Conradsdorf

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Conradsdorf
Gemeinde Halsbrücke
Koordinaten: 50° 56′ 50″ N, 13° 22′ 23″ O
Höhe: 374 (322–402) m
Einwohner: 1174 (1990)
Eingemeindung: 1. März 1994
Postleitzahl: 09633
Vorwahl: 03731
Conradsdorf (Sachsen)
Conradsdorf

Lage von Conradsdorf in Sachsen

Kirche Conradsdorf an der Alten Dresdner Straße
Sühnekreuz aus Grillenburger Sandstein an der Kirche Conradsdorf (vgl. Naundorf (Bobritzsch) – große Ähnlichkeit der Steinkreuze)
Conradsdorf, alte Muldenbrücke, 1501 erbaut
Halsbacher Korallenachat Conradsdorf, Ortsgrenze Halsbach

Conradsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen. Die Gemeinde Conradsdorf mit ihren im Jahr 1950 eingemeindeten Ortsteilen Tuttendorf und Falkenberg wurde am 1. März 1994 in die Gemeinde Halsbrücke eingegliedert.

Lage und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nördlich von Freiberg gelegene Conradsdorf zieht sich vom Tal der Freiberger Mulde bei einer Höhe von 322 m ü. NN hinauf bis zur weithin sichtbaren neugotischen Kirche am oberen Ortsende auf 402 m ü. NN. Oberhalb dieser befindet sich die Wasserscheide zur Bobritzsch, an der der Nachbarort Falkenberg liegt. Conradsdorf, etwa zwei Kilometer südöstlich des Kernortes Halsbrücke gelegen, südwestlich an Tuttendorf grenzend, ist an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angeschlossen und überregional über die B 173 sowohl aus Richtung Freiberg als auch aus Richtung Dresden gut erreichbar.

Bis zur Stilllegung der 1890 eröffneten Bahnstrecke Freiberg–Halsbrücke war in Tuttendorf der nächste Bahnhof, heute ist es Freiberg.

Zum Ortsteil Conradsdorf gehören die Siedlungen Kleinsiebenlehn, Hinterhäuser und St. Lorenz Gegentrum im Westen bzw. Nordwesten von Conradsdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des früheren Waldhufendorfes eines Conrad (1334 Cunradisdorf, 1350 Conradisdorf) erfolgte mit der Kolonisation des Freiberger Landes in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Angeblich gehörte das Dorf zum Herrschaftsbereich der Biebersteiner. Bis um 1672 war der Ort Lehnsteil des dortigen Rittergutes, bis das 1548 erwähnte Vorwerk seit 1672 selbst als Rittergut genutzt wurde.[1] Die Grundherrschaft lag in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bei Friedrich von Maltitz, 1550 wird Hans Röhtling, Bürgermeister von Geyer und Annaberg als Lehnsherr genannt und um 1764 der Rat zu Freiberg. Landesherrliche Verwaltungsbezirke von Conradsdorf waren 1445 die Pflege Freiberg und um 1590 bis 1856 das kursächsische bzw. königlich-sächsische Kreisamt Freiberg.[2] Ab 1856 gehörte Conradsdorf zum Gerichtsamt Freiberg und nach Trennung von Justiz und Verwaltung ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Freiberg.[3]

Conradsdorf war eine Hauptstation der Wallfahrer nach dem Kloster Altzella (Cella)[4]. Die neugotische Dorfkirche mit ihrem weithin sichtbaren, die Landschaft beherrschenden spitzen Dachreiter, wurde unter Verwendung des mittelalterlichen Turmchorhauses 1871/72 errichtet. An der Umfassungsmauer des Friedhofes neben dem Eingang zum Kirchhof befindet sich ein Sandsteinkreuz mit eingeritztem Spieß, das als mittelalterliches Mord- oder Sühnekreuzen bekannt ist. Es erinnert angeblich an einen Küster, der einen Kirchenräuber getötet haben soll. Das Kreuz wurde 1937 im Giebel der Pfarrhofscheune entdeckt.

