DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement

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DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 16. Dezember 1871 in Coburg
Sitz Marburg
Geschäftsstelle Rotkreuzstraße 1L
77815 Bühl
Vorläufer Deutscher Verein für Vermessungswesen e.V. (DVW), Deutscher Geometer-Verein (D.G.V.)
Zweck Förderung von Wissenschaft und Forschung durch Vertretung, Förderung und Koordinierung der gemeinsamen, gemeinnützigen Ziele und Belange seiner Mitglieder in den Bereichen Geodäsie, Geo­information und Landmanagement sowie die Vermittlung von fach­lichen Entwicklungen und prakti­schen Erfahrungen[1]
Aktionsraum Deutschland
Vorsitz Hansjörg Kutterer
Beschäftigte 1
Mitglieder 6949 (1. Januar 2020)[2]
Website www.dvw.de

Der DVW e. V. – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (bis 2010 Deutscher Verein für Vermessungswesen) ist ein wissenschaftlicher Verein mit der Zielsetzung der Förderung von Wissenschaft und Forschung. Hierzu will der Verein die gemeinsamen, gemeinnützigen Ziele und Belange seiner Mitglieder in den Bereichen Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement vertreten, fördern und koordinieren sowie die fachlichen Entwicklungen und praktischen Erfahrungen vermitteln. Dem Verbändeverein gehören die 13 eigenständigen DVW-Landesvereine mit derzeit insgesamt ca. 7.000 Mitgliedern an. Der DVW ist damit der größte deutsche Berufsverband im Bereich der Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel zum 140. Jahrestag der Gründung des DVW im Hotel Goldene Traube, Coburg

Der DVW wurde am 16. Dezember 1871 als technisch-wissenschaftlicher Verein mit dem Namen Deutscher Geometer-Verein (D.G.V.) in Coburg gegründet. Ziel der damaligen Vereinsgründung war es, das „gesamte Vermessungswesen, namentlich durch Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen zu heben und zu fördern“. Die seit 1872 vom Verein organisierten Treffen, erstmals in Eisenach abgehalten, wurden als Deutscher Geodätentag bekannt.

Der langjährige Vorsitzende Ludwig Winckel (1838–1904), der dem Deutschen Geometerverein von 1877 bis 1902 vorstand, wandte sich entschieden gegen eine Zersplitterung der Kräfte und das Bestreben mancher Zweigvereine, eigene Fachzeitschriften in Konkurrenz zur 1873 gegründeten Zeitschrift für Vermessungswesen herauszugeben. Im Mittelpunkt der Verbandsbestrebungen stand in jener Zeit die Ausbildung im Vermessungswesen, vor allem die Forderung, das Abitur als Voraussetzung für den Eintritt in die Landmesserlaufbahn vorzusehen. Nachdem die Preußische Staatsregierung zu erkennen gab, dass sie die Grund- und Gebäudesteuer den Kommunen überlassen wollte, setzte man sich gegen eine Kommunalisierung des Katasters ein.[3]

Am 30. November 1919 wurde der D.G.V. zum Deutscher Verein für Vermessungswesen (D.V.V.) ausgebaut. Dabei wurden die unterschiedlich zusammengesetzten und unterschiedliche Interessen vertretenden Zweigvereine des D.G.V. in einen Großverein und seine Landesvereine umgegliedert. Ab 1. April 1922 lautete die Abkürzung D.V.W.

Da nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland zunächst alle Vereine verboten wurden, bildete sich in den Jahren 1947–1949 in den Besatzungszonen, jedoch nur in jenen der westlichen Alliierten, eine Reihe von neuen Vereinen für Vermessungswesen, die sich am 7. und 8. März 1950 in Marburg wieder zum Deutschen Verein für Vermessungswesen (DVW) zusammenschlossen.[4]

Der DVW ist seit einer Satzungsänderung im Jahr 2000 ein Verbändeverein, d. h., er hat die jeweiligen Landesvereine als Mitglieder. Mit Satzungsänderung im Jahr 2010 wurde der Deutsche Verein für Vermessungswesen in „DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e. V.“ umbenannt. Seit 2019 lautet der Vereinsname nurmehr „DVW e. V.“, der Zusatz darf jedoch weiterhin angehängt werden.[2]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel in Eisenach

Der DVW ist für Deutschland als Mitglied in der Internationalen Vereinigung der Vermessungsingenieure (FIG) vertreten und im Deutschen Verband der Technisch-Wissenschaftlichen Vereine (DVT) organisiert.

Seit 1872 richtet der Verein Hauptversammlungen aus, später als Deutschen Geodätentag bezeichnet, die Fachkongress und Ausstellung vereinen. Seit 1995 firmiert dies unter der Bezeichnung Intergeo – Kongress und Fachmesse der Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. Die an jährlich wechselnden Standorten veranstaltete Intergeo hat sich zur weltgrößten Kongressmesse im Bereich Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement entwickelt.

