Deutsche Krebsgesellschaft

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Deutsche Krebsgesellschaft
(DKG)
Zweck: Medizinische Fachgesellschaft für Onkologie
Vorsitz: Olaf Ortmann
Gründungsdatum: 1900
Mitgliederzahl: 16 Landeskrebsgesellschaften, 7900 Einzelmitglieder, 39 Fördermitglieder
Sitz: Berlin
Website: krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. ist die erste und größte onkologische Fachgesellschaft in Deutschland. Sie hat zum Ziel, Krebserkrankungen vorzubeugen, ihre Behandlung zu verbessern und die Lebensqualität von krebskranken Menschen zu erhöhen. Die DKG wurde 1900 als Comité für Krebssammelforschung gegründet, mehrfach umbenannt und 1933 aufgelöst. 1951 gründete sie sich neu als Deutscher Zentralausschuß für Krebsbekämpfung und Krebsforschung. 1970 erhielt die DKG ihren gegenwärtigen Namen.[1]

Die 16 Landeskrebsgesellschaften bilden die Sektion A der DKG, während aktuell (Jan 2018) die Sektion B mehr als 7.900 Einzelmitglieder umfasst, neben Ärzten auch Grundlagenforscher, medizinisch-technische Assistenten, Pflegekräfte, Psychologen sowie weitere Berufsgruppen. Neben der Grundmitgliedschaft sind die Einzelmitglieder der Sektion B in der Abteilung experimentelle Krebsforschung (AEK) und der Abteilung klinische Krebsforschung (AKK) organisiert, Letztere mit insgesamt 25 Arbeitsgemeinschaften und 7 interdisziplinären Arbeitsgruppen. Die 39 Fördermitglieder der Sektion C sind Unternehmen der forschenden Pharmaindustrie, wissenschaftliche Buchverlage und Krankenkassen. Die Geschäftsstelle ist in Berlin. Aktueller Präsident (2018 bis 2020) ist der Regensburger Gynäkologe Olaf Ortmann.

2008 war die DKG – gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren und der Stiftung Deutsche Krebshilfe – an der Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit zum Nationalen Krebsplan beteiligt.[2]

Arbeitsschwerpunkte sind die Erarbeitung von Behandlungsleitlinien und die Zertifizierung onkologischer Zentren, Wissensentwicklung und Wissenstransfer sowie die Verbesserung der Patienteninformation. Alle zwei Jahre richtet die DKG den Deutschen Krebskongress, einen Kongress für experimentelle Krebsforschung (International AEK Cancer Congress) und den Kongress Quality of Cancer Care (QoCC) aus. Sie vergibt eine Reihe von wissenschaftlichen Preisen, vor allem den Deutschen Krebspreis, der mit insgesamt 22.500 Euro für drei Kategorien dotiert ist.

Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DKG ist Zertifizierungsanbieter für krebsmedizinische Einrichtungen. Zertifiziert werden – auf freiwilliger Basis – Zentren, also Netzwerke aus stationären und ambulanten Einrichtungen, in denen alle für die Behandlung eines Krebspatienten relevanten Fachrichtungen zusammenarbeiten, z. B. in Tumorkonferenzen. Dabei sind zertifizierte Organkrebszentren auf ein Organ spezialisiert, beispielsweise Brustkrebs oder Darmkrebs. Zertifizierte Onkologischen Zentren behandeln mehrere Tumorarten unter einem Dach. Zudem können sie ihre Expertise für die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Speiseröhren- und Leberkrebs, neuroonkologischen Tumoren sowie als Kinderonkologisches Zentrum oder Sarkomzentrum nachweisen und für diese Module zertifiziert werden. Zertifizierte Viszeralonkologische Zentren sind auf unterschiedliche Krebserkrankungen im Bauchraum spezialisiert. Alle zertifizierten Zentren sind online gelistet.

Das DKG-Zertifizierungssystem findet zunehmend auch in Österreich, der Schweiz und Italien Anwendung. Zertifizierte Zentren außerhalb Deutschlands sind ab Sommer 2016 durch das Signet European Cancer Centres erkennbar.

Die Qualitätsindikatoren für eine Zertifizierung werden von Zertifizierungskommissionen arbeitet. Sie bestehen aus Mitgliedern der Deutschen Krebsgesellschaft, Vertretern anderer Fachgesellschaften und Berufsverbände, Vertretern von Selbsthilfegruppen und anderen. Die Zertifizierung und die Re-Audits nimmt ein unabhängiges Institut vor.

Leitlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Leitlinienprogramm Onkologie bietet die DKG seit 2008 in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) den Leitlinienentwicklergruppen onkologische Expertise sowie methodische, koordinative und finanzielle Unterstützung an. Die Krebshilfe fördert das Programm jährlich mit 1,3 Million Euro.[3] Neben den evidenzbasierten Leitlinien für Ärzte bzw. medizinisches Personal erstellt das Leitlinienprogramm Onkologie seit 2009 auch Leitlinien für Patienten. Veröffentlicht sind bislang vom Leitlinienprogramm Onkologie 23 evidenzbasierte S3-Behandlungsleitlinien und 25 Patientenleitlinien. Alle Leitlinien können auf der Webseite des Leitlinienprogramms Onkologie kostenlos heruntergeladen werden.

