Geyer

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geyer
Geyer
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geyer hervorgehoben
Koordinaten: 50° 37′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Geyer
Höhe: 600 m ü. NHN
Fläche: 18,57 km2
Einwohner: 3554 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 191 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09468
Vorwahl: 037346
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 210
Adresse der
Stadtverwaltung:
Altmarkt 1
09468 Geyer
Webpräsenz: www.stadt-geyer.de
Bürgermeister: Harald Wendler (Die Linke)
Lage der Stadt Geyer im Erzgebirgskreis
SachsenAmtsbergAnnaberg-BuchholzAueAuerbach (Erzgebirge)Bad SchlemaBärenstein (Erzgebirge)Lauter-BernsbachBockauBörnichen/Erzgeb.Breitenbrunn/Erzgeb.BurkhardtsdorfCrottendorfDeutschneudorfDrebachEhrenfriedersdorfEibenstockElterleinGelenau/Erzgeb.GeyerGornau/Erzgeb.GornsdorfGroßolbersdorfGroßrückerswaldeGrünhain-BeierfeldGrünhainichenHeidersdorfHohndorfJahnsdorf/Erzgeb.JohanngeorgenstadtJöhstadtKönigswaldeLauter-BernsbachLößnitz (Erzgebirge)Lugau (Erzgebirge)MarienbergMildenauNeukirchen/Erzgeb.Niederdorf (Sachsen)NiederwürschnitzOberwiesenthalOelsnitz/Erzgeb.OlbernhauPockau-LengefeldRaschau-MarkersbachScheibenbergSchlettauSchneeberg (Erzgebirge)SchönheideSchwarzenberg/Erzgeb.SehmatalSeiffen/Erzgeb.Stollberg/Erzgeb.StützengrünTannenbergThalheim/Erzgeb.Thermalbad WiesenbadThumWolkenstein (Erzgebirge)ZschopauZschorlauZwönitzKarte
Über dieses Bild

Geyer ist eine Kleinstadt im Erzgebirgskreis des Freistaats Sachsen mit etwa 4000 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name und geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name wird von dem Greifvogel hergeleitet, der mittelhochdeutsch „gir“ (Geier) war. Im Jahr 1395 wurde der Ort „zum Gire“, 1446 „Gyer“ und 1490 „vff dem Geyr“ genannt.[2] Die Stadt liegt im Mittleren Erzgebirge im Tal des Geyerbachs, der in Tannenberg in die Zschopau mündet. Der Ort ist fast vollständig von Wald umgeben. Zum Gemeindegebiet gehört auch der Geyersche Wald. Höchster Punkt des Ortes ist das Geyersche Hochplateau am Fernsehturm Geyer mit etwa 744 m ü. NN. Bekannt ist Geyer unter anderem durch die Geyersche Binge am Geyersberg. Diese Pinge steht seit 1935 unter Naturschutz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordosten grenzt Ehrenfriedersdorf, im Südosten Tannenberg, im Süden Elterlein, im Westen und Norden Zwönitz an die Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Geyersberg 1859
St. Laurentius Kirche und Wachtturm

Geyer wurde 1381 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits Jahrzehnte zuvor war um 1315 mit dem Bergbau begonnen worden. Im Jahr 1395 wurde der Wehrturm errichtet. Geyer erhielt 1407 das kleine Marktrecht, 1453 das Braurecht und 1467 wurde der Ort bereits als Stadt erwähnt. Das erste Rathaus von Geyer entstand 1496. Im Jahr 1537 kam es zur Einführung der Reformation in Geyer. Der sächsische Kurfürst August I. von Sachsen schenkte der Stadt Geyer zwischen 1553 und 1586 einen Großteil seines Waldes. 1564 begann außerhalb des Ortes, in der Nähe des heutigen Greifenbachstauweihers, die Produktion von Arsenik. Auf dem Gelände befindet sich heute die Jugendherberge Hormersdorf. Der Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter ließ sich 1566 auf dem Lehnhof am Geyersberg (Lotterhof)[3] nieder und starb dort im Jahr 1580. Die Schwefel- und Vitriolhütte von Geyer wurde erstmals im Jahr 1581 erwähnt.

