Deutsche Krebsgesellschaft

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Deutsche Krebsgesellschaft
(DKG)
Zweck: Medizinische Fachgesellschaft für Onkologie
Vorsitz: Peter Albers
Gründungsdatum: 1900
Mitgliederzahl: 16 Landeskrebsgesellschaften, 7700 Einzelmitglieder, 34 Fördermitglieder
Sitz: Berlin
Website: krebsgesellschaft.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. ist die erste und größte onkologische Fachgesellschaft in Deutschland. Sie hat zum Ziel, Krebserkrankungen vorzubeugen, ihre Behandlung zu verbessern und die Lebensqualität von krebskranken Menschen zu erhöhen. Die DKG wurde 1900 als Comité für Krebssammelforschung gegründet, mehrfach umbenannt und 1933 aufgelöst. 1951 gründete sie sich neu als Deutscher Zentralausschuß für Krebsbekämpfung und Krebsforschung. 1970 erhielt die DKG ihren gegenwärtigen Namen.[1]

Die 16 Landeskrebsgesellschaften bilden die Sektion A der DKG, während aktuell (Jan 2017) die Sektion B mehr als 7.700 Einzelmitglieder umfasst, neben Ärzten auch Grundlagenforscher, medizinisch-technische Assistenten, Pflegekräfte, Psychologen sowie weitere Berufsgruppen. Neben der Grundmitgliedschaft sind die Einzelmitglieder der Sektion B in der Abteilung experimentelle Krebsforschung (AEK) und der Abteilung klinische Krebsforschung (AKK) mit insgesamt 24 Arbeitsgemeinschaften organisiert. Die 34 Fördermitglieder der Sektion C sind Unternehmen der forschenden Pharmaindustrie, wissenschaftliche Buchverlage und Krankenkassen. Die Geschäftsstelle ist in Berlin. Aktueller (2017) Präsident ist der Düsseldorfer Urologe Peter Albers.[2]

2008 war die DKG – gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren und der Deutschen Krebshilfe – an der Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit zum Nationalen Krebsplan beteiligt.[3]

Arbeitsschwerpunkte sind die Erarbeitung von Behandlungsleitlinien und die Zertifizierung onkologischer Zentren, Wissensentwicklung und Wissenstransfer sowie die Verbesserung der Patienteninformation. Alle zwei Jahre richtet die DKG im Wechsel den Deutschen Krebskongress und einen Kongress für experimentelle Krebsforschung (International AEK Cancer Congress) aus. Sie vergibt eine Reihe von wissenschaftlichen Preisen, vor allem den Deutschen Krebspreis, der mit insgesamt 22.500 Euro für drei Kategorien dotiert ist.

Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DKG ist Zertifizierungsanbieter für krebsmedizinische Einrichtungen. Zertifiziert werden – auf freiwilliger Basis – Zentren, also Netzwerke aus stationären und ambulanten Einrichtungen, in denen alle für die Behandlung eines Krebspatienten relevanten Fachrichtungen zusammenarbeiten, z. B. in Tumorkonferenzen. Dabei sind zertifizierte Organkrebszentren auf ein Organ spezialisiert, beispielsweise Brustkrebs oder Darmkrebs. Zertifizierte Onkologischen Zentren behandeln mehrere Tumorarten unter einem Dach. Zudem können sie ihre Expertise für die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren, Magen- und Leberkrebs, neuroonkologischen Tumoren und Bauchspeicheldrüsenkrebs nachweisen und für diese Module zertifiziert werden. Zertifizierte Viszeralonkologische Zentren sind auf unterschiedliche Krebserkrankungen im Bauchraum spezialisiert. 2017 erweitert die Deutsche Krebsgesellschaft ihr Zertifizierungssystem um die Zertifizierung Kinderonkologischer Zentren.

Das DKG-Zertifizierungssystem findet zunehmend auch in Österreich, der Schweiz und Italien Anwendung. Zertifizierte Zentren außerhalb Deutschlands sind ab Sommer 2016 durch das Signet "European Cancer Centres" erkennbar.[4]

Die Qualitätsindikatoren für eine Zertifizierung werden von Zertifizierungskommissionen arbeitet. Sie bestehen aus Mitgliedern der Deutschen Krebsgesellschaft, Vertretern anderer Fachgesellschaften und Berufsverbände, Vertretern von Selbsthilfegruppen und anderen. Die Zertifizierung und die Re-Audits nimmt ein unabhängiges Institut vor.

Leitlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Leitlinienprogramm Onkologie [5] bietet die DKG seit 2008 in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) den Leitlinienentwicklergruppen onkologische Expertise sowie methodische, koordinative und finanzielle Unterstützung an. Die Krebshilfe fördert das Programm jährlich mit etwa 1 Million Euro. Neben den evidenzbasierten Leitlinien für Ärzte bzw. medizinisches Personal erstellt das Leitlinienprogramm Onkologie seit 2009 auch Leitlinien für Patienten. Veröffentlicht sind bislang vom Leitlinienprogramm Onkologie 19 evidenzbasierte S3-Behandlungsleitlinien - die jüngste zum Prostatakarzinom[6] - und 23 Patientenleitlinien. Alle Leitlinien können auf der Webseite des Leitlinienprogramms Onkologie kostenlos heruntergeladen werden.