Mitgliederzeitschrift und andere Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederzeitschrift Forum erscheint sechsmal jährlich und enthält neben den Verbandsinformationen auch wissenschaftliche Artikel. Weitere von der DKG veröffentlichte Fachzeitschriften sind das Journal of Cancer Research and Clinical Oncology (1903 gegründet unter dem Titel Zeitschrift für Krebsforschung) und Der Onkologe. Seit 2017 gibt die Deutsche Krebsgesellschaft dreimal jährlich das Infopaket "360° Onkologie" heraus. Jede Ausgabe hat ein Schwerpunktthema und besteht jeweils aus einem Printmagazin, einer Infografik unter der CC-Lizenz by-nc-nd und einem Videointerview.

Internetportal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Internetportal bietet neben Informationen zur Fachgesellschaft einen großen Bereich mit aktuellen Kongressberichte in Text und Video für Ärzte sowie laiengerecht aufbereitete, wissenschaftlich fundierte Informationen für Patienten und Interessierte mit den Gütesiegeln Afgis und HONcode. Die Deutsche Krebsgesellschaft ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Deutscher Krebskongress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Deutsche Krebskongress ist der größte onkologische Fachkongress im deutschsprachigen Raum. Er findet seit 1951 alle zwei Jahre statt. Ausrichter war bis 2012 die Deutsche Krebsgesellschaft. Seit 2014 sind die Deutsche Krebsgesellschaft und die Stiftung Deutsche Krebshilfe gleichberechtigte Ausrichter. Der Deutsche Krebskongress wird weder von der pharmazeutischen Industrie, noch von Medizinprodukte-Herstellern und Medizingeräteherstellern oder ähnlichen Branchen finanziert. Traditionell beinhaltet der viertägige Fachkongress auch einen Krebsaktionstag – einen Infotag für Betroffene, Angehörige und Interessierte.

Der 33. Deutsche Krebskongress fand vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin statt und war nach Angaben der Veranstalter mit 11.900 Teilnehmern sehr erfolgreich.[4] Der nächste Deutsche Krebskongress findet vom 19. bis 22. Februar 2020 in Berlin statt.

Brennpunkt Onkologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die öffentliche gesundheitspolitische Diskussionsreihe Brennpunkt Onkologie wird seit 2010 von der Deutschen Krebsgesellschaft veranstaltet. Drei- bis viermal im Jahr kommen Experten zusammen, die verschiedene Interessen im Gesundheitswesen vertreten, deren Herz aber für das gleiche Ziel schlägt: für den allseits tragfähigen gesundheitspolitischen Fortschritt.

Bündnis mit der Deutschen Krebshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 sind die DKG und die Stiftung Deutsche Krebshilfe eine Kooperation auf Basis eines Grundlagenvertrages[5] eingegangen. Er gilt auf dem Gebiet der Krebsinformation, bei der Durchführung von Informationsveranstaltungen und Kongressen, bei gesundheits- und wissenschaftspolitischen Aktivitäten sowie bei anderen grundlegenden Projekten. Für diese Projektkooperationen mit der Deutschen Krebsgesellschaft stellt die Krebshilfe jährlich 3,7 Millionen Euro bereit.[6]

Im April 2013 trafen Krebshilfe und DKG die Vereinbarung, künftig Die Blauen Ratgeber mit Krebsinformationen als Kooperationsprojekte beider Organisationen zu veröffentlichen und kostenlos abzugeben.

Seit Februar 2014 sind beide Organisationen gleichberechtigte Ausrichter des Deutschen Krebskongresses.

Im Oktober 2014 haben DKG und Deutsche Krebshilfe gemeinsam ihren Service für Patienten erweitert und den Beratungsdienst Infonetz Krebs bundesweit neu eingerichtet.[7]

Am 2015 erschienenen Ratgeber „Das Handbuch gegen Krebs“ haben 60 Experten der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe mitgewirkt. Durch Verzicht auf Autorenhonorar gehen zwei Euro je vertriebenem Buchexemplar als Spende an die Krebshilfe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Deutschen Krebsgesellschaft. Abgerufen am 2. August 2018.
  2. Der Nationale Krebsplan stellt sich vor. Abgerufen am 2. August 2018
  3. Geschäftsbericht Stiftung Deutsche Krebshilfe 2017, Seite 17 Abgerufen am 2. August 2018
  4. Pressemitteilung vom 26. Februar 2018 Abgerufen am 2. August 2018
  5. Grundlagenvertrag Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe
  6. Geschäftsbericht Stiftung Deutsche Krebshilfe 2017, Seite 61 Abgerufen am 2. August 2018
  7. Start „Infonetz Krebs“ Gemeinsame Pressekonferenz vom 27. Oktober 2014