Dana Reizniece-Ozola

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Dana Reizniece-Ozola
Dana Reizniece-Ozola, Porto Carras 2011
Verband LettlandLettland Lettland
Geboren 6. November 1981
Kuldīga
Titel Internationaler Meister der Frauen (1999)
Großmeister der Frauen (2001)
Aktuelle Elo‑Zahl 2310 (Oktober 2018)
Beste Elo‑Zahl 2355 (Januar 1999)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Dana Reizniece-Ozola (* 6. November 1981 in Kuldīga als Dana Reizniece) ist eine lettische Politikerin und Großmeisterin im Schach. Von November 2014 bis Februar 2016 war sie Wirtschaftsministerin und von Februar 2016 bis Januar 2019 Finanzministerin ihres Landes.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece wurde als Tochter einer Buchhalterin und eines Fahrers geboren.[2] Sie besuchte die Mittelschule und das Gymnasium ihrer Heimatstadt und studierte an der Ventspils Augstskola (Hochschule Ventspils) Übersetzungswissenschaft und Terminologische Logik / Terminologie der Informatik.[3] Nach Abschluss eines Studiums in Ventspils leitete Dana Reizniece zunächst den Technologiepark des Business Inkubator Ventspils. Sie war u. a. damit betraut, das Wissen lettischer Ingenieure zu vermarkten, die zuvor für die sowjetische Weltraumtechnik gearbeitet hatten. So wurde zusammen mit der Hochschule Bremen einen Kleinsatellit für die Navigation von Schiffen entwickelt.[2]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece-Ozola (2017)

Der Bürgermeister von Ventspils, Aivars Lembergs, gewann Dana Reizniece für die Politik. Als Mitglied der Regionalpartei „Für Ventspils und Lettland“ (Latvijai un Ventspilij) wurde sie 2010 für das Bündnis der Grünen und Bauern in das lettische Parlament gewählt und 2011 wiedergewählt. 2010/2011 war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium.

Bei der Parlamentswahl 2014 wurde sie erneut wiedergewählt, legte ihr Mandat aber infolge der Berufung in die Regierung nieder. Vom November 2014 bis zum Februar 2016 war sie Wirtschaftsministerin im Kabinett Straujuma II. In dieser Funktion betrieb sie die Liberalisierung des bis dahin allein vom russischen Staatskonzern Gazprom beherrschten lettischen Gasmarktes.[4] Seither war sie Finanzministerin im neuen Kabinett von Māris Kučinskis. Als Schwerpunkte ihrer Haushaltspolitik benannte sie die Bereiche Bildung, Verteidigung und Gesundheit.[5] Energischer als ihre Vorgänger ging sie gegen lettische Banken vor, die – insbesondere von russischen Kunden – zur Geldwäsche genutzt werden.[6]

Bei den Wahlen 2018 wurde sie als Spitzenkandidatein des Bündnisses der Grünen und Bauern im Wahlkreis Riga (Liste 16) erneut in die Saeima gewählt und trat danach zur Latvijas Zemnieku savienība, einer der beiden größeren Parteien im Wahlbündnis, über.[7][8] Nachdem ihre Partei nicht an der neuen Regierung beteiligt wurde, blieb sie als Abgeordnete im Parlament.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece heiratete im Jahre 2011 Andris Ozols; seither trägt sie den Doppelnamen.[9] Ihr Ehemann ist seit 2004 Direktor der Latvijas Investīciju un attīstības aģentūra (LIAA), der staatlichen Lettischen Agentur für Investitionen und Entwicklung.[10] Reizniece-Ozola ist vierfache Mutter und legte ihr Parlamentsmandat mehrmals wegen Schwangerschaft und Mutterzeit nieder.[11] Ihr trotz der politischen Aufgaben fortbestehendes schachliches Wettkampfengagement begründet sie in der Begegnung mit dem Zeit-Reporter Ulrich Stock folgendermaßen: „Es erlaubt einem, sich aus der wirklichen Welt auszuklinken. Wenn man spielt, zählt nichts anderes. Man ist ganz drin. Es ist die beste Meditation.“[5]