Ebenfalls seit 1872 gibt er als Fachzeitschrift die zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (ehemals Zeitschrift für Vermessungswesen) heraus.

Der DVW ist gemeinsam mit dem Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI) und dem Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV) Mitbegründer der Interessengemeinschaft Geodäsie (IGG).

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DVW will die Geodäsie, die Geoinformation und das Landmanagement in Wissenschaft, Forschung und Praxis fördern.

Der Verein wirkt mit bei der fachlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung und pflegt in diesem Rahmen die internationale Zusammenarbeit. Außerdem kooperiert er mit technischen sowie wissenschaftlichen Vereinigungen, Hochschulen und Institutionen. Er wirkt bei Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene mit, die die Bereiche Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement betreffen. Er stellt die Leistungen und die Bedeutung von Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement in der Öffentlichkeit dar.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmer am Treffen der Wiedergründung des Deutschen Vereins für Vermessungswesens in Marburg am 7. und 8. März 1950

Präsident bzw. erster Vorsitzender des Geometervereins bzw. DVW waren:

  • 1871 bis 1873: Julius Nagel, Dresden
  • 1873 bis 1876: Otto Koch, Kassel
  • 1877 bis 1904: Ludwig Winckel, Brakel (1838–1904)[3]
  • 1904 bis 1912: Peter Ottsen, Berlin
  • 1913 bis 1929: Hans Lotz, Potsdam
  • 1930 bis 1934: Hugo Kracke, Berlin
  • 1934 bis 1945: Martin Dohrmann, Langenberg
  • 1950 bis 1953: Egbert Harbert, Braunschweig
  • Ab 1954: Hellmut Bodemüller, Braunschweig / Karlsruhe
  • Ab 1957: Heinrich Röhrs, Bremen
  • Ab 1962: Ludwig Jäger, Bamberg
  • Ab 1969: Gerhard Eichhorn, Darmstadt
  • Ab 1979: Gerhard Hampel, Schorndorf
  • Ab 1985: Karl-Heinz Bastian, Koblenz
  • Ab 1990: Hans-Josef Platen, Kempen
  • Ab 2001: Hagen Graeff, Hamburg
  • Ab 2009: Karl-Friedrich Thöne, Erfurt
  • Ab 2016: Hansjörg Kutterer, Frankfurt / Karlsruhe

Ehrungen durch den DVW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DVW verleiht zu besonderen Anlässen an bedeutende Personen, die sich für die Geodäsie verdient gemacht haben, die Ehrenmitgliedschaft, den DVW-Ehrenpreis zur Anerkennung des Lebenswerks oder die Helmert-Gedenkmünze. Mit dem Harbert-Buchpreis werden die Jahrgangsbesten der Geodäsiestudiengänge an den Hochschulen in Deutschland ausgezeichnet.

Der DVW-GIS-Best-Practice-Award wird jährlich im Rahmen der Intergeo vergeben. Mit dem Preis werden herausragende GIS-Projekte ausgezeichnet.

Bisherige Preisträger der Helmert–Gedenkmünze[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Großmann: Geschichte des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), Teil I. 1871–1918/19. Sonderheft 23 der Zeitschrift für Vermessungswesen, Wittwer-Verlag, Stuttgart 1985
  • Fritz Hunger: Geschichte des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), Teil II. 1918/19 - 1945/50. Sonderheft 23 der Zeitschrift für Vermessungswesen, Wittwer-Verlag, Stuttgart 1985
  • Herbert H. Ahrens: Geschichte des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), Teil III. 1945/50–1990. Sonderheft 25 der Zeitschrift für Vermessungswesen, Wittwer-Verlag, Stuttgart
  • Hagen Graeff: Die Geschichte des DVW e. V. von 1871 bis 1945, zfv 1/2021, Wißner-Verlag
  • Klaus Kertscher: Die Geschichte des DVW e. V. von 1945 bis 2021, zfv 2/2021, Wißner-Verlag
  • Eberhard Ziem: Die internationalen Beziehungen des DVW im Wandel der Zeit, zfv 3/2021, Wißner-Verlag

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung. In: dvw.de. 12. Oktober 2020, abgerufen am 7. April 2021.
  2. a b Klaus Kertscher: Die Geschichte des DVW e.V. von 1945 bis 2021. In: zfv. 146. Jg., Nr. 2, 2021, doi:10.12902/zfv-0344-2021 (Volltext [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 7. April 2021]).
  3. a b Karl Steppes: Ludwig Winckel †. In: Zeitschrift für Vermessungswesen, 1904, S. 449–454 (Internet Archive).
  4. DVW-Index (zfv-Sonderheft Dezember 1977), S. 6–7.
  5. Preisträger Helmert-Gedenkmünze