Diakonisse

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Diakonissen beim Verteilen von Carepaketen der Inneren Mission

Eine Diakonisse (weibliche Form von altgriechisch διάκονος diákonos ‚Diener, Knecht‘;[1] neugriechisch διάκονος ‚Diakon‘, διακόνισσα ‚Diakonin‘; spätgriechisch διακονίσσα diakoníssa; kirchenlateinisch diaconissa ‚[Kirchen-]Dienerin‘) ist eine Frau, die in einer evangelischen, verbindlichen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft (Schwesterngemeinschaft) lebt und im diakonischen Dienst tätig ist. Diakonissen leben in der Regel in einem Diakonissenhaus oder einer Diakonissenanstalt.

Merkmale und Besonderheiten des Diakonissendienstes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diakonissen verpflichten sich zu einem einfachen Lebensstil, Ehelosigkeit und Gehorsam. Maßgeblich für diese Maxime ist die jeweilige Ordnung der Gemeinschaft. Die Diakonissen werden dabei in einem Einsegnungsgottesdienst unter Handauflegung gesegnet. Sie tragen meist eine Tracht, die gewöhnlich aus einem dunkelblauen, grauen oder schwarzen Kleid, einer Schürze und einer weißen Haube oder einem weißen Schleier besteht.

Einzelne Schwesternschaften haben heute die Frage nach der Tracht unterschiedlich geregelt. So tragen manche Schwestern diese nur noch zu Anlässen der Schwesternschaft oder den kirchlichen Festen. Ebenso wurde die Vorschrift der Lebensgemeinschaft gelockert. Diakonissen moderner Prägung bekommen ein reguläres Gehalt für ihren Dienst und haben auch das Recht auf eine eigene Wohnung.[2]

Diakonissen werden von Mutterhäusern entsandt, denen sie ihr ganzes Leben verbunden bleiben. In den Stammhäusern wird auch die gegenseitige Kranken- und Altenpflege im Bedarfsfall sichergestellt.

Diakonissen sind vielfältig in den diakonischen Aufgaben der Kirche tätig: in Gemeinden, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Kindergärten, Horten und Kinderheimen, in der offenen Jugendarbeit, in Ausbildungsstätten und anderen diakonischen Bereichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Fliedner führte nach Kontakten mit den niederländischen Mennoniten und der englischen Reformerin der Gesundheitsfürsorge Elizabeth Fry 1836 in Kaiserswerth den Dienst der Diakonisse ein. Um die Diakonissen vor Angriffen zu schützen und um ihre Professionalität zu unterstreichen, gab er ihnen eine Uniform und stellte Richtlinien auf, die den Tagesablauf der Diakonissen strukturieren und reglementieren sollten. Die Lebensumstände von Frauen und die Motivation junger Frauen zu eigenständiger Arbeit im Kontext der Nächstenliebe waren Fliedner ein wesentliches Anliegen. So war im 19. Jahrhundert vielen Frauen neben der religiösen Motivation auch die Sicherung ihres Lebensunterhalts ein Motiv in den Diakonissendienst einzutreten. Mit der Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit trat diese Motivation jedoch in den Hintergrund.

Mit der allmählichen Entwicklung und Professionalisierung des Gesundheitswesens vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte eine stärkere Abgrenzung und Definition des Diakonissendienstes. Die Gründung des Kaiserswerther Verbandes im Jahr 1916 sowie die Herausgabe einer Zeitschrift "Die Diakonisse" zwischen 1926 und 1941 dokumentieren diese Entwicklung. In dieser Zeit wurde der Diakonissendienst als "biblisch begründete Hingabe" definiert, die sich nicht mit rationalen Begriffen und Gesetzgebungen fassen lasse. Nach 1945 rückte die Frage nach einer theologischen Qualifizierung stärker in den Fokus.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sebastian Kranich, Peggy Renger-Berka, Klaus Tanner (Hrsg.): Diakonissen – Unternehmer – Pfarrer. Sozialer Protestantismus in Mitteldeutschland im 19. Jahrhundert; Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009; ISBN 978-3-374-02686-9.
  • Ute Gause, Cordula Lissner (Hrsg.): Kosmos Diakonissenmutterhaus. Geschichte und Gedächtnis einer protestantischen Frauengemeinschaft; Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 20052; ISBN 3-374-02267-7.
  • Anne Kitsch: Wir sind so frei … Biographische Skizzen von Diakonissen; Bethel, Bielefeld 2001; ISBN 3-922463-98-3.
  • Silke Köser: Denn eine Diakonisse darf kein Alltagsmensch sein. Kollektive Identitäten Kaiserswerther Diakonissen 1836–1914; Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006; ISBN 3-374-02232-4.
  • Gerta Scharffenorth: Schwestern. Leben und Arbeit Evangelischer Schwestern; in: Kennzeichen, Band 10; Burckhardthaus, Offenbach am Main 1984; ISBN 3-7664-0111-4.
  • Leo Scheffczyk (Hrsg.): Diakonat und Diakonissen; EOS, Sankt Ottilien 2002; ISBN 3-8306-7119-9.
  • Daniela Schwegler, Susann Bosshard-Kälin: Unter der Haube – Diakonissen erzählen aus ihrem Leben; Huber, Zürich 2011, ISBN 978-3-7193-1567-2.
  • Anne Stempel-de Fallois: Von den Anfängen bis zur Gründung des Diakonissenmutterhauses Neuendettelsau (1826–1854); in: Diakoniewissenschaft, Band 2; Kohlhammer, Stuttgart 2001; ISBN 3-17-016266-7 (Zugleich Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg 1998).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deaconesses – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag / Hölder-Pichler-Tempsky, München, Wien 1965.
  2. Diakonisse werden: Leben. Website des Diakoniewerks RuhrWitten, abgerufen am 14. August 2016.
  3. Norbert Friedrich 100 Jahre Kaiserswerther Verband - eine historische Erinnerung, S.17 ff.; in: Kaiserswerther Verband Du stellst meine Füße auf weiten Raum Verlag Berlin Brandenburg 2016.