Didier Raoult

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Didier Raoult (* 1952 in Dakar) ist ein französischer Mediziner, Mikrobiologe und Infektiologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Didier Raoults Vater war Militärarzt in Dakar, seine Mutter Krankenschwester. Als Jugendlicher war Didier Raoults ein aufsässiger, schlechter Schüler, der mehrere Klassen wiederholte. 1968 verließ er in der vorletzten Klasse das Lycée. Er heuerte auf einem Passagierschiff Renaissance an, legte anschließend als freier Kandidat das Baccalauréat littéraire[1] ab, versuchte sich eine Zeitlang an der chinesischen Sprache, fuhr erneut zur See und nahm schließlich ein Studium der Medizin auf – das einzige Studium, das sein Vater bereit war, finanziell zu unterstützen. Seinen Dienst als Assistenzarzt absolvierte er binnen acht Monaten. Seinen Militärdienst leistete er als Arzt auf Tahiti ab. In dieser Zeit begann er, sich auf Infektionskrankheiten zu spezialisieren. Anschließend arbeitete er auf einer Postdoktorats-Stelle in den USA, schlug dort jedoch ein attraktives Stellenangebot aus. Stattdessen gründete er 1983 in Marseille am Hôpital de la Timone ein Labor zur Erforschung der Rickettsien.

Das Labor am Hôpital de la Timone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu jener Zeit war das Forschungsinteresse an Infektionskrankheiten nicht sehr ausgeprägt, und seinen eigenen Worten zufolge konnte er sich rasch einen Namen machen. Seitdem hat das Labor fast 100 neue Pathogene identifiziert, beschrieben und sequenziert. Es zählt inzwischen rund 140 Mitarbeiter und ist ein weltweit angesehenes Zentrum für Krankheiten wie die Coxiellose und die Whipple-Krankheit. Patienten aus der ganzen Welt suchen dort Rat; zwischen 10.000 und 15.000 Blut- und Gewebeproben aus der ganzen Welt werden jährlich zur Analyse eingereicht.

Forschungsergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Didier Raoult hat rund 1.300 Arbeiten veröffentlicht. Besonderen wissenschaftlichen Ruhm verdankt er einer Reihe von aufsehenerregenden Entdeckungen. 2004 veröffentlichte er in Science den Bericht über die DNA-Sequenz des Mimivirus,[2] die sein Labor in Zusammenarbeit mit dem Marseiller Genomlabor von Jean-Michel Claverie ermittelt hatte. 2008 veröffentlichten Mitarbeiter seines Teams in Nature den Bericht über die Entdeckung des Sputnik-Virus, eines parasitären Begleitvirus: Es kann sich nur in Gegenwart des Mimivirus vermehren.[3] Das Sputnik-Virus ist das erste Beispiel einer solchen abhängigen Vermehrung zwischen zwei marinen Virusarten. Eine weitere Art von Riesenviren, das Marseillevirus, wurde 2009 an seinem Labor entdeckt.

2010 wurde Didier Raoult für seine Forschungen mit dem Großen Preis des Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) ausgezeichnet.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Didier Raoult ist mit einer Psychiaterin verheiratet. Beide Töchter haben ebenfalls die Medizin als Berufsweg gewählt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Le Hir: Chasseur de microbes. Le Monde, 20. November 2010, S. 18.
  • Hilmar Schmundt: Reise durchs Land Liliput. Der Spiegel, 6. Oktober 2008

Einzelnachweise und Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in etwa entsprechend einem Abitur mit sprachlich-philosophischem Schwerpunkt
  2. Raoult, D; Audic, S; Robert, C; Abergel, C; Renesto, P; Ogata, H; Scola, B; Suzan, M et al. (2004): The 1.2-megabase genomic sequence of Mimivirus. Science 306: 1344–50.
  3. La Scola, B; Desnues, C; Pagnier, I; Robert, C; Barrassi, L; Fournous, G; Merchat, M; Suzan-Monti, M et al. (2008): The virophage is a single parasite of the giant mimivirus. Nature 455: 100–4.