Dana Reizniece-Ozola

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Dana Reizniece-Ozola
Dana Reizniece-Ozola, Porto Carras 2011
Verband LettlandLettland Lettland
Geboren 6. November 1981
Kuldīga
Titel Internationaler Meister der Frauen (1999)
Großmeister der Frauen (2001)
Aktuelle Elo‑Zahl 2279 (August 2020)
Beste Elo‑Zahl 2355 (Januar 1999)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Dana Reizniece-Ozola (* 6. November 1981 in Kuldīga als Dana Reizniece) ist eine lettische Schachspielerin und Politikerin. Von November 2014 bis Februar 2016 war sie Wirtschaftsministerin und von Februar 2016 bis Januar 2019 Finanzministerin ihres Landes. Der Titel Schachgroßmeister der Frauen wurde ihr 2001 verliehen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece wurde als Tochter einer Buchhalterin und eines Fahrers in Kuldīga geboren.[1] Sie besuchte die Mittelschule und das Gymnasium ihrer Heimatstadt. Nach Abschluss eines Studiums der Übersetzungswissenschaften und Terminologie in Ventspils leitete Dana Reizniece von 2008 bis 2010 den Technologiepark des Business Inkubator Ventspils. Unter anderem war sie damit betraut, das Wissen lettischer Ingenieure zu vermarkten, die zuvor für die sowjetische Weltraumtechnik gearbeitet hatten.[1] Neben den Karrieren im Schachsport und in der Politik, erhielt sie 2013 den akademischen Grad Master of Business Administration an der International Space University in Straßburg. Seit 2018 bekleidete Dana Reizniece-Ozola das Amt der Vizepräsidentin der Europäischen Schachvereinigung (ECU).[2]

Schachsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihrer Schulzeit in Kuldīga begann sich Dana Reizniece mit acht Jahren für Schach zu interessieren. Bereits als 11-Jährige trat sie bei einem Turnier außerhalb der einstigen Sowjetunion (in Duisburg) an.[3] Mit 15 Jahren wurde sie erstmals lettische Schachmeisterin. Sie gewann 1998 und 1999 die Jugendeuropameisterschaften in der Altersklasse U18 weiblich und 2002 den Frauenwettbewerb des Paul-Keres-Gedächtnisturniers in Tallinn. Bei den Jugendweltmeisterschaften erreichte sie 1995 in der Altersklasse U14 weiblich und 1998 in der Altersklasse U18 weiblich jeweils den zweiten Platz. Seit 2001 wird sie als Großmeister der Frauen (WGM) geführt.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece nahm seit 1998 an acht Schacholympiaden der Frauen teil (1998, 2000, 2004, 2006, 2010, 2012, 2014 und 2016),[4] außerdem an vier Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen (1999, 2001, 2011 und 2015).[5] Sie spielte bei allen diesen Veranstaltungen am Spitzenbrett der lettischen Frauenmannschaft. Bei der Schacholympiade der Frauen 2016 besiegte sie Schachweltmeisterin Hou Yifan.[6]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland spielt Dana Reizniece seit 2004 bei der SG 1871 Löberitz in der Oberliga Ost beziehungsweise in der 2. Bundesliga.[7][8] Von 2007 bis 2011 spielte sie außerdem in der Frauenbundesliga als Gastspielerin beim SC Leipzig-Gohlis. Seit 2018 spielt Reizniece-Ozola außerdem in Schweden für den Stockholmer Verein Wasa SK.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece-Ozola (2019)

Als Mitglied der Regionalpartei „Für Ventspils und Lettland“ (Latvijai un Ventspilij) wurde sie 2010 für das Bündnis der Grünen und Bauern erstmals in das lettische Parlament gewählt. Die Parlamentswahlen 2011, 2014 und 2018 brachten jeweils eine Wiederwahl mit sich.

