Cuno-Kraftwerk

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Cuno-Kraftwerk
Das Cuno-Kraftwerk in Herdecke mit den ehemals denkmalgeschützten Kesselhäusern
Das Cuno-Kraftwerk in Herdecke mit den ehemals denkmalgeschützten Kesselhäusern
Lage
Cuno-Kraftwerk (Nordrhein-Westfalen)
Cuno-Kraftwerk
Koordinaten 51° 24′ 1″ N, 7° 24′ 28″ OKoordinaten: 51° 24′ 1″ N, 7° 24′ 28″ O
Land Deutschland
Gewässer Harkortsee, Ruhr
Daten
Typ Heizkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle, Erdgas (nur 1970–1982), Sekundärbrennstoffe (ab 2001)
Leistung Block H2: 90 Megawatt (ab 1962)
Eigentümer Elektromark
Betreiber Elektromark
Betriebsaufnahme 1908
Stilllegung 2004
Turbine Dampfturbinen
Kessel 4 Kohlenstaubkessel (ab 1927)
Feuerung Kohlen-Staubfeuerung, Schmelzkammerfeuerung
Schornsteinhöhe 220 m

Das Cuno-Kraftwerk war ein Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung, das seit 1908 betrieben wurde. Es befindet sich in Herdecke an der hier zum Harkortsee aufgestauten Ruhr und hebt sich deutlich vor dem bewaldeten Ardeyhang ab. Der 220 m hohe, oft nur kurz „Cuno“ genannte Schornstein ist weithin sichtbar und gilt Autofahrern auf der A 1 als neuzeitliches Wahrzeichen Herdeckes.[1] 2005 wurden ab Mai große Teile des Kraftwerks abgerissen, um Platz für ein an selber Stelle zu errichtendes GuD-Kraftwerk zu schaffen.

Das Cuno-Kraftwerk wurde nach dem damaligen Hagener Bürgermeister Willi Cuno benannt, der das regionale Energieunternehmen „Elektromark“ mitgegründet hat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abriss des alten Cuno-Kraftwerks im Mai 2005
Ansicht des GuD-Kraftwerks

Das Herdecker Kraftwerk war 1908 das erste Werk der Elektromark und die Kraftwerksanlage war eine der ersten reinen Dampf-Turbinenanlagen, die seit Beginn auch mit deutscher Steinkohle aus dem nahen Ruhrgebiet arbeitete. In den Zwanziger Jahren galt das Werk wegen seines damals als besonders hoch eingeschätzten Wirkungsgrades von rund 25 Prozent sogar europaweit als vorbildhaft.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde von Klaus Thormaehlen für diesen Standort die Kohlen-Staubfeuerung entwickelt und die ersten vier Kohlenstaubkessel wurden 1927 erfolgreich in Betrieb genommen.

1932 wurde dann im Cuno-Kraftwerk die erste Schmelzkammerfeuerung Deutschlands eingeweiht. Mehrere Erweiterungen und Modernisierungen erfolgten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der neue „Block H2“ lieferte seit dem 3. Dezember 1962 mit einer Netto-Leistung von 90 MW elektrische Leistung aus Steinkohle. Doch 1970 wurde die Feuerung auf Erdgas umgestellt, weil der Brennstoff Kohle zuvor sehr teuer geworden war.

1982, genau zur Zeit der breiten öffentlichen Diskussion um Sauren Regen und Waldsterben, erfolgte die Rückumstellung auf Kohle, die vor Ort wegen der schädlicheren Emissionen damals sehr umstritten war. Wegen der erneuten Kohleverfeuerung und der verschärften Gesetzeslage wurde der Bau des rund 220 Meter hohen Schornsteins notwendig, der seitdem das Landschaftsbild prägt. Zum Anfahren der Turbine wurde über eine Pipeline bezogenes Erdgas oder, im Falle einer Versorgungsunterbrechung, Erdöl, das in zwei Tanks lokal vorgehalten wurde, genutzt. Ab 1983 lieferte der Block H2 auch Fernwärme für Herdecker Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Privathaushalte.

Nach anhaltenden starken Protesten unter anderem von Bürgerinitiativen ging dann 1988 eine zu dieser Zeit sehr moderne Rauchgas-Entschwefelungsanlage (REA) in Betrieb, die etwa 90 % der im Rauchgas enthaltenen Schwefeldioxide herausfilterte. Die REA arbeitete in Kombination mit Elektrofiltern und Entstickungs-Anlagen.

