Daniel Eberhard Baring

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Daniel Eberhard Baring (* 8. November 1690 in Oberg;[1][2]19. August 1753 in Hannover) war ein deutscher Bibliothekar und Historiker,[3] Paläograph und Diplomat.[4] Er verzeichnete die Bibliothek von Gottfried Wilhelm Leibniz und schrieb die erste Bibliographie der Geschichte des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg.[3]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baring stammte aus der Baring-Familie. Er zählte zu der evangelisch-lutherischen Theologenfamilie, die sich mit den Söhnen von Franz Baring in eine Bremer und eine hannoversche Linie teilte. Aus der Bremer Linie ging die englische Baring-Familie hervor,[1] während die hannoversche Linie zu den Hübschen Familien zählte.[5]

Baring war

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baring verlor seinen Vater schon im Kleinkindalter und wurde daher zunächst von seinem Stiefvater erzogen und privat unterrichtet.[6] 1706 bis 1713 besuchte Baring die Schule in Quedlinburg,[3] wo er zunächst Orientalistik betrieb,[1] dann Theologie und Medizin,[3] was er aufgrund von Geldmangel jedoch aufgeben musste. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich zeitweilig durch Unterrichten katholischer Grafen aus Italien in den Bibel-Sprachen. Auf Anregung seines Cousins, des Bibliothekars Johann Georg Eccard, kam Baring zum „Studium der Historie und Gelehrtengeschichte“[1] und studierte Literaturwissenschaft an der Universität Helmstedt.[3]

1718 wurde Baring schließlich als Hilfsbibliothekar an die Kurfürstliche Bibliothek nach Hannover berufen. In dieser Stellung war er insgesamt 36 Jahre lang tätig, zunächst unter seinem Cousin Eccard, dann unter Simon Friedrich Hahn,[1][11] Christian Ludwig Scheidt und Johann Daniel Gruber.[1]

Während seiner Zeit als hannoverscher Bibliothekar erwarb sich Baring Verdienste durch seine 1729 erschienene Succincta Notitia …, die erste Bibliographie der Geschichte des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Eine beabsichtigte zweite, verbesserte Auflage wurde jedoch durch einen Zwist mit Johann Daniel Gruber verhindert, sodass diese erst 1744 durch Georg Septimius Andreas von Praun herausgegeben werden konnte.[1]

Im Auftrag seines Freundes Friedrich Simon Löffler, dem Neffen und Erben von Gottfried Wilhelm Leibniz, erstellte Baring ein Verzeichnis der von Leibniz privat aufgebauten Bibliothek. Gemeinsam mit Eccard unternahm Baring archivalische Reisen, die den Grundstein legten zu der 1737 und 1753 erschienenen Clavis diplomatica (siehe Schriften). Diese veröffentlichte Baring unter persönlichen Opfern und gegen den Widerstand Grubers als „erste diplomatische Bibliographie“ und als Vorläufer von Johann Ludolph Walthers Lexicon diplomaticum.[1]

