Concentus Musicus Wien

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Der Concentus Musicus Wien ist ein Instrumental-Ensemble, das auf die Aufführung Alter Musik spezialisiert ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Originalklangensemble der ersten Stunde hat der Concentus Musicus Wien der historischen Aufführungspraxis und ihrer Erfolgsgeschichte den Weg geebnet. Gegründet wurde das Orchester 1953 von Nikolaus Harnoncourt, der das Ensemble bis 1987 vom Cello aus leitete und bis kurz vor seinem Tod im März 2016 künstlerischer Leiter geblieben war. „Die Musik jeder Epoche kann mit den Klangmitteln ihrer Zeit am lebendigsten dargestellt werden“, lautet Harnoncourts Credo. Mehr als vier Jahre lang verbrachten die Musiker des Ensembles zunächst ausschließlich mit Probenarbeit, feilten am Klangbild und einer adäquaten Interpretation barocker und vorbarocker Werke. 1954 gab das Ensemble sein inoffizielles Debüt mit Monteverdis „Orfeo“ unter Paul Hindemith im Wiener Konzerthaus, und 1957 trat es im Wiener Palais Schwarzenberg erstmals in der Öffentlichkeit auf.

Fortgesetzt wurden die Interpretationen mit jährlichen Konzertzyklen in Wien, Gastspielreisen (ab 1960) und einer Vielzahl von Schallplatteneinspielungen – die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach standen hier am Anfang. Zu den vielen Projekten des Concentus Musicus Wien zählt u. a. die Gesamtaufnahme aller Bachschen Kantaten, die zwischen 1970 und 1990 in Kooperation mit dem Leonhardt-Consort unter Gustav Leonhardt entstand und mit einem Gramophone Award ausgezeichnet wurde.

Auch mit Operneinspielungen und -aufführungen ist das Ensemble hervorgetreten: erwähnt seien zum Beispiel Mozarts Lucio Silla und Il re pastore, Haydns Armida, Purcells Dido and Aeneas zu den Salzburger Festspielen und The Fairy Queen oder Monteverdis L’Orfeo, Castor et Pollux von Jean Philippe Rameau (diese Aufnahme hatte nahezu ähnlich Wirkung wie die Monteverdi-Einspielungen, nämlich eine Art Renaissance dieser Werke) außerdem zahlreiche Oratorien von Georg Friedrich Händel. Zuletzt erschienen die bei der styriarte eingespielte CD mit Haydns Orlando paladino und eine Einspielung von Mozarts Zaide.

Das Repertoire des Concentus Musicus spannt sich heute von der Renaissance bis zu Haydn und Mozart, es umfasst gleichermaßen geistliche und weltliche Werke. In den letzten Jahren unter Nikolaus Harnoncourt erarbeitete sich der Concentus Musicus auch die Werke von Beethoven. So war das letzte Konzert, das der Concentus Musicus unter seiner Leitung spielte, die Missa solemnis.[1]

Konzertmeister in der Nachfolge von Alice Harnoncourt ist Erich Höbarth (* 1956), für den Continuo an Cembalo und Orgel sorgte bis 2010 Herbert Tachezi, danach Stefan Gottfried.

2013 wurde das Ensemble mit dem ECHO Klassik als Orchester des Jahres (Historische Instrumente) geehrt[2].

Als am 5. Dezember 2015 – am Vorabend seines 86. Geburtstages – Nikolaus Harnoncourt seinem Publikum in einem offenen Brief mitteilte, dass seine körperlichen Kräfte eine Absage seiner künftigen Pläne gebieten, verlor der Concentus Musicus seinen Gründer und die Galionsfigur.

Seit dem Rücktritt von Nikolaus Harnoncourt (und seiner Frau Alice – also den letzten beiden Gründungsmitgliedern), liegt die Führung des Concentus Musicus bei Stefan Gottfried (Dirigent, Pianist, Cembalist und langjähriger Assistent von Harnoncourt) gemeinsam mit Erich Höbarth (1. Konzertmeister) und Andrea Bischof (2. Konzertmeisterin).[3]

Während in der Saison von Harnoncourts Rücktritt verschiedene Dirigenten den Concentus Musicus dirigierten (Pablo Heras-Casado, Diego Fasolis, Andrés Orozco-Estrada etc.), wird in Zukunft Stefan Gottfried den Concentus Musicus dirigieren.[4] Unter Stefan Gottfried spielt der Concentus Musicus teilweise wieder klein besetzte Programme aus der Entstehungszeit (Barock: Johann Joseph Fux, Romanus Weichlein, Unico Wilhelm van Wassenaer, Antonio Vivaldi). Aber auch groß besetzte barocke und klassische Programme (H-Moll-Messe, Große Messe in c-Moll, sinfonische Programme etc.), sowie die Weiterentwicklung des Ensembles in Richtung spätklassischer und romantischer Komponisten (Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy,...) stehen auf dem Programm.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. styriarte: Nikolaus Harnoncourt gestaltete bewegende „Missa solemnis“. In: Tiroler Tageszeitung Online. Abgerufen am 26. Februar 2018.
  2. echoklassik.de - Preisträger 2013 (Memento des Originals vom 17. Juni 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.echoklassik.de abgerufen am 6. Oktober 2013
  3. Wilhelm Sinkovicz: Sinkothek live, 7. Dezember 2015
  4. Neuer Concentus-Chef Gottfried: "Aufgeben war keine Option". In: Salzburger Nachrichten. Abgerufen am 23. August 2016 (deutsch).