1704 und 1803 ereigneten sich die Bingenstürze, die den durch den Bergbau unterhöhlten Untergrund des Geyersbergs zum Einsturz brachten. 1730 wurde die kursächsische Postmeilensäule vor dem Rathaus am Markt errichtet. 1809 kam der walisische Industrielle Evan Evans nach Geyer und errichtete ein Spinnereigebäude. 1812 baute Evans in der zu Tannenberg gehörigen Siedlung Siebenhöfen eine Baumwollspinnerei. Nach seinem Tod im Jahr 1844 übernahm sein Sohn Eli Evans (1805–1882) das Unternehmen. Seine Schüler entwickelten die Technik der Textilindustrie in Sachsen weiter.

Die Grundherrschaft über Geyer lag bis ins 19. Jahrhundert beim Rat der Stadt Geyer. Die Bergstadt Geyer gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Wolkenstein.[4] Ab 1856 war Geyer Hauptort des Gerichtsamts Geyer. Ab 1875 gehörte die Stadt zur Amtshauptmannschaft Annaberg.[5] Im Jahr 1845 erfolgte die Weihe des zweiten Rathauses. Nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1854, bei dem 100 Häuser abbrannten, erfolgte in den Jahren 1861/62 die Errichtung der Bürgerschule und 1864 die Weihe des dritten Rathauses. 1865 wurde die städtische Freiwillige Feuerwehr gegründet und 1887 eine Dynamitfabrik errichtet. Die erste Hochdruckwasserleitung wurde 1894 in Betrieb genommen und ab 1897 erfolgte die Versorgung des Orts mit Elektrizität. Im Jahr 1888 bekam Geyer als Endpunkt der Schmalspurbahn von Schönfeld–Wiesa einen Haltepunkt und einen Endbahnhof. Im Jahr 1906 erfolgte der Weiterbau zum Bahnhof Thum, der betrieblicher Mittelpunkt des Schmalspurbahnnetzes war. Mit dem Greifenbachviadukt wurde im Jahr 1906 die größte Schmalspurbahnbrücke Deutschlands in Betrieb genommen. Durch Blitzschlag brannte am 13. Juli 1914 das dritte Rathaus am Marktplatz nieder. Erst 1920 erfolgte die Weihe des vierten Rathauses.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Stadt Geyer im Jahr 1952 zum Kreis Annaberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Annaberg fortgeführt wurde und 2008 im Erzgebirgskreis aufging. Ebenfalls 1952 erfolgte die Eröffnung des Turmmuseums im städtischen Wachtturm. 1953 wurde die Auferstehungskirche fertiggestellt. Mit der Einstellung des Schienenverkehrs auf dem Abschnitt Schönfeld-Wiesa–Geyer–Thum endete am 15. August 1967 die Zeit der Schmalspurbahn in Geyer. Der 192,85 m hohe Fernsehturm des Senders Geyer wurde von 1972 bis 1973 von der Deutschen Post der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) errichtet.

Nach der Wende erfolgte im Jahr 1992 die Errichtung des Gewerbegebiets und im Jahr 1993 die Rückübertragung des Geyerschen Walds an die Stadt Geyer. Das Huthaus an der Binge wurde 1994 errichtet. 1998 erfolgte die Eröffnung des Freizeitbads Greifensteine. Im Jahr 2006 wurde die Mittelschule Geyer geschlossen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1900

  • 1551 –0247 besessene Mann, 83 Inwohner (etwa 1300 Einwohner)
  • 1697 –0727 Erwachsene
  • 1748 –0174 besessene Mann (etwa 850 Einwohner)
  • 1779 –0818 Einwohner über 10 Jahre
  • 1834 – 2.011
  • 1869 - 4.260 [6]
  • 1871 – 4.143
  • 1890 – 5.305

1901 bis 1989

  • 1910 – 6.451
  • 1925 – 6.435
  • 1939 – 6.451
  • 1946 – 6.085
  • 1950 – 6.971
  • 1962 – 6.293

1990 bis 1999

  • 1990 – 4.596 (3.10.)
  • 1993 – 4.603
  • 1994 – 4.578
  • 1995 – 4.555
  • 1996 – 4.555
  • 1997 – 4.523
  • 1998 – 4.482
  • 1999 – 4.459

2000 bis 2007

  • 2000 – 4.372
  • 2001 – 4.295
  • 2002 – 4.260
  • 2003 – 4.189
  • 2004 – 4.153
  • 2005 – 4.086
  • 2006 – 4.034
  • 2007 − 3.980

ab 2009

  • 2009 – 3.887
  • 2012 – 3.724
  • 2013 – 3.686
Quelle bis 1989: Digitales historisches Ortsverzeichnis Sachsen, Quelle ab 1990: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen (Stand jeweils zum 31.12. des voranstehenden Jahres)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 57,5 % (2009: 55,1 %)
 %
40
30
20
10
0
38,3 %
24,0 %
31,7 %
6,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+0,5 %p
-5,5 %p
+4,3 %p
+0,8 %p
    
Insgesamt 16 Sitze

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harald Wendler wurde im März 2011 zum Nachfolger des verstorbenen Joachim Weiß (CDU) gewählt.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

99 534 in Geyer
Wachtturm
Binge von Geyer im Winter
Altmarkt

Bahnhofsgelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände erinnert die Dampflok der Sächsischen Baureihe IV K 99 1534-9 an die Geschichte der Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf. Am ehemaligen Lokschuppen steht sie auf einem kurzen Gleisstück zusammen mit ein paar Wagen. Im Lokschuppen gibt es eine Ausstellung zur Schmalspurbahn zu besichtigen.

Turmmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der St. Laurentiuskirche (in der sich eine sehenswerte Ölberggruppe des Meister des Altars von Geyer befindet), etwas erhöht und daher das Stadtbild deutlich prägend, steht der 42 Meter hohe Wachtturm. 1395 als Wehrturm errichtet, bot er als Fluchtburg den Einwohnern einst Schutz in Kriegszeiten. In den Jahren 1561–1564 bekam der Turm seinen achteckigen Aufbau. Dort erhielten die Kirchenglocken ihren Platz und eine Türmerfamilie fand Wohnraum. Auf Initiative von Geyerschen Bürgern entstand 1952 in diesem historischen Gebäude eines der schönsten und höchsten Turmmuseen Deutschlands. In sieben Etagen können nahezu 1000 Sachzeugen der Berg- und Stadtgeschichte besichtigt werden.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmäler in Geyer und Umgebung sind die Binge, ein alter Bergsturz, der Greifenbachstauweiher und die Greifensteine.

Heimatliederweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 existiert im Geyerschen Wald ein Heimatliederweg mit 19 Tafeln auf zwei Routen. Die Liedertafeln mit Liedern in erzgebirgischer Mundart wurden vom Erzgebirgszweigverein Geyer aufgestellt.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Rohstoff AG stellte in den letzten Jahren große Vorräte an Zinn fest; eine zukünftige Förderung ist aber umstritten.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Zwickauer Mulde und Geyerschem Wald (= Werte unserer Heimat. Band 31). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1978.
  • Geyer. In: Max Grohmann: Das Obererzgebirge und seine Städte. S. 1–15 des 7. Kapitels, Graser, Annaberg 1903
  • Friedrich Gustav Blüher: Geschichte der Kirchen-Reformation in der Bergstadt Geyer, Leipzig 1844 (Digitalisat)
  • Johannes Falke: Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden 1866 (Digitalisat)
  • Hans Lungwitz: Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte. Buchhandlung Otto Stopp, Geyer/Annaberg 1900 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Geyer. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 4. Heft: Amtshauptmannschaft Annaberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 74.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 65
  3. Webseite über den Lotterhof in Geyer
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 68 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Annaberg im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Alphabetisches Taschenbuch sämmtlicher Ortschaften des Königreichs Sachsen [1]
  7. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  8. https://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/ANNABERG/Wendler-auf-Anhieb-zum-Buergermeister-gewaehlt-artikel7623067.php#
  9. Webseite des Erzgebirgszweigvereins Geyer
  10. Riesiger Zinnschatz im Erzgebirge entdeckt. welt.de vom 30. August 2012, abgerufen am 30. August 2012