Phoibe (Bibel)

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Phoibe, Phöbe oder Phoebe (griech. Φοίβη) († Ende 1. Jahrhundert in Rom oder Korinth) ist eine Frau, die im Dienst der antiken christlichen Gemeinde von Kenchreä bei Korinth stand. Sie wird vom Apostel Paulus in dessen Brief an die Römer erwähnt (Röm 16,1 EU).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut den Angaben des Paulus war Phoibe diakonisch tätig, sie hat „vielen beigestanden“, auch dem Apostel selbst. Der Begriff „beistehen“ wurde in der Antike normalerweise als Rechtsbeistand begriffen. Daher könnte Phoebe Christen, die auf der Durchreise waren (Korinth war ein wichtiger Hafenstützpunkt), bei geschäftlichen oder gerichtlichen Erledigungen zur Seite gestanden haben. Angesichts der Stellung von Frauen in der Antike ist es erstaunlich, dass Paulus sie erwähnt, noch dazu in der hier zum Vorschein kommenden Bedeutung. Daher gilt sie vielfach als erste Frauengestalt der Kirchengeschichte von Bedeutsamkeit.

Phöbe wurde zudem als „Dienerin der Gemeinde in Kenchreä“ beschrieben, wobei „Dienen“ auch den Tischdienst umfasste, also das Beherbergen und Bewirten von durchreisenden oder notleidenden Menschen. Vielleicht hatte Phoibe auch einen Verkündigungsauftrag.[1][2]

In der theologischen Forschung wird gestritten, ob Phoebe möglicherweise die Überbringerin des Römerbriefes war. Denn Paulus erwähnt darin (V. 16,1f), dass Phoebe nach Rom komme, und bittet die römische Gemeinde um herzliche Aufnahme der Phoebe. Ob sie dort jemals angekommen ist, ist ungewiss.[3]

Reaktivierung des altkirchlichen Diakonissenamtes nach dem Vorbild der Phoibe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Friedrich Oberlin nutzte im Jahr 1791 das Vorbild der Phoebe von Kenchreä für seine umfassende Diakoniereform.[4]Phöbe stand zudem Patin bei der Reaktivierung des altkirchlichen Diakonissenamts durch Theodor Fliedner (1800-1864), dem Begründer des Kaiserswerther Diakonissenmutterhauses.[5][6]So legte Fliedner 1839 in § 1 der Hausordnung des Diakonissenmutterhauses fest: „Die Diakonissen haben nach apostolischer Gemeinde-Ordnung den Beruf, wie Phöbe am Dienst der Gemeinde zu Kenchrea (Röm. 16,1) unseren Christengemeinden zu dienen ...“[7][8]Von Friedrich Klönne (1794-1834) stammte von protestantischer Seite aus im Jahr 1820 der Vorschlag, die Vaterländischen Frauenvereine der Gemeinde im Sinne des altkirchlichen Diakonissenamtes zu gestalten.[9] Im Kampf um das Evangelium standen Paulus auch zwei Frauen der Gemeinde in Philippi bei, Euodia und Syntyche.[10]Auch Thekla von Iconium wird als Unterstützerin des Apostel Paulus genannt.[11]

Phoibe wird als Heilige verehrt; ihr Gedenktag für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika ist der 27. Januar, für die Lutherische Kirche - Missouri-Synode der 25. Oktober und für die Römisch-Katholische sowie die Orthodoxe Kirche der 3. September. Sie soll entweder in Rom oder Korinth gestorben sein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Luise Schottroff: Dienerinnen der Heiligen. Der Diakonat der Frauen im Neuen Testament, in: Gerhard K. Schäfer und Theodor Strohm (Hrsg.): Diakonie - biblische Grundlagen und Orientierungen. Ein Arbeitsbuch zur theologischen Verständigung über den diakonischen Auftrag, Veröffentlichungen Diakoniewiss. Institut Heidelberg 1990.
  2. Lic. Dr. Gerhardt, Diakonissenmutterhaus Düsseldorf-Kaiserswerth: Kurzer Überblick über die Geschichte der weiblichen Diakonie, in: Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen=Mutterhäuser (Hrsg.): 1836-1936 Hundert Jahre Mutterhausdiakonie. Eine Handreichung für evangelische Pfarrer und Religionslehrer, Vereinsdruckerei Potsdam 1936, S. 18-20.
  3. Michael Theobald: Die biblischen Frauen Junia und Phoebe. Ohne Heimatrecht in der röm.-kath. Kirche?, in: Katholisches Sonntagsblatt Nr. 13, 25. März 2012. PDF Junia und Phoebe ohne Heimatrecht?
  4. Gerhard K. Schäfer (Hrsg.): Die Menschenfreundlichkeit Gottes bezeugen. Diakonische Predigten von der Alten Kirche bis zum 20. Jahrhundert, Johann Friedrich Oberlin 1791 Predigt zu Epheser 5,1.2. (»Je vous recommande notre soeur Phoebé, qui est Diakonisse de l'Eglise de Cenchrée«), Heidelberger Verlagsanstalt 1991, S. 305-313. ISBN 3-89426-030-0
  5. Christine R. Auer: Geschichte der Pflegeberufe als Fach. Die Curricular-Entwicklung in der pflegerischen Aus- und Weiterbildung, Dissertation am Institut für Geschichte der Medizin, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Akademischer Betreuer Wolfgang U. Eckart, Heidelberg 2008, zur altkirchlichen Tradition der Phöbe zu Kenchreä S. 116-117.
  6. Christoph Schweikardt: Die Entwicklung der Krankenpflege zur staatlich anerkannten Tätigkeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Das Zusammenwirken von Modernisierungsbestrebungen, ärztlicher Dominanz, konfessioneller Selbstbehauptung und Vorgaben preußischer Regierungspolitik, Martin Meidenbauer Verlag München 2008, S. 64. ISBN 978-3-89975-132-1. Online Ressource RUB
  7. Paul Philippi: Die Vorstufen des Modernen Diakonissenamtes (1789-1848) als Elemente für dessen Verständnis und Kritik. Eine Motivgeschichtliche Untersuchung zum Wesen der Mutterhausdiakonie, Habilitationsschrift Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Neukirchener Verlag 1966, Übersetzung der französischen Quellenstücke I-IV über Oberlins Diakonissenamt, Phöbe S. 243; Fliedners Hausordnung Phöbe S. 182. Philippi: Vorstufen Diakonissenamt
  8. Anna Sticker: Die Entstehung der neuzeitlichen Krankenpflege. Deutsche Quellenstücke aus der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, Kohlhammer Stuttgart 1960, S. 243.
  9. Friedrich Klönne: Über das Wiederaufleben der Diaconissinnen der altchristlichen Kirche in unsern Frauenvereinen, Barth Leipzig 1820.
  10. Euodia und Syntyche, abgerufen 20. August 2016.
  11. Wolfgang U. Eckart: Geschichte der Medizin, Springer Lehrbuch Berlin, Heidelberg, 1. Aufl. 1990, Apostel Paulus S. 83; Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, 7. Aufl. Springer Lehrbuch, Berlin, Heidelberg, 2013, Apostel Paulus S. 51. Lehrbuch ISBN 978-3-642-34971-3, Lehrbuch Online ISBN 978-3-642-34972-0. Geschichte, Theorie und Ethik Medizin 2013