DDR-Rundfahrt 1952

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Die DDR-Rundfahrt 1952 fand vom 20. bis 28. September statt. Das Etappenrennen wurde zum vierten Mal ausgetragen. In der Einzelwertung gewann der Berliner Erich Schulz; in der Mannschaftswertung siegte die erste Mannschaft der Sportvereinigung Einheit.

Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Sonnabend, dem 20. September 1952, nahmen 105 Fahrer in Ost-Berlin das Rennen auf. Sie kamen aus folgenden jeweils fünf Starter umfassenden 21 Mannschaften: Industriebezirk Dortmund I und II, die Sportvereinigungen Aktivist, Aufbau, Chemie, Einheit I, II und III, Empor, Fortschritt, Lokomotive, Motor I und II, Post, Rotation I und II, Stahl, Traktor, Turbine, Volkspolizei und Wismut. Die im Vorjahr noch beteiligten Mannschaften aus der Tschechoslowakei und Ungarn nahmen 1952 nicht wieder teil. Erstmals konnte „Täve“ Schur bei dieser Landesrundfahrt eine Etappe gewinnen.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckenverlauf

Die Rundfahrt hatte eine Länge von 1539 Kilometern, war in acht Etappen unterteilt und berührte zwölf der vierzehn DDR-Bezirke. Start und Ziel war in Ost-Berlin. Die erste Etappe von Berlin nach Stralsund war mit 235 Kilometern der längste Tagesabschnitt. Am kürzesten war die Zeitfahretappe mit 67 Kilometern von Chemnitz nach Dresden. Auf der vierten Etappe von Magdeburg nach Erfurt musste der Kyffhäuser überquert werden, die Teilstücke Leipzig – Chemnitz und Chemnitz – Dresden führten die Fahrer durch das bergige Vogtland und das Erzgebirge.

Rennverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horst Bräunlich (rechts) bei der DDR-Rundfahrt 1952

Die Rundfahrt wurde zu einem Zweikampf zwischen dem Favoriten Erich Schulz von der Sportvereinigung Post und dem Kapitän der zweiten Mannschaft der SV Einheit Walter Nickel. Zunächst schien alles für Nickel zu sprechen. Er eroberte sich mit einem Sprintsieg über Schulz auf der ersten Etappe das Gelbe Trikot und verteidigte es bis zum sechsten Tagesabschnitt. Die Wende kam auf der von den Fahrern später als schwerste Strecke bezeichnete sechsten Etappe. Nach 150 Kilometern erlitt Nickel einen Schwächeanfall, in dessen Folge er zwei Minuten hinter die Fahrergruppe zurückfiel, in der sich sein Kontrahent Erich Schulz befand. Zudem beging sein Teamkollege Jährling einen taktischen Fehler, als er in der Spitzengruppe mit Schulz Führungsarbeit leistete.[1] Obwohl Schulz in Chemnitz nur mit einer zweiten Verfolgergruppe eintraf, hatte er gegenüber Nickel soviel Zeit gut gemacht, dass er nun die Gesamtwertung mit gut 50 Sekunden vor Nickel anführte. Beim Zeitfahren am folgenden Tag gelang es Schulz, Nickel weitere zwei Minuten abzunehmen, sodass er die Schlussetappe nach Berlin mit einem Vorsprung von fast drei Minuten in Angriff nehmen konnte. Da es Nickel nicht gelang, seinen Kontrahenten abzuschütteln, kamen beide mit dem Hauptfeld ins Ziel, und Erich Schulz wurde Gesamtsieger der Rundfahrt.

In der Mannschaftswertung setzte sich die erste Mannschaft der Sportvereinigung Einheit durch. Zwar lag zum Tourbeginn die SV Motor I vorne, doch diese fiel auf der vierten Etappe weit zurück. Danach sah es lange nach einem Zweikampf zwischen Einheit I und II aus, ehe auch Einheit II auf der siebten Etappe ins Mittelfeld zurückfiel. Zu diesem Zeitpunkt hatte Einheit I bereits einen Vorsprung von über 16 Minuten gegenüber dem neuen Zweiten SV Rotation I. Diesen Vorsprung konnten die Einheit-Fahrer bis zum Schluss auf 30:14 Minuten ausbauen.

