Siemens ES64P

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Siemens UR-EuroSprinter
127 001 im AW Dessau
127 001 im AW Dessau
Nummerierung: ES 64 P 001
127 001
ES01
Anzahl: 1
Hersteller: Siemens Transportation Systems, Krauss-Maffei
Baujahr(e): 1992
Achsformel: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 19,28 m
Dienstmasse: 86 t
Radsatzfahrmasse: 21,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Dauerleistung: 6400 kW / 7200 kW
Anfahrzugkraft: 300 kN
Stromsystem: 15 kV, 16⅔ Hz
Stromübertragung: Oberleitung
Anzahl der Fahrmotoren: 4
Antrieb: Gummigelenkhohlwellen-Antrieb
Bremse: Knorr-Bremse mit Einheitswirkung KE-GPR mZ EP, innenbelüftete Scheibenbremsen
Zugbeeinflussung: PZB, LZB

Die Siemens ES64P ist eine Lokomotive für den schweren Güterzugverkehr sowie für den schnellen Reiseverkehr. Sie ist der Prototyp der Siemens ES64 EuroSprinter-Familie und war als Erprobungsträger für neue Komponenten und umweltfreundliche Materialien bei der Deutschen Bahn als 127 001 im Einsatz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prototyp 127 001 wurde zur Erprobung der modernen Drehstromtechnik in Elektrolokomotiven hergestellt und kann daher als „Urmutter“ der aktuellen Siemens-Drehstromlokomotiven bezeichnet werden. Mit einer Geschwindigkeit von 310 km/h stellte die 127 001 am 6. August 1993 auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg zwischen Würzburg und Fulda einen neuen Weltrekord für Drehstromlokomotiven auf.[1]

Die Lokomotive wurde nach Ende der Versuchsfahrten zur Präsentation der Leistungsfähigkeit zu Demonstrationsfahrten im europäischen Ausland, unter anderem in Norwegen, Schweden und der Schweiz genutzt, anschließend folgte der Einsatz vor Reisezügen der Deutschen Bahn. 2002 erfolgte die Eingliederung in den Dispolok-Pool, was mit einer Änderung der Farbgebung der Führerstände von Rot in das Dispolok-übliche Gelb einherging. Seit dem Jahr 2009 wird die Lokomotive im Bestand des Prüfcenter Wegberg-Wildenrath als PCW 8 geführt. Sie wird vor allem für Überführungsfahrten von für ausländische Betreiber bestimmten Lokomotiven und Triebwagen eingesetzt, die nicht für das deutsche 15-kV-System ausgelegt oder nicht zugelassen sind.

Einsatz im Ausland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der 127 001 wurden zahlreiche Varianten abgeleitet, die im europäischen Ausland tätig sind:

Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellas-Sprinter I 564, auf als Hilfs­dreh­ge­stel­len ge­nutz­ten preu­ßi­schen Re­gel­dreh­ge­stel­len. Die Ma­schi­ne mit dem ver­bli­chen­en An­strich trägt we­der eine UIC-Num­mer noch Re­vi­sions­an­schrif­ten.

Bei der griechischen Organismos Sidirodromon Ellados (OSE) sind 30 Lokomotiven dieses Typs als Reihe 120 und einzige griechische Elektrolokomotivbauart im Dienst. Die Maschinen sind weitgehend mit der 127 001 identisch, allerdings für 25 kV mit 50 Hz Wechselspannung ausgelegt, außerdem haben sie nur eine Leistung von 5000 kW.

Die ersten sechs Exemplare wurden bereits 1996 bestellt und als I 561 bis I 566 abgeliefert. 1997 wurden weitere 24 Lokomotiven, die jetzt als 120 007 bis 030 bezeichnet werden, bestellt. Diese wurden nach einigen Verzögerungen erst von 2000 bis 2002 ausgeliefert. Die in Griechenland angekommenen Maschinen konnten jahrelang kaum eingesetzt werden, weil der Ausbau der Elektrifizierung nur stockend verlief und weil der der Verkehrsumfang auf der als erstes elektrifizierten Strecke Thessaloníki–Idomeni und weiter Richtung Mazedonien aufgrund der politischen Differenzen zwischen Griechenland und Mazedonien durch griechische Embargomaßnahmen um die Jahrtausendwende einen Tiefpunkt erreicht hatte. Einige Maschinen hatten noch 2016 weder UIC-EDV-Nummern noch Revisionsanschriften erhalten, die nicht eingesetzten sind mit inzwischen verwittertem Lack im Bw Thessaloniki abgestellt.

Spanien und Portugal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der deutschen Baureihe 120.1 wurden die Baureihen 252 der spanischen Red Nacional de los Ferrocarriles Españoles (RENFE) und 5600 der portugiesischen Comboios de Portugal (CP) abgeleitet. Die ersten 15 Lokomotiven für die RENFE wurden bereits 1989 bestellt und 1991 regelspurig ausgeliefert, also bevor der eigentliche Prototyp entstanden ist. Dieser wurde 1992 mit wenigen Änderungen als 16. Exemplar nach dem Bau der 252 für Spanien mit einer auf 6400 kW gesteigerten Leistung gebaut. Die Serienlokomotiven sind wegen der geforderten Zweisystemfähigkeit etwas länger als dieser Prototyp (20 380 Millimeter) und verfügen über klimatisierte Führerstände, ihre Leistung beträgt 5600 kW. Sie können unter 3 kV Gleich- und 25 kV Wechselspannung eingesetzt werden. Von den spanischen Herstellern CAF und GATSA wurden weitere 15 bzw. 45 Exemplare in Lizenz gebaut, allerdings für iberische Breitspur und teilweise ohne Wechselspannungsausrüstung. Die für beide Spannungen ausgelegten Maschinen wurden bei der RENFE bedarfsweise auf Regel- oder Breitspur umgespurt, zuletzt betraf das Maschinen für den regelspurigen Güterzugdienst zwischen Barcelona und Frankreich. Für diese Dienste mussten die betroffenen Maschinen zusätzlich für den Betrieb mit 1,5 kV tauglich gemacht werden.

Die 30 portugiesischen Lokomotiven sind mit den spanischen weitgehend identisch und ebenfalls breitspurig, jedoch sind sie nur für den Betrieb mit 25 kV Wechselspannung ausgelegt. Sie wurden in Lizenz durch den portugiesischen Hersteller Sorefame gebaut.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Siemens ES 64 P – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weltrekord für Drehstromlok. In: Die Deutsche Bahn. Nr. 9/10. Darmstadt 1993, S. 723. ISSN 0007-5876