2010/2011 war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium. Vom November 2014 bis zum Februar 2016 dann Wirtschaftsministerin im Kabinett Straujuma II. In dieser Funktion betrieb sie die Liberalisierung des bis dahin allein vom russischen Staatskonzern Gazprom beherrschten lettischen Gasmarktes.[9] Seither war sie Finanzministerin im neuen Kabinett von Māris Kučinskis. Als Schwerpunkte ihrer Haushaltspolitik benannte sie die Bereiche Bildung, Verteidigung und Gesundheit.[10] Energischer als ihre Vorgänger ging sie gegen lettische Banken vor, die – insbesondere von russischen Kunden – zur Geldwäsche genutzt werden.[3]

2018 war sie Spitzenkandidatin des Bündnisses der Grünen und Bauern im Wahlkreis Riga (Liste 16) und trat nach den Wahlen zur Latvijas Zemnieku savienība, einer der beiden größeren Parteien im Wahlbündnis, über.[11][12]

Im Januar 2021 gab sie bekannt ihr Parlamentsmandat zugunsten einer Anstellung beim Weltschachverband FIDE niederzulegen.[13][14]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dana Reizniece heiratete im Jahre 2011 Andris Ozols; seither trägt sie den Doppelnamen.[15] Ihr Ehemann ist seit 2004 Direktor der Latvijas Investīciju un attīstības aģentūra (LIAA), der staatlichen Lettischen Agentur für Investitionen und Entwicklung.[16] Reizniece-Ozola ist vierfache Mutter und legte ihr Parlamentsmandat mehrmals wegen Schwangerschaft und Mutterzeit nieder.[17] Ihr trotz der politischen Aufgaben fortbestehendes schachliches Wettkampfengagement begründet sie in der Begegnung mit dem Zeit-Reporter Ulrich Stock folgendermaßen: „Es erlaubt einem, sich aus der wirklichen Welt auszuklinken. Wenn man spielt, zählt nichts anderes. Man ist ganz drin. Es ist die beste Meditation.“[10]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Janis Sīlis, Ilze Ilziņa, Juris Borzovs: To Use or not to Use Metaphors in Latvian ICT Terminology. In: Pabaltijo tautu terminologijos problemos ir Europos Sajunga. Lietuvju Kalbos Instituto Leidykla, Vilnius 2006, ISBN 9986-66894-8, S. 108–121.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dana Reizniece-Ozola – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Florian Hassel: Die Schachspielerin. Lettland spürt noch immer den Einfluss Russlands. Nun geht Finanzministerin Dana Reizniece-Ozola den Kampf gegen Geldwäsche an. In: Süddeutsche Zeitung, 30. November 2016, S. 18.
  2. www.tvnet.lv (abgerufen am 5. Januar 2021)
  3. a b Sebastian Balzter: Lettland kämpft gegen Steuerbetrug und Geldwäsche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. Juni 2017, S. 18.
  4. Dana Reizniece-Ozolas Ergebnisse bei Schacholympiaden der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  5. Dana Reizniece-Ozolas Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften der Frauen auf olimpbase.org (englisch)
  6. Dana Reizniece-Ozola vs Yifan Hou, auf chessgames.com, abgerufen am 22. Dezember 2017.
  7. Alte DWZ-Karteikarte von Dana Reizniece-Ozola beim Deutschen Schachbund
  8. SG 1871 Löberitz Frauen – 2. Frauen-Bundesliga Ost 2019/2020, abgerufen am 30. November 2020.
  9. dailycaller.com (abgerufen am 7. Dezember 2018)
  10. a b Ulrich Stock: Die Schachkönigin von Riga. In: Die Zeit, 3. November 2016, S. 32.
  11. Liste der gewählten Abgeordneten, abgerufen am 8. Oktober 2018.
  12. Reizniece-Ozola pievienojas Latvijas Zemnieku savienībai delfi.lv, abgerufen am 7. Dezember 2018
  13. FIDE appoints Dana Reizniece-Ozola as Managing Director, fide.com, 4. Januar 2021
  14. www.tvnet.lv (abgerufen am 5. Januar 2021)
  15. Kasjauns.lv (Memento vom 7. März 2016 im Internet Archive), abgerufen am 27. Juli 2014.
  16. Andris Ozols auf eib.liaa.gov.lv (lettisch)
  17. Deputātei Danai Reizniece-Ozolai piedzimis ceturtais bērns, kasjauns.lv, 31. Januar 2013 (anlässlich der Geburt des vierten Kindes), abgerufen am 20. Juli 2018 (lettisch).