Als bedeutend gilt auch Barings Museographia Brvnsvico-Lvnebvrgica (siehe Schriften), eine Beschreibung der Kunst- und Kulturschätze Braunschweig-Lüneburgs.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Succincta Notitia Scriptorum Rerum Brunsvicensium Ac Luneburgensium Quotquot Hactenus innotuerunt, & in lucem editi sunt : Accedit quoque Recensio Legum atque Constitutionum Terrarum Brunsvico-Luneburgicarum singularium / Omnia justo ordine disposuit ac digessit Daniel Eberhard Baring, Hannoveræ: Nicol. Foersterum et Filium, 1729; Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster
  • Clavis diplomatica, tradens specimina veterum scripturarum, nimirum alphabeta varia, compendia scribendi medii aevi, notariorum veterum signa nonnulla curiosa, una cum alphabeto instrumenti et abbreviaturis, singula tabulis aeneis exhibita: quibus praemittuntur introductiones necessariae, subiiciuntur scriptores rei diplomaticae aliaque ad lectionem et intel ligentium veterum codicum, chartarum et diplomatum facientia, variis annotationibus historico-literariis ... additis, Hanoverae: B. Nic. Förster Erb., 1737; Digitalisat der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB)
    • darin enthalten: Scriptores rei diplomaticae tum qui generatim de re diplomatica, tum in specie de bellis diplomaticis egerunt item diplomatum collectores nec non recensio illorum scriptorum, ...
  • Museographia Brvnsvico-Lvnebvrgica. Oder Curiöse Nachricht Von denen Museis, Schatz-, Kunst- und Raritäten-Cammern, so curiose Herren in den Braunschweig-Lüneburgischen Landen gesammlet und grösten Theils noch heutiges Tages in denenselben aufbehalten werden, Lemgo, bei Johann Heinrich Meyer, 1744; Digitalisat über das Göttinger Digitalisierungszentrum (GDZ) der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Descriptio Salae principatus Calenbergici locorumque adiacentium Oder Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein des Braunschweig-Lüneb. Fürstenthums Calenberg, Lemgo: Johann Heinrich Meyer, 1744; Digitalisat über das GDZ
  • Beytrag zur Hannöverischen Kirchen- und Schul-Historia so mit einigen Urkunden erläutert und einer Vorrede Von berühmten Denkmahlen, besonders denen, welche in und um Hannover sich befinden, begleitet worden, in zweyten Theilen, Hannover: Nicolai Försters und Sohns Erben, 1748; Digitalisat der HAAB
  • Leben des berühmten M. Antonii Corvini weil. Braunschw. Lüneb. General-Superintendenten im Fürstenthum Calenberg [et]c. und vornehmsten Werkzeugs bey der Reformation dieses Fürstenthums : zur Beleuchtung der Kirchen-Geschichte aus bewehrten Scribenten, und glaubwürdigen Nachrichten zusammen gesuchet, und mit Beylagen bestärket ..., Hannover: Nic. Försters und Sohns Erben, Hof-Buchhändlern, 1749; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB)
  • Kurze Historische und Physicalische Nachricht von dem in Hannover zuerst erfundenen Getränk Broihan : wobey zugleich von desselben Erfinder Nachricht gegeben wird, auch verschiedenen zum Bierbrauen diensame Anmerkungen angebracht; und zuletzt einige desfals ergangene Gesetze und Brauverordnungen, der Stadt Hannover zum besten gegeben, angefüget worden, Hannover: bei Johann Christoph Richter, 1750; Digitalisat über die BSB

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Ernst Kelchner: Baring, ... (siehe Literatur)
  2. Anmerkung: Davon abweichend gibt Klaus Mlynek (siehe Literatur) im Hannoverschen Biographischen Lexikon sowie im Stadtlexikon Hannover den Ort Wallensen als Geburtsstätte an
  3. a b c d e Klaus Mlynek: BARING, (1) ... (siehe Literatur)
  4. Vergleiche die Angaben unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek
  5. Adolf Baring: Die Baring ... (siehe Literatur)
  6. a b Heinrich Wilhelm Rotermund: Das Gelehrte Hannover … (siehe Literatur)
  7. Klaus Mlynek: BARING, (4) Nikolaus. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 40; online über Google-Bücher
  8. Anmerkung: Davon abweichend nennt Ernst Kelchner (siehe Literatur) die Marienkirche in Hannover als Wirkungsort von Nikolaus Baring
  9. Hannoversches biographisches Lexikon, S. 39 f.
  10. Anmerkung: Eine Dame gleichen Namens soll 1643 auch der Theologie Eberhard Baring geheiratet haben; vergleiche Karl Ludwig Grotefend: Baring, Eberhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 66.
  11. Anmerkung: Abweichend kürzt Ernst Kelchner (siehe Literatur) den Namen Hahns als „S. B. Hahn“ ab.