Verkündigung des Herrn

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Verkündigung des Herrn, lateinisch Annuntiatio Domini, auch Mariä Verkündigung (In Annuntiatione Beatæ Mariæ Virginis), ist ein kirchliches Fest und zugleich die Bezeichnung für das im Lukasevangelium geschilderte Ereignis der Verkündigung der Empfängnis Jesu durch den Engel Gabriel an die Jungfrau Maria. Die biblische Begebenheit ist ein in der Kunst häufig dargestelltes Motiv. Viele Kirchen sind Mariä Verkündigung geweiht.

Der Gedenktag am 25. März wird in vielen christlichen Konfessionen gefeiert. Ältere Bezeichnungen sind Conceptio Christi (‚Empfängnis Christi‘) und Ancilla (‚Magd [Gottes]‘). Ein Name ist auch Fastenmarientag in Bezug auf die Fastenzeit und Abgrenzung zu den anderen Frauentagen (Marienfesten).

Biblische Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkündigung Mariens; Stickerei, 13. Jh.; Darstellung des Hl. Geistes als Taube und der Unschuld als Lilie

Die Verheißung der Geburt Jesu an Maria wird im Lukasevangelium (Lk 1,26–38 EU) erzählt.

»Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.«[1]

Die Ankündigung wird zugleich als Moment der Empfängnis verstanden, nach dem biblischen Grundsatz: Wenn Gott spricht, geschieht, was er sagt (vgl. Schöpfungsgeschichte) – die Jungfrauengeburt gilt als eigenständiges Mysterium.

In deutscher Übersetzung sagt der Engel zu Maria: „Ich grüße dich, Maria!“ Das im griechischen Urtext des Lukasevangeliums an dieser Stelle verwendete Wort χαιρε (chaire) bedeutet wörtlich: Freue dich, sei froh; dies war bei den alten Griechen der übliche Gruß. Der normale Gruß im Hebräischen war שלום (Schalom)‚ was wörtlich Frieden bedeutet. In der lateinischen Übersetzung des Lukasevangeliums wird hier das Wort ave verwendet, dies bedeutet wörtlich ungefähr es soll dir gut gehen und war ein üblicher Gruß bei den alten Römern. Die Worte des Neuen Testamentes sind eine Einladung zur Freude.[2]

Die zentrale Bedeutung dieses Heilsereignisses für die Christen kommt auch im Gebet Der Engel des Herrn (Angelus) zum Ausdruck, das die Verkündigung des Herrn zum Betrachtungsgegenstand hat. Die Bibelstelle ist auch die Grundlage des Gebets Gegrüßet seist Du, Maria (Ave Maria).

Koran[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Koran berichtet das Ereignis in der 3. Sure (Vers 45–51)[3] und variiert in 19:16-26.[4]

"(Damals) als die Engel sagten: Maria! Gott verkündet dir ein Wort von sich, dessen Name Jesus Christus, der Sohn der Maria, ist! Er wird im Diesseits und im Jenseits angesehen sein, einer von denen, die (Gott) nahestehen." (3:45)[5]

Das Fest in den Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalendarische Festlegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Festdatum ist vom liturgischen Datum der Geburt Jesu, dem 25. Dezember, abgeleitet (neun Monate vorher) und hat weihnachtlichen Charakter. Sollte, so wie letztmals im Jahr 2013 und wieder 2016, der 25. März in die Karwoche oder die darauffolgende Osteroktav fallen, wird das Fest auf den ersten Tag nach der Osteroktav (2013 der 8. April, 2016 der 4. April) verlegt – nicht in der orthodoxen Kirche –, da sowohl die Kartage als auch die Tage der Osteroktav liturgisch einen höheren Rang bekleiden und daher das Fest „verdrängen“. Das Fest betrachtet die Menschwerdung des Gottessohnes und zählt daher zu den Herrenfesten.

Das Fest galt in Europa lange Zeit als Jahresbeginn, in England bis in das 16. Jahrhundert.