Mitgliederzeitschrift und andere Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederzeitschrift Forum erscheint sechsmal jährlich und enthält neben den Verbandsinformationen auch wissenschaftliche Artikel. Weitere von der DKG veröffentlichte Fachzeitschriften sind das Journal of Cancer Research and Clinical Oncology (1903 gegründet unter dem Titel „Zeitschrift für Krebsforschung“) und Der Onkologe.

Internetportal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Internetportal bietet neben Informationen zur Fachgesellschaft einen großen Bereich mit aktuellen Kongressberichte in Text und Video für Ärzte sowie laiengerecht aufbereitete, wissenschaftlich fundierte Informationen für Patienten und Interessierte mit den Gütesiegeln Afgis und HONcode. Die Deutsche Krebsgesellschaft ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[7]

Deutscher Krebskongress[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Deutsche Krebskongress fand 1951 statt. Der 32. Deutsche Krebskongress [8] wurde vom 24. bis 27. Februar 2016 in Berlin durchgeführt. Er wird weder von der pharmazeutischen Industrie, noch von Medizinprodukte-Herstellern und Medizingeräteherstellern oder ähnlichen Branchen finanziert. Traditionell beinhaltet der Fachkongress auch einen Krebsaktionstag für Betroffene, Angehörige und Interessierte.[9]

Brennpunkt Onkologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die öffentliche gesundheitspolitische Diskussionsreihe Brennpunkt Onkologie [10] wird seit 2010 von der Deutschen Krebsgesellschaft veranstaltet. Viermal im Jahr kommen Experten zusammen, die verschiedene Interessen im Gesundheitswesen vertreten, deren Herz aber für das gleiche Ziel schlägt: für den allseits tragfähigen gesundheitspolitischen Fortschritt.

Bündnis mit der Deutschen Krebshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 sind die DKG und die Stiftung Deutsche Krebshilfe eine Kooperation auf Basis eines Grundlagenvertrages [11] eingegangen. Er gilt auf dem Gebiet der Krebsinformation, bei der Durchführung von Informationsveranstaltungen und Kongressen, bei gesundheits- und wissenschaftspolitischen Aktivitäten sowie bei anderen grundlegenden Projekten.

Seit 2013 unterstützt die Deutsche Krebsgesellschaft die bisher größte klinische Langzeiterhebung zu Prostatakrebs, die sogenannte PREFERE-Studie.

Im April 2013 trafen Krebshilfe und DKG die Vereinbarung, künftig Die Blauen Ratgeber mit Krebsinformationen als Kooperationsprojekte beider Organisationen zu veröffentlichen und kostenlos abzugeben.

Seit Februar 2014 sind beide Organisationen gleichberechtigte Ausrichter des Deutschen Krebskongresses.

Im Oktober 2014 haben DKG und Deutsche Krebshilfe gemeinsam ihren Service für Patienten erweitert und den Beratungsdienst Infonetz Krebs bundesweit neu eingerichtet.[12]

Am 2015 neu erschienenen Ratgeber „Das Handbuch gegen Krebs“ haben 60 Experten der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe mitgewirkt. Durch Verzicht auf Autorenhonorar gehen zwei Euro je vertriebenem Buchexemplar als Spende an die Krebshilfe. Im gleichen Jahr stellte die Krebshilfe für diverse Kooperationen mit der DKG insgesamt 3,7 Millionen Euro Spendengelder zur Verfügung.[13] Im Geschäftsjahr 2016 stellte die Krebshilfe in Bonn weitere 3,7 Millionen Euro Fördermittel für neue Projektkooperationen mit der DKG bereit.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte. In: www.krebsgesellschaft.de. Abgerufen am 9. August 2016.
  2. Neue Führungsspitze. In: www.krebsgesellschaft.de. Abgerufen am 9. August 2016.
  3. Der Nationale Krebsplan stellt sich vor. (Memento vom 11. Januar 2012 im Internet Archive) Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit. Archivfassung.
  4. Certification for european cancer centres. In: www.krebsgesellschaft.de. Abgerufen am 2. August 2016.
  5. Leitlinienprogramm Onkologie
  6. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, erschienen im Dezember 2016
  7. Initiative Transparente Zivilgesellschaft
  8. Deutscher Krebskongress 2016 in Berlin
  9. 7. Krebsaktionstag 2016 in Berlin
  10. Brennpunkt Onkologie
  11. Grundlagenvertrag Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe
  12. Start „Infonetz Krebs“ – Gemeinsame Pressekonferenz vom 27. Oktober 2014
  13. Deutsche Krebshilfe Geschäftsbericht 2015, Seite 9 (Mittelverteilung)
  14. https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-uns/geschaeftsbericht/, 2016 Seite 57, abgerufen am 12. August 2017