Etappenübersicht
Etappe Start – Ziel Länge (km) Sieger Zeit (h)
1 BerlinStralsund 235 Walter Nickel (SV Einheit II) 6:31:07
2 Stralsund – Schwerin 170 Georg Stoltze (SV Lokomotive) 5:23:12
3 Schwerin – Magdeburg 224 Heinz Gleinig (SV Einheit I) 6:13:18
4 Magdeburg – Erfurt 215 Bruno Zieger (SV Post) 7:09:25
5 Erfurt – Leipzig 187 Gustav-Adolf Schur (SV Aufbau) 4:59:51
6 Leipzig – Chemnitz 209 Bruno Zieger (SV Post) 1:47:00
7 Chemnitz – Dresden 067 Fritz Jährling (SV Einheit II) 4:47:56
8 Dresden – Berlin 232 Werner Malitz (SV Einheit II) 6:42:15

Endergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelwertung
Fahrer Mannschaft Zeit (h)
01. Erich Schulz SV Post 45:28:18
02. Walter Nickel SV Einheit II 45:31:07
03. Bruno Zieger SV Post 45:31:12
04. Heinz Gleinig SV Einheit I 45:31:35
05. Paul Dinter SV Motor I 45:33:30
06. Dieter Köhler SV Stahl 45:34:16
07. Bernhard Wille SV Stahl 45:35:01
08. Bernhard Trefflich SV Einheit I 45:39:39
09. Werner Gallinge SV Einheit I 45:39:43
10. Lothar Meister I SV Wismut 45:41:52
11. Fritz Jährling SV Einheit II 45:45:22
12. Gustav-Adolf Schur SV Aufbau 45:45:43
13. Georg Stoltze SV Lokomotive 45:48:19
14. Horst Beuster SV Rotation I 45:51:20
15. Rudi Kirchhoff SV Motor I 45:54:02
16. Horst Wagner SV Rotation I 45:54:58
17. Heinz Busse SV Empor 45:57:20
18. Heinz Jakob SV Rotation I 45:59:51
19. Werner Weber SV Wismut 46:00:47
20. Willi Goebel Dortmund II 46:06:09
0 ...
85. Horst Pfefferkorn SV Fortschritt 51:43:34
Mannschaftswertung
Mannschaft Zeit (h)
01. Sportvereinigung Einheit I 136:48:09
02. Sportvereinigung Rotation I 137:18:23
03. Sportvereinigung Post 137:23:27
04. Sportvereinigung Motor I 137:30:20
05. Sportvereinigung Wismut 137:32:15
06. Sportvereinigung Stahl 137:35:59
07. Sportvereinigung Einheit II 137:44:36
08. Sportvereinigung Aufbau 138:27:56
09. Sportvereinigung Empor 138:44:08
10. Sportvereinigung Lokomotive 139:05:26
11. Sportvereinigung Turbine 139:06:28
12. Industriebezirk Dortmund II 139:29:17
13. Sportvereinigung Chemie 139:39:10
14. Sportvereinigung Motor II 140:07:19
15. Sportvereinigung Einheit III 140:18:45
16. Sportvereinigung Traktor 140:21:42
17. Sportvereinigung Aktivist 142:20:04
18. Sportvereinigung Fortschritt 149:54:56
ausgeschieden:
IB Dortmund I
SV Rotation II
SV Volkspolizei

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Illustrierter Radsport, Jahrgang 1952

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Generalsekretariat der Sektion Radfahren der DDR (Hrsg.): Illustrierter Radrennsport. Nr. 17/1952. Sportverlag, Berlin 1952, S. 8.