Geyer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Geyer (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geyer
Geyer
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geyer hervorgehoben
Koordinaten: 50° 37′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Geyer
Höhe: 600 m ü. NHN
Fläche: 18,57 km2
Einwohner: 3582 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 193 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09468
Vorwahl: 037346
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 210
Adresse der
Stadtverwaltung:
Altmarkt 1
09468 Geyer
Webpräsenz: www.stadt-geyer.de
Bürgermeister: Harald Wendler (Die Linke)
Lage der Stadt Geyer im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Lößnitz (Erzgebirge) Lugau (Erzgebirge) Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild

Geyer ist eine Kleinstadt im Erzgebirgskreis des Freistaats Sachsen mit etwa 4000 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Tal des Geyerbaches. Der Ort ist fast vollständig von Wald umgeben. Zum Gemeindegebiet gehört auch der Geyersche Wald. Höchster Punkt des Ortes ist das Geyersche Hochplateau am Fernsehturm Geyer mit etwa 744 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordosten grenzt Ehrenfriedersdorf, im Südosten Tannenberg, im Süden Elterlein, im Westen und Norden Zwönitz an die Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Geyersberg 1859

Geyer wurde 1381 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits Jahrzehnte zuvor war mit dem Bergbau begonnen worden. 1407 erhielt der Ort das kleine Marktrecht und 60 Jahre später wurde der Ort bereits als Stadt erwähnt. 1537 kam es zur Einführung der Reformation. 1564 begann außerhalb des Ortes, in der Nähe des heutigen Greifenbachstauweihers, die Produktion von Arsenik. Auf dem Gelände befindet sich heute die Jugendherberge Hormersdorf.

Der Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter ließ sich 1566 auf dem Lehnhof am Geyersberg nieder und starb dort 1580. 1704 und 1803 ereigneten sich die Bingenstürze die den durch den Bergbau unterhöhlten Untergrund zum Einsturz brachten. 1730 wurde die kursächsische Postmeilensäule vor dem Rathaus am Markt errichtet. 1809 kam der walisische Industrielle Evan Evans nach Geyer und errichtete ein Spinnereigebäude. 1865 wurde die städtische Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1887 wurde eine Dynamitfabrik errichtet. Die erste Hochdruckwasserleitung wurde 1894 in Betrieb genommen und 1897 wurde erstmals der Ort mit Elektrizität versorgt. Mit dem Greifenbachviadukt wurde die größte Schmalspurbahnbrücke Deutschlands in Betrieb genommen.

Durch Blitzschlag brannte am 13. Juli 1914 das Rathaus am Marktplatz nieder.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1900

  • 1551 –0247 besessene Mann, 83 Inwohner (etwa 1300 Einwohner)
  • 1697 –0727 Erwachsene
  • 1748 –0174 besessene Mann (etwa 850 Einwohner)
  • 1779 –0818 Einwohner über 10 Jahre
  • 1834 – 2.011
  • 1871 – 4.143
  • 1890 – 5.305

1901 bis 1989

  • 1910 – 6.451
  • 1925 – 6.435
  • 1939 – 6.451
  • 1946 – 6.085
  • 1950 – 6.971
  • 1962 – 6.293

1990 bis 1999

  • 1990 – 4.596 (3.10.)
  • 1993 – 4.603
  • 1994 – 4.578
  • 1995 – 4.555
  • 1996 – 4.555
  • 1997 – 4.523
  • 1998 – 4.482
  • 1999 – 4.459

2000 bis 2007

  • 2000 – 4.372
  • 2001 – 4.295
  • 2002 – 4.260
  • 2003 – 4.189
  • 2004 – 4.153
  • 2005 – 4.086
  • 2006 – 4.034
  • 2007 − 3.980

ab 2009

  • 2009 – 3.887
  • 2012 – 3.724
  • 2013 – 3.686
Quelle bis 1989: Digitales historisches Ortsverzeichnis Sachsen, Quelle ab 1990: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (Stand jeweils zum 31.12. des voranstehenden Jahres)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[2]
Wahlbeteiligung: 57,5 % (2009: 55,1 %)
 %
40
30
20
10
0
38,3 %
24,0 %
31,7 %
6,0 %
FWBF
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,5 %p
-5,5 %p
+4,3 %p
+0,8 %p
FWBF