Orthodoxe Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der orthodoxen Kirche zählt das Fest (unter dem griechischen Namen Εὐαγγελισμός/Euangelismos, also Verkündigung der Frohbotschaft) zu den zwölf Hauptfesten. Die dritte Antiphon der Liturgie drückt das Festgeheimnis aus: „Heute ist der Anfang unseres Heils und das Mysterium von Ewigkeit her wird offenbar. Gottes Sohn wird der Jungfrau Kind und Gabriel überbringt die Frohbotschaft der Gnade. Mit ihm rufen auch wir der Gottesgebärerin zu: ‚Freue dich, Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir.‘“ Verlegt wird das Fest keinesfalls, sondern es gibt spezielle Vereinigungsliturgien für jeden der beweglichen Feiertage, der mit der Verkündigung zusammenfallen kann. Sogar am Karfreitag wird in diesem Fall die entsprechende Liturgie mit Eucharistie gefeiert. In der griechisch-orthodoxen Kirche und den anderen neukalendarischen orthodoxen Kirchen kann das Fest der Verkündigung allerdings heute nicht mehr mit den Kar- oder Ostertagen zusammenfallen, da es als feststehender Feiertag nach dem mit dem gregorianischen Kalender fast identischen orthodoxen Kalender, die beweglichen Feiertage wie Ostern aber nach dem julianischen Kalender begangen werden. (Der Unterschied zwischen orthodoxem und gregorianischem Kalender tritt erst im Jahre 2800 in Erscheinung; der orthodoxe Kalender stellt in der Jahreslänge eine noch genauere Annäherung an die tropische Umlaufsperiode der Erde dar als der gregorianische Kalender.)

Katholische, Evangelische und Anglikanische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem katholischen liturgischen Kalender des ordentlichen römischen Ritus ist es ein Herrenfest (Annuntiatio Domini), im außerordentlichen Ritus wird es als Marienfest gefeiert (Annuntiatio beatae Mariae virginis)[6].

Auch evangelische Kirchen wie die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika und die Lutherische Kirche der Missouri-Synode verzeichnen das Datum in ihrem Kalender, Martin Luther bezeichnete es als „eins der fürnehmsten Feste“.

In der anglikanischen Kirche wird das Fest ebenfalls gefeiert.

Darstellung in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Szene der Verkündigung an Maria ist durch die Jahrhunderte ein häufiges Motiv der bildenden Kunst und besonders in der Renaissance vielfältig dargestellt. Die Darstellungen zeigen üblicherweise Maria und den Engel im Innenraum eines Hauses, möglicherweise als Symbol für Marias Innerlichkeit, Keuschheit und Jungfräulichkeit (vergleiche hortus conclusus). Zuweilen bringt der Engel Maria eine weiße Lilie, ein Symbol der Jungfräulichkeit und Reinheit, während die Gesten des Mädchens Überraschung und Berührtsein ausdrücken. Manchmal wird Maria auch in einem Buch lesend dargestellt, womit auch die Verbindung mit der Ankündigung des Messias beim Propheten Jesaja im Alten Testament unterstrichen wird. In vielen Darstellungen erscheint auch der Heilige Geist in Gestalt einer Taube, in anderen Darstellungen wird die Empfängnis durch einen Maria treffenden Lichtstrahl dargestellt.

Die künstlerischen Darstellungen betonen jeweils unterschiedliche Aspekte bzw. Momente der Begegnung Marias mit dem Engel. Unterschieden werden Botschaft, Begrüßung und Gespräch; im Einzelnen fünf Unterphasen: Conturbatio – Aufregung der Maria wegen der unerwarteten und bedeutungsvollen Botschaft; Cogitatio – die Überlegung über das soeben Gesagte; Interrogatio – die Nachfrage; Humiliatio – die Unterwerfung unter den göttlichen Willen; Meritatio – die Betonung des Verdienstes der Maria.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Sebastian Bach schrieb eine Kantate für diesen Tag: Wie schön leuchtet der Morgenstern, BWV 1. Außerdem erweiterte er die Widmung der Kantate Himmelskönig, sei willkommen (BWV 182), die eigentlich für den Palmsonntag geschrieben worden war.[7]

Patrozinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Patrozinien siehe Mariä-Verkündigung-Kirche. Hauptkirche ist die Verkündigungsbasilika zu Nazareth.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mariä Verkündigung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nach der Lutherbibel 1984
  2. Benedikt XVI.; Stefan von Kempis (Hg.): Die Heilige Schrift : Meditationen zur Bibel. Benno Verlag 2008, ISBN 978-3-7462-2482-4
  3. 3:45-51 in deutscher Übersetzung, www.kroan-auf-deutsch.de
  4. 19. Sure, in deutscher Übersetzung, www.kroan-auf-deutsch.de
  5. 3:45 – deutsch durch Rudi Paret, www.corpuscoranicum.de
  6. Annuntiatio Domini. kath.net
  7. Bach-Werke-Verzeichnis mit Angabe der Widmungen (PDF; 233 kB)