Die Pest zu London

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Erstausgabe des Buches von 1722

Die Pest zu London (Original: A Journal of the Plague Year) ist ein Buch von Daniel Defoe, das 1722 in Form eines fiktiven Berichts erschien. Es handelt von Ereignissen während der Großen Pest von London im Jahr 1665 und zählt zu den großen Pest- und Seuchen-Erzählungen der Weltliteratur.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Pest zum vierten Mal im 17. Jahrhundert die Stadt an der Themse heimsuchte, sollte es die verheerendste Epidemie seit dem ersten Auftreten der Seuche auf den Britischen Inseln werden, dem Schwarzen Tod in der Mitte des 14. Jahrhunderts. London glich einem Hexenkessel. Quacksalber und Beutelschneider nutzten ungeachtet der puritanischen Sittenstrenge die Gunst der Stunde, um die Not der Menschen in klingende Münze zu verwandeln. Hysterischer Aberglaube, verheerende Arbeitslosigkeit, Lug und Trug waren die Begleiterscheinungen eines Massensterbens, dem rund 100.000 Menschen zum Opfer fielen.

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine in zahlreichen früheren journalistischen Arbeiten erprobte Reportagetechnik hatte Defoe schon in seinem Roman Robinson Crusoe zum Erzählstil erhoben. Die realistische Darstellung eines fiktiven Geschehens nicht nur als erfahrbare, sondern als bereits erfahrene Wirklichkeit war seine große Stärke. Erzählt und im Sinne puritanischer Selbstkontrolle reflektiert aus der Perspektive eines tätigen Helden, ist es Defoe nicht nur in seinen Abenteuerromanen, sondern vor allem in seinem Bericht über das Londoner Pestjahr gelungen, bei seinem Publikum höchste Glaubwürdigkeit zu erzielen – aufbauend auf genauen Recherchen, schriftlichen Quellen und Augenzeugenberichten, die er kunstvoll durch eigene Erfahrungen ausschmückte. Protagonist ist ein Londoner Kaufmann, der trotz der Gefahr in der Stadt bleibt und seine Beobachtungen und Erfahrungen den hysterischen Gerüchten über die Gefahrenzone entgegensetzt.[1] Das Buch wurde über einen längeren Zeitraum für authentisch gehalten, so als sei Defoe selbst dabei gewesen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Defoe erlebte die Große Pest im Alter von fünf Jahren in seiner Geburtsstadt London. Vermutlich dienten ihm die Aufzeichnungen seines Onkels, der die Pest hautnah miterlebt hat, als Grundlage.[1]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Defoe: Die Pest zu London. Übersetzung von Werner Barzel, Nymphenburger, München 1987. Als Taschenbuch auch bei Ullstein, Frankfurt am Main 1996.
  • Daniel Defoe: Die Pest zu London. Hörspiel. Sprecher Gert Westphal, Hörspielbearbeitung von Sebastian Goy, herausgegeben von Radio Bremen, CD, Audioverlag, Berlin 2002, ISBN 3-89813-182-3.
  • Daniel Defoe: A journal of the plague year, ISBN 0486419193 (englische Ausgabe aus dem Jahr 2001).
  • Daniel Defoe: Die Pest in London. Übersetzung von Rudolf Schaller, Jung und Jung, Salzburg 2020, ISBN 978-3-99027-249-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Die Pest zu London von Daniel Defoe – Klassiker der Seuchenliteratur. Sigrid Löffler im Gespräch mit Andrea Gerk, ein Beitrag im Deutschlandfunk vom 17. März 2020, abgerufen am 7. Juni 2020.