Neben der Landwirtschaft war der Bergbau in früheren Zeiten eine wichtige Erwerbsquelle. Die Grube St. Lorenz Gegentrum, deren Lage heute noch an vielen Halden und Pingen erkennbar ist, war vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis 1780 die bedeutendste Bergbauanlage nordwestlich von Conradsdorf. In den Jahren 1631/32 wurde der Lorenz-Gegentrum-Kunstgraben angelegt. Die Halden nahe der Fuchsmühle zeugen von der Grube Neubeschert Glück, die bis 1813 in Betrieb war. Der „Alte Tiefe Fürstenstolln“ war der wichtigste Freiberger Wasserlösungsstollen seit dem 14. Jahrhundert. Das unter Denkmalschutz stehende Mundloch des Stollens wurde im 17. Jahrhundert angelegt und befindet sich am „Roten Graben“, oberhalb der Freiberger Mulde. Am Mundloch ist das Staatswappen des Kurfürstentums Sachsen noch erkennbar. In der Nähe befindet sich das ebenfalls unter Denkmalschutz gestellte Mundloch des Hauptumbruchs des „Alten Tiefen Fürstenstollns“. Der „Hauptstolln Umbruch“ wurde 1821 bis 1850 erbaut als Ersatz für den „Alten Tiefen Fürstenstolln“. Der zu sehr schönem Schmuck verarbeitbare „Halsbacher Korallenachat“ wurde im Grubenfeld der Schwerspatgrube „Weichelts Hoffnung“, letzter ehemaliger Bergbaubetrieb Conradsdorfs, im Grenzbereich zu Halsbach gefunden.

Die von der Freiberger Mulde getriebene Fuchsmühle, im 18. Jahrhundert auch Ratsmühle genannt, fiel 1908 einem Brand zum Opfer und wurde danach als Blechwarenfabrik neu gebaut. Über die Fluren von Conradsdorf führte die älteste Verbindungsstraße von Freiberg nach Dresden. Die alte Muldenbrücke neben der Betonbrücke wurde 1501 erbaut. Sie ersetzte den hölzernen Steg der ältesten Dresdner Landstraße.

Am 1. Juli 1950 erfolgte die Eingemeindung der Nachbarorte Falkenberg[5] und Tuttendorf[6] nach Conradsdorf. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Conradsdorf im Jahr 1952 zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde und im Jahr 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging. Durch die Eingemeindung der Gemeinde Conradsdorf mit seinen beiden Ortsteilen nach Halsbrücke ist Conradsdorf seit dem 1. März 1994 ein Ortsteil von Halsbrücke.[7]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1551: 15 besessene Mann, 14 Gärtner, 23 Inwohner, 1764: 14 besessene Mann, 20 Gärtner, 29 Häusler, 11 Wüstungen, 22 Hufen je 18 Scheffel[8].

Stand jeweils 31. Dezember:

1834 bis 1925

  • 1834: 599
  • 1871: 861
  • 1890: 1027
  • 1910: 968
  • 1925: 867

1939 bis 1990

  • 1939: 782
  • 1946: 938
  • 1950: 2019
  • 1964: 1639
  • 1990: 1174

Falkenberg und Tuttendorf wurden 1950 Ortsteile von Conradsdorf. Conradsdorf wurde 1994 Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Conradsdorfer Sportverein 61 e.V.
  • Hundesportverein Conradsdorf e.V.
  • Kleingartenverein „An der Mulde e.V.“ Conradsdorf
  • Verein „Conradsdorfer Schützen 1898“ e.V.
  • Heimatfreunde Conradsdorf e.V.
  • CCV Conradsdorfer Carnevalsverein
  • Ortsverein „CFT 825 e.V.“
  • Motorsportverein „Cow-Racing Team e.V.“[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 47). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1988.
  • Gerhard Platz: Goldene Tage, Bilder aus der Freiberger Bergbaugegend. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933
  • Richard Steche: Conradsdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Conradsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Rittergut Conradsdorf auf www.sachsens-schloesser.de
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 72 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Freiberg im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden, Band XXII, Heft 10/12, 1933, Seite 329
  5. Falkenberg auf gov.genealogy.net
  6. Tuttendorf auf gov.genealogy.net
  7. Conradsdorf auf gov.genealogy.net
  8. vgl. Conradsdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  9. Alle Vereine der Gemeinde Halsbrücke auf halsbruecke.de