Erfolge im Schachsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihrer Schulzeit in Kuldīga begann sich Dana Reizniece mit acht Jahren für Schach zu interessieren. Bereits als 11-Jährige trat sie bei einem Turnier außerhalb der einstigen Sowjetunion (in Duisburg) an.[6] Mit 15 Jahren wurde sie erstmals lettische Schachmeisterin. Sie gewann 1998 und 1999 die Jugendeuropameisterschaften in der Altersklasse U18 weiblich und 2002 den Frauenwettbewerb des Paul-Keres-Gedächtnisturniers in Tallinn. Bei den Jugendweltmeisterschaften erreichte sie 1995 in der Altersklasse U14 weiblich und 1998 in der Altersklasse U18 weiblich jeweils den zweiten Platz. Seit 2001 wird sie als Großmeister der Frauen (WGM) geführt.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece nahm seit 1998 an acht Schacholympiaden der Frauen teil (1998, 2000, 2004, 2006, 2010, 2012, 2014 und 2016),[12] außerdem an vier Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen (1999, 2001, 2011 und 2015).[13] Sie spielte bei allen diesen Veranstaltungen am Spitzenbrett der lettischen Frauenmannschaft. Bei der Schacholympiade der Frauen 2016 besiegte sie Schachweltmeisterin Hou Yifan.[14]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland spielt Dana Reizniece seit 2004 bei der SG 1871 Löberitz in der Oberliga Ost beziehungsweise in der 2. Bundesliga.[15] Von 2007 bis 2011 spielte sie außerdem in der Frauenbundesliga als Gastspielerin beim SC Leipzig-Gohlis. Seit 2018 spielt Reizniece-Ozola außerdem in Schweden für den Stockholmer Verein Wasa SK.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Janis Sīlis, Ilze Ilziņa, Juris Borzovs: To Use or not to Use Metaphors in Latvian ICT Terminology. In: Pabaltijo tautu terminologijos problemos ir Europos Sajunga. Lietuvju Kalbos Instituto Leidykla, Vilnius 2006, ISBN 9986-66894-8, S. 108–121.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dana Reizniece-Ozola – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meldung vom 17. Februar 2016 auf delfi.lv (lettisch)
  2. a b Florian Hassel: Die Schachspielerin. Lettland spürt noch immer den Einfluss Russlands. Nun geht Finanzministerin Dana Reizniece-Ozola den Kampf gegen Geldwäsche an. In: Süddeutsche Zeitung, 30. November 2016, S. 18.
  3. Finanšu ministre Dana Reizniece-Ozola, abgerufen am 6. Januar 2017.
  4. dailycaller.com (abgerufen am 7. Dezember 2018)
  5. a b Ulrich Stock: Die Schachkönigin von Riga. In: Die Zeit, 3. November 2016, S. 32.
  6. a b Sebastian Balzter: Lettland kämpft gegen Steuerbetrug und Geldwäsche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. Juni 2017, S. 18.
  7. Liste der gewählten Abgeordneten, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  8. Reizniece-Ozola pievienojas Latvijas Zemnieku savienībai delfi.lv, abgerufen am 7. Dezember 2018
  9. Kasjauns.lv (Memento vom 7. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 27. Juli 2014.
  10. Andris Ozols auf eib.liaa.gov.lv (lettisch)
  11. Deputātei Danai Reizniece-Ozolai piedzimis ceturtais bērns, kasjauns.lv, 31. Januar 2013 (anlässlich der Geburt des vierten Kindes), abgerufen am 20. Juli 2018 (lettisch).
  12. Dana Reizniece-Ozolas Ergebnisse bei Schacholympiaden der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  13. Dana Reizniece-Ozolas Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  14. Dana Reizniece-Ozola vs Yifan Hou, auf chessgames.com, abgerufen am 22. Dezember 2017.
  15. Alte DWZ-Karteikarte von Dana Reizniece-Ozola beim Deutschen Schachbund