Die Schwarze Botin

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Die Schwarze Botin
Beschreibung feministische Zeitschrift
Sprache deutsch
Verlag Frauenbuchvertrieb (Berlin)
Erstausgabe 1976
Einstellung 1987
Erscheinungsweise unregelmäßig, ca. 3x jährlich
Herausgeberin Brigitte Classen,
Gabriele Goettle
ZDB 42373-7

Die Schwarze Botin war eine feministische Zeitschrift. Mit ihrem Ansatz radikaler Gesellschaftsanalyse wird sie häufig anarchistischen bzw. anarcha-feministischen Strömungen im deutschsprachigen Bereich zugerechnet. Sie erschien von 1976 bis 1987 unregelmäßig in West-Berlin in insgesamt 33 Nummern. Die Auflage erreichte 1976 eine Zahl von 3000 Exemplaren.[1] Die Herausgeberinnen waren zunächst Brigitte Classen und Gabriele Goettle[2] und von 1983 bis 1987 Branka Wehowski und Brigitte Classen gemeinsam mit Marina Auder als Verlegerin. Zusätzlich wurden Redaktionen in Wien (Elfriede Jelinek) und Paris (Redaktion Marie-Simone Rollin) eingerichtet.

Inhaltlich beschäftigte sich die Zeitschrift mit radikaler Herrschaftskritik und dissidenter Literatur. In ihr erschienen unter anderem Arbeiten von Elfriede Jelinek, Christa Reinig, Gerburg Treusch-Dieter und Gisela von Wysocki.[2]

Die Schwarze Botin löste mit ihren Veröffentlichungen grundlegende Kontroversen in der sich formierenden neuen Frauenbewegung Westdeutschlands aus. Diese führten im Jahr 1977 zu unüberbrückbaren Gräben zwischen ihren verschiedenen Strömungen und zu Boykottaufrufen zunächst gegen die Zeitschrift Emma, später gegen Die Schwarze Botin selbst.[2] Nach Veröffentlichung der Gründungspläne für die Emma durch Alice Schwarzer 1976 hatte Die Schwarze Botin den universalen Vertretungsanspruch (der Gruppe der Frauen) kritisiert, den Schwarzer für sich und ihre Zeitschrift erhob.[3] Der Spiegel zitierte zudem Classen und Goettle mit dem Satz, zwar wolle man „Frau S.“ eine „gewisse journalistische Fertigkeit und das echte Anliegen“ nicht absprechen, doch „marktfreundlicher Journalismus“ und die Interessen der Frauenbewegung seien letztlich unvereinbar.[1]

Gabriele Goettle stellte der ersten Ausgabe der Zeitschrift einen Artikel voran, der eine radikale Kritik am Mythos und der Identitätsbeschwörung „der Frau“ in der Frauenbewegung enthielt[2] und die Ziele der Botin als satirische Zeitschrift formulierte. Das Insistieren der Frauen auf Aggressionslosigkeit, Weichheit und frauenspezifischem Denken habe zur Folge, dass

„die Konflikte nur da festgestellt werden, wo durch ihre Lösung keine Kollision mit der patriarchalischen Macht entsteht. Frauen hüten sich immer noch, in einen „falschen“ Verdacht zu geraten, der ihnen den allgemeinen Kredit untergraben könnte. Der Eindruck braver Fortschrittlichkeit und Emanzipation wird belohnt, indem man den eifrigen Gehversuchen im Reservat dubiose Ehrungen spendet. Die Frauen hatten es ja auf das verständnisinnige Wohlwollen der Männer zwar überhaupt nicht abgesehen, erzeugten es aber durch einen Verzicht auf eine klare Kampfposition. [...] Wir erwarten nicht, daß unsere Botschaften Inhalt neuen Frauenfühlens werden, wir haben im Gegensatz die Absicht, von unserer Neigung zur Konsequenz den rücksichtslosesten Gebrauch zu machen.“[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carola Hilmes: Klassikerin zur Wiedervorlage. Geschichte der „Schwarzen Botin“ als Avantgarde des Feminismus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Oktober 2016, Nr. 232, S. N3.
  • Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 114. (Online)
  • Catherine Ley, Katrin Locker, Gregor J. Rehmer: Courage, Emma und Die Schwarze Botin – Einigkeit in Differenz? In: Die Philosophin 16. Jahrgang, Ausgabe 32 (Feministische Zeitschriften. Tradierung und Geschichte), Dezember 2005, S. 43-58.[1]
  • Die Schwarze Botin: Schleim oder Nichtschleim, das ist hier die Frage. In: Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 114-116. (Online)
  • Der Spiegel: Frauen-Presse: Kampf um Emma. Vom 29. November 1976, Heft 49/1976. (Online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Spiegel: Frauen-Presse: Kampf um Emma. Vom 29. November 1976, Heft 49/1976 (Online).
  2. a b c d Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 114. (Online).
  3. Catherine Ley, Katrin Locker, Gregor J. Rehmer: Courage, Emma und Die Schwarze Botin – Einigkeit in Differenz? In: Die Philosophin 16. Jahrgang, Ausgabe 32 (Feministische Zeitschriften. Tradierung und Geschichte), Dezember 2005, S. 43-58, hier: S. 43.
  4. Die Schwarze Botin: Schleim oder Nichtschleim, das ist hier die Frage. In: Ilse Lenz (Hrsg.): Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Ausgewählte Quellen. 2., aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17436-5, S. 114-116, hier: S. 115. (Online)