weiblichkeit als Grundlage der christlichen Ethik. Kreuz, Stuttgart 1987; 2. A. ebd. 1990, ISBN 3-7831-0875-6
  • Im Anfang war die Weisheit. Die Wiederentdeckung eines weiblichen Gottesbildes. Kreuz, Stuttgart 1988; Pomaska-Brand, Schalksmühle 2004, ISBN 3-935937-15-6
  • Natürlich weiblich. Die Heimatlosigkeit der Frau im Patriarchat. Kreuz, Stuttgart 1990; Pomaska-Brand, Schalksmühle 2004, ISBN 3-935937-28-8
  • … und wieder fühle ich mich schuldig. Ursache und Lösung eines weiblichen Problems. Kreuz, Stuttgart 1993; Pomaska-Brand, Schalksmühle 2008, ISBN 978-3-935937-58-0
  • Das Mädchen ohne Hände. Wie eine Tochter sich aus der Gewalt des Vaters befreit. Kreuz, Zürich 1995, ISBN 3-268-00176-9 (Reihe „Weisheit im Märchen“)
  • Die Wurzeln weiblicher Macht. Kösel, München 1996; Pomaska-Brand, Schalksmühle 2006, ISBN 3-935937-43-1
  • Religion ist zu wichtig, um sie den Männern zu überlassen. Die Göttin kehrt zurück. Kreuz, Stuttgart 1998, ISBN 3-7831-1603-1
  • Etwas so Unvorstellbares. Sexueller Missbrauch und das Schweigen der Mütter. Kreuz, Stuttgart 1999, ISBN 3-7831-1682-1
  • Klara Hitler. Muttersein im Patriarchat. Göttert, Rüsselsheim 2005, ISBN 3-922499-80-5
  • Der Mutterschaftsbetrug. Vom Unwert zum Mehrwert des Mutterseins. Web-Site, Ebersdorf 2006, ISBN 3-935982-72-0
  • Maria Magdalena. Apostelin der Apostel – die Frau, die das All kennt. Pomaska-Brand, Schalksmühle 2007, ISBN 978-3-935937-50-4
  • Der veruntreute Jesus. Die Botschaft Jesu vom „Reich der Königin“. Pomaska-Brand, Schalksmühle 2009, ISBN 978-3-935937-62-7
  • Gewalt im Namen Gottes. Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus. Tectum, Marburg 2016, ISBN 978-3-8288-3641-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments. Zürich 2011, ISBN 978-3-0340-1067-2, S. 243.
  2. Helga Laugsch: Der Matriarchat-Diskurs (in) der Zweiten Deutschen Frauenbewegung, München 2011, ISBN 978-3-8316-4132-1, S. 182–186.
  3. Christa Mulack: Die Weiblichkeit Gottes. 1983, S. 91 (zitiert bei Meret Fehlmann, S. 245).
  4. Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat, S. 245.
  5. Christa Mulack: … und wieder fühle ich mich schuldig. Ursache und Lösung eines weiblichen Problems, Kreuz-Verlag, Erstaufl. 1993, ISBN 3-7831-1259-1.
  6. Uschi Madeisky in der Zeitschrift ab 40 (1/2006), Text online auf der Website des Christel-Göttert-Verlags.
  7. Z. B. Susanne Heine: Die feministische Diffamierung der Juden, in: Kohn-Ley, Korotin (Hg.): Der feministische „Sündenfall“? Antisemitische Vorurteile in der Frauenbewegung. Wien 1994, S. 32ff.
  8. Felix Wiedmann: Rassenmutter und Rebellin. Würzburg 2007, Abschnitt über Christa Mulack S. 274 ff.