Deutscher Raiffeisenverband

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Deutscher Raiffeisenverband
(DRV)
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Zweck Interessenvertretung der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft
Sitz Berlin / Brüssel
Gründung 18. November 1948
Präsident Manfred Nüssel
Geschäftsführer Dr. Henning Ehlers
Mitglieder 2.316
Umsatz 66,4 Milliarden Euro
Website www.raiffeisen.de

Der Deutsche Raiffeisenverband e.V. (DRV) ist Dachverband der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Er engagiert sich für die Interessen der 2.316 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Agrarhandel sowie Verarbeitung tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse, die zusammen im Jahr 2014 einen addierten Umsatz von mehr als 66,4 Mrd. Euro erzielten[1]. Die genossenschaftlichen Unternehmen sind fester Bestandteil der deutschen Agrarwirtschaft: Nahezu jeder Landwirt, Gärtner und Winzer ist Mitglied und damit Eigentümer einer Genossenschaft.

Aufgaben[Bearbeiten]

Als Wirtschaftsverband vertritt der DRV die Mitgliederinteressen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene gegenüber Politik, Administration, Wirtschaftspartnern und Öffentlichkeit. Ziel ist die praxisgerechte Ausgestaltung der wirtschafts- und agrarpolitischen Rahmenbedingungen. Als spartenübergreifender Bundesverband bündelt und formuliert der DRV die Erwartungen seiner Mitglieder und bringt sie in die politischen Beratungen und Gesetzgebungsverfahren ein.

Der DRV ist Berater und Dienstleister seiner Mitglieder in allen agrar-, wirtschafts-, und umweltpolitischen sowie steuerrechtlichen Fragen. Mit Marktanalysen unterstützt er seine Mitglieder bei der strategischen Ausrichtung auf die Anforderungen globalisierter Agrarmärkte.

Vor dem Hintergrund weitreichender struktureller Veränderungen in der genossenschaftlichen Unternehmenslandschaft gründete der DRV 2012 die Raiffeisen-Stiftung[2]. Die Stiftung fördert Projekte aus den Bereichen Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Wissenschaft und Forschung. Dadurch wird die Aus- und Weiterbildung insbesondere im ländlichen Genossenschaftswesen nachhaltig unterstützt.

Bedeutung der Raiffeisen-Genossenschaften[Bearbeiten]

Raiffeisen-Genossenschaften nehmen eine bedeutende Marktstellung in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft ein. Die DRV-Mitgliedsunternehmen sind verantwortlich für:

  • 66 Prozent der deutschen Milchverarbeitung,
  • 50 Prozent des Getreide- und Rapshandels,
  • 33 Prozent des Viehhandels sowie
  • 33 Prozent der Weinernte.

So handeln die Genossenschaften durchschnittlich 18 Mio. t Getreide und Raps im Jahr. Aus der Getreidemenge lassen sich rein rechnerisch 540 Mrd. Brötchen backen.

Darüber hinaus sind die Raiffeisen-Genossenschaften für die Agrarwirtschaft, aber vor allem für die Menschen im ländlichen Raum wichtige Dienstleister und Handelspartner. Sie versorgen Landwirte mit Düngemitteln, Saatgut und Agrartechnik. Eine Vielzahl an genossenschaftlichen Einzelhandels- und Baustoffmärkten sowie Tankstellen liefern Haus- und Gartenbedarf sowie Mineralöle und Brennstoffe an die Verbraucher insbesondere im ländlichen Raum.

Mit rund 82.000 Mitarbeitern und 4.250 Auszubildenden sind die Raiffeisen-Genossenschaften zudem ein attraktiver Arbeitgeber.

Geschichte[Bearbeiten]

Der DRV als Spitzenverband der ländlichen Genossenschaften wurde am 18. November 1948 in Wiesbaden gegründet.

Die Verbandsgeschichte setzte bereits rund 70 Jahre früher ein. Mit Gründung des "Anwaltschaftsverbandes der ländlichen Genossenschaften" im Jahr 1877 auf Betreiben von Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde die Basis für eine große Organisation geschaffen, die seit 1948 im DRV weiterlebt - unterstützt von genossenschaftlichen Banken und Verbundunternehmen.[3]

Die Gründungsväter des deutschen Genossenschaftswesens – Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Hermann Schulze-Delitzsch und Wilhelm Haas – arbeiteten parallel am Aufbau einer schlagkräftigen Genossenschaftsorganisation. Auch wenn sie gleiche Ziele verfolgten, hatten sie unterschiedliche Auffassungen über Inhalte und Organisationsformen. Dies führte dazu, dass die von ihnen gegründeten Bewegungen über viele Jahre hinweg unabhängig voneinander agierten. Erst 1930 gelang es Andreas Hermes, die damals 36.339 ländlichen Genossenschaften mit über vier Millionen Mitgliedern zusammenzuschließen. Es entstand der „Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften – Raiffeisen – e.V.“. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden die Genossenschaften „gleichgeschaltet“ und 1934 in den Reichsnährstand eingegliedert.[4]

Bereits kurz nach dem Kriegsende 1945 begannen in Westdeutschland Beratungen über die Neugründung eines genossenschaftlichen Spitzenverbandes. Sie mündeten 1948 in der Gründung des DRV. Widerstandskämpfer Andreas Hermes wurde erster Raiffeisen-Präsident.[5]

1972 kam es zur Neuordnung der ländlichen und der gewerblichen Genossenschaftsorganisation. Als Dachverband entstand der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV).[6] Unter seinem Dach sind neben den DRV die Spitzen- und Fachverbände der Kreditgenossenschaften, der gewerblichen Genossenschaften, der Konsumgenossenschaften sowie Unternehmen des genossenschaftlichen Verbundes organisiert.

Leitung[Bearbeiten]


Präsidenten


Generalanwälte / Geschäftsführer / Generalsekretäre

  • 1948 - 1953: Gottfried Meulenbergh
  • Mai - Nov.1953: Heinrich Lübke
  • 1953 - 1968: Dr. Gustav Klusak
  • 1968 - 1971: Dr. Rolf Schubert
  • 1972 -1992: Dr. Hans-Jürgen Wick
  • 1992 - 1997: Dr. Friedrich Bernhard Hausmann
  • 1997 - 2012: Dr. Rolf Meyer
  • seit 2012: Dr. Henning Ehlers


Weblinks[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.raiffeisen.de/verband/
  2. http://www.raiffeisen-stiftung.de
  3. Joseph Hönekopp: 100 Jahre Raiffeisenverband 1877-1977. Deutscher Raiffeisenverband (Hrsg.), Deutscher Genossenschafts-Verlag, Wiesbaden 1977, S. 31 – 38.
  4. Walter Arnold / Fritz H. Lamparter: Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Einer für alle – Alle für einen. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1985, ISBN 3-7751-1069-0, S. 133.
  5. Deutscher Raiffeisenverband (Hrsg.): Meilensteine 1948-1998. 50 Jahre Deutscher Raiffeisenverband e.V. Bonn 1998, S. 17-19.
  6. Rudolf Maxeiner / Dr. Gunter Aschhoff / Dr. Herbert Wendt: Raiffeisen. Der Mann, die Idee und das Werk. Deutscher Genossenschafts-Verlag, Wiesbaden 1988, S. 132f.