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 6 Sitze
  • FWBF: 5 Sitze
  • LINKE: 4 Sitze
  • NPD: 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harald Wendler wurde im März 2011 zum Nachfolger des verstorbenen Joachim Weiß (CDU) gewählt.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

99 534 in Geyer
Wachtturm
Binge von Geyer im Winter
Altmarkt

Bahnhofsgelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände erinnert die Dampflok der Sächsischen Baureihe IV K 99 1534-9 an die Geschichte der Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf. Am ehemaligen Lokschuppen steht sie auf einem kurzen Gleisstück zusammen mit ein paar Wagen. Im Lokschuppen gibt es eine Ausstellung zur Schmalspurbahn zu besichtigen.

Turmmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der St. Laurentiuskirche (in der sich eine sehenswerte Ölberggruppe des Meister des Altars von Geyer befindet), etwas erhöht und daher das Stadtbild deutlich prägend, steht der 42 Meter hohe Wachtturm. 1395 als Wehrturm errichtet, bot er als Fluchtburg den Einwohnern einst Schutz in Kriegszeiten. In den Jahren 1561–1564 bekam der Turm seinen achteckigen Aufbau. Dort erhielten die Kirchenglocken ihren Platz und eine Türmerfamilie fand Wohnraum. Auf Initiative von Geyerschen Bürgern entstand 1952 in diesem historischen Gebäude eines der schönsten und höchsten Turmmuseen Deutschlands. In sieben Etagen können nahezu 1000 Sachzeugen der Berg- und Stadtgeschichte besichtigt werden.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler in Geyer und Umgebung sind die Binge, ein alter Bergsturz, der Greifenbachstauweiher und die Greifensteine.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Rohstoff AG stellte in den letzten Jahren große Vorräte an Zinn fest; eine zukünftige Förderung ist aber umstritten.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1895 Fürst Otto von Bismarck (1815–1898), Gründer und erster Kanzler des Deutschen Reiches
  • 1924 Karl Demmler (1841–1930), führender sozialdemokratischer Politiker in Geyer

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adam Ries (1492–1559), Rechenmeister, wirkte 1533–1539 als Zehntner im Bergamt zu Geyer
  • Hieronymus Lotter (1497–1580), erster Oberbaumeister des Schlosses Augustusburg, verstarb am 22. Juli 1580 in Geyer („Lotterhof“)
  • Evan Evans (1765–1844), englischer Maschinenbauer, Erbauer der Spinnerei Siebenhöfen,
  • Eli Evans (1805–1882), Unternehmer in Siebenhöfen und Politiker, MdL, MdNV
  • Gustav Zschierlich (1837–1925), Farbenwerksbesitzer in Geyer und konservativer Politiker, MdL*
  • Hermann Lungwitz (1845–1927), Oberlehrer in Geyer und Heimatforscher
  • Eric Frenzel (* 1988), Nordischer Kombinierer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Zwickauer Mulde und Geyerschem Wald (= Werte unserer Heimat. Band 31). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1978.
  • Geyer. In: Max Grohmann: Das Obererzgebirge und seine Städte. S. 1–15 des 7. Kapitels, Graser, Annaberg 1903
  • Friedrich Gustav Blüher: Geschichte der Kirchen-Reformation in der Bergstadt Geyer, Leipzig 1844 (Digitalisat)
  • Johannes Falke: Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden 1866 (Digitalisat)
  • Hans Lungwitz: Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte. Buchhandlung Otto Stopp, Geyer/Annaberg 1900 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Geyer. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 4. Heft: Amtshauptmannschaft Annaberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 74.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  3. https://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/ANNABERG/Wendler-auf-Anhieb-zum-Buergermeister-gewaehlt-artikel7623067.php#
  4. Riesiger Zinnschatz im Erzgebirge entdeckt. welt.de vom 30. August 2012, abgerufen am 30. August 2012