Italienische Waldrebe

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Italienische Waldrebe
Italienische Waldrebe (Clematis viticella)

Italienische Waldrebe (Clematis viticella)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Waldreben (Clematis)
Art: Italienische Waldrebe
Wissenschaftlicher Name
Clematis viticella
L.

Die Italienische Waldrebe (Clematis viticella) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Waldreben (Clematis) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Pflanze ist in Italien, Südosteuropa, Kaukasus, Türkei bis in den nordwestlichen Iran beheimatet und besiedelt dort Waldränder, Gebüsche, Hecken und Gärten. Die winterharte Rankpflanze ist als Zierpflanze in verschiedenen Sorten weit verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüte der Italienischen Waldrebe
Sorte 'Venosa Violacea'
Unreife Frucht

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Italienische Waldrebe ist eine sommergrüne, mehr oder weniger verholzende ausdauernde Pflanze mit 2 bis 4 m langen, kriechenden und mittels der Blattstiele rankenden, rotbraunen Stängeln. Die gegenständigen Laubblätter sind relativ zierlich, ungeteilt oder bis dreiteilig gefiedert. Die Teilblättchen sind 2 bis 6 cm lang, oval und ganzrandig, selten etwas gelappt.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 3 bis 6 cm großen Blüten sitzen einzeln an den Triebenden und einzeln bis zu dritt an langen Stielen in den Blattachseln. Die Blüten sind mehr oder weniger geneigt und breit glockenförmig. Sie bestehen aus vier freien, blauen bis violett-rosafarbenen, außen behaarten, kronblattartigen Kelchblättern, die zum Ende hin breiter und oft etwas verdreht sind. Kronblätter fehlen. Die freien Staubblätter, von denen die äußeren zu verbreiterten, Nektar führenden Staminodien umgewandelt sind, sind etwa ein Viertel so lang wie die Kelchblätter. Die unbehaarten Griffel verlängern und verkrümmen sich bis zur Fruchtreife etwas.

Chromosomensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Italienische Waldrebe besitzt aus blütenökologischer Sicht „Nektar führende Scheibenblumen“. Die äußeren Staubblätter sind zu Nektarblättern umgewandelt und stellen eine Nektarquelle für Bienen, Wespen, Käfer und Schmetterlinge dar. Die Larven einiger Nachtfalter aus der Familie der Spanner, beispielsweise der Dunkelbraune Waldrebenspanner und der Waldreben-Grünspanner, ernähren sich von den Blättern der Pflanze.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Italienische Waldrebe ist in Italien, auf der Balkanhalbinsel, in Armenien, Georgien, Aserbaidschan, Türkei bis in den nordwestlichen Iran beheimatet und besiedelt dort sommergrüne Laubwälder, Flussufer, Auwälder, Gebüsche, Hecken, alte Steinmauern und Gärten auf kalkhaltigen, feuchten Böden. Bevorzugt werden tiefgründige, durchlässige Böden in warmen Lagen.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waldrebe kann gut zur Berankung von Spalieren, Obelisken, Rosenbögen, Zäunen, Hecken, kleinen Gehölzen und Mauern verwendet werden, auch als Ergänzung zu anderen bereits vorhandenen Kletterpflanzen (z. B. Efeu) sowie als Begleiter von Kletter- und Strauchrosen. Die Pflanze benötigt einen sonnigen bis halbschattigen Standort auf feuchtem, nährstoffreichen Boden und kann auch gut im Kübel gehalten werden. Verglichen mit anderen Waldreben hat die Italienische Waldrebe eine relativ lange Blütezeit, in Mitteleuropa von Juni bis August. Sie ist winterhart bis −23 °C (Zone 6) und verträgt Sonne und Trockenphasen besser als viele großblütige Clematis-Hybriden. Zudem ist sie weniger empfindlich gegenüber der Clematiswelke.[2] Wie andere Clematis-Wildarten und -Hybriden, die im Sommer an neuen Langtrieben blühen, sollte die Italienische Waldrebe im Winter noch vor dem sehr frühen Austrieb auf 20 bis 50 cm über dem Boden zurückgeschnitten werden, um ein kräftiges Wachstum anzuregen und einem Verkahlen von unten vorzubeugen.

Clematis viticella ist als Kreuzungspartner an zahlreichen Clematis-Hybridformen beteiligt, beispielsweise an der bekannten großblütigen Hybride C. 'Jackmannii' (C. lanuginosa x C. viticella ‘Atrorubens’) von 1858. Die Pflanze wird auch als Unterlage für die Veredelung anderer Clematis-Sorten verwendet. Robuste und reich blühende Sorten der Italienischen Waldrebe, die mit dem Award of Garden Merit ausgezeichnet wurden, sind 'Étoile Violette' (tiefviolett), 'Madame Julia Correvon' (samtrot), 'Purpurea Plena Elegans' (dicht gefüllt, purpurfarben) und 'Venosa Violacea' (weiße Mitte, violette Adern und Ränder).

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Clematis viticella erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum. S. 543.[3] Clematis viticella wird innerhalb der Untergattung Flammula zusammen mit Clematis campaniflora, Clematis florida, Clematis lanuginosa und Clematis patens der Sektion Viticella zugeordnet. Die in Portugal und Südspanien verbreitete Glockenblütige Waldrebe (Clematis campaniflora) mit blassvioletten, breit glockenförmigen Blüten und längeren, behaarten Griffelresten ist der Italienischen Waldrebe sehr ähnlich[4] und wird auch als Unterart subsp. campaniflora (Brot.) Font Quer ex O.Bolòs & Vigo zu Clematis viticella gestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher Grey-Wilson: Clematis: The Genus: A Comprehensive Guide for Gardeners, Horticulturists and Botanists, B T Batsford, London 2000. ISBN 0-7134-7659-1.
  • David Burnie: Mediterrane Wildpflanzen, Dorling Kindersley, London 2000. ISBN 978-3-8310-1014-1.
  • Friedrich Manfred Westphal: Clematis, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006. ISBN 978-3-440-10765-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Italienische Waldrebe (Clematis viticella) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Clematis viticella L. subsp. viticella bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis..
  2. Clematiswelke - Tipps zur Vermeidung bei Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).
  3. Linnaeus, Carl von. 1753. Species Plantarum 1: 543.
  4. Peter und Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3, S. 300.