Nachdem das Kraftwerk gegen Ende 90er Jahre seine wirtschaftliche Lebensdauer erreicht hatte, wurde es noch für einige Jahre jahreszeiten- und verbrauchsabhängig betrieben. Zuletzt, ab 2001, wurden zwecks Kostensenkung mit Sondergenehmigungen auch Sekundärbrennstoffe, wie beispielsweise Tiermehl und testweise Teppichreste, verfeuert.

Am 5. März 2004 erzeugte der steinkohlegefeuerte Block H2 (Pelektrisch = 86 MW, Pthermisch = 25 MW) im Cuno-Heizkraftwerk offiziell seine letzte Kilowattstunde, wurde für eine Übergangsperiode als Kaltreserve vorgehalten und wurde dann 2005 abgerissen. Insgesamt lieferte der Block H2 seit 1962 etwa 17,5 Millionen MWh elektrische Energie. Im Spätsommer 2004 wurde zur Aufrechterhaltung der Fernwärmeversorgung nach Schließung des Hauptblocks ein Erdgas-Blockheizkraftwerk, bestehend aus zwei Deutz 20-Zylinder-Erdgasmotoren und zwei Dampfkesseln, in Betrieb genommen.

Um die für das Genehmigungsverfahren für ein neues 400 MW-Gaskraftwerk am gleichen Standort erforderlichen Freiflächen nachweisen zu können, wurden ab Mai 2005 alle außer den denkmalgeschützten Gebäuden abgerissen. Um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen, muss die neue Anlage bereits 2007 betriebsbereit sein. Bis auf den Block H2 und die denkmalgeschützten Teile wurde die vorhandene Anlage bereits 1998/1999 für einen damals diskutierten Neubau, der nicht realisiert wurde, entkernt.

Denkmalschutz und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Backsteinfassaden der alten Kesselhäuser VI und VII standen bis zur Rücknahme seitens der oberen Denkmalbehörde in Münster im Februar 2006 als Industriedenkmale unter Denkmalschutz. Begründet wurde die Aufhebung des Denkmalschutzes mit wirtschaftlicher Unzumutbarkeit für das Unternehmen. Im Rahmen der Route der Industriekultur waren die Gebäude auch eine touristische Attraktion im Ruhrtal. Mit der Anweisung zur Denkmalschutzaufhebung ist die Einrichtung einer kleinen, öffentlich zugänglichen Dokumentation/Informationsstätte zur Geschichte der Energienutzung am Standort verbunden. Diese ist auch Teil des Energiewirtschaftlichen Wanderwegs Herdecke.

Nirgendwo anders zu sehen war der Typ des Schrägaufzuges, der das Werk mit dem höher am Ardeyhang gelegenen Güterbahn-Gleisanschluss verband, eine Konstruktion von MAN. Der Schrägaufzug für Kohle-Güterwaggons wurde ebenfalls im Mai 2005 abgerissen, obwohl er einzigartig in Deutschland war.

Der rund 220 Meter hohe Schornstein steht nicht unter Denkmalschutz, jedoch befindet sich in etwa 80 m Höhe ein Nistkasten für Wanderfalken, in dem nach erfolgreicher Wiederansiedelung schon mehrere Generationen Nachwuchs aufgezogen haben. Die an- und abfliegenden Vögel können hier zur Brutzeit vom Boden aus gut mit Feldstechern beobachtet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anschrift: Mark-E Aktiengesellschaft, Cuno-Heizkraftwerk Herdecke, Wetterstraße 111, 58313 Herdecke
  • ÖPNV: Haltestelle „E.-Werk-Mark“, Herdecke

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Kessler: Cuno im Wandel - Ein Kraftwerksstandort verändert sein Gesicht. - Artikel in: Herdecker Blätter, Heft 23 (Januar 2006), Seiten 16–23
  • Willi Creutzenberg: "Nehmt Rücksicht! Baut hohe Kamine! - Schlaglichter aus der hundertjährigen Geschichte des Cuno-Kraftwerks in Herdecke". - Teil 1 in: Herdecker Blätter, Heft 24 (Dezember 2006), S. 22–31
  • Willi Creutzenberg: "Nehmt Rücksicht! Baut hohe Kamine! - Schlaglichter aus der hundertjährigen Geschichte des Cuno-Kraftwerks in Herdecke". - Teil 2 in: Herdecker Blätter, Heft 25 (Dezember 2007), S. 6–15

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cuno-Kraftwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von Klaus Görzel: Cuno ragt nutzlos in die Höhe. Abgerufen am